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Von Ernestine Nicolussi Smyth
#Me Too!
Es werden nur Texte von über 10 Seiten publiziert.
Zurzeit sind 275 Biographien in Arbeit und davon 136 Biographien veröffentlicht.
Vollendete Autobiographien: 59
 
Ernestine Nicolussi Smyth
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Verzeichnis

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Vorwort
1.
Au-pair in der Schweiz
1.1.
Von zu Hause weg
1.2.
An der Schweizer Grenze
1.3.
Am Ziel angekommen
1.4.
Der erste Au-pair Tag
1.5.
Anmeldung bei der Fremden Polizei
1.6.
Erste Entäuschung – keiner spricht Französisch
1.7.
Erste Begegnung mit Dorfbewohner
1.8.
Besuch bei Inge
1.9.
Eine schockierende Entdeckung
1.10.
Sollte zuerst Schweizerdeutsch lernen
1.11.
Patron verkauft Nazi Medaillen und Christine bekommt einen Maibaum
1.12.
Christine trifft Hans und die neue Kellnerin kommt
1.13.
Die Schwester von Hans erzählt
1.14.
Katrin
1.15.
Reise nach Lausanne
1.16.
Picknick mit Folgen
1.17.
Abfahrt ins Schullager
1.18.
Erste Annäherung
1.19.
Küchenmaschinen Vorführung
1.20.
Versuchte Vergewaltigung
1.21.
Jetzt nichts wie weg
1.22.
Rapport an den Polizeibeamten
1.23.
Notfallstation
1.24.
Suche nach Unterkunft
1.25.
Bei der Fremdenpolizei
1.26.
Die Aussage von Wirt
1.27.
Neue Au-pair Stelle
1.28.
Christine landete bei der Stellenvermittlung
1.29.
Lehrstelle bei der Bäckerei
1.30.
Zurück in Österreich
1.31.
Wieder in Bern
1.32.
Stefan, der Traummann?
1.33.
Christine und Milly in Salzburg
1.34.
Beginn der Hauswirtschafts Lehre
1.35.
Karl und Vera
1.36.
Fehlgeburt
1.37.
Die Suche nach Stefan
1.38.
Uriella, lesbische Begegnung
1.39.
Karl
1.40.
Erster Zahltag
1.41.
Bäckereichef Herr Iseli
1.42.
Stefan verweigerte jeden Kontakt
1.43.
Mit Karl nach Kufstein
1.44.
Karl‘s Familie
1.45.
Besuch bei Karl‘s Tante und Onkel in Wörgel
1.46.
Abreise von Kufstein
1.47.
Arbeitsuche für in den Service
1.48.
Abschluss des Lehrjahrs
1.49.
Unterkunft
1.50.
Kein Arbeitszeugnis
1.51.
Neue Arbeit am Buffet
1.52.
Stellen Wechsel
1.53.
Sonntag 14:00h beim Springbrunnen.
1.54.
Tea-room in Wabern
1.55.
Reise nach England
2.
Au-pair in der Schweiz 2
2.1.
Gerrys Verlobte Hanelore
2.2.
Au-pair Alice kam, Dorli ging.
2.3.
Laura
2.4.
Besuch bei Familie Weiss.
2.5.
Modell Agentur
2.6.
Besuch bei Herbert
2.7.
Der letzte Tag mit Karl
2.8.
Alices russischer Freund Boris, ein Krimineller?
2.9.
Maria Callas, Konzert in Covent Garden
2.10.
South Pacific
2.11.
Tag der Abreise zurück in die Schweiz
2.12.
Ankunft in Bern
2.13.
Unterkunft bei der Italienerin
2.14.
Arbeit im Service
2.15.
Die kranke Mutter
2.16.
Weihnachten in Tirol
2.17.
Christine zurück in Bern
2.18.
Silvesterball
2.19.
Hellenes Geschichte
2.20.
Emmanuels Flucht
2.21.
Wohnungs suche für Rita
2.22.
Karl zurück in Bern
2.23.
Studio Möbelieren
2.24.
Renato tanzt Ballett
2.25.
Charlotte wurde angestellt
2.26.
Emmanuel liegt im Sterben
2.27.
Charlotte hat Neuigkeiten
2.28.
Christine gebar ihr erstes Kind
2.29.
Simone, ein Schrei Baby
2.30.
Karls Kündigung
2.31.
Kurz vor Weihnachten in Tirol
2.32.
Traudls neuer Freund
2.33.
Besuch vom Theologie Professor
2.34.
Simones Taufe
2.35.
Ein kalter Januar
2.36.
Charlottes Verhältnis zu ihrem Chef
2.37.
Christine ging wieder arbeiten
2.38.
Christines zweite Schwangerschaft
2.39.
Schicks Kündigung
2.40.
Das Baby boxt im Bauch
2.41.
Not Operation
2.42.
Aus dem Spital entlassen
2.43.
Besuch von Karls Schwester Traudl und Verlobten
2.44.
Frau Schick in Nöten
2.45.
Frau Schick meldete sich zurück
2.46.
Ferien auf Malorca
2.47.
Zurück im Alltag
2.48.
Die violette Rose
2.49.
Christines erstes Auto
2.50.
Christines zweites Angebot als Modell zu arbeiten
2.51.
Christine und das Wirte Patent
2.52.
Ferienzeit
2.53.
Suche nach den Vermissten
2.54.
Neue Arbeitsstelle
2.55.
Pierres Beerdigung
2.56.
Christine fügte sich dem Schicksal
2.57.
Arbeiten im Hotel Bellevue-Palace
2.58.
Der Schritt zum Modell
2.59.
Arbeiten an Messen
2.60.
Nach vielen Jahren die Wende
Vorwort
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  Vorwort

Autobiographie von "Christine" alias Ernestine Nicolussi Smyth.
Geboren in Österreich am 7. April 1939 als sechstes Kind von zwölf.

#Me Too! Kann man auch als Fortsetzung der bereits erschienen Familien Biographie/Historie durch 5 Generation betrachten: "Christine ALLE MEINE MUETTER" welches auch in Englisch mit dem Titel: "Aristocrash" erhältlich ist. Die Autobiographie setzt sich fort als "Christine" mit 17 Jahren in die Schweiz einreiste. (Mehr Information: www.ernestine-nicolussi-smyth.ch)



(1) Aristocrash front cover

Aristocrash front cover

 
(2) Christine front cover

Christine front cover

Wegen der bereits existierenden Biographie, "Christine ALLE MEINE MUETTER", ist die Fortsetzung, #Me Too!, weiterhin in dritter Person von mir geschrieben worden. Ich habe meinen eigenen Namen nicht benutzt weil, mir das Schreiben der Geschichte dadurch leichter fiel.



(3) #Me Too! front cover

#Me Too! front cover
 


 

Au-pair in der Schweiz
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1.  Au-pair in der Schweiz

#Me Too!

Christine wollte unbedingt Französisch lernen, in ihrer Situation war das nur als Au-pair in der französischen Schweiz möglich.

Ein Zeitungsinserat zeigte genau das, was sie suchte:
Gelegenheit Französisch zu lernen.

Christine bewarb sich und bekam eine positive Antwort, worüber sie fast ausflippte vor Freude. Das Datum war auch schon fix, bald nach ihrem 17. Geburtstag.


Von zu Hause weg
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1.1.  Au-pair in der Schweiz – Von zu Hause weg.

Die Zeit der Abreise in die Schweiz kam näher. Alle nötigen Papiere hatte Christine beisammen. Vier Kleidungsstücke und ein Paar Schuhe das meiste auf Abzahlung gekauft. Sie hatte das Geld für den Zug zweiter Klasse, dritte Holzbank-Klasse gab es in diesen Zug nicht. Ihr Bruder Reinhard meinte, sie solle wenigstens im Liegewagen fahren, es sind ja immerhin weit über 1'000 Kilometer, doch sie wollte nicht alles Geld für die Fahrt verbrauchen. Sie sparte, wo sie konnte und meinte: „Wer weiss, was alles auf mich zukommt!“ Der Abschied fiel ihr leicht. Eigentlich freuten sich alle mit ihr, dass sie es geschafft und den Mut hatte, ins Ausland zu gehen. Jeder umarmte sie, nur ihren Vater und ihre Mutter musste sie an sich ziehen, um ihnen einen Abschiedskuss auf die Wange geben zu können. „Schreib uns, wenn du angekommen bist“, hörte sie noch sagen.

Ohne das jemand sie begleitete, ging sie mit ihrem grauen, kartonierten Koffer und ihrer schwarzen Handtasche und einer Jacke am Arm, zum Bahnhof. Als sie dann so allein im fahrenden Nachtzug am Fenster sass, kollerten Tränen über ihr Gesicht. War es Trauer oder war es Freude? Sie wusste es selber nicht genau.

Ganz früh am Nebel verhangenen Morgen stiegen in Feldkirch Zöllner und Grenzkontrolleure ein. „Etwas zu verzollen?“ Taschen und Koffer wurden geöffnet und kontrolliert. „Alle Pässe, Visa vorzeigen!“ Christine zeigte ihren Pass und ihre Papiere. „In Buchs aussteigen!“ Der Grenzkontrolleur behielt ihren Pass, steckte die Aufenthaltsbewilligung und das Arztzeugnis zwischen die Seiten. Christine ging in die stinkende Toilette, um sich ein wenig in dem fast blinden Spiegel zurechtzumachen. Männer kamen mit Kübeln und Putzutensilien. Sie musste die Toilette verlassen und auf ihren Platz zurückkehren. Schliesslich befand sie sich jetzt in der Schweiz, wo alles sauber sein musste.

An der Schweizer Grenze
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1.2.  Au-pair in der Schweiz – An der Schweizer Grenze.

In Buchs stiegen viele Leute aus südlichen Ländern, meist Italiener aus. Der Grenzkontrolleur rief: „Alles mir nach!“ Sie gingen in ein Gebäude. „Frauen in dieser Abteilung!“ Da standen sie in einer Reihe, jede bekam das Arztzeugnis zurück. Einzeln mussten sie vor einen Arzt hintreten, den Mund weit öffnen und „AAA“ sagen. Dann sich oben freimachen und in einen Röntgenkasten steigen. Es gab einen Stempel aufs Arztzeugnis und anschliessend einen anderen in den Pass, nicht alle konnten jetzt in Schweizer Zügen weiterfahren, waren sie krank oder fehlte ein Dokument, so wurden sie zurückgewiesen.
Christines Zug stoppte in Sargans wo Hans, ein Schweizer Ex-Fremdenlegionär, den Christine in Vorderberg noch kurz kennengelernt hatte, zusteigen sollte, so war es abgemacht! Christine lehnte sich zum Fenster hinaus und suchte den Bahnsteig ab. Der Zug fuhr weiter, von Hans keine Spur. Enttäuscht setzte sie sich wieder hin, doch nach ein paar Minuten stand er plötzlich strahlend vor ihr. Er hatte ein markantes Gesicht und für sein Alter eine gute Figur. Zwischendurch sprach er aus Spass ein paar Wörter auf Französische, sie lachten viel zusammen.
Hans wollte ihr unbedingt noch seine Heimatstadt Näfels zeigen und sie mit seiner Familie bekannt machen.
Die Reise ging dem Walensee entlang, wo sich die aufgehende Sonne im Wasser spiegelte, es war wunderschön, genau so stellte man sich die Schweiz vor.
Es ging nicht lange, da kamen sie in Näfels an.

Bei Hans zu Hause wurden sie schon von seiner Familie erwartet. Ein Topf mit Essen stand auf dem Tisch, in der Stube gingen die grösseren Männer gebückt umher, weil die Holzdecke so niedrig war. Überall lagen verstreut religiöse Hefte herum, an den Wänden einige Heiligen Bilder und ein riesiges Kruzifix. Als alle am Tisch sassen, wurde Brot herumgereicht, Christine nahm eine halbe Scheibe, brach ein Stück ab und schob es in den Mund. Sie hatte nicht gleich bemerkt, dass alle ihr Brot neben dem  Teller legten und auf das Tischgebet warteten. Sie hielt die Hand vor den Mund und tat so, als würde sie es wieder herausnehmen können. Nach dem Frühstück zeigte Hans ihr die kleine Altstadt, doch bald drängte Christine zur Weiterfahrt, denn sie wollte noch am Abend ihre Au-pair-Stelle antreten.

Auf den Weg zurück zum Bahnhof fragte sie Hans, ob sie Katholisch seien? „Nein, nein, da kommst du nie drauf, das ist eine besondere Glaubensgemeinschaft mit vielen Mitgliedern auch in Nord und Südamerika verbreitet.“
Hans verabschiedete sich von Christine mit einem starken Händedruck: „Wann sehen wir uns wieder?“ „Du kannst mich ja besuchen kommen, wenn du willst, die Adresse hast du ja!“ Lächelte sie ihn bei der Abfahrt neckisch zu.
Während der Fahrt, überkam Christine ein wunderbares Gefühl der Freiheit die sie ab jetzt, wie sie sich das vorstellte, geniessen werde!


 

Am Ziel angekommen
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1.3.  Au-pair in der Schweiz – Am Ziel angekommen.

Die Reise ging nun weiter an ihr Ziel, als Au-pair in einem Haushalt, doch am wichtigsten war ihr die Gelegenheit Französisch zu lernen, so wie es im Inserat geschrieben stand. Bei sich hatte sie ein kleines französisches Lexikon, suchte die Wörter raus, die sie unterwegs auswendig lernte.
Umsteigen und nochmals umsteigen, sie kam sich vor im falschen Zug zu sitzen, fragte daher immer nach, ob es richtig sei.
Endlich angekommen! Es wurde schon langsam dunkel. Die Bahnstation war ziemlich klein, kein Mensch ringsum ausser dem Stationsvorsteher, der gerade verschwinden wollte. „Entschuldigung! Wo finde ich das Restaurant „Kreuz“? Ich habe telefoniert und Bescheid gesagt, wann ich ankomme, ich dachte, mich holt jemand ab?“ „Ja da hast du falsch gedacht! Dort gibt es heute ein Frühlingsfest, da kann keiner weg. Laufet die Strasse hier uffe dann ghöret dir schon die Musik, dort ist es dann!“ Er hatte Mühe Hochdeutsch zu sprechen, wahrscheinlich spricht er mehr Französisch oder klingt so Schweizerdeutsch, dachte sie.

Die Strasse war steil und dunkel, ganz selten fuhr ein Auto vorbei. Ihr Koffer fühlte sich immer schwerer an, sie musste auch ihre Schuhe wechseln, weil sie die meiste Zeit auf Kieselsteine am Strassenrand lief. Fussgängerweg gab es keinen.

Endlich! Ländler Musik war zu hören, also muss es hier sein. Das Gebäude sah aus wie ein Bauernhof, sie trat ein und stand in der Diele. Eine Stiege ging in den ersten Stock von, wo die Musik herkam, also ging sie die Treppe hinauf und öffnete die Tür, da stand sie direkt hinter der Theke. Ein rundliches Bauerngesicht begrüsste sie mit: „Grüesech! sid ihr guet greist? D' Serviertochter wird dir dis Zimmer zeige, wo du schlafe, kannst, muesch e chli warte!“ Der Mann hat sich nicht einmal vorgestellt.

Christine hatte Hunger und Durst, fragte, ob sie ein Glas Wasser haben könnte und wo die Toilette sei? Er stülpte ein Glas über eine Bürste, die im nicht gerade sauberen Wasserbecken in der Mitte befestigt war und füllte es ihr mit Wasser aus dem Wasserhahn. Sie nahm nur einen kleinen Schluck. Zur Toilette musste sie durch den Saal gehen, wo die Gäste sie anstarrten, sie versuchte nicht links und rechts zu schauen. Dort angekommen warteten kichernde, meist in ländlichen Trachten, Frauen in einer langen Reihe, um die eine Toilette benutzen zu können. Jede hielt ein Stück Papier in der Hand, zu ihrem Glück war sie auch gewohnt Toilettenpapier in ihrer Tasche zu haben. Dann endlich. Oh mein Gott! Das Waschbecken war rostig und der Wasserhahn tropfte vor sich hin. Ein kleines, verschmiertes Stück Seife lag in einer Schale aus Blech, das schief an die Wand genagelt war. Das einzige Handtuch am Hacken war schon grässlich durchnässt. Christine hielt ihre Hände unter den Wasserhahn, schüttelte sie, und ging in den Saal zurück. Ein junger Mann stand auf und hielt sie am Arm zurück. „Jetzt tanzet mir eis!“ Christine drehte sich ein paar mal, um loszukommen, was ihr auch gelang. An seinem Tisch lachten die Leute ihn anschliessend aus.
Christines Magen knurrte und sie war müde. Da endlich kam die Kellnerin und zeigte ihr das Zimmer oben im Dachboden. Es war eine schräge Kammer mit einer hängenden Glühbirne in der Mitte und einen Ofen, den man heizen könnte, ein Kleiderkasten und ein Bettkasten an der Holzwand.
„Ich schlaf grad nebenan, wenn was brauchst, klopfst einfach. Ich bin auch Österreicherin, morgen reden wir weiter, gute Nacht!“ Und weg war sie. Christine schaute sich noch ein wenig um, öffnete die Tür und erspähte etwas weiter hinten Speck und Würste hängen. Sie lief auf Zehenspitzen hin und holte eine hart getrocknete Wurst herunter. Zurück in ihrer Kammer, biss sie hinein, um die Wursthaut herunter zu schälen und ass die Wurst mit grossen Appetit. Christine schlich nochmals herum, um zu sehen, an welcher Seite die Kellnerin hauste? Links und rechts von ihrer Kammer war eine Tür, die eine war geschlossen und die andere liess sich öffnen. Neugierig schaute sie sich um, der Mond leuchtete in die Kammer der Kellnerin, an der Wand standen ein paar Liter Flaschen mit der Aufschrift “Orangina.“ Da Christine durstig war, nahm sie, ganz ungeniert, eine Flasche mit.

Wo kann man sich hier waschen? Wo ist die Toilette? Eine Waschschüssel stand in einer Ecke, Leintücher waren auf einem Strick aufgehängt, da nahm sie eines herunter, nachdem was sie bisher gesehen hatte, vermutete sie das ihr Bett nicht sauber war. Sie schloss die Türe ab, löschte die herab hängende Glühbirne und legte sich enttäuscht und übermüdet ins kalte Bett. Auch hier schien der Mond durch das Dachfenster.

Es hat noch keiner, Französisch gesprochen, schoss es ihr noch durch den Kopf. Man hörte die Musik vom Saal, dann endlich schlief sie ein.

Der erste Au-pair Tag
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1.4.  Au-pair in der Schweiz – Der erste Au-pair Tag.

Durch den starken Regen auf dem Dach wachte Christine auf. Wie spät es ist, konnte sie nicht feststellen. Zu Dumm! Sie hätte sich eine Uhr besorgen sollen, doch dann rasselte ein Wecker im Nebenzimmer und schon klopfte es an der Tür. „Guete Morge! Komm in die Gaststube wir werden dort z'Morge ha, Frühstück meine ich!“ „Ja ich komme gleich!“ Christine öffnete die Tür, es war niemand mehr zu sehen, sie klopfte ans Zimmer nebenan, keine Antwort.

Wo sich waschen, Zähne putzen? Ja dann halt nach dem Frühstück. Sie lief zur Toilette durch den Saal und dann suchte sie die Gaststube, die sich im Erdgeschoss befand. „Guten Morgen!“ Begrüsste sie die Anwesenden. Sandra, die Kellnerin stand als erste auf und reichte ihr die Hand. Dann stellte sich das Wirte Ehepaar mit ihrer Tochter Betli, Hände schüttelnd, vor. Sie sprachen einen unverständlichen, urchigen Schweizer Dialekt miteinander. Christine verstand nur wenig davon, Sandra übersetzte das, was ihr wichtig schien. Als sie beide einen Moment alleine waren, fragte Christine „Spricht den hier keiner, Französisch?“„Nein! Also die Wirtin kann's schon!“ „Im Inserat stand aber, Gelegenheit Französisch zu lernen?“ Sandra lenkte ab, indem sie sagte, das gestern ihr letzter Arbeitstag war und sie den Zug nicht verpassen wolle und entfernte sich.

Die Wirtin rief Sandra, Christine und Betli, um ein Foto von ihnen zu machen, draussen vor dem Haus. Betli hatte blondes, krauses Kurzhaar und ein rundliches typisches Landmädchen Gesicht mit roten Backen, war dazu noch sehr scheu und wollte nicht fotografiert werden. Endlich setzte sie sich neben Sandra hin und schaute trotz guten Zurufen ständig auf den Boden.

Sandra verabschiedete sich kurz und ging mit ihrer Reisetasche, die sie bei sich hatte, die Strasse entlang zum Bahnhof. Von ihr konnte ich also nichts mehr erfahren, wie es hier so läuft, schaute Christine ihr noch eine Weile nach. Ein Fahrrad hielt an, es war ein Mann in Polizeiuniform: „Du bisch neu hier nehme ich an?“ „Ja! Gestern von Österreich angekommen.“ „Du musst dich noch bei mir im Büro anmelden, nimmst deinen Pass und deine Unterlagen mit, also bis in einer halben Stunde. Kannst mir jetzt die Sandra holen, sag ihr das ich warte.“ Christine erstaunt: „Sie ist jetzt gerade auf dem Weg zum Bahnhof.“ Der Polizist schwang sich aufs Fahrrad: „Die hat sich noch nicht abgemeldet!“ Rief er und radelte die Strasse Richtung Bahnhof hinunter.
Wieso hat sie sich nicht abgemeldet, mit mir wollte sie auch noch reden? Christine war froh, dass sie den Polizisten getroffen hat, von ihm wird sie sicher etwas mehr erfahren.

Die Wirtin schaute nach wo Christine blieb, freundlich rief sie nach ihr, um mit ihr ein paar Worte über ihre Anstellung zu sprechen.
„Komm setzt dich hier auf die Bank, ich werde dir erklären was es zu tun gibt. Wir werden die meiste Zeit zusammen arbeiten. Einen Plan gibt es nicht, es ist alles ganz einfach. Nur heute musst du unsere Mittagsgäste servieren, bis unsere Neue kommt. Ich zeige dir, wo alles ist, wir haben noch ein wenig Zeit, dann muss ich in die Küche, wo du mir später auch helfen kannst.“
Christine erwähnte, dass sie sich jetzt beeilen muss und sie sich zuerst anmelden geht. Es sind noch Fragen wegen dem Gehalt nicht klar, das hat man ihr an der Grenze schon beanstandet, das müsse sie wegen der Steuer und AHV angeben. Es war schon der Polizist da, der jetzt im Büro auf sie wartet.
„Können sie mir sagen, wo ich mich anmelden muss. Ich denke der Lohn, der in ihren Brief an mich angegeben ist, versteht sich als netto Gehalt?“ Nun schien ihr die Wirtin nicht mehr sehr freundlich: „Ja, ja! Ist in Ordnung, also bis nachher. Das Anmeldebüro ist im Dorf oben gleich neben der Kirche“, war ihre Antwort.
Christine: „Ich beeile mich!“ Sie holte ihren Pass und was sie noch zu zeigen gedenke, so auch das Zeitungsinserat, schon wegen wie man hier Französisch lernen kann, wenn es keiner spricht.

Die abgemachte Zeit war so schnell um, Christine dachte, schon sie käme zu spät. Doch der Polizeibeamte schob sein Fahrrad erst eine gute halbe Stunde später den Hügel hinauf, stellte es an die Wand und winkte Christine das sie ihn folgen sollte.

Anmeldung bei der Fremden Polizei
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1.5.  Au-pair in der Schweiz – Anmeldung bei der Fremden Polizei.

An seinem Bürotisch kramte der Polizeibeamte ein paar Seiten Papier hervor, zeigte auf den Stuhl, wo sich Christine hinsetzten soll, dann prüfte er alle Dokumente, die sie bei sich hatte. Bis jetzt hat er noch kein Wort gesprochen, stempelte als Erstes eine Anmeldung in den Pass, dann lächelte er Christine an: Auf diese Anzeige hast du dich also gemeldet?“ Christine nickte nur. „Ich gebe dir hier eine Vorschrift mit, das du gut durchlesen musst bevor du, als Au-pair, nur einen Handgriff machst. Und noch etwas, da du erst 17 bist, darfst du im Restaurant nicht arbeiten, das heisst servieren, auch am Buffet nicht. Hier musst du unterschreiben und diesen Bogen bringst du mir Morgen mit der genauen Lohnangabe und der Unterschrift beider Arbeitgeber. Deinen Pass und die Papiere gibst du nicht aus der Hand, sollten sie danach fragen, dann sagst du ihnen, du musst die mir später noch einmal vorbeibringen. Wir sehen uns dann Morgen um die gleiche Zeit. Hast du noch Fragen?“ Christine zögerte zuerst: „Aber ich sollte heute die Mittagsgäste bedienen, hat die Wirtin gemeint und noch etwas, ich bin hierhergekommen, um die französische Sprache zu lernen, bin ich hier nicht in der französischen Schweiz?“ „Ha, ha, ha!“ lachte der Beamte. „Dazu musst du nur einige Kilometer weiter in die Westschweiz, ich weiss nicht wie sich's der Wirt vorgestellt hat, um der Anzeige gerecht zu werden, da musst du sie fragen!“

Christine ging ins Restaurant zurück, um die Unterschriften zu bekommen und auch einige Fragen zu stellen. Beim Eingangstor begegnete sie den Wirt: „Pass auf, wenn dich wer fragen sollte, wie alt du bist, dann sagst du 18!“ Christine antwortete: „Aber der Polizeibeamte, zu dem ich morgen diese Unterlagen mit ihrer Unterschrift bringen soll, weiss schon wie alt ich bin“. „Ach der! Der kommt sowieso nicht in unsere Gaststube, dem musst du nichts erklären!“ Christine: „Ich hab noch eine Frage wegen dem Französisch lernen. Wie muss ich mir das vorstellen?“ Der Wirt ganz verlegen: „Lern' zuerst Schweizer Deutsch, hier spricht man Berner Dialekt, meine Frau, die Madam, die kann Französisch!“

Erste Entäuschung – keiner spricht Französisch
Seite 7
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1.6.  Au-pair in der Schweiz – Erste Entäuschung – keiner spricht Französisch.

„Wie heisst du jetzt schon, Christine gell? Aber wir werden dich einfach halber Tini rufen.“ Christine entsetzt: „Oh Gott! Nein! Das möcht ich nicht!“ Der Wirt entfernte sich, ging dann in die Gaststube. Christine lief hinterher, um seine Unterschrift zu bekommen. Doch er meinte das pressiert nicht. So legte sie den Bogen Papier mit Kugelschreiber hinters Buffet. „Christine!“ Hörte sie die Wirtin aus der Küche rufen. So ging sie zu ihr: „Du musst jetzt schon helfen, ich muss dir noch vieles zeigen. Der Menüplan ist für die ganze Woche schon geschrieben. Heute gibt es Tagessuppe, Rösti mit Bratwurst und Salat dazu. Jetzt kannst du die Tische decken, jede Person hat seinen Stammplatz mit der Servietten Tasche. Da steht, wie du sehen kannst, der Name des Gastes drauf. Die Stoff Serviette da drin wird nur gewechselt, wenn es nötig ist, das heisst wenn sie sehr schmutzig ist. Hier hat es Papiersets von der Brauerei, die wir verwenden, kannst die mal auflegen.“ Christine wollte alles richtig machen und fragte auch gleich nach dem Besteck. Bald waren alle Tische gedeckt, nur fehlten noch einige Messer. Der Wirt kam hinzu und fing an zu lachen: „Das wäre nicht schlecht, wenn so viele Gäste kommen würden, du brauchst nur ein paar Tische decken. Ich lege dir die Servietten Taschen dort hin, wo die Männer sitzen, das andere Zeugs kannst du wieder abräumen“, grinste er und ging in die Küche, um es seiner Frau zu erzählen. Welche Gläser soll ich jetzt nehmen? Christine ging lieber fragen, bevor sie wieder was falsch macht. Sie erfährt, dass hier jeder sein eigenes Glas über dem Buffet hängen hat, da muss man sich halt merken, welches wem gehört. Der erste Gast kam, Christine huschte schnell Richtung Toilette und wartete, bis sie jemand rief. Sodann lief sie in die Küche und bekam schon einen randvollen Teller Suppe zum Servieren in die Hand gedrückt. Vorsichtig mit zittrigen Hände ging sie zum Gast, der Teller war auch noch ziemlich heiss. „Grüss Gott!“, sagte sie schnell, stellte den Teller ab und lief weg ohne aufzuschauen. Bald waren alle da für die es gedeckt war. Der Wirt servierte die Getränke und kassierte auch ein. Es wurde einiges gesprochen und gelacht, Christine verstand kein Wort davon.

Als die Gäste weg waren und das Geschirr abgewaschen war, konnte auch sie etwas essen. In der Zeit lass die Wirtin was sie unterschreiben sollte und reichte es auch ihren Mann hinüber. Sagte dann noch: „Christine, wenn du fertig bist, dann kannst du in die Zimmerstunde. Wir schliessen bis um 5 Uhr.“ „Was meinen sie mit Zimmerstunde?“, fragte Christine. Du kannst dich ausruhen bis dann, oder was für dich machen. Die Wirtin trug ein grosses Tablett mit deren Mittagessen, das sie jetzt in die Privatwohnung nahm, so hatte Christine keine Gelegenheit weitere Fragen zu stellen.

Christine ging hinauf in ihre Kammer, Zimmer kann man das nicht nennen. Sah sich nun im Tageslicht um. Oh meine Güte, hier ist ja alles dick verstaubt. Da hat sicher schon lang niemand mehr gehaust. Brrrr! Es schüttelte sie heftig. Sie suchte, ob es irgendwo eine Waschgelegenheit gibt, weil sie sich gestern und heute noch nicht richtig gewaschen hat. Sie ging nebenan in Sandras verlassene Kammer, da stand ein Becken, ein Eimer und zwei Handtücher, davon war eines noch nicht gebraucht. Das alles nahm sie jetzt in ihre Kammer und holte warmes Wasser, das am Herd in der Küche stand und reinigte auch das Becken, das sie gefunden hatte. Auf dem Dachboden war ein Rest Stück Linoleum, das sie ausbreitete, jetzt konnte sie sich endlich waschen. Anschliessend kontrollierte sie den Bettkasten. Die Bettwäsche sah frisch gewaschen aus, suchte dann einen Besen, kehrte den Boden und wischte diesen nass auf. Sie putzte, so gut es ging, das dreckige Wasser schüttete sie über den Dachboden flach aus. Sandra hatte einen grossen Wecker und einen kleinen Tisch hinterlassen, beides stellte Christine jetzt in ihre Kammer, sie hatte noch eine knappe Stunde, bis sie wieder runtergehen musste.

Christine fragt sich, was jetzt noch alles auf sie zukommt. Sie ging die Stiege hinunter, an den Privaträumen vorbei, hörte einen Hund knurren. „Komm Ado, raus hier!“ Das war der Wirt mit scharfem Befehlston. Dann sah sie ihn mit einem grossen Schäferhund übers Feld laufen. Christine sass eine Weile auf einen Stuhl vor dem Haus, sah das hier noch viel zum Aufräumen wäre. Sie hörte die Wirtin kommen und ging ihr entgegen. Sie trug ein Tablett beladen mit schmutzigem Geschirr, Christine nahm es ihr höflich ab und brachte es in die Küche. „Jetzt nehmen wir einen Kaffee zusammen, komm, ich zeig dir, wie man den macht.“ Sie nahm einen Krug mit Filtervorrichtung, indem man noch einen Papierfilter hinein platzierte, tat vier Esslöffel Kaffeepulver rein und nahm kochendes Wasser, das sie dann langsam darüber goss. Zucker und dicke Milch stellte sie auf die Theke, dazu gab es Kekse.

„Also“, äusserte sich Christine, „wie ist das jetzt mit Gelegenheit Französisch zu lernen?“ „Ja ich muss mich in Biel erkundigen, wann und wo du dort Französisch lernen kannst. Das braucht noch ein paar Telefonanrufe, aber das werden wir bald haben, inzwischen kannst du ja von uns Bern Deutsch lernen, zum Telefonieren ist es jetzt schon zu spät“, meinte die Wirtin Christine enttäuscht: „Ich dachte, man spricht hier Französisch?“ „Also ich kann, wenn du willst, mit dir Französisch reden, kannst du schon etwas?“, fragte sie. Christine: „Nur etwa 150 Wörter, ganze Sätze noch nicht so. Komm in den Küchengarten, da fangen wir an die Beete zu richten und Unkraut zu jäten. Also wenn ich Deutsch spreche, dann nur noch unseren Dialekt, damit du unsere Gäste verstehst und noch andere Leute, die du begegnen wirst. Ich lasse dich jetzt allein gärten!“ Sie zupfte noch hier und da etwas aus und zeigte noch, wie die Beete zu richten seien. „Das hab ich noch nie vorher gemacht!“, warnte Christine. Die Wirtin: „Das ist doch einfach, kann doch jedes Kind. Ich bin in der Küche, wenn du Fragen hast!“

Am darauf folgenden Tag, gleich nach dem Frühstück, ging die Wirtin in den Garten um ein paar Kräuter, wie sie sagte, zu holen. Auf einmal hörten wir sie: „Oh Merci! Was hat die da gemacht, es sind fast alle Kräuter weg. Setzlinge und die kleinen Blumen Zwiebeln alles fort!“ Der Grünabfall Haufen war noch in der Ecke, da Christine nicht wusste, wohin damit. So versuchten sie beide die Setzlinge und Zwiebeln aus den Haufen zu sortieren und in die schön gemachten Beete zu setzten.
Natürlich war dies wieder etwas worüber sie und ihre Gäste sich amüsieren konnten.

Christine ging dann noch rechtzeitig ins Polizeibüro, wo sie erwartet wurde. Sie erfuhr dort auch das eine Rita aus Vorderberg im Nachbardorf in einem Restaurant arbeitet und nicht gerade einen guten Ruf hat. Man erzählt, das ein junger Bauernsohn bei ihr ständig auf Besuch ist, und zwar kletterte er meist beim Fenster hinein. Christine kannte keine Rita, sie vermutete das dies sicher nicht ihr richtiger Name war.

Der Polizist fragte: „Hast du dich wegen dem Französisch lernen erkundigt?“ Christine erzählte ihm, dass die Wirtin heute nach Biel telefonieren will und sie dort in einer Schule anmelden werde. „Und wie kommst du dort hin? Mit dem Fahrrad ist es eine ganz schöne Strecke und mit dem Zug ist es umständlich. Postautos gehen auch nicht direkt nach Biel. Hast du überhaupt ein Fahrrad zur Verfügung?“ Christine: „Ich glaube schon, es steht eins unter der Laube? Aber am liebsten möchte ich in eine französisch sprechende Familie oder in ein Restaurant wechseln, wenn möglich in eine Stadt, wo man bald einmal die Sprache lernt. Wie und wo finde ich so eine Stelle? Ich fühle mich, wenn ich das so sagen darf, irgendwie betrogen!“ Er meinte: „Nun mal langsam, mit deiner Aufenthaltsbewilligung kannst du nur im Kanton Bern als Au-pair bleiben. In die Französisch sprechende Schweiz wechseln ist jetzt noch nicht möglich, erst wenn du drei Monate an der gleichen Stelle bleibst. So hatte es auch Sandra vor, leider hatte sie sich das anders überlegt. Ich hoffe, sie kommt zurück“, murmelte er. „Oder du gehst für drei Monate nach Österreich zurück und reist neu ein. Wenn du gelesen hättest, was ich dir gestern mitgegeben habe, wüsstest du das alles schon. Sandra und ich haben uns gut verstanden, dem Wirt hat das nicht gefallen, darum gehe ich auch nicht in seine Beiz. Ich war enttäuscht, dass Sandra einfach wegging, ohne mir Bescheid zu sagen. Aber das gehört nicht hierher, vergiss, was ich dir gesagt habe. Solltest du Hilfe brauchen, lass es mir wissen, ich bin ein neutraler hilfsbereiter Mensch. Ich werde dir auch einen `Kopfjäger`, ist so eine Art Stellenvermittler, vorbeischicken. Vielleicht weiss der einen Ausweg. Also ich rate dir, Pass und alle Papiere an einen guten Ort verstecken, nicht unter der Matratze oder im Kasten. Ja dann alles Gute und Salü! Da ist noch etwas, dein Arztzeugnis gehört separat aufbewahrt.“ Christine stand auf: „Danke für die Ratschläge, jetzt fühle ich mich irgendwie beschützt. Auf Wiedersehen!“

Erste Begegnung mit Dorfbewohner
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1.7.  Au-pair in der Schweiz – Erste Begegnung mit Dorfbewohner.

Im Dorf sprach sich bald herum, dass eine junge neue Österreicherin im „Kreuz“ ist. So kamen immer mehr neugierige, davon meist junge Burschen in die Gaststube.
Eine Schweizer `Serviertochter` (Kellnerin) sollte schon längst hier ihre Stelle antreten. Christine bediente ungern die Gäste, weil sie deren Sprache nur wenig verstand, sie arbeitete lieber hinter der Theke.

Die Wirtin hat in Biel eine Schule gefunden für jeweils Mittwochnachmittag. „Das ist der Wirte-Sonntag bei uns, das passt gut“, meinte sie. Christine fragte: „Und wie komme ich dort hin?“ „Am besten mit dem Fahrrad, du kannst sicher fahren, oder? Anders ist es zu umständlich.“ Christine: „Ja, aber ich habe kein Fahrrad!“ „Betli hat ein ganz neues von ihrer Patin zu Weihnachten bekommen, sie kann noch nicht damit fahren. Sie hat immer noch Angst, dass ihr etwas passieren könnte. Wir fragen Betli, ob du das benutzen kannst“.

Christine erinnerte sich plötzlich, dass Inge, eine ehemalige Angestellte aus dem Betrieb ihrer Eltern, in einem Restaurant in Biel arbeitet. Sie rief heimlich ihre Mutter an, ob sie deren Schweizer Adresse herausfinden könnte. Sie würde morgen um die gleiche Zeit wieder kurz telefonieren. Ansonsten sei alles gut, log sie. So bekam sie wirklich am Tag darauf die genaue Adresse. Ihre Mutter wollte plötzlich die Telefonnummer von ihrem Arbeitsplatz haben. Zum Glück gab ihr Christine weder die genaue Adresse noch Telefon Nummer, denn sie wusste, dass ihre Mutter manchmal unüberlegt handeln konnte. So versprach sie, sich regelmässig bei ihr zu melden. Damit gab sich Mutter zufrieden.

Mittwoch kam. Christine wollte schon früh am Morgen nach Biel radeln. Ihr wurde noch mitgeteilt, Betli sei einverstanden, dass Christine das Fahrrad ausprobiere und zudem gebe ihr mehr Mut endlich Radfahren zu lernen. Christine erzählte nicht, dass sie auch eine Bekannte besuchen würde und radelte los. Es ist das erste Mal, dass sie so eine lange Strecke per Fahrrad meisterte und die müsste sie Abends wieder zurückfahren, 'oh Schreck' ging es ihr durch den Kopf.

In Biel fragte Christine sich durch, wo das Restaurant, das ihre Mutter ihr angegeben hatte, zu finden war. Die letzte Frau, die sie ansprach erklärte ihr auf Französisch, mit fuchtelten Händen den Weg und ging weiter. So stand sie bald vor dem Restaurant und hoffte, dass Inge anzutreffen sei. Sie lehnte das Fahrrad an die Wand und schloss es vorsichtshalber ab, dann ging sie ins Restaurant. Drinnen war es ziemlich dunkel und schon jetzt am Vormittag voller Rauch. Sie sah Inge hinter der Theke sitzen und stricken. Komisch? Hat die sonst nichts anderes zu tun? Zwei Kellner liefen zwischen den Tischen emsig umher.

Besuch bei Inge
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1.8.  Au-pair in der Schweiz – Besuch bei Inge.

„Hallo, Inge!“, rief Christine. Inge stand langsam auf, sie befand sich in anderen Umständen, hatte schon einen grossen Bauch. Christine erschrak, war sprachlos, hielt sich beide Hände vor den Mund. Inge hielt die Arme auf: „Mein Gott! Ist das schön, das du mich besuchen kommst. Wie geht es dir, musst mir alles erzählen“. Sie umarmte Christine, die ihre Tränen kaum zurückhalten konnte. „Mein Mann, also wir sind verlobt, kommt mich heute abholen. Ich musste mein Zimmer schon räumen, darum bin ich hier gesessen, und dann fahren wir zuerst zu ihm nach Salzburg. Dort werden wir sehen wie ich mich fühle, denn ich möchte gerne bei uns zu Hause heiraten. Ich bin erst im achten Monat, meine Mutter hat schon alles arrangiert, du kennst sie ja, die ganze Familie ist gespannt und aufgeregt, mehr als ich!“ scherzte sie.

Oh je! Dachte Christine, da kann ich keine Hilfe mehr erwarten. So sprach sie nur über belanglose Dinge und dass sie hier in Biel in die Sprachschule gehen werde. „Heute ist mein erster Tag dort, ist nur blöd, dass mein Schulweg so weit ist und ich mit einem geliehenen Fahrrad die Strecke machen muss. Ich bin sicher, du kannst schon gut Französisch?“ Inge lachte: „Oh nein, nur was man so hinter der Theke braucht. Das kommt auch, weil die Stadt Biel zweisprachig ist.“ Christine fragte, ob sie beide nach draussen gehen könnten, da hier so viel Rauch war, musste sie ein paar mal husten. „Weisst du hier sind halt viele Bauarbeiter in letzter Zeit, aber nette Leute. Schau da kommt ein Deutscher, der hat ein Haus hier auf dem Land.“ „Grüss dich Inge, hast Besuch?“ „Servus Horst! Ja meine Freundin kommt jetzt jeden Mittwoch mit dem Fahrrad hier in die Schule, sie arbeitet als Au-pair auf dem Land, ist bisschen weit zum Radeln, sagt sie, andere Möglichkeiten hat sie leider nicht.“
Horst fragte, wo Christine wohnt und stellte fest, dass er den gleichen Weg hatte, aber nur halb so lang. „Wann ist die Schule aus? Ich hab einen Fahrradhalter am Auto montiert, um 5 wäre ich hier, dann kann ich dich mitnehmen, so hast du dann nicht mehr weit zu fahren.“ Horst wartete auf Christines Antwort, die zögerte nicht lange: „Das ist aber nett von ihnen, da bin ich aber sicher um 5 da!“ „Also pünktlich um 5 und keine Minute später gell! Tschüss, ihr Hübschen, mein Bier wird warm!“

Christine: „Was, der trinkt um diese Zeit schon ein Bier? Hat eh schon so einen Bierbauch, hoffentlich hat er beim Autofahren nicht zu viel Alkohol im Blut?“ Inge: „Ach komm der fährt sicher vorsichtig. Also um 13:30h fängt deine Schule an? Da können wir ja noch etwas essen. Ich lade dich ein, wir teilen uns mein Mittagessen. Der Koch gibt mir immer viel zu viel, er meint, ich muss für zwei essen, ha, ha, ha. Heute gibt es Fisch, frisch aus dem Neuenburgersee, Felchen im Bierteig, Pommes frites und gemischten Salat. Wir gehen ins Stübli nebenan, da sind wir allein.“ Inge nahm Christine an der Hand und zog sie durchs Restaurant in die gute Stube. „Komm setzt dich hin, ich sag dem Koch Bescheid und hol auch grad noch was zum Trinken.“ Inge kam mit einem grossen Tablett zurück: „Pass auf, manchmal hat es noch Gräten im Fisch.“ Christine überrascht: „Das sieht aber gut aus, so was hab ich noch nie gegessen. Wie heisst das schon? Pommes frites gell? Siehst du das hab ich mir schon gemerkt“, lachte sie. Inge erzählte noch, dass ihre Mutter ihren Verlobten ausgesucht hat, da sie nie einen Freund mit nach Hause gebracht habe. Er sei schon in Amerika einmal verheiratet gewesen, ist jetzt Witwer. Seine Frau war viel krank, er dachte in Salzburg gefällt es ihr bestimmt, da könnte sie sich erholen, so hat er eine Schiffsüberfahrt gebucht. Da passierte es, dass sie als es schon Nacht war, sich über Port stürzte und nicht mehr gefunden wurde. Ein Matrose hat das beobachtet, wollte sie zurückhalten, kam aber zu spät. Ihr Bruder hat zufällig mit ihren Verlobten in Salzburg gearbeitet und hat ihn ihrer Mutter vorgestellt, die hat dann das weitere eingefädelt. Christine: „Was so alles passiert! Auf jeden Fall wünsche ich euch beiden, nein euch Dreien alles Gute für die Zukunft und schönen Dank für das gute Essen!“. Zum Abschied umarmten sie sich herzlich.

Christine nahm ihr Fahrrad und suchte die Schule auf. Das war ein altes Fachhaus mit Seesicht. Über dem Eingang stand ganz gross: `Private Sprachschule`. Es befanden sich schon einige gut gekleidete Schüler im Haus. `Réception` stand auf einer offenen Tür, eine Empfangsdame bat Christine und eine andere Schülerin einzutreten. Nachdem sie sich vorgestellt hatten, überreichte sie ihnen ein paar Seiten zum Ausfüllen. Danach prüfte sie diese und führte beide in ein Klassenzimmer und stellte sie den zuständigen Lehrer vor. Christine merkte bald, dass die Schüler hier schon zu sehr fortgeschritten waren. Was auf der Tafel stand und die Konversation untereinander war einfach nicht für Anfänger. Nach einer Weile verliess sie die Klasse und ging zurück zum Sekretariat. „Das ist sicher nicht eine Anfängerklasse, oder?“ Bekam dann zur Antwort: „Nein schon nicht, für eine Anfängerklasse haben wir noch zu wenig Schüler, tut mir leid!“ Hob die Schultern und meinte, sie sollte später mal nachfragen. Doch Christine gab ihr die Telefonnummer von ihrer Au-pair Stelle und bat sie um Bescheid, sobald es eine Anfängerklasse gibt. Sie erkundigte sich noch, was der Unterricht eigentlich koste? Als sie den Preis hörte, zuckte sie zusammen, mit so einer Summe hatte sie bei weitem nicht gerechnet. „Das kannst vergessen!“, sagte sie zu sich selbst.

Sie radelte danach in der Stadt herum, am Bahnhof hielt sie an, studierte den Stadtplan und den Fahrplan, entdeckte die Auskunft und fragte, wie sie in ihr Dorf kommen könnte, den dort ist doch ein Bahnhof? Sie erklärte noch, dass sie mit dem Fahrrad gekommen sei. „Also fahren sie jetzt bis ins nächste Dorf“, er zeigte mit dem Finger auf den Plan. „Von dort weg fahren Züge bis in ihr Dorf.“ Christine überlegte, bis 5 Uhr wollte sie nicht warten, also radelte sie los. So war die Kombination Zug und Fahrrad ganz gut und nicht teuer.

 

Eine schockierende Entdeckung
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1.9.  Au-pair in der Schweiz – Eine schockierende Entdeckung.

„Betli wartet schon auf ihr Velo!“, rief ihr der Wirt entgegen. Christine stellte das Fahrrad ab und ging ins Haus, sie merkte das Betli sich in der Küche versteckt hat und schlich sich ihr an. Sie wollte sie aber nicht erschrecken und so rief sie nach ihr. Doch Betli stand in einer Ecke und hielt zwei bunte Gummibälle vors Gesicht. „Oh hast du schöne Bälle, willst du mit mir Ballspielen, komm wirf mir einen zu, das wird lustig. Bitte Butli, Batli, Betli, wie heisst du jetzt schon?“ spasste Christine herum. „Wie alt bist du den, hast du bald Geburtstag?“ Da zeichnete Betli mit dem Zeigefinger eine 14 auf den von Mehl bestäubten Tisch, ohne die Bälle loszulassen, ihr Blick war ständig nach unten gerichtet. Dann legte sie einen Ball vor Christines Füssen. „Gehört dieser jetzt mir?“ Betli nickte mit dem Kopf, näherte sich einem Karton und holte dort noch einen Ball hervor, sie rannte schnell die Stiege hinauf in die Privatwohnung. Christine hob den Ball auf, den Betli ihr an die Füsse legte und nahm ihn mit in ihre Kammer.

Dort fiel ihr auf, dass jemand ihr Bett benutzt hatte, dann noch das in ihren Kleidern gewühlt wurde. Das Ofentürchen war auch halb offen, hat sich, dann verwundert, was das mit dem Ofen soll? Schaute genau nach und entdeckte eine Stange Parisienne Zigaretten, die höher darin über dem Türchen eingeklemmt war. Sie zog diese heraus, ein Päckchen fehlte, wusste jetzt nicht was tun? Es melden, oder nicht? Sind meine Dokumente noch hier, nach was wurde den sonst gesucht? Sie sah nervös nach, ob jemand vor der Tür war, sperrte ab und sah in ihr Versteck nach den Sachen. Gott sei Dank, alles noch da! Aber das jemand in ihrer Kammer war, dazu einen Schlüssel hat, gefiel ihr gar nicht! Sie muss ihre Tür in der Nacht versperren können, dazu braucht sie ein Möbelstück oder etwas das sie von innen an die Tür stellen konnte. Auf dem Dachboden hatte es ein paar Holztruhen, eine solche schleifte sie in dem dämmerigen Licht vorsichtig in die Kammer. Ein Zipfel roter Stoff war bei dieser eingeklemmt, mit beiden Händen musste Christine den schweren Deckel öffnen, um den Stoff zurückschieben zu können. „Oh mein Gott!“ Im Deckel waren Waffen angebracht, einige Schachteln mit Munition lagen in der Truhe. Dann nahm sie den roten Stoff in die Hand und merkte bald, dass es eine Fahne war, genauer gesehen mit einem Hacken Kreuz. Ein in Silber gerahmtes Bild von Adolf Hitler in einem schwarzen filzigen Tuch eingewickelt. Kassetten mit Abzeichen aus dieser Zeit, Armbinden, Krawatten, ja sogar Socken, Stiefelröhren und zu unterst noch eine braune Uniform, der Inhalt roch stark nach Mottenkugeln.
Nun aber schnell! Kammer Türe auf, niemand da! Die Truhe zurück auf den Platz, wo sie vorher stand. Christine erlaubte sich noch einen Blick in die nebenstehende Kiste. Eine Militärkappe mit Schweizer Kreuz, eine zusammen gerollte Militärdecke, eine Schweizer Uniform mit Mottenkugeln eingepackt, ein Gewehr, dazu Patronen und eine leere Revolver Tasche an einem dicken Ledergurt. Jetzt aber genug gesehen, Christine nahm noch ein frisch gewaschenes trockenes Betttuch vom Wäscheseil und hängte das von ihrem Bett an dessen Stelle. Holte leise zwei Stühle aus dem grossen Saal, so konnte sie einen vor dem Schlafen gehen fest unter die Türklinke klemmen.

Es war Zeit zum Nachtessen in die Gaststube zu gehen. Es roch gut, da stand Gemüsesuppe und Hausgebackenes, frisches warmes Bauernbrot auf dem Tisch. Die Wirtin hantierte noch in der Küche herum. Christine begrüsste sie und fragte, ob sie ihr helfen könne? „Kannst nach dem Essen das Geschirr abwaschen und die Küche aufräumen, wenn es dir nichts ausmacht, du hast ja heute deinen freien Tag. Warum bist du schon zurück, war der Unterricht am Nachmittag so kurz? Komm, die Suppe wird kalt, Betli und Werner essen oben in der Wohnung.“ Während dem Essen, erzählte Christine von der teuren Schule und meinte noch, dass ihr das Geld, was sie mitgebracht hatte, ausgegangen sei. Und sie unbedingt ihre Schulden zu Hause, für die Kleider, die sie gekauft hatte, Geld schicken müsse. „Na ja, ein bisschen Servicegeld und Trinkgeld ist ja vorhanden. Das kannst du haben, Lohn bekommst normalerweise erst nach einem Monat, da musst du schon noch warten.“ Die Wirtin gab ihr dann doch noch einen Teil vom Lohn dazu: „Jetzt hast genug, um deine Schulden zu begleichen, meinte sie, mehr wirst du ja noch verdienen, bis die Neue kommt. Die Gäste sind mit dir sehr zufrieden, das merkst du ja am Trinkgeld“, und lachte. Christine ging erst in der Woche darauf zur Post, hatte so mehr Geld. Sie bat ihre Mutter im eingeschriebenen Brief, ihre Schulden im Kleidergeschäft, mit den beigelegten Geldscheine zu begleichen. Christine selber war erleichtert, denn jetzt dachte sie, habe sie keine Schulden mehr.

Sollte zuerst Schweizerdeutsch lernen
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1.10.  Au-pair in der Schweiz – Sollte zuerst Schweizerdeutsch lernen.

Die Wirtin war sehr nett zu Christine: „Jetzt lernst erst Mal Schweizerdeutsch, etwas hast ja schon gebrauchen können, das hilft dir auch weiter und dann schauen wir, wie wir das mit dem Französisch hinkriegen. Von mir kannst schon etwas lernen, mit Grammatik habe ich zwar selbst noch Mühe“, gestand sie lachend.

Ein Zahnarzt aus Biel kam jetzt öfter als sonst seine Cousine die Wirtin besuchen. Er gab immer generös Trinkgeld in die Hand von Christine und drückte diese zusammen. Christine mochte das nicht und wollte, dass er es beim nächste Mal, wenn er etwas geben will auf den Tisch liegen lässt. Sie mochte auch nicht jeden Gast die Hand schütteln, wie es hier auf dem Land üblich ist.

Ein paar jüngere meist Bauernburschen trafen sich regelmässig an ihren sogenannten Stammtisch, machten öfters Witze über Österreich und hatten es lustig. Christine war dann froh, wenn sie nur die Hälfte verstand. „Musst nicht hinhören, besonders nicht bei solchen unter der Gürtellinie“, wie die Wirtin andeutete.

Kurt, einer von den Burschen, was heute der Erste, der in die Gaststube kam. Er fragte Christine, ob sie Fahrrad fahren könne, er würde gerne mit ihr zusammen zum See radeln, wo er ein Boot stehen hat. Christine zögerte: „Ich muss es mir überlegen, hab auch kein eigenes Fahrrad und wenn, dann kann ich nur Mittwoch, wenn es hier geschlossen ist. Ich werde die Wirtin fragen, ob ich das Fahrrad von Betli haben kann.“ „Nein, nein! Ich bringe eins mit und warte weiter unten bei der nächsten Kreuzung auf dich. Also abgemacht, am Mittwoch um 2 Uhr.“ Da seine Freunde, einer nach dem anderen ankamen, plauderte er weiterhin nur noch mit denen.

Der darauf folgende Mittwoch war ein sonniger Tag, nicht zu kalt für eine Radtour. Also spazierte Christine bis zur Kreuzung. Kurt wartete schon: „Salü! Fährst mir einfach mit einigen Metern Abstand hinterher!“ Von weitem sah man eine Gruppe Leute Richtung Dorf spazieren. Plötzlich sprang Kurt von seinem Fahrrad, warf es über die Böschung hinunter und versteckte sich. Christine fuhr noch ein Stück weiter, wartete, dann bis die Leute vorbeigegangen waren und ging schauen, wo Kurt blieb. „Sind die schon weg?“ Rief er aus seinem Versteck heraus. „Ja, warum versteckst du dich?“ „Die sollen uns nicht zusammen sehen, sonst wird über uns im Dorf geredet.“ Christine war ganz durcheinander, liess das Fahrrad stehen und marschierte zum Restaurant zurück. Sie hörte Kurt noch rufen, drehte sich aber nicht um. Da es vorne geschlossen war, ging sie ums Haus herum zum hinteren Eingang.

Patron verkauft Nazi Medaillen und Christine bekommt einen Maibaum
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1.11.  Au-pair in der Schweiz – Patron verkauft Nazi Medaillen und Christine bekommt einen Maibaum.

Ein Auto mit Schweizer BL Nummernschild parkte knapp neben der Türe. Christine hörte Stimmen, wollte niemanden begegnen und huschte eiligst in den nahen leeren Schweine Stall. Von dort aus konnte sie durch ein kleines, fast blindes Fenster gucken. Sie hörte wie sich der Besucher auf Hochdeutsch von Wirt verabschiedete. Der Mann verstaute eine Kassette im Kofferraum seines Autos. Eine dieser Kassetten, die Christine meinte, in der Truhe gesehen zu haben. Als das Auto wegfuhr, zählte der Wirt Geldscheine, die er aus einem Briefumschlag nahm. Er steckte das Geld danach in die Hosentasche, warf das Kuvert in die Abfalltonne und ging ins Haus. Christine fischte den Umschlag aus der Tonne, dieser war unbeschrieben, so konnte sie den noch verwenden. Dann suchte sie sich einen Platz, wo sie die warme Sonne, ohne gestört zu werden, geniessen konnte. Nach einer Weile verliess die Familie das Haus, ihr alter Schäferhund kam knurrend in Christines Nähe, wurde aber von der Wirtin rechtzeitig zurückgerufen.

Christine genoss die Sonne und dachte nach, was sie unternehmen könnte. Im Haus klingelte das Telefon, sie sprang auf, holte den Schlüssel aus dem Blumentopf, sperrte auf und rannte zum Telefon, das an einem Pfosten in der Diele angebracht war. „Ja Hallo!“ „Bist du's Christine?“ „Ja ich bins!“ Grüss dich, ich bin es, Hans! Wollte wissen, wie es dir geht?“ „Oh mein Gott! Was für eine Überraschung, das freut mich unheimlich, dass du dich erkundigst.“ „Nun erzähl schon wie es dir so geht? Aber warte, ich habe nicht so viel Zeit, ich komme dich besuchen, wenn du willst?“ Christine konnte ihre Tränen kaum zurückhalten. „Ich habe immer Mittwoch meinen freien Tag.“ „Dann ruf ich dich um die gleiche Zeit nächsten Mittwoch an, Tschau! Bis dann, machs gut.“ „Ist gut, Servus!“ Zitternd hängte sie den Hörer auf, Hans wird ihr sicher gut beraten können, hoffte sie, wie es weiter gehen soll.

Am 1. Mai früh Morgens rief der Wirt: „Stini aufstehen! Du musst Frühstück für die Burschen machen, die haben dir einen Maibaum vorm Haus aufgestellt! Lueg mal bim Fenschter use!“ Christine stieg auf einem Stuhl und reckte ihren Hals so hoch hinaus wie sie konnte und wirklich eine Spitze von einem Maibaum war zu sehen. Sie lachte vor Freude. Schnell schlüpfte sie in ihre Kleider, die zwar immer noch von Zigarettenrauch stanken, aber was soll’s, sie wird jetzt in der Gaststube erwartet und Frühstück servieren müssen.

Es waren die Burschen vom Stammtisch, die sich da beteiligt haben. Der Wirt zählte sie ab: „Was? Acht von euch hat es gebraucht für den Maibaum aufzustellen, wir waren früher nie so viele und haben es auch rechtzeitig geschafft!“ Dabei grinste er mit seinen Zigarren Stumpen im Mundwinkel und schnitt weiterhin Brot, Käse und Wurst für alle auf. Christine machte Wasser heiss für den Filterkaffee, stellte Milch, Butter, verschiedene Sorten Marmelade und einen Topf voll Honig auf die Theke. Der Wirt fand noch lustige Party-Servietten, die er jetzt gebrauchen konnte. Er strahlte im ganzen Gesicht. Christine sagte zu ihm: „Der Maibaum ist sicher für Betli bestimmt, wieso soll er für mich sein? Betli freut sich sicher darüber.“ „Nei, nei! Der geht immer zum schönste Meitli im Dorf.“ „Das bin ich aber sicher nicht! Ihr macht euch einen Spass daraus, um zu sehen, wie ich reagiere und dann ist dieser doch nicht für mich und ihr könnt euch alle samt krumm lachen. Ganz ehrlich, ist doch so oder?“ „Wart nur ab, es ist noch nicht vorbei,“ antwortete der Wirt. Nach dem Frühstück versuchten die jungen Burschen ein kleines rotes Paket, das ganz oben am Baum angebracht war, herunterzuholen. Die Maibaumstange war mit Rapsöl präpariert, sodass die meisten grosse Mühe hatten nur schon bis zur Hälfte zu kommen. Kurt war auch da, er wartete im Hintergrund, bis fast alle probiert hatten die Stange zu erklimmen. Danach klemmte er sich höher und höher, dann fast oben angekommen rutschte er ab, konnte sich nicht mehr halten. Ein etwa 10-jähriger Bub, nahm einen Anlauf, schlang seine Arme um die Stange und zog sich mit all seiner Kraft den Gipfel hinauf, löste das Paket und kam langsam rutschend am Boden an. Er wusste nicht, wem das jetzt gehört? Es wurde geklatscht und dem Kleinen auf die Schulter geklopft. „Jetzt musst du es der Tini geben, dafür bekommst du einen Kuss von ihr.“ Erklärte der Wirt lachend. Der Junge drückte es Christine in die Hand und lief schnell davon. So ging das Gelächter wieder los.

Christine trifft Hans und die neue Kellnerin kommt
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1.12.  Au-pair in der Schweiz – Christine trifft Hans und die neue Kellnerin kommt.

Es war wiedermal Mittwoch, Christine wartete auf den Anruf von Hans. Er rief viel später an als abgemacht. Um die Wartezeit zu verkürzen, putzte sie fast die ganzer Regalen hinter der Theke. Zum Glück war die Wirte Familie wieder aus dem Haus, sonst hätten sie das wohl seltsam gefunden und Fragen gestellt. Es war schon 5 Uhr, als Hans endlich anrief. Er entschuldigte sich nicht einmal und sagte, dass er ganz in der Nähe sei und Christine um 6 am Bahnhof im Dorf treffen könnte. Christine wusste, dass um diese Zeit kein Zug hier hält, sagte aber nichts. Sie wird es später erfahren, wie er hier hergekommen ist. Sie hoffte nur das die Wirte Familie ihr nicht über den Weg laufen. So eilte sie in Richtung Bahnhof. An einem Feldweg sah sie Hans entlanggehen. „Hallo, bist du schon lange da?“, fragte sie ihn. Hans begrüsste sie flüchtig: „Ich habe mich ein bisschen umgesehen und meine hier könnten wir entlang laufen, ohne gestört zu werden. Nun kannst du mir erzählen, wie es dir bis jetzt ergangen ist. Ein Zug fuhr etwas höher auf einem Gleis langsam quietschend vorbei, sodass Christine laut reden musste. Hans forderte sie nach einer kurzen Weile sanft auf sich hinzusetzen, doch Christine fand, sie würde ihr Kleid schmutzig machen, da gab er ihr einen leichten Stoss, genug um auf den Hintern zu fallen. Er lachte dabei, sie aber fand es gar nicht lustig als er dann noch mit gespreizten Beinen über ihr stand. Ein Hund, der im Feld herumlief fing zu bellen an, das schreckte Hans so auf, dass er die Höhe zum Bahngleis erklimmte, darüber stolperte und davon lief. Dass der so Angst vor einem Hund hat, der nicht einmal zu sehen war, erstaunte sie.

Christine stand geschockt auf, putzte ihr Kleid ab und ging den Feldweg zurück und dann zum Bahnhof. Sie sah sich noch den Fahrplan an, der nächste Zug, der fährt, wäre erst um 22 Uhr. Den Bahnwärter, der gerade die Gleise prüfend abgegangen ist, konnte sie fragen, ob er einen Mann im dunkelblauen Anzug so um 5 Uhr ankommen oder später abfahren sah. „Heute waren wie immer die gleichen wenigen Personen, die ich schon kenne, angekommen und abgefahren, also ich hab keinen Fremden gesehen!“, versicherte er. Christine lief die Strasse zum Restaurant hinauf, sah sich öfter um, aber es war niemand zu sehen. In der Gaststube brannte Licht, die Wirtin hat sich schon gefragt, warum Christine nicht wie immer pünktlich zum Nachtessen kam.

„Guten Abend Christine! Ich habe einen Berner Zwiebelkuchen mitgebracht, setze dich hin. Was möchtest du den trinken? Ubs! Dein Kleid ist schmutzig, wo warst du den?“ Christine fand, dass die Wirtin heute in einen besonderen freundlich Ton sprach. „Ach, ich bin gestolpert und auf den Hintern gefallen, als ich ein bisschen im Dorf herumgelaufen bin,“ log sie. „Da hast du ja gemerkt das die drei Geschäfte, die wir haben am Mittwoch auch geschlossen sind, aber man kann läuten, wenn man was kaufen möchte.“ Ja und dann gibt es eine gute Neuigkeit, wir haben jetzt endlich wieder eine neue Serviertochter gefunden, die Morgen kommen sollte. Wir warten nicht mehr auf die Eine, die schon vor drei Wochen hätte hier sein sollen. Sobald die Katrin Morgen da ist, werde ich der anderen eine Absage zukommen lassen.“ „Wird Katrin in der Kammer neben mir schlafen? Ich frage nur, weil man die ein wenig herrichten sollte, bevor sie kommt“, gab Christine zu verstehen. Die Wirtin: „Würde es dir was ausmachen, dort ein wenig aufzuräumen?“ „Ja gut ich mache das, hab heute aus Langweile die ganzen Regalen und Gläser hier in der Gaststube geputzt und gewaschen, ich glaube sie haben das noch gar nicht gemerkt?“, sagte sie, scheu mit einem Lächeln. Die Wirtin sah sich um. „Da hast du aber ein paar Stunden dazu gebraucht, ich hab schon lange gemerkt, dass du die Arbeit, die zu machen ist, siehst und man dir nicht sagen muss, was zu tun ist. Grossen Dank, du bekommst dafür einen extra Patzen. Übrigens habe ich dir dein Lohnsäckchen parat gemacht. Wart ich hole es dir, den Vorschuss musste ich leider abziehen, aber mit dem jetzt extra versprochenen Patzen und dem Trinkgeld, das du von den Gästen bekommen hast, bis gut dran.“ Christine bedankte sich freundlich und nahm ihr Lohnsäckchen entgegen, zählte sofort nach, ob die abgemachte Summe vorhanden war.

Anschliessend ging sie die Stufen hinauf, mit dem Putzzeug in der Hand, um die Kammer für die Neue in Ordnung zu bringen. Doch zuerst legte sie ihren Lohn in ihr Versteck. Es war etwas mehr als für Au-pair bezahlt worden musste, aber für sie doch nicht zufriedenstellend. Wegen der neuen Serviertochter fällt jetzt auch noch das Trinkgeld weg.

Christine lernte relativ rasch Berndeutsch, die meisten Stammgäste halfen ihr gerne dabei, weil sie sich ungeniert korrigieren liess, dabei gab es auch viel zu Lachen. Es kam vor, dass Schweizer Gäste kamen, die kein Deutsch, sondern nur Französisch konnte. So versuchte Christine deren Sprache zu sprechen so gut sie es fertigbrachte, das war manchmal ganz erheiternd lustig. Immer wieder fing sie neue Sätze auf, aber es war ihr einfach noch zu wenig.

Nun, sie hat sich überlegt und entschlossen die vollen drei Monate, die für einen Stellenwechsel nach Gesetz nötig waren, zu erfüllen, und dann wenn möglich in Lausanne oder in der Nähe von Genfersee ins Hotelfach zu wechseln. Sie hoffte, dass ein Stellenvermittler, den Polizist Grün erwähnt hat, sich einmal bemerkbar machen würde, ansonsten hatte sie vor, sich selber vor allem in Lausanne, sich zu erkundigen. Die andere Möglichkeit nach Hause zu fahren und neu einzureisen, schlug sie aus. Dazu reichte erstens das Geld nicht und noch dazu würde man sie auslachen; es nicht verstehen, dass sie nicht bekommen hatte was ihr versprochen wurde. So würde Christine nie an ihr Ziel kommen.

Katrin, die neue Kellnerin, kam also wie erwartet Mittags an. Christine half gerade in der Küche, als der Wirt grinsend bekannt gab, dass Katrin sich bei jedem Gast mit Handschütteln vorstellt. Die Wirtin und Christine nahm es Wunder, wie sie aussah. Sie konnten sie ein paar Minuten beobachten, schauten sich gegenseitig an und schmunzelten hinter vorgehaltener Hand. Katrin war eine kleine, runde, gut genährte junge Frau mit roten glänzenden freundlichen Gesicht, ihr grosser Busen reichte bis nahe unters Kinn. Anscheinend kam sie frisch vom Friseur, der Wirt hatte einen goldenen Ring an ihren Finger gesehen: „Die ist sicher verlobt oder gar verheiratet!“, vermutete er. Christine zeigte ihr noch schnell ihre Unterkunft.

Als die Mittagsgäste weg waren, wurde die Gaststube wie immer von 2 bis 5 Uhr geschlossen. Die Wirtin, Katrin und Christine nahmen jetzt gemeinsam das Mittagessen ein, dabei wurde von der Wirtin die Arbeitseinteilung erklärt. Doch plötzlich wurden von Katrin Bedingungen gestellt, da sie verlobt sei, wollte sie von Samstag ab 14 Uhr bis Sonntagabend freihaben. In ihrem Dachbodenabteil, möchte sie wenigstens noch einen Tisch, Stuhl und ein Möbel neben dem Bett, wo man was abstellen könne. Also wollte sie auch freie Kost und Unterkunft, 13 % von Umsatz, den sie machen wird und das Trinkgeld wird weder gezählt noch geteilt, dazu den üblichen Grundlohn ohne welche Abzüge. Wenn sie damit einverstanden sind, könnte man den Arbeitsvertrag unterschreiben. Aus ihrer Gobelin Handtasche entnahm sie ein grosses Kuvert mit einem fertig aufgesetzten Vertrag hervor, mit den Worten: „Damit habe ich ihnen, wie sie sehen, schon eine Arbeit abgenommen.“

Die Wirtin war so perplex! Bis jetzt hatte sie sich an ihrer Serviette festgehalten und zugehört. Sie versuchte ihre Ruhe zu bewahren und räusperte sich: „Ich werde das mit meinem Mann besprechen, wir sehen uns dann eine viertel Stunde vor 5, also bis dann.“ Sie stand auf, nahm das Kuvert an sich und ging in ihre Wohnung hinauf. Das war der Hammer! Trotz des Dialekts, den Katrin sprach, verstand Christine das Meiste.

Katrin, tief einatmend, fing an ohne zu zögern Kaffee zu machen, als wäre sie schon länger hier: „Jetzt brauch ich einen starken Kaffee, ich mache dir auch einen. Du warst wahrscheinlich ganz erstaunt über meine Bedingungen. Aber weisst du, ich als Schweizerin und hier noch dazu auf dem Land, kann ich das durchziehen. Denen bleibt ja nichts anderes übrig, als den Vertrag zu akzeptieren, dieser ist von einem Anwaltsbüro ausgestellt worden. Ich habe endlich erfahren, dass man sich heutzutage absichern kann und soll, denn ich habe schon ein paar schlechte Erfahrungen einstecken müssen.“ Dann fragte sie Christine noch, wie alt sie sei? „Darfst du schon in der Gaststube bedienen?“

Katrin sprach vorher ohne Punkt und Komma. „Ich bin 18!“, log Christine: „Ich habe mit dem Wirt zusammen die Gäste bedient, habe dabei viel von ihm gelernt, auch das einige Stammgäste ohne zu fragen bedient werden wollen, weil sie immer das gleiche Getränk in ihrem eigenen Glas haben möchten. Schau mal die verschiedenen Gläser hängen alle hier über der Theke. “Katrin: „Wie lange bist du schon hier?“ Es kam eine Frage nach der anderen ohne Unterbruch, manchmal hörte sie nicht einmal recht zu, was Christine sagte. Katrin trank genüsslich ihren Kaffee aus, danach ging sie in ihre Kammer: „In so einen Taubenschlag hab ich noch nie geschlafen!“, meinte sie noch, bevor sie die steile Stiege in Angriff nahm.

Die Schwester von Hans erzählt
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1.13.  Au-pair in der Schweiz – Die Schwester von Hans erzählt .

Christines Gedanken schwirrten um Hans, jetzt hatte sie Gelegenheit ihn ungestört anzurufen. Es antwortete eine höfliche Frauenstimme. „Guten Tag, mein Name ist Christine, kann ich Hans....?“ Weiter kam Christine gar nicht. „Vergessen sie aber ganz schnell diesen Dreckskerl, bevor noch mehr passiert. Er bringt unserer Familie nur Schande, dieses, dieses..... Monster, hat er sich bei Ihnen gemeldet? Wenn sie herausfinden, wo er ist, dann rufen Sie uns bitte, ich bitte Sie sofort an!“ Ihre Stimme zitterte. Christine wollte wissen, was er getan hat? „Der soll endlich aufhören Frauen zu belästigen, meine Freundin hat sich bis heute noch nicht von der...... seiner..... Attacke erholt!“ Sie zögerte, um das richtige Wort zu finden. „Oh du meine Güte! Ist das wirklich wahr?“ Fragte Christine. „Hallo! Hallo! Sind Sie noch da?“ Das Telefon wurde ohne zu Antworten aufgelegt. Hans hat sich schon komisch benommen, erinnert sie sich, als sie zusammen am Feldrand gelaufen sind. „Er hat mich ja umgestossen!“ Vielleicht hatte ich Glück, dass ein Hund in der Nähe war, ging es ihr durch den Kopf. Jetzt begriff sie langsam, dass sie eventuell in Gefahr gewesen war, sofern das alles stimmte, was sie am Telefon vernommen hat. Sie bekam Gänsehaut, es schüttelte sie, als hätte sie Fieber. So lief sie rasch in ihre Kammer hoch, um sich zu beruhigen.

Christine konnte nach zweieinhalb Monate für ein paar Tage ihre Familie besuchen. Hans meldete sich nie mehr, auch sein ehemaliger Legionär Kollege in Vorderberg hatte keine Ahnung, wo er sich aufhält: „Der ist sicher in der Schweiz, er hat ja wegen einer Sache abwarten müssen, bis die verjährt war. Um was es dabei gegangen ist, wollte ich eigentlich gar nicht wissen. Geht mich ja auch gar nichts an. Wahrscheinlich waren es Weiber Geschichten. In Algerien hatten wir ein Etablissement mit Mädchen aller Couleur!“ grinste er unverschämt breit. Christine hatte vorsichtigerweise weder der Wirte Familie noch irgend jemanden in Vorderberg wissen lassen, dass sie Hans, den Schweizer, der bei der Fremdenlegion war, getroffen habe.

Wieder zurück an der Arbeitsstelle und an ihrer Kammertür angelangt, staunte Christine. Nanu! Die Tür hab ich doch abgeschlossen, war schon wieder jemand hier? Sie sah sich um, ob was fehlt oder durchsucht wurde. Der Karton mit dem Spielball, den ihr Betli geschenkt hatte, war leer.

Abends fragte sie die Wirtin, wer noch einen Schlüssel zu ihrer Kammer habe, den es war, soviel sie gemerkt habe, schon zwei Mal jemand drinnen und hat etwas gesucht. Es rutschte ihr heraus, dass sie Parisien gefunden habe. Katrin hörte das und bog sich vor Lachen. „Die hat Pariser gefunden!“, rief sie einem Gast entgegen. „Waren die gebraucht oder noch neu?“, kicherte sie weiter. „Nein, natürlich waren die Zigaretten noch nicht angeraucht, ich hol' die schnell herunter.“ Sie fand Katrin ein bisschen gestört, dass sie über Zigaretten so kichern konnte. Na ja, „Parisiennes“ stand auf der Packung, hab es wohl falsch ausgesprochen, dachte sie. Christine holte die Zigaretten hervor und nahm vor Wut nur ein Paket mit nach unten, die anderen tat sie in ihr Versteck, mit der Absicht mal, noch mit anderen Sachen ein Paket nach Hause schicken zu können. Die Wirtin bestätigte, dass sie noch einen Schlüssel habe, damit im Fall ein Feuer ausbricht, man Zutritt habe. „Aber....“ Christine war dran etwas mehr zu sagen, doch die Wirtin wollte nichts mehr hören und wendete sich ab.

Katrin
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1.14.  Au-pair in der Schweiz – Katrin.

Katrin zeigte sich als eine lustige Person, flüsterte manchen Mann etwas ins Ohr und brachte sie zum Lachen. Sie durften ihr ´Spasseshalber´ auch auf den Hintern klopfen und ihre Hand halten, wenn das Trinkgeld stimmte. Wenn sie meinte, es wäre zu wenig, fragte sie den Gast laut vorwurfsvoll, ob er nicht zufrieden war? Dem Wirt gefiel das, doch seine Frau mochte keine derben Witze hören. Sie ermahnte Katrin sich anständig zu benehmen, sonst bekäme sie und auch das Haus einen schlechten Ruf. Katrin zuckte nur die Schulter: „Hauptsache ist der Umsatz steigt, das wollen wir doch alle, oder?“

Die Wirtin orderte Christine an mehr in der Küche zu helfen, damit sie die Schweizer `Bürgerliche Küche` kennenlerne und sie mal ablösen könne. Das war ja nun wirklich keine Au-pair Stelle mehr. Christine nahm sich vor, der Wirtin daran zu erinnern, dass sie den Lohn eines Au-pair hatte und nicht den einer Angestellten. Noch dazu, wann kann sie endlich mit dem Französisch Unterricht beginnen? Schwer enttäuscht und traurig holte sie das Blatt mit den Vorschriften für Au-pair Mädchen und las es genau durch. Da stand einiges, das hier nicht eingehalten wurde. Zum Beispiel, nur Haushalte ab zwei Kinder haben das Recht ein Au-pair Mädchen zu haben. Es störte zwar Christine wenig, das keine Kinder herum waren.

Katrin hatte erreicht, was sie haben wollte, so war es an Christine am Wochenende die Gäste zu bedienen. Sie hatte nichts dagegen, aber zeigte der Wirtin das Blatt Papier für Au-pair Angestellte. „Nein!“, sagte sie: „Jetzt kommst du auch noch mit so einem Mist!“ Christine: „Das ist kein Mist! Dies hier sollte eingehalten werden. Ich war sowieso schwer enttäuscht, dass man hier kein Französisch spricht, für mich war das der Grund warum ich mich für hierher entschieden habe. Wer interessiert sich schon den Schweizer Dialekt zu lernen, ich also nicht! Jetzt möchten Sie, dass ich hier wie eine gewöhnliche Angestellte arbeite und nur als Au-pair bezahlt werde. So kann das nicht weiter gehen, das muss ich ihnen doch nicht erklären? Noch dazu der Schwindel mit meinem Alter.“ Christine musste ihre Tränen zurückhalten, war total aufgeregt und wartete ab, was jetzt kommt. Die Wirtin: „Also für heute habe ich genug gehört, ich werde schauen wie wir es richten können, du weisst ich mag dich sehr. Natürlich war es falsch, wegen dem Französisch, das gebe ich zu, aber jetzt bist du da und es tut mir leid, dass es mit der Schule nicht geklappt hat. Übrigens sprichst du schon gut Schweizerdeutsch, das freut hier allen so.“ Die Wirtin lächelte müde: „Ich habe gedacht, wenn Katrin da ist und du meinen Mann in der Küche hilfst, dann könnte ich endlich mit Betli mit ins Schullager gehen, sie wünscht sich das so sehr und wird enttäuscht sein, wenn das wieder nichts wird. Sie zieht sich immer mehr zurück, ich weiss oft nicht mehr..........ach, entschuldige, das gehört ja nicht hier her.“ Sie putzte sich die Nase. Christine überlegte schnell! Die nötigen drei Monate sind ja noch nicht um und Morgen werde ich nach Lausanne fahren, um dort eine Arbeit in einem Hotel zu finden. Dann zur Wirtin: „Aber also, das sollte nicht von mir abhängig sein, wir müssen einfach einen schriftliche neuen Vertrag machen, der Realität entsprechend. Mit gerechtem Lohn, damit das wenigstens in Ordnung kommt. Ja und Morgen möchte ich, da ich ja meinen freien Tag habe, endlich Mal an einen See fahren, dazu bitte ich Sie um einen Vorschuss und für bis zum grösseren Bahnhof ins nächste Dorf, das Fahrrad von Betli. Wäre das möglich?“ Christine zeigte ihr ein freundliches Gesicht. Die Wirtin: „Mein Gott bin ich froh, können wir das richten, ich mach mich gleich dahinter, im Pult hab ich noch vorgedruckte Arbeitsverträge, das ist schnell gemacht. Wir sitzen dann später noch zusammen, aber jetzt ab in die Küche meine Liebe!“ Sie verschwand in ihre Wohnung, um die Sache hinter sich zu bringen.

Katrin spasste mit den Gästen herum. Heute hat sie auch noch einen Jodler zum Besten gegeben. Den Wirt wurde jetzt öfter ein Glas Wein offeriert, sein Verhalten wurde daher etwas lockerer. Später sassen die Wirtin und Christine am Küchentisch und füllten zusammen den Vertrag aus. Christine hätte sich vorher erkundigen sollen, wie viel eine Angestellte verdienen kann. Aber bis zuletzt gaben sich beide die Hände und gingen sichtlich zufrieden auseinander. Christine meinte, wenn Katrin nicht ihre Bedingung gefordert hätte, wäre das nicht so einfach gewesen.

Reise nach Lausanne
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1.15.  Au-pair in der Schweiz – Reise nach Lausanne.

Die Reise nach Lausanne war einfach herrlich. Dort angekommen, spazierte Christine an einer Reihe noblen Boutiquen vorbei, dann weiter in einer weniger schönen Gasse entdeckte sie ein Rotes Kreuz auf weissen Grund über einen Laden, darin waren gebrauchte Kleider, Schuhe und andere Sachen zum Verkaufen ausgestellt. Christine zögerte nicht lange, betrat den Laden und grüsste auf Französisch. Bonjour hörte sie rufen. Ein elegantes graues Kostüm wurde gerade zum Verkauf auf einen Bügel gehängt, war leider nicht grad billig angeschrieben, so suchte sie weiter. Da waren ein paar rote Schuhe und eine passende rote Handtasche dazu. Eine Rotkreuz Helferin ermutigte Christine das Kostüm zu probieren, die kurze elegante gestreifte Jacke zu dem grauen Rock. Es passte wunderbar, wegen des Preises zeigte sie ihr noch ein zweiteiliges grünes Kleid und dann probierte sie noch ein schwarzes auch zweiteilig, beide von bester edler Leine, zwar ohne Arme, aber mit eingenähten Futter. Passte alles wie angegossen so wunderbar. Die Helferin faltete alle drei Kleider zusammen, legte die Schuhe und die rote Tasche dazu. Christine: „Oh nein! Das kann ich unmöglich bezahlen!“ Sie sah sie an und wollte wissen, wie viel sie dafür bezahlen könnte? Sie sprach nur wenig Hochdeutsch. Christine versuchte es mit ihrem Französisch, sie lachten zusammen, Christine nahm dann ihren Vorschuss aus der Geldbörse. Sie konnte ihr erklären, dass das alles ist, was sie besitze und sie auf Arbeit Suche ist. Am liebsten in einem Hotel. Sie waren beide allein im Laden. Die Rotkreuz Helferin nahm einen Zettel in die Hand, schrieb eine Adresse von einem Hotel auf und noch ein paar Zeilen dazu. Dann nahm sie etwas von Christines Vorschuss und packte alle Sachen in eine grosse Tasche von Christian Dior. Natürlich hatte Christine noch keine Ahnung von `Dior`. Die Frau vom Laden ging noch bei einem Schmuckständer vorbei, schmiss einiges davon in die Tasche, und übergab sie Christine. Die konnte ihre Freude nicht verbergen, umarmte die nette Frau und hüpfte förmlich davon.

Nach einer Weile war der Genfersee vor ihr, Christines Herz fing an wie wild zu klopfen. Oh mein Gott! Das ist der Himmel! Das ist so schön, hier möchte ich bleiben. Der See, die Schnee bedeckten Berge und da drüben ist Frankreich, mit der Schiffsfähre, wie man auf einer Tafel sehen kann, leicht erreichbar. Die vielen schönen Hotels nahe der Promenade, da gibt es sicher eine Anstellung für mich.

Christine suchte den Zettel von der Rotkreuz Helferin hervor und sah sich nach der Strasse und dem Hotel um, das diese notiert hatte. Ich muss fragen, dachte sie, ging in ein „Café“ Haus, grüsste recht freundlich und zeigte einer Kellnerin die Adresse. Die sah zuerst auf die Christian Dior Tasche und antwortete auf Hochdeutsch: „Das Hotel ist hinter der Parkanlage etwa 100 Meter weiter links.“ „Danke! Bitte darf ich hier aufs Klo gehen?“ „Ja natürlich, da hinten im Gang, bitte schön.“ Christine zog das graue, zweireihig hoch geknöpfte Kostüm und die roten halbhohen Schuhe an. Im Sack war noch eine passende Halskette, die sie umhängte, richtete ihre Haare und schlang die rote Handtasche über ihre Schulter. Meine Güte, ich fühle mich so ganz anders, heute ist mein Glückstag!

Später stand Christine nun vor einem, im alten Stil gebautem, `Grand Hôtel`. Sie musste sich allen Mut zusammen nehmen, um durch diese Drehtüre in die grosse Halle zu gelangen. Ein Mann in Uniform begrüsste sie freundlich und begleitete sie zum Empfangspult. Die Dame dahinter hatte, auf Französisch wohl, gefragt auf welchen Namen sie reserviert habe? So verstand es Christine. Sie zeigte ihren Zettel, wurde dann weiter nach hinten zu einem Büro begleitet. Davor standen zwei in Samt gepolsterte Stühle, daneben ein kleiner niedriger Tisch. Hier solle sie warten, bis sie gerufen werde.

Christine hatte ihre Aufenthaltsbewilligung, alle anderen Unterlagen, den neuen Arbeitsvertrag und den Pass mit dabei. Sie bereitete alles zum Vorzeigen vor, nur das Arztzeugnis, mit der Bemerkung, dass sie noch Jungfrau war, steckte sie in die Tasche zurück. In ihrer neuen roten Tasche verstaute sie nur das Nötigste.

Wie lange muss ich den noch warten? Sie hatte das Gefühl, sie sitze hier sicher schon eine halbe Stunde. Schön langsam wurde sie durstig und aufs Klo sollte sie auch wieder. Wahr wohl die Nervosität, die sie überkam. Ein Kellner mit leeren Tablett kam näher. „Kann ich bitte ein Glas Wasser haben? Ich möchte noch aufs....... Der Kellner zeigte ihr, wohin sie gehen musste, fragte höflich, was sie gerne trinken wolle. „Wasser bitte!“ „Auch eine Tasse Kaffee dazu?“ Christine: „Ja gerne!“ Oh! Hoffentlich kostet das nicht zu viel! Sie vergass total, dass sie hier in einem noblen Hotel war. Als sie sich wieder hinsetzte, stellte der Kellner das Tablett mit Kaffee, kleine Kekse und Wasser hin. Er hielt einen Schreibblock in seiner Hand: „Wie ist ihre Zimmernummer?“, fragte er in guten Deutsch. Christine erschrak förmlich, zum Glück habe ich erst nur das Wasser getrunken. „Ich wohne nicht hier! Ich möchte hier gerne arbeiten, jetzt warte ich schon sicher bald eine halbe Stunde, um mich zu bewerben.“ Der Kellner lachte: „Oh Entschuldigen sie, die Dior Tasche und so elegant gekleidet hat mich irritiert.“ „Emmanuel!“, stellte er sich vor und reichte ihr die Hand. Christine nannte ihren Namen. Sie musste auch lachen, war angenehm überrascht, dass er sie für einen Hotelgast hielt. „Bevor ich den Kaffee anrühre, was kostet der?“ Emmanuel winkte ab. „Schon gut! Du hast Glück, hier hat es immer zu wenig Personal, die stellen dich sicher an. Ich selber besuche die Hotelfachschule, helfe manchmal im Service aus. Was für Sprachen sprichst du noch?“ „Noch? Ist gut!“ lächelte sie. „Bist du Schweizer?“, fragte Christine. „Nein, ich bin Doppel Bürger, meine Mutter ist Griechin und mein Vater Ägypter, beide haben ihr eigenes Hotel in ihren Heimatorten. Ich bin mal da und mal dort und was bist du?“  „Österreicherin, mein Vater ist von dort, aber meine Mutter kommt aus Ungarn, also auch so gemischt.“ Beide lachten. Emmanuel war ihr sehr sympathisch, so erzählte sie kurz ihre Geschichte, weswegen sie eigentlich in die Schweiz gekommen war. Dann fragte sie ihn: „Wo hast du so gut Deutsch gelernt?“ „Im Internat in Zuoz im Engadin, dort konnte ich auch Französisch studieren. Englisch hatte ich schon vorher in der Schule. Sag, bist du eigentlich angemeldet? Im Personalbüro sitzen jetzt vier Portugiesen.“ Da öffnete sich die Bürotüre, herauskamen die vier Männer, mit zufriedenem Gesichts -ausdruck. Christine winkte Emmanuel noch kurz, bevor sie das Büro betrat.

Sie wurde freundlich von einer älteren Frau begrüsst, der Blick auf ihre Dior Tasche blieb nicht aus. Fast unauffällig wurde sie von Kopf bis Fuss gemustert. Kurzum wurde sie gefragt, warum sie hier arbeiten wolle? Christine gab zu verstehen, dass ihr das Hotelfach und die französische Sprache sehr interessiere. Nach der Prüfung der Unterlagen wurde ihr erklärt, dass, weil sie noch nicht 18 Jahre alt sei und ihr Französisch nicht gut genug, sie nicht überall eingesetzt werden könne. Christine gab nach dem Gespräch über die gegenwärtigen Bedingungen zu verstehen, dass sie damit voll einverstanden wäre. Nach einer Weile erklärte man ihr einige Formulare, die ihr dann zum Unterschreiben vorgelegt wurden, so brauchte sie diese nicht durchzulesen. Bis zum vereinbarten Arbeitsantritt sei das meiste somit erledigt. Bei der Fremdenpolizei müsste sie sich dann allerdings noch selber melden. Sie bekam eine Kopie eines Formulars gereicht und wurde mit netten Worten verabschiedet. Emmanuel kreuzte auch noch ihren Weg nach draussen. „Wir sehen uns wieder!“, rief ihn Christine lächeln zu. Er winkte nur kurz „Au revoir!“

Christine kaufte sich ein Brötchen an einem Kiosk und setzt sich auf eine Bank im Park, die Aussicht auf den See und den Schiffen war sehr beeindruckend. Sie blieb so lang, bis es Zeit war zurückzufahren.

Das Abendessen wollte sie nicht versäumen, heute hatte sie ausser dem Brötchen und den Keksen noch nichts gegessen. Im Zug waren nur wenige Leute, sie setzte sich so hin, sodass sie sich schnell umziehen konnte. Mit den eleganten Kleidern konnte sie sich nicht im Dorf zeigen und damit Fahrrad fahren wäre auch nicht gerade klug. Bei der Dior Tasche stülpte sie das Innere nach Aussen und packte ihre neu gekauften Kleider, die rote Tasche und Schuhe hinein.

Picknick mit Folgen
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1.16.  Au-pair in der Schweiz – Picknick mit Folgen .

Katrin putze singend die Gaststube, ihre freie Zeit war erst ab Samstag. Die Wirtin hatte einen Korb für ein Picknick vorbereitet: „Bald kommt mein Cousin mit einem Freund. Wir alle gehen dann zusammen in den Wald, die Eulen balzen hören, die sind dieses Jahr früh dran, hat der Förster gemeint. Wir werden unsere Würste am offenen Feuer braten. Ich weiss nicht wer noch alles da sein wird, aber es wird sicher spannend und lustig. Katrin wird uns ihre neuen Witze erzählen und zu unserer Freude singen.“ Sie blickte zu Katrin. Die gab zu verstehen: „Ich! In der Nacht in den Wald gehen? Nein Danke, da mach ich nicht mit!“ ,,Na dann, bleibt wenigstens jemand im Haus, das ist auch gut so. Muss euch noch was verraten. Ab Morgen sind mein Mann und Christine für die Küche verantwortlich. Ich werde 10 Tage mit Betli im Schullager verbringen, ich bin mir jetzt ganz sicher, ihr macht das gut, bis wir wieder zurück sind. Am Brett hab ich die Telefonnummer des Lagers angebracht, wo ihr mich, aber bitte nur im Notfall, erreichen könnt. Sie zeigte auf die Tafel, wo noch andere Information Zetteln waren. Christine sah sich die Telefonnummer an: „Das kann man ja kaum lesen.“ Sie schrieb die Nummer für sich ab. Katrin war sprachlos, nachdem die Wirtin gesprochen hatte. Sie ass mit grossen Appetit, was sie sich aus der Küche holen durfte. Man konnte ihr ansehen, dass ihr dies nicht passte. Christine lenkte ab, erzählte vom See und den Schiffen, zum Glück fragte niemand, an welchen See sie war, das wollte sie nicht verraten. Dass es mehrere in der Gegend gab, hat Christine aus den Gesprächen der Gäste erfahren.

Es haben sich sechs Personen für das Picknick eingefunden, jemand ist schon mit Decken vorausgegangen und um ein Lagerfeuer zum Würste braten zu machen. Sie mussten nicht weit laufen, da hörten sie schon Stimmen. Es waren noch Burschen mit ihren Mädchen anwesend, die blieben aber nicht lange. Bald wurde gebraten und gelacht. Manchmal hörte man Geräusche und die Eulen balzen, da waren alle ruhig und spitzten die Ohren. Die Wirtin ging für einen Moment hinter die Büsche, das nutze ihr Cousin aus: „Jetzt ist es Zeit, dass man das Betli aus kitzelt.“ Der Wirt lallte: „Aus kitzeln? Gut! Sie ist ja schon 14!“ Der Wein und Schnaps hatte seine Wirkung gezeigt. Schon stürzten sich drei von den Männern auf Betli und kitzelten sie am ganzen Körper. Sie lachte nicht, sie schrie! Christine wollte ihr zur Hilfe kommen, da sprang aber schon die Wirtin dazwischen: „Weg mit euch!“ Mit einem Stock schlug sie die Männer auseinander. „So, komm Betli“. Sie nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. „Wir gehen heim. Christine du kommst auch mit. Musst nichts mitnehmen, das sollen diese Glüsteler machen“. Christine konnte das Geschehen noch Katrin erzählen, bevor sie schlafen ging. Katrin zeigte sich aufgeregt: „Diese Schweine! Alle Männer sind Hurenböcke!“ Sie schüttelte sich mit Grauen und rannte in ihre Kammer.

Abfahrt ins Schullager
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1.17.  Au-pair in der Schweiz – Abfahrt ins Schullager.

Früh am Morgen hupte ein Reisebus vor dem Haus. Die Wirtin und Betli stürzten die Treppe hinunter, der alte Schäferhund langsam hinterher, der Wirt zeigte sich nicht. Christine konnte gerade noch schöne Ferien wünschen und ihnen nachwinken.

In der Ferne hörte man schiessen, Christine fragte den Wirt wieso und warum heute geschossen wird? Es seien Jungschützen, die am Schiessplatz beim Schützenhaus da oben schiessen: „Kannst ja schauen gehen, aber in einer Stunde bist wieder da!“ Christine war neugierig und sah sich das Schützenhaus an. Sie kannte Herrn Gigax, der hinter der Tür sass und Patronen verteilte und es notierte. Jeder kam mit einem Gewehr über der Schulter herein. „Haben die alle ihr eigenes Gewehr?“, fragte Christine. „Ein rechter Schweizer hat sein Gewehr zu Hause.“ „Willst auch mal schiessen?“, lachte er. Christine erwiderte: „Ja warum nicht?“, und hob die Schultern. Da lag ein Schütze neben dem anderen, sie zielten auf Figuren, an denen eine Zielscheibe angebracht war. Herr Gigax kam mit einem Gewehr und Patronen zu Christine: „So kannst jetzt mal probieren, aber zuerst musst du es laden.“ Gab ihr eine Patrone und ein schweres Militärgewehr, zeigte ihr wo man die Patrone hineinsteckt und wie man es ladet. „Kannst auch mit einem Knie niederknien und das Korn muss genau in der Kerbe sein.“ Er zeigte ihr, wie das gemeint ist. „Jetzt auf die Scheibe zielen und abdrücken. Musst das Gewehr fest an die Schulter drücken, denn es gibt einen Rückschlag, sonst bekommst du einen Blauen, einen Bluterguss meine ich.“ Ein paar Jungschützen schauten gespannt zu. „Aua!“ Das war ein starker Schlag an die Schulter. Gigax: „Einen Zehner hast getroffen, nicht schlecht fürs erste Mal.“ Alle klatschten amüsiert.
Christine bedankte sich und lief zurück zum Gasthaus. Sie sah Herrn Grün, den Dorfpolizisten mit einem beladenen Fahrrad Anhänger kommen. Er rief ihr zu: „Hoi Christine, na alles in Ordnung?“ „Ja, es geht!“ Polizist: „Ich beziehe jetzt ein grösseres Büro, im Haus neben dem Bahnhof. Du findest mich jetzt dort, wenn was brauchst, oder mit wem reden willst.“ Christine: „Gut zu wissen. Danke schön!“ „Einen Zehner hab ich geschossen, aber jetzt tut mir meine Schulter weh!“ berichtete sie dem Wirt. „Was? Der Gigax hat dich schiessen lassen? Er weiss doch das dies nicht erlaubt ist, das glaub ich einfach nicht!“

Der Wirt wollte allein am Herd sein, das hat er schon seiner Frau zu verstehen gegeben. Kam mit seinem Hund in die Küche, breitete ihm einen Teppich in einer Ecke aus und liess ihn dort liegen. „Der Saal oben muss in Ordnung gebracht werden, weil sich ein Küchengerät Händler, den für eine Demonstration gemietet hat.“ Christine: „Also sie meinen ich soll jetzt nach oben in den Saal gehen?“ „Wer den sonst! Ich brauche beim Kochen keine Hilfe“ schnurrte er in seinen Bart. Als sie die Stiege hinauf ging, kam ihr Katrin entgegen. „Ist eine Frechheit, uns einfach mit dem Betrieb allein zu lassen. Der Wirt war auch nicht einverstanden damit, aber die macht ja, was sie will nur, weil sie das Wirt-patent und das Geld hat. Die haben gestern laut gestritten bevor sie Betli abgeholt hat.“ Christine: „Ich muss den Saal herrichten, weil hier eine Demo stattfinden wird.“ „Sag bloss nicht, in der Zeit wo die Alte weg ist?“ „Hab keine Ahnung! Och! Meine Schulter tut weh, ich hab mit dem schweren Militärgewehr schiessen dürfen und jetzt, sieht man was? Durch den Schuss gab es einen Schlag gegen meine Schulter. “ Christine schob ihren Pullover auf die Seite. Katrin: „Uih! Da musst du Essigsaure Tonerde auflegen. Im Verbandskasten in der Küche hab ich so was gesehen, warte, ich hole es dir.“ Katrin drückte das Gel auf ein Stück Verbandstoff und klebte es mit Pflaster über die rote Stelle fest. „Das nimmst jetzt mit, vielleicht brauchst es noch.“

Christine ging in ihre Kammer. Schloss ab und sah nach, ob ihre Sachen noch gut versteckt waren. Das Versteck wurde, seit dem sie auch die neuen Kleider dort hatte, ziemlich eng. Sie schaute sich im Dachboden, wo die Truhen standen um, es war ziemlich dunkel dort oben. Da fiel Christine die Taschenlampe ein, die auf Betlis Fahrrad angeklemmt war. Mit der konnte sie jetzt auch in die Nazitruhe nach schauen, ob alle zwei Kassetten verkauft wurden. Nein, eine war noch da. Die Truhe war nie ganz geschlossen, das wunderte Christine schon sehr. An der Wäscheleine hing eine Küchenschürze von der Wirtin, die zog sie sich jetzt über, damit ihre Kleider nicht schmutzig werden.

Eine ganz verstaubte Reisetasche aus Leder, entdeckte sie zwischen einigen Koffern eingeklemmt. Sah aus, als ob die nie benutzt wurde. Sie nahm die mit in ihre Kammer, wusste, aber im Moment nicht was sie damit anfangen soll. Christine leuchtete weiter herum, sie merkte, dass die Bodenplatten am Rand neben ihrer Kammer, nicht festgenagelt waren. Sie hob eine auf und sah den leeren grossen Zwischenraum, da war genug Platz für ein neues Versteck. Sie hatte noch Zeit in die Lederreisetasche zu schauen. Ausser einer Nagelschere mit Feile und ein Schweizer Militärmesser in einem Lederetui war nichts drin. Christine verstaute den Dior Sack mit den neuen Sachen in die Reisetasche, die sie noch rasch abstaubte und platzierte dann diese ins neue Versteck.

Erste Annäherung
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1.18.  Au-pair in der Schweiz – Erste Annäherung.

Im Saal hingen Spinnweben an den Fenstern runter. Eine ausziehbare Leiter lehnte an der Wand. Wo beginnen? Ich fange auf der Bühne an, entschloss sich Christine. Mit dem Besen staubte es fürchterlich, der ganze Saal war mit groben Holzlatten ausgelegt. Christine erinnerte sich an zu Hause. Der Fassbinder schüttete immer einen Kübel Wasser über den Boden, damit es nicht so staubte, wenn er mit dem Besen darüber kehrte. Also ging sie mit dem Eimer hinter die Theke und füllte den mit Wasser, schüttete es flach über den Boden und fing an zu kehren. Der Besen war sehr breit, so war bald einmal die Bühne sauber gefegt. Sie stellte die Leiter neben einem Fenster, um so an die Spinnweben zu kommen. In der Küche gab es einen Besenstiel mit Putzfäden dran, den holte sie jetzt. Da meldete sich der Wirt: „Der ist für den Küchenboden bestimmt, was willst den damit?“ „Auf die Leiter steigen und die Spinnweben von den hohen Fenstern herunterholen,“ antwortete sie, ging zurück in den Saal, musste ziemlich hoch die Leiter erklimmen. Die Spinnweben klebten fest am Holzrahmen und dann an den Putzfäden. Als sie so oben stand merkte sie, dass jemand unter der Leiter stand. „Wer ist da?“, rief sie erschrocken. „Ich wollt nur die Leiter halten, wir haben keine Unfallversicherung für das Personal“, erklärte der Wirt. Er wurde ganz rot im Gesicht und ging wieder. Christine hatte plötzlich das Gefühl, das der ihr nur unter dem Rock schauen wollte. So stieg sie zittern die Leiter herunter, sie wollte nichts mehr riskieren. Sie fegte sodann im Saal weiter.

Der Wirt kam mit frischem Brot in die Gaststube und gab bekannt: „Samstagnachmittag kommt der Händler, um Haushalt Maschinen vorzuführen. So kannst du Katrin erst am Abend weg. Tini wird im Saal bedienen, ich werde in der Küche sein und du Katrin bleibst in der Gaststube!“ Katrin wollte was sagen, aber er ging einfach weg. „Das war nicht abgemacht, rief sie ihm nach!“ Der Wirt laut zurück: „Jetzt ist es abgemacht! Der Patron bin immer noch ich! Ich bestimme, was zu tun ist und fertig!“ Als der Wirt ausser Reichweite war, ärgerte sich Katrin: „Das Arschloch von einem Chef, ohne seine Frau ist der aufgeschmissen, der wird mich noch kennenlernen, nur abwarten. Pass auf, ich muss schnell telefonieren, gib mir ein Zeichen, wenn er kommt.“ Christine ging aber in die Küche, zog ihre gute schwarze Jacke aus, räumte Geschirr und Töpfe weg, sodass es Platz gab, um Salate vorzubereiten. Der Wirt kam dazu und grinste sie an. Wollte wohl damit sagen, der Katrin hab ich es jetzt gezeigt, wer der Herr im Hause ist. Der Rest des Tages verlief dann friedlich. Katrin liess sich bei den Gästen nichts anmerken, dass sie eine grosse Wut im Bauch hat.

Es wurde Samstag und langsam spannend, bleibt Katrin oder nicht? Christine wollte es wissen und äusserte sich: „Wenn die Vorführung zu Ende ist, kannst ja gehen, dann mach ich hier weiter.“ „Du bist aber ein Schatz! Ja toll, dann hau ich ab, es bringt ja nichts, wenn ich mich nerve.“ Und schon summte sie wieder ein Lied vor sich hin, band ihre weisse gestärkte Schürze um, drehte sich hin und her. Auf einmal lachte Christine laut heraus: „Warst du auf der Toilette? Dein Kleid ist hinten noch oben und eine halbe Rolle Klopapier hast eingeklemmt. Hahaha! Das sollte man fotografieren.“ „Du blödes Huhn, was sagst du da?“ Katrin griff nach hinten, fasste das Papier und schmiss es in den Abfallkübel. Dann auf einmal platzte sie fast vor Lachen und hielt sich an Christine fest: „Weisst du was? Wenn die Alte wieder zurück ist, mach ich das zum Spass vor allen Leuten. Diese Dorftrotteln werden sich darüber amüsieren. So werde ich bestimmt berühmt als singende, lustigste Serviertochter in der ganzen Umgebung. Wirst sehen das funktioniert!“ Der Wirt schaute herein, schüttelte nur den Kopf: „Blöde Weiber!“ War noch zu hören. Katrin: „Hier, ich schenke dir eine meiner Schürzen, die du für den Service umbinden kannst. „Oh, Danke!“ strahlte Christine.

Küchenmaschinen Vorführung
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1.19.  Au-pair in der Schweiz – Küchenmaschinen Vorführung.

Der Saal war erstaunlich gut besetzt. Meine Güte, die soll ich alle allein bedienen? Christine hatte eine glänzende Idee! Machte vor Beginn der Demo auf der Bühne mit einem „Grüss Gott miteinander“, laut bekannt, dass man Getränke an der Theke holen kann. So konnte sie auch gleichzeitig einkassieren. Zwischendurch, während der Vorführung, ging sie Flaschen einsammeln und bediente auch den einen oder anderen Gast. Der Händler erzählte so manch derben Witz, auch welche, die unter der sogenannten Gürtellinie liess er nicht aus. Bevor er Schluss machte, sammelte er die Bestelllisten bei den Besuchern ein, trank anschliessend einen Kaffee und zeigte ein zufriedenes Gesicht. Er brachte später sogar den Wirt, nach ein paar Schnäpse dazu, einen grossen Mixer mit allen Zusätzen zu kaufen, rechnete so die Saalmiete herunter, sodass am Ende der Wirt noch was draufzahlen musste.

Christine ging in die Gaststube, um Katrin abzulösen: „Den Saal räume ich erst Morgen auf, so kannst du jetzt schon gehen, wenn du willst.“ „Wirklich? Ich bin schon weg!“ zog ihren Verlobungsring vom Finger und steckte den in ihre Servicegeldtasche. Christine wunderte sich: „Bist du echt verlobt?“ Katrin hörte nicht hin und beeilte sich. „Salü! Bis Morgen Abend!“

Um 22 Uhr waren nur noch zwei Männer da, die schon genug getrunken hatten. „So meine Herren heute schliessen wir früher, wir hatten einen strengen Tag!“ Der Wirt stand auch nicht mehr so sicher auf den Beinen. Sein Gesicht war rot und glänzte. Christine wünschte gute Nacht und verschwand in ihre Kammer.

Versuchte Vergewaltigung
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1.20.  Au-pair in der Schweiz – Versuchte Vergewaltigung.

Als sie ins Bett gehen wollte, klopfte es heftig an der Tür, Christine erschrak, nahm die Taschenlampe und sah nach, ob sie wirklich abgeschlossen hatte. Dann stemmte sie den Stuhl noch besser unter die Türklinke. Sie setzte sich ganz leise auf den Bettrand, schob eine fast leere Oranginaflasche zu sich. Sie hörte Schritte, das ist der Wirt! Auf einmal krachte es, die Holzsplitter der dünnen Spannholzplatte aus dem Rahmen der Tür flogen durch den Raum. Er erreichte den Türschlüssel, sperrte auf. „Was wollen sie?“, schrie Christine. „Das wirst gleich merken!“ Er schob die Türe mitsamt dem Stuhl auf, Christine wollte vorbeilaufen, doch er konnte ihr den Weg versperren und schob sie grob gegen das Bett. Sie währte sich kräftig, er drückte sie auf die Bettkante, sie schrie vor Schmerz, da wollte er ihren Mund zuhalten. In dem Moment biss sie ihn fast den kleinen Finger von der Seite her ab und liess nicht los. Dann rollte er sich bäuchlings ins Bett, rutschte weg von der Kannte, so erreichte Christine mit der Hand die Flasche, die neben dem Bett stand und schlug, so fest sie konnte zu, traf aber nur Hals und Schulter. Der Wirt weichte aus, nun konnte sich Christine losreissen. Ihr rechter Oberschenkel schmerzte gewaltig, sie humpelte bis zur Militärkiste, nahm das Gewehr heraus, zielte auf die Tür zitternd von hinter der Truhe. Der Wirt torkelte zur Treppe, kam bis zur Hälfte runter, dann polterte es nur noch, verschwand dann in seiner Wohnung, die der Hund von aussen bewachte.

Christine schmiss das Gewehr in die Kiste zurück, sie realisierte erst jetzt, dass es gar nicht geladen war. Sie überlegte nicht lange, holte alle ihren Sachen aus dem Versteck heraus, zog sich rasch an, erinnerte sich, dass sie ihre schwarze Jacke in der Küche abgelegt hatte. Die wollte sie noch holen, schlich sich bis zur Küchentür, doch die war verschlossen. Sie ärgerte sich, weil sie jetzt nichts Warmes anzuziehen hatte. Doch dann fiel ihr ein, dass oben noch ein Weidenkorb mit abgelegten Kleidern stand, humpelte hinauf, nahm die Taschenlampe und wühlte eine braune dicke Jacke heraus. Sie sah sich um, ob sie wohl nichts vergessen und alles gepackt hat. Sie ärgerte sich, dass sie ihre schöne schwarze Jacke zurücklassen musste. Doch zum Glück konnte sie auch die lederne Reisetasche in ihren mitgebrachten Koffer hineinpressen.

Jetzt nichts wie weg
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1.21.  Au-pair in der Schweiz – Jetzt nichts wie weg.

Christine schlich die Treppe ganz auf der Seite hinunter, wo sie nicht so quietschte, an den murrenden Hund vorbei, zur Eingangtür. Die war geschlossen, in der Finsternis spürte sie, dass der Schlüssel steckte, drehte ihn um und verliess das Haus. Nach ein paar Meter Richtung Bahnhof, dachte sie, mit dem Fahrrad wäre es nicht so mühsam den Koffer zu schleppen, so liess sie ihn am Strassenrand stehen und lief zurück. Diesmal stand das Fahrrad nicht abgeschlossenen hinter dem Haus, daneben war eine Kiste Mineralwasser, deren sie eine Flasche entnahm.

Christine klemmte den Koffer auf den Gepäckträger, die Handtasche hängte sie an das Lenkrad. Vielleicht geht, um diese Zeit, noch ein Zug zum nächsten grösseren Bahnhof, hoffte sie, sodass sie mit dem Fahrrad bis Biel weiterfahren könne. Dort wollte sie dann den Vorfall der Polizei melden und erklären, warum sie weggelaufen ist. Zum Wirt würde sie auf keinen Fall mehr zurückkehren.

Sie suchte die Taschenlampe heraus und leuchtete den Fahrplan ab. Der nächste Zug fährt erst um 04:20 Uhr. Was mach ich jetzt? Dachte Christine und schob das Fahrrad um die Bahnstation herum. Ein Unterstand mit einer Holzbank war da, es blieb ihr nichts anderes übrig, als dort abzuwarten, bis der erste Zug kommt. Sie schob das Fahrrad ganz nah zur Bank und setzte sich mit angezogenen Beinen dahinter. Die braune Jacke war nicht gerade ihre Grösse, aber sie gab warm. Ihr Oberschenkel tat enorm weh. So suchte sie das Gel, das sie noch von der letzten Verletzung hatte hervor und massierte ihren Schenkel so gut sie konnte ein. Auch ihre Zähne schmerzten, da sie so stark zugebissen hatte und die Lippen fühlten sich geschwollen an. Ein Röhrchen Schmerztabletten, das Katrin ihr mit dem Gel gegeben hat, war jetzt nötig. Sie nahm eine Tablette heraus und schluckte sie mit dem Mineralwasser runter. Müde legte sie den Kopf auf die Knie und nickte ein.

Christine hörte jemanden telefonieren, es war der Bahnvorsteher. Die Bahnhofuhr zeigte 04:10. Sie schob das Fahrrad in seine Richtung: „Guten Morgen, ich möchte so früh wie möglich nach Biel. Wie mach ich das am besten?“ Sie hoffte auf einen direkten Zug, aber es war wie das letzte Mal. „Am schnellsten? Mit dem Fahrrad auf den Zug und dann den Rest der Strecke weiter mit dem Rad. Fahrkarte kann man im Zug kaufen. Der Zug kommt schon, ich helfe dir einsteigen.“ „Danke! Für ihre Hilfe. Adieu und noch schönen Tag!“ Wenn der nur wüsste, was ich die letzte Nacht erlebt habe!

In Biel angekommen suchte Christine den Polizeiposten. Sie fragte einen Fussgänger, der wies ihr den Weg und sah sie komisch an. Sie lehnte das Fahrrad an die Hauswand der Polizeiwache und ging mit ihrem Koffer in der Hand in das Gebäude, klopfte an die erste Tür und öffnete sie. Ein Mann stand hinter dem Pult. „Bonjour!“, grüsste er, sagte noch was, das sie nicht verstand. „Bonjour! Ich möchte eine Anzeige machen, mein Chef wollte mich.....sie hob ihren Rock bis zu der grossen bereits in allen blauen Farben schillernden Stelle hoch, dann flossen ihr die Tränen runter. „Oh la la!“ In einem holprigen Deutsch fragte er nach ihren Namen und notierte ihn auf einer Schreibmaschine. Als er hörte, wo das passiert war, stand er auf und sagte, dass sie hier nicht zuständig seien für diesen Fall, sie müsse zum Polizeiposten vor Ort gehen. Er sah nach, wo das ist, schrieb es ihr auf und schob ihr die Adresse über das Pult zu. „Es tut mir leid, dass ich nicht helfen kann!“ Er öffnete die Tür und schaute ihr mitleidig nach.

Nachdem Christine den Koffer wieder auf das Fahrrad geklemmt hat, las sie die Adresse. Oh, heilige Maria! Jetzt muss ich zurück ins Dorf! Nahm eine weitere Schmerztablette, schluckte sie mit dem Mineralwasser runter. Dann radelte sie los zum nächsten Bahnhof, um die Sache hinter sich zu bringen. Der Bahnvorstand vom Dorf sah sie verwundert an,      hatte aber zum Glück keine Zeit um ihr Fragen zu stellen.

Rapport an den Polizeibeamten
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1.22.  Au-pair in der Schweiz – Rapport an den Polizeibeamten.

Endlich stand Christine, mit ihrem Koffer vor dem neuen Polizeiposten beim Haus neben dem Bahnhof. Heute ist Sonntag, ist da überhaupt jemand? Sie machte die Tür auf und sah, dass ein paar Kartons herumstanden. „Hallo, ist da jemand?“, rief sie suchend nach dem Polizisten. Die Stimme kam vom Nebenzimmer. „Ich komme gleich!“ Gott sei Dank, war Herr Grün da. „Ja hoi, was gibt mir die Ehre, bin erstaunt dich hier mit einem Koffer zu sehen. Ich bin bei euch vorbeigefahren, plapperte er weiter. Der Wirt hat eine grosse Tafel hinters Fenster gestellt, `Wegen Ferien geschlossen!`. Das hast du mir gestern nicht verraten! Fährst du weg?“ Christine brachte nur zitternd ein: `Grüessech!` hervor und konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Er schaute sie streng an: „Komm sag schon, was ist passiert?“ Christine hob wieder ihren Rock und zeigte den grossen Bluterguss auf ihren Oberschenkel und dann auch auf ihre Lippen, die geschwollen waren. „Sag bloss das war der Wirt?“ Christine nickte mit dem Kopf. „Jetzt ganz ruhig! Ich hol dir einen Stuhl und bring dir was zu trinken.“ „Kann ich zuerst aufs Klo?“ Er begleitete sie bis zur Toilette, in der Zeit stellte er einen Stuhl zum Pult und holte dazu eine Flasche Mineralwasser und zwei Gläser.
Christine erzählte ihm genau, was geschah. „Dieses Dreckschwein! Der hat das sicher auch bei der Sandra versucht, jetzt begreife ich, dass sie nicht mehr bleiben wollte.“ Er hielt alles auf seiner Schreibmaschine fest.
Nachdem er das Protokoll geschrieben hatte, informierte er die Kantonspolizei Bern. „Ich muss mich erkundigen, wie es jetzt mit dir weitergehen soll?“ Nach einem hin und her per Telefon: „Sie beraten sich und rufen dann zurück.“ „Dem Wirt möchte ich gerne eines auswischen! Der muss dir Schmerzensgeld bezahlen, so leicht kommt der mir diesmal nicht davon!“

Das Telefon läutete, Christine war total angespannt: „Polizist Grün am Apparat, was kann ich für sie tun?“ Jemand wollte nur eine Auskunft. Polizist Grün plötzlich: „Ich hab es!“ Setzte sich hinter die Schreibmaschine, er dachte streng nach, was er schreiben sollte. Zog das beschriebene Blatt aus der Maschine und reichte es Christine. „Das liest du jetzt durch und wenn du einverstanden bist, unterschreibst du hier!“ Er legte einen Kugelschreiber hin, zeigte mit dem Finger, wo er ihre Unterschrift haben wollte. Er ging ins Nebenzimmer, kam mit ein paar Geldscheine und einem Kuvert zurück. „Vom Wirt hol ich mir den Betrag zurück, den werde ich jetzt so schnell wie möglich aufsuchen, den hab ich jetzt in der Zange, der wird gerne zahlen müssen!“ Christine las die paar Zeilen, es ging ums Schmerzensgeld. Sie unterschrieb und bedankte sich bei Herrn Grün, dann steckte sie das Geld ins Kuvert und sodann in ihre Tasche: „Hoffentlich zahlt der wirklich, ist ja nicht gerade wenig. Wie mach ich das mit der Lohnabrechnung?“ Grün: „Jetzt hast das einmal und erzählst niemanden, dass du von mir Geld bekommen hast. Das ist unsere Sache, klar! Das mit dem Lohn kriegen wir auch noch hin, das braucht noch ein bisschen Zeit.“ Die Berner Kantonspolizei hat zurückgerufen. Herr Grün musste noch einige Angaben machen und hat Bericht bekommen, dass sich Christine in Bern melden soll.
„Du musst jetzt nach Bern reisen und dich dort sofort melden, wenn du ankommst. Solltest du Hilfe brauchen, melde dich bei mir. Hier hast du meine Karte. Du gibst mir Bescheid, wie's weiter geht, ja!“ Christine: „Draussen steht das Fahrrad von Betli.“ „Das nehme ich dann mit, dein Zug geht nicht direkt nach Bern, musst einmal umsteigen. Ich hab hier einen Fahrplan. Oh warte! Heute ist Sonntag, da hast du jetzt einen Zug in 16 Minuten.“ Christine bedankte sich herzlich und nahm noch einen Schluck Mineralwasser. Ganz wackelig stand sie auf. „Hast du heute schon was gegessen? Hier nimm das Schinkenbrot mit, kannst es im Zug essen. Ich weiss es kommt noch einiges auf dich zu, aber es wird schon wieder, nur Mut!“

Nach kurzer Zeit musste sie schon Umsteigen. Im Zug nach Bern ass sie das Schinken Brot, dann nickte sie immer wieder ein. Endlich kam sie in Bern an. Was für eine schöne Stadt! Mit den Lauben, Brunnen und überall an den Fenstern rote Geranien, festliche Fahnen mit einem aufgedruckten Bär. Einen Moment vergass sie komplett warum sie eigentlich hier war.

Eine Traurigkeit überkam sie. Doch jetzt musste sie sich wieder zusammen nehmen, wieder durchfragen. Sie entschloss sich wieder in den Bahnhof zurückzugehen und an der Auskunft nach der Adresse zu fragen. Das war eine gute Idee, sie bekam einen Stadtplan und das Gebäude angekreuzt.
Sie sah, wie einige Leute ihre Koffer bei einer Gepäckaufbewahrung abgaben, das wollte sie auch tun. Christine merkte erst jetzt, dass sie noch die braune zu grosse Jacke anhatte. Nun wollte sie auch noch etwas anderes anziehen, suchte eine Toilette auf, nahm das schwarze, zweiteilige Kleid und die graue Kostümjacke aus dem Koffer. „Möchten Sie noch duschen?“, fragte eine Aufsichtsperson in dem Vorraum. „Nein Danke, ich möchte mich nur umziehen.“ Christine machte sich noch die Haare zurecht und wusch ihr Gesicht. Sie beeilte sich dann ihren Koffer zu deponieren.

Das Gebäude der Kantonspolizei war leicht zu finden. Sie öffnete die grosse schwere Tür und musste ein paar Treppen hinauf gehen. Bevor sie in die Amtsstube eintrat, holte sie schon die nötigen Unterlagen, die sie bei sich hatte, hervor. Sie gab sich einen Ruck, klopfte an und ging hinein. Ein jüngerer und ein älterer Herr waren anwesend. Sie musterten Christine, die höflich grüsste. „Guten Tag! Hat sie der Herr Grün geschickt?“ „Ja, er hat mir gesagt, dass ich mich bei euch melden soll.“ Der ältere Beamte meinte: „Sie haben den Wirt sicher gereizt, dass er so auf sie losgegangen ist?“ Der jüngere Beamte sah seinen Kollegen an und schüttelte den Kopf. „Hat er sie verletzt?“ Christine war nicht sicher, ob sie ihren Oberschenkel zeigen sollte. So zeigte sie zuerst ihre blaue Schulter und merkte, dass dies keinen Eindruck machte, also hob sie ihren Rock hoch und war selbst erstaunt, wie gross der Bluterguss sich ausgebreitet hat. Sie hielt ihre Tränen zurück, obwohl es ihr zum Heulen war. „Das sieht ja bös aus! Sie gehen besser zuerst ins Inselspital in die Notfallstation, um das zu untersuchen. Können Sie überhaupt noch ohne Schmerzen laufen?“ „Ja es geht schon. Wie komme ich dort hin?“ Sie holte ihren Stadtplan hervor, damit er es ihr ankreuzen konnte, wo das Spital ist. „Das Tram, Nummer 9, fährt vom Bahnhofplatz direkt dort hin. Es sind, denke ich vier Stationen. Dann sehe ich Sie Morgen, sagen wir um halb elf, wenn Sie verhindert sind, dann rufen Sie hier an. Ich gebe ihnen meine Karte. Verlangen Sie mich, Burger ist mein Name.“ Er gab ihr die Hand und schaute ihr nach, ob sie die Treppe runterschaffte.

Notfallstation
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1.23.  Au-pair in der Schweiz – Notfallstation.

Christine erreichte die Notfallstation. Kurz musste sie beim Empfang schildern, wie das passiert ist. „Sie sollten das der Polizei melden!“, empfahl ihr die Person am Schalter. „Ich komme gerade von dort.“ „Oh gut! Können Sie mir bitte das Anmeldeformular ausfüllen, oder soll ich Ihnen dabei helfen?“ Christine gab ihr zu verstehen, dass sie probiert die Fragen selber zu beantworten.

Wohnort?: Wo wohne ich jetzt eigentlich? Sie gab den Namen des Restaurants und des Dorfes an.

Namen und Adresse der Krankenkasse?: Was für Krankenkasse? Sie überlegte nicht lange und schrieb die gleiche Adresse nochmals auf.

Danach musste sie warten, bis sie gerufen wurde. Ein freundlicher Deutscher Arzt empfand sie. Nachdem er sich den Oberschenkel und die Schulter angeschaut hat, machte er ein sorgenvolles Gesicht: „Ja wie ist denn das passiert? Hatten sie einen Unfall?“ Jetzt musste Christine wieder den ganzen Hergang erzählen und dass sie das der Polizei schon gemeldet habe und sie von denen hier her geschickt wurde.

„Diese Kerle werden ganz selten bestraft, man gibt immer den Frauen die Schuld. Oder sie behaupten betrunken gewesen zu sein, als ob man in dem Zustand sich alles erlauben darf! Ist ja schrecklich! Nun wir werden sehen was wir tun können. Zuerst wird ihnen Schwester Angelika jetzt gleich eine Injektion wegen Thrombose Gefahr verabreichen, das 2 X täglich, 10 Tage lang.“ Christine fragte: „Muss ich dafür jedes Mal hierherkommen?“ „Nein, sie können das selber machen, wir geben ihnen Spritzen und Ampullen mit“. Schwester Angelika: „Sie bekommen jetzt gleich eine Spritze von mir, sie werden nur einen kleinen Stich spüren“. Christine konnte fast nicht hinschauen, es war nicht schlimm. Ja so musste sie es jetzt selber machen. Der Arzt kam zurück: „Hat nicht weh getan oder?“ „Wir sollten das Bein bestrahlen und mit einem speziellen Gel behandeln.“ Er rief die Schwester zurück, die dann Christine in einen Bestrahlungsraum führte. Sie musste ihre Kleider ausziehen und legte das Spital Hemd an, das ihr gereicht wurde. Sie musste sich seitlich auf eine Liege legen und eine Lampe mit Zeituhr wurde eingestellt. Die Wärme tat so gut, dass Christine für einen wohligen Moment einschlief. Am liebsten würde sie hier bleiben. Sie fragte die Schwester, ob das möglich wäre, den sie müsste sich sonst ein Hotel suchen. „Leider werden sie nur ambulant behandelt, da können wir sie nicht hier behalten. Tut mir leid, kommen sie Morgen wieder“.

Suche nach Unterkunft
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1.24.  Au-pair in der Schweiz – Suche nach Unterkunft.

Nach der Behandlung, kleidete sich Christine schnell an, fuhr zum Bahnhof, ging zur Auskunft und fragte dort wo sie ein günstiges Hotel, Gasthaus oder sonst eine Unterkunft finden könnte.
„Sie müsse da schon im Touristenbüro nachfragen, die bekommen von den Hotels Bescheid, wenn was frei ist“. Das Büro war schnell gefunden, es gäbe nur noch im Schweizerhof ein Doppelzimmer. Christine fragte, was das kostet? Als sie den Preis vernahm, glaubte sie nicht richtig gehört zu haben. „Wie viel?“ „Ist inklusive Frühstücksbuffet. Ja leider, immer wenn es eine grosse Ausstellung oder Messe gibt, wie jetzt, muss man ziemlich lang vorausbestellen. Sogar die Jugendherberge ist ausgebucht.“ Christine fragte, ob es keine Schlafstelle von der Caritas oder einer ähnlichen Organisation gibt, nur für diese eine Nacht. Sie schob ihre Stadtkarte hin. „Ja doch, in der Altstadt nur für Jugendliche, probieren Sie es dort.“ Sie markierte den ganzen Weg auf der Karte. „Könnten Sie dort telefonisch anfragen ob...... „Da habe ich leider keine Telefonnummer“, sagte sie abweisend. So blieb Christine nichts anderes übrig, als sich auf den Weg zu machen. Sie holte ihren Koffer und marschierte los. Sie war auf einmal so müde, setzt sich auf einer Treppe hin, um ein bisschen auszuruhen. Dann schaute sie in den dunklen Gang hinein, dachte im äussersten Notfall, bleib ich hier im Gang. Zwei Männer kamen näher: „Warten auf Schatzeli?“, schmunzelte einer. „Nein ich muss weiter, eine Schlafstelle nur für heute Nacht suchen. Alle Hotels und so sind ausgebucht, könnt ihr mir sagen, wo ich jetzt bin, hier ist meine Stadtkarte.“ Sie sahen die Karte gar nicht an und sprachen Italienisch miteinander. „Sie Austria nach Sprache, ich kennen Austria Frau, komm gehen fragen.“ Am Anfang der Strasse war ein Restaurant. „Komm, gehen wir in Haus oben. Sch!!!“ Er hielt den Finger vor dem Mund, dann trug er ihren Koffer. Sie warteten vor einer Tür. In der Zeit war sein Kollege im Restaurant. Bald kam eine junge Frau, sie flüsterte: „Von wo kommst du denn her? Ich habe nicht viel Zeit, muss rasch wieder runter, hast deinen Pass dabei? Lass sehen!“ Sie schaute flüchtig in den Pass und schrieb Christines Namen auf einen Notizblock. „Wie du heisst muss ich schon wissen! Schloss die Türe auf, komm! Hier ist ein Diwan, mehr hab ich nicht. Kein Klo spülen, kein Wasser rinnen lassen, das hört man unten, klar! Sie schaltete eine kleine Lampe an. Verhalt dich ruhig, ich muss dich leider einsperren. In zwei Stunden bin ich wieder da.“ Christine nickte nur mit dem Kopf. Legte sich auf den Diwan, klemmte ihre Handtasche an sich und schlief bald ein.
Christine wachte auf, als die junge Frau zurückkam. „Hab ich dich aufgeweckt? Ich weiss der Diwan ist ein bisschen kurz, aber in der Not und nur für eine Nacht wird es schon reichen!“ Christine rieb sich die Augen: „Ich dank dir, das du mich hereingelassen hast.“ „Ich bin Trude!“ Sie reichte Christine die Hand. „Warum bist du auf der Strasse gelandet?“ Christine erzählte ihr nicht alles, sagte nur, dass alle Hotels ausgebucht waren und sie eine Adresse bekommen habe, die sie aufsuchen sollte. „Ich war so müde, da hab ich mich hingesetzt, dann sind die zwei Italiener gekommen und haben mich zu dir gebracht. Ich war froh, musste ich nicht mehr weiter suchen. Arbeitest du schon lang hier?“ „Nein noch nicht so lange. Ganz kurz gesagt habe ich im Urlaub den Sohn, von diesem Restaurant Besitzer kennengelernt und bin ihm hierher gefolgt. Er ist ein lieber Kerl, aber trotzdem nicht einer fürs Leben. Ich helfe hier nur aus, bis die Neue kommt, dann fahre ich wieder nach Hause. Übrigens die zwei Italiener arbeiten auch hier im Haus. Morgen gehst du spätestens um 8 Uhr früh hier weg, damit man nicht merkt, dass jemand hier übernachtet hat, denn ich arbeite sozusagen schwarz hier, möchte darum keine Probleme provozieren. Du kannst jetzt das Bad benutzen. Dann also, schlaf gut!“ Trude ging ins neben Zimmer und liess die Tür ein wenig offen. Christine nahm eine Schmerztablette ein, benutzte schnell das Badezimmer, zog ihr Kleid aus und deckte sich mit der Decke, die auf dem Diwan lag, zu. Sie hörte an der Wand die Uhr noch leise ticken, dann schlief sie ein.
Christine verliess die Unterkunft, ohne Trude zu wecken und ging zum Bahnhof, um ihr Gepäck wieder einzustellen. Sie kaufte einen Ovomaltine Drink und ein Brötchen vom Kiosk und setzte sich in den Warteraum, um ihr `Frühstück` zu geniessen. In ihrer Geldtasche fand sie die Karte von Herrn Grün, sie hat ihn ja versprochen anzurufen. Jetzt hatte sie noch genug Zeit und ging in eine Telefonkabine. Herr Grün nahm den Hörer selber ab. Er freute sich, dass Christine sich meldete, er teilte ihr mit, dass er das Schmerzensgeld schon kassiert hat und heute den Wirt nochmals aufsuchen wird. Christine hat ihm berichtet, was bisher gelaufen ist, dass sie heute um halb elf noch einmal zur Kantonspolizei gehen muss.
Herr Grün: „Wart mal, ich habe eine Idee: Weisst du was, du telefonierst denen, sagst, du kannst erst Nachmittag um 4 Uhr kommen, so kann der Wirt auch dort sein. Das werde ich ihn jetzt mitteilen, dann kann er dir den zustehenden Lohn noch aushändigen. Also ich muss jetzt zu ihm, damit er den Zug nach Bern noch erreicht. Ruf mich später wieder an.“ „Ja danke noch für alles.“ Christine suchte die Karte vom Kantons Polizisten Herrn Burger hervor, überlegte, was sie sagen sollte, warum sie erst um 4 Uhr kommen kann, dann rief sie ihn an. Sie schwindelte, sie müsse nochmals ins Inselspital. Für eine genauere Untersuchung hat es gestern nicht gereicht, sie habe vorläufig nur eine Spritze bekommen wegen Thrombose Gefahr. Er fand das schon in Ordnung und meinte: „Also dann um 4 Uhr. Sie müssen sich auch noch bei der Fremdenpolizei melden, damit Sie eine neuen Au-pair Stelle antreten kann. Wir sehen uns dann später.“

Das erinnerte Christine, dass sie sich eine Spritze verabreichen muss. Sie nahm eine Ampulle und eine Spritze hervor und suchte die Toilette auf. Sie fand es dann gar nicht so schlimm sich selber zu stechen.

Christine fragte noch einmal im Touristenbüro nach, ob jetzt ein Zimmer irgendwo frei geworden sei. „Ist noch zu früh, kommen sie später noch mal vorbei, ich werde sie auf die Warteliste setzten.“ Christine gab ihren Namen an und fragte noch nach der Adresse der Fremdenpolizei. Sie schob ihre Stadtkarte zum Anzeichnen übers Pult. Es ist nicht so weit, stellte sie fest. Sie entschloss sich gleich hinzugehen. Die Adresse des Schlafplatzes für Jugendliche hatte sie soeben auch noch in der Hand. Da geh ich zuerst hin und reserviere mir ein Bett für heute Nacht, dachte sie. Dort angekommen wartete schon eine Schlange Mädchen und Frauen bis geöffnet wurde. Sie ging zur Tür und las einen hoffnungslosen Anschlag und eine weitere empfohlenen Adresse.

Bei der Fremdenpolizei
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1.25.  Au-pair in der Schweiz – Bei der Fremdenpolizei.

Christine meinte, dass sie sicher von der Fremdenpolizei Hilfe bekommt. Sie sei ja schliesslich ein spezieller Fall! So eilte sie dort hin. Lange Bänke mit Ausländer warteten an die Reihe zu kommen. Die Schalter waren kleine offene Abteilungen, es wurde nicht gerade zimperlich mit den Leuten umgegangen. Warten, warten. „Adieu! Der Nächste!“ Die Wartenden zeigten auf Christine. Da sprang sie auf und ging mit ihren Papieren in der Hand zum Schalter. „Was führt sie zu uns?“ „Grüss Gott!“ Da schaute der Beamte erst einmal auf. „Ja und?“ Christine überreichte ihn die Papiere mit dem Pass, dazu erzählte sie rasch, dass sie ihre Au-pair Stelle wechseln möchte, weil ihr der Wirt, wo sie jetzt war, zu Nahe getreten sei, sie dann weglief. Der Polizist im Dorf, sowie auch die Kantonspolizei weiss schon Bescheid. „Die haben mich ins Inselspital geschickt, um die Wunden zu behandeln, die der Wirt mir zugefügt hat. Wie sie hier noch sehen, habe ich schon in Lausanne einen Arbeitsplatz gefunden. Jetzt bräuchte ich eine Bewilligung, um die Stelle annehmen zu können.“ „So, so! Das geht aber nicht, du bist jetzt im Kanton Bern und musst Vorschriftsmässig volle drei Monate hier bleiben. Um nach Lausanne zu gehen, müsstest du ausreisen und wieder für eine neue Einreise, plus Arbeitsbewilligung ein Gesuch stellen. Die Welschen da in Lausanne, haben keine Ausnahmen zu machen, die müssen sich auch an das Gesetz für Ausländer halten. Das geht so nicht!“ „Ja was mach ich den jetzt?“, jammerte Christine.
Der Beamte stand auf, ging für einen Moment weg, kam ganz freundlich zurück. „Also, du musst dich jetzt entscheiden, flüsterte er leise. Ich hätte da einen Ausweg. Nun ja, entweder du reist wieder nach Hause oder hier wäre die Adresse einer netten Familie, die jemand so wie dich sucht. Dort kannst du heute noch antreten. Wenn du einverstanden bist, stelle ich dir die Arbeitsbewilligung gleich aus.“ Christine zögerte: „Kann ich mich dort zuerst vorstellen? Ist es weit von hier? Wie komm ich dort hin?“ „Mit dem Zug etwa drei Stationen. Das Haus steht gleich neben dem Bahnhof.“ Christine: „Ja gut! Kann ich meine Papiere wieder haben?“ „Die brauchst du jetzt nicht!“ „Doch, ich muss die zurück haben, da ich bei der Kantonspolizei heute noch vorgeladen bin.“
Christine erinnerte sich an Herrn Grün, der warnte sie, in dem er sagte: Gib deine Papiere nie aus der Hand. Der Beamte schob ihr somit die Unterlagen zurück. Sie prüfte schnell, ob sie alles bekommen hat. Es war ihr plötzlich nicht mehr so geheuer.

Christine hatte noch Zeit für einen kleinen Imbiss. Sie wollte unter den Arkaden laufen. Eine kleine Gruppe Touristen gingen an ihr vorbei, die Stadtführerin mit hoch gehaltenen Regenschirm, erklärte, dass sie jetzt zum Zeitglockenturm gehen, da spielt sich zu Mittag etwas Aussergewöhnliches, besonderes ab. So lief Christine hinterher und sah sich das Glockenspiel auch an. Anschliessend gingen sie alle in ein nahes Restaurant. Auf der Aushängetafel war ein preisgünstiges Mittagsmenü angeschrieben und dann noch: „Heute speziell, hören sie die drei Burghalter Jodler.“ Christine verspürte Hunger und gönnte sich somit ein rechtes Mittagessen. Die Gaststube war klein und dunkel aber freundlich eingerichtet. Das Menü: Nudeln, Erbsen, Karotten, Leberkäse mit Sauce. Dazu spielten und jodelten drei Musikanten mit ernster Miene und ganz, ganz langsam hingezogen, die Hände in der Hosentasche der ländlichen Tracht. Bei uns jodelt man schneller und lustiger, erinnerte sich Christine.

Sie schloss sich der Stadtführung unauffällig an, die später am Bärenplatz endete. Bis kurz vor 16:00 Uhr schlenderte sie in Bern herum. Dann ging sie zurück ins Gebäude der Kantonspolizei. Herr Burger begrüsste Christine recht freundlich und fragte nach ihrem Befinden. Sie berichtete, dass sie jetzt im Inselspital in Behandlung sei und sie auch schon bei der Fremdenpolizei war. In dem Moment ging die Türe auf, der Wirt trat ein, den Arm auf ein Holzgestell gestützt, und legte ein Kuvert aufs Pult. „Da ist der restliche Lohn, drehte sich um und wollte gehen“. „Halt! Halt!“ rief Herr Burger: „Wir haben da noch etwas abzuklären, kommen sie mit mir ins Büro!“ Wirt: „Was wollen Sie, ich hab nichts zu sagen, für mich ist die Sache da erledigt.“ „Ja, das geht nicht so einfach, das müssen wir noch aufs Papier bringen, wie und was da passiert ist, jetzt von ihrer Seite her.“ „Sie hat mich wie ein Tier gebissen, so habe ich jetzt eine Blutvergiftung.“ „Haben sie eine Arztbestätigung?“ „So was brauch ich nicht, ich kenne mich da selber aus.“ Er musste aber doch nebenan mit ihm ins Büro gehen. Christine setzte sich auf einen Stuhl, öffnete das Lohnkuvert. Herr Grün hat ihr schon durchgegeben, wie viel er ihr noch zu bezahlen hat. Das war also auch erledigt.

Die Aussage von Wirt
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1.26.  Au-pair in der Schweiz – Die Aussage von Wirt .

Sie hörte, wie der Wirt sagte, er wisse nichts von allen, was Christine da behauptet habe. Er sei, so viel er sich erinnern kann, von ihr, aus unverständlichen Gründen, gebissen worden. Soweit konnte sie das Berndeutsch verstehen. Der Wirt verliess mürrisch das Büro, ohne sich zu verabschieden. Herr Burger rief Christine in sein Büro, fragte, ob sie die Anzeige zurückziehen wolle, sie müsse sich nicht jetzt dazu entscheiden. Ehrlich gesagt haben sie erstens, vor Gericht wenig Chance Recht zu bekommen und zweitens haben sie jetzt die freie Wahl eine neue Au-pair Stelle zu finden. Das ist weniger nervenaufreibend. Sie erwähnte nicht, dass sie schon ein Angebot hat. Christine versprach sich das zu überlegen und sich wieder zu melden. Der Beamte schaute den Wirt durchs Fenster seines Büros nach. Christine konnte auch noch erstaunt sehen, wie er sich von seinem Holzgestell und Verband entledigte. Beide schüttelten nur den Kopf und lächelten.

Christine fragte Herrn Grün um Rat an. Er fand, Herr Burger meint es gut mit ihr und mehr könnte sie durch eine Gerichtsverhandlung nicht erreichen, also sollte sie ihn anrufen und die Anzeige zurückziehen. Was Christine dann auch tat. Jetzt fühlte sie sich von dem Wirbel erleichtert. Nun musste sie herausfinden, wann der letzte Zug zu ihrer neuen Stelle fährt, ob sie noch etwas Zeit hat ihre Freiheit zu geniessen.

Neue Au-pair Stelle
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1.27.  Au-pair in der Schweiz – Neue Au-pair Stelle.

Erst um 10 Uhr Abends kam sie vor der Villa ihrer neuen Au-pair Stelle an. Sie läutete und eine junge Frau öffnete die Tür. „Bist du die Neue?“, fragte sie mit österreichischem Dialekt. Christine strahlte und nickte mit dem Kopf. „Dann komm herein, wir haben dich früher erwartet, hier sind alle schon im Bett.“ Gerda stellte sich kurz vor, lief die Treppe hoch und zeigte Christine ihre Schlafgelegenheit in einem Fensterlosen Zimmer. „Klo ist im Gang, wir sehen uns dann Morgen“ und huschte weg. An der Wand neben der Tür war eine kleine Lampe angebracht. Christine sah sich im Gang um, der mit einem Nachtlicht beleuchtet war, fand die Toilette mit Waschbecken, trank vom Wasserhahn, dann ging sie leise zurück, um sich schlafen zu legen. Ihr Magen knurrte, sie hatte seit Mittags nichts gegessen. Im Koffer tickte der Wecker, den sie mitgenommen hat. Den stellte sie noch neben dem Bett und schlief bald ein.

Als es an der Tür klopfte, zeigte der Wecker vier Uhr früh. „Komm! Die Wäsche muss gewaschen werden“, rief jemand im Korridor. Christine stand ganz verwirrt auf, kleidete sich an und ging die Treppe hinunter. Eine nervöse Frau im Morgenmantel und Lockenwicklern in den Haaren wartete auf sie. „Wie heisst du?“ „Christine.“ „Ich zeige dir die Waschküche, da kannst du gleich anfangen und um 7 gibt's dann Frühstück, `Zmorge` in der Küche.“ Die Waschküche befand sich im Keller, sie schloss die Tür auf und machte Licht. Grosse Bottiche mit eingeweichter Wäsche standen herum, ein Waschbrett mit Bürste und ein riesengrosser Karton mit Waschpulver und brauner Seife daneben. „Wasch die grossen Leintücher zuerst, die kannst du im Garten aufhängen aber nicht zu nass, die müssen heute noch gewechselt werden.“ Dann entfernte sie sich.

Christine schaute sich um, ob eine Waschmaschine vorhanden ist. Da war aber keine, nur eine kleinere Zinnwanne. Sie zählte sechs Bottiche, fand den einen in der Leintücher im Wasser waren. Sie fischte eines heraus, es war gross und schwer, sah die gestickten verzierten Buchstaben am oberen Rand. Ist wenigstens, eine Aus-winde da? So ein elektrischer Kupferkessel, der sich dreht. Vielleicht steht der vor dem Haus im Garten. Christine stieg die paar Treppen, die in den Garten führten hinauf. Draussen wurde es schon hell, sie sah die gespannten Wäscheleinen, aufgehängt ein Sack voll Klammern. Aber nein, sonst nichts. Sie begutachtete die Leintücher, eigentlich fand sie die gar nicht schmutzig, sie rochen sogar noch nach Parfum. Da entschloss, sie sich diese so auf die Wäscheleine zu hängen wie sie waren. Punkt fertig! Die Zinnwanne, immer mit einem Tuch geladen, zog sie, schräg auf die Treppe, drückte dann so viel Wasser wie möglich aus der Wäsche raus. Bald hatte es keinen Platz mehr auf der Wäscheleine. Christine machte eine Pause, setzte sich auf die umgedrehte Zinnwanne und dachte nach. Sie wollte genau herausfinden, was sie in diesem Haushalt zu tun hatte. Au-Pair ist als Kindermädchen vorgesehen und nicht als Waschfrau, also musste sie, das Besprechen bevor sie weiter mache. Wie spät ist es jetzt? Fragte sie sich. Um das herauszufinden, musste sie in ihre Kammer zurück. Um 7 gibt es dann endlich was zu essen, seit gestern Mittag trank sie nur Wasser, ging es ihr durch den Kopf. Sie schlich die Treppe hinauf, den Gang entlang, öffnete die Kammertüre, so leise es ging, sah auf ihre Uhr, die erst kurz vor sechs zeigte. Nun stellte sie den Wecker so, dass sie noch eine Stunde schlafen konnte, legte sich aufs Bett und schlief ein.
Aufgewacht machte sich Christine zurecht und fand die Küche im ersten Stock. Sie trat ein und sah Gerda, die junge Frau von gestern am Tisch Fleisch zerkleinern. „Guten Morgen! Ich heisse Christine.“ „Guten Morgen! Dort ist Tee, Brot und Konfitüre, kannst dich bedienen und hier hinsetzen.“ Sie zeigte mit dem Messer zu einem kleinen Tisch. Dort war ein Teller, Messer und eine angeschlagene Kaffeetasse. Christine: „Sie sprechen österreichisch, von wo sind sie den?“ „Aus der Steiermark.“ „Was ist das für ein Fleisch?“ „Das meiste ist Herz und Innereien vom Schwein.“
Weiter kamen sie nicht, ein junges Mädchen öffnete die Türe, sagte zu Gerda: „Wenn die fertig ist, soll sie ins Büro mit Ausweis“, dann ging sie wieder. Christine sprach kein Wort mehr. So eine unhöfliche Familie, das wird nicht leicht werden, dachte sie und lief, nachdem sie etwas gegessen hat, in ihre Kammer. Ganz automatisch, packte sie ihre Sachen zusammen, nahm den Koffer, ging durch die Waschküche und versteckte den im Garten. Dann hängte sie ihre rote Handtasche um die Schulter und suchte das Büro auf. Sie musste durch ein Zimmer durchgehen, wo sechs Kinder an einem Tisch sassen, die Älteste etwa zwölfjährig mit Schultasche. Christine grüsste mit „Hallo!“. So einzeln kam etwas kichernd zurück. Die Bürotüre stand offen, hinter einem Tisch sass die Frau, die sie in die Waschküche geschickt hat. Christine grüsste höflich. Die Frau erklärte ihr sitzend, dass sie die Dame des Hauses ist und fragte nach dem Ausweis und was sie sonst noch dabei habe. Christine erinnerte sich schlagartig, dass der Beamte bei der Fremdenpolizei die Unterlagen nicht herausgeben wollte. „Mein Ausweis und alles weitere liegt bei der Fremdenpolizei auf, die ich jetzt abholen muss und die Anstellung bei ihnen auch bestätigen soll“, log sie mit etwas zittriger Stimme und stand auf. „Nun dann! Sag dem Beamten, der dich mir empfohlen hat, ich werde ihm das Nötige zukommen lassen. Jetzt beeile dich, der Zug nach Bern wird gleich einfahren.“ Christine lief in den Garten, zog die dicke Jacke aus dem Gepäck und deckte den Koffer, den sie mit nahm, damit ab. Pünktlich fuhr der Zug mit Christine ab.

In Bern gab sie den Koffer wieder in die Gepäckaufbewahrung und machte sich mit dem Kopf voller Gedanken auf zur Fremdenpolizei. Als sie vor einer Telefonzelle vorbeilief, dachte sie an den Dorfpolizisten Grün und rief ihn an. Der freute sich wieder von ihr zu hören. Nachdem sie ihm alles geschildert hat, meinte er, sie habe recht gehandelt. Nun soll sie in grossen Hotels nachfragen, die haben immer Personalmangel und guten Draht zur Fremdenpolizei. Sie versprach das zu tun. In der Nähe sah Christine ein grosses Restaurant, da will sie sich jetzt um eine Anstellung bemühen, bevor sie zur Fremdenpolizei gehen wird.

Christine landete bei der Stellenvermittlung
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1.28.  Au-pair in der Schweiz – Christine landete bei der Stellenvermittlung.

So ging sie in das Restaurant ans Buffet und fragte dort, wer der Chef ist, denn sie suche eine Arbeit. „Der Personalchef ist heute nicht da, im Moment braucht es aber dringend eine Servicehilfe“, sie solle Morgen Vormittag noch einmal kommen. So machte sie sich auf den Weg zur Fremdenpolizei. Dort warteten einige Personen, bis sie an den Schalter konnten, darunter war auch eine Schweizerin mit einer jungen Frau. Christine setze sich neben ihr auf die Bank und suchte ihre Papiere heraus.
Die Schweizerin fragte Christine, ob sie das erste Mal hier sei. „Nein ich suche eine andere Au-pair Stelle. Die Stelle, die ich hier von einem Beamten bekam, ist nichts für mich, darum bin ich wieder hier.“ „Was? Die haben dir eine Stelle vermittelt? Das ist nicht deren Arbeit! Ich habe ein Stellenvermittlung Büro, davon lebe ich. Du kannst zu mir kommen, wenn du willst, ich habe genug offene Stellen. Warte hier, wir sind jetzt an der Reihe, das geht nur ein paar Minuten. Ich bin Frau Hänni“, stellte sie sich noch rasch vor und gab Christine die Hand. Bald verliessen sie zu dritt das Gebäude. Auf der Strasse verabschiedete sich Frau Hänni von der jungen Frau und wünschte ihr noch alles Gute.

Im Stellenbüro waren noch zwei Angestellte, die freundlich grüssten. Frau Hänni rückte für Christine einen Stuhl an einen Tisch. „Also, nun zu dir, zuerst möchte ich deinen Namen wissen und deine Unterlagen anschauen. Dabei kannst du mir schon ganz kurz erzählen, was du gerne tun möchtest und auch warum du jetzt ohne Au-pair Stelle bist.“

Christine wusste nicht gleich, wo anfangen, doch dann ging es ihr flott von ihren Lippen, konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Frau Hänni schüttelte immer wieder den Kopf: „Du Arme, ich kann es fast nicht glauben, schon wieder so ein Fall. Ich habe schon ein paar ähnliche Fälle anhören müssen, doch die meisten verschweigen es, weil sie Angst haben, dass ihnen die Schuld zugeteilt wird, und sie oft auch zurück in ihre Heimat abgeschoben werden. Aber beruhige dich, wir kriegen das schon hin. Ja nun Christine du bist erst 17 Jahre alt, da kommt nur eine Au-pair Stelle oder eine Lehre infrage. Ich hätte da etwas für Hauswirtschaft in einer Bäckerei hier in Bern. Dort hat jetzt Fräulein Berger ihr Lehrjahr abgeschlossen und verlässt die Arbeitsstelle in zwei Wochen. Ich kenne die Chefin dort, sie bezahlt ein gutes Lehrgeld und du hast freie Kost und Logie, dein eigenes Zimmer ausser Haus. Wenn du dann 18 bist und einen Lehrabschluss hast, dann ist es für dich einfacher, da kannst du dich frei bewegen und deinen Wunsch Französisch zu lernen nachgehen. Was meinst du dazu, soll ich dort anrufen und sagen du kommst dir vorstellen?“ Christine zögerte nicht lange und sagte zu. Aber was mach ich in den zwei Wochen, wenn ich jetzt nicht anfangen kann? Dachte sie, aber fragte nichts mehr.

Frau Hänni informierte Frau Iseli von der Bäckerei, die war einverstanden das Christine noch heute vorbeikommt. „Gehst erst um 2 Uhr hin, damit du sie nicht beim Mittagessen störst!“

Christine holte ihren Stadtplan raus, Frau Hänni kreuzte an, wie sie mit dem Tram dort hinkommen kann. Christine bedankte sich und verliess das Büro. Sie kaufte sich ein Käsebrot im nächsten Laden, fand eine Sitzbank neben einen Brunnen. Hier war es ganz angenehm und sie konnte die Leute beobachten, die herumliefen. Eine grosse Uhr über einem Uhrengeschäft war auch noch zu sehen. Es wurde Zeit sich auf den Weg zu machen, so lief sie an Läden vorbei und sah sich in einem grossen Spiegel. Christine blieb stehen, strich über ihre Haare und zog ihre Kleider zurecht.

Lehrstelle bei der Bäckerei
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1.29.  Au-pair in der Schweiz – Lehrstelle bei der Bäckerei.

Die Bäckerei konnte man vom Bahnhof aus ohne Tram schwer erreichen. Da stand sie nun davor und schickte ein `oh Gott steh mir bei` zum Himmel. Sie öffnete die Türe, an der ein Glöckchen hing. Frau Iseli war hinter der Theke, mit lauter bestimmter Stimme: „Guten Tag! Du bist sicher von der Agentur, die mich angerufen hat?“ „Ja, Guten Tag! Ich bin Christine und bewerbe mich bei ihnen um die Lehrstelle für Hauswirtschaft.“ Frau Iseli lachte: „Ja dann reden wir mal miteinander, ob du dazu geeignet bist.“ Sie gingen ins Nebenzimmer, Christine zeigte ihre Unterlagen darunter auch das Arztzeugnis. Sie erzählte von zu Hause und der Arbeit in Vaters Betrieb, das gefiel Frau Iseli sichtlich. „Also drei Monate Probezeit sind vorgesehen.“ Sie nannte Arbeitszeit, den Brutto Lehrlingslohn und führte sie anschliessend im Haus herum. Sie stellte Christine allen denen sie begegneten vor. Eine junge Frau kam heran: „Das ist Fränzi, deine Vorgängerin, sie wird dir deine Unterkunft und weiteres zeigen, und dann kommst du noch einmal hier her zurück.“ Fränzi, ein hübsches, freundliches Mädchen holte ihre Tasche, dann ging es einen grünen Hügel hinauf zu einem Mehrfamilienhaus. Die Treppe führte in den vierten Stock, sie zeigte Christine die Toilette mit dem Waschbecken und weiter hinten das kleine schräge Zimmer, darin stand ein schönes Bett, eine Kommode, ein Stuhl und unter der schrägen Wand konnte man noch Zeugs verstauen. Dort war auch noch ein Gaskocher und ein Topf für Tee und so, meinte Fränzi. Eine Porzellanschüssel mit Krug stand auf einem Gestell neben dem Fenster. Die Aussicht zeigte einen Park mit grossen Bäumen eingezäunt. Aussen am Fenster war eine kleine Wäscheleine mit ein paar Klammern daran.

Fränzi fragte: „Wann wirst du hier einziehen wollen?“ „Ganz ehrlich, am liebsten noch heute, denn ich weiss noch nicht wo ich diese Nacht schlafen kann.“ „Also ich habe alles schon gepackt und nur noch ein paar Sachen hier. Du kannst erst in einer Woche einziehen, so lange muss ich noch hier schlafen, was meinst du?“ „Also erst in einer Woche! “ Christine hielt sich am Kopf und überlegte. Fränzi: „In der zweiten Woche schlafe ich nicht mehr hier, aber darfst es nicht weitersagen, dann kannst du einziehen, ohne dass es jemand weiss, einverstanden?“ „Ja gut, danke. Aber kann ich schon ein paar Sachen hier lassen?“ „Ja, kein Problem, du kannst es hier in die Kammer stellen“. „Wir sind jetzt durch den Hintereingang gekommen. Wenn du den Haupteingang benutzt, bist du schneller bei der Tramstation. Komm wir gehen jetzt zurück in die Bäckerei, die Chefin ist streng aber gerecht. Noch eines! Lass dich nicht von den Angestellten anmachen.“

Die Chefin hatte gerade Besuch, fragte, ob alles in Ordnung sei. „Dann sehen wir uns in zwei Wochen zum Nachtessen in der Küche, so lernst du noch die Köchin kennen.“ Streckte ihr die Hand hin und das war's. Christine war so unsicher, sodass sie nochmals in der Agentur reinschaute: „Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich angenommen bin?“ „Oh doch, doch, Frau Iseli hat es mir schon bestätigt“, rief Frau Hänni zur Türe hin. „Oh gut, dann bin ich beruhigt. Danke!“

Christine fragt sich, was mach ich jetzt in dieser Woche? Ich könnte meine Familie besuchen. Sie suchte die Information auf und fragte, ob noch heute eine Zugverbindung bis zu ihrer Stadt möglich sei. „Es gibt einen Nachtzug ab Zürich, sie können die Fahrkarte bei mir beziehen, wenn sie wollen, also Bern, Zürich und weiter mit den Schlafwagen. Ist es gut so?“ „Ja, aber ohne Schlafwagen oder erste Klasse, so ganz normal hin und zurück.“

Sie holte ihren Koffer und fuhr schon mit dem nächsten Zug nach Zürich. Hatte somit Zeit bei einem Kiosk ein paar Tafeln Schokolade zum Mitbringen, für sich selber eine Bratwurst mit Brot und ein Getränk zu kaufen. Sie ging zum Bahnsteig, wo der Zug stand, stieg ein und setzte sich auf einen Fensterplatz. Der Sitz liess sich am Fussende ausziehen. So war es ganz bequem, den Koffer über sich in der Gepäckablage, die Tasche neben sich eingeklemmt und abging es überraschend Richtung Heimat.

 

Zurück in Österreich
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1.30.  Au-pair in der Schweiz – Zurück in Österreich.

Zu Hause angekommen, klopfte sie an die Tür und trat ein. Die Familie war überrascht und freute sich Christine wiederzusehen. Eine Frage nach der anderen wurde gestellt. So antwortete sie kurz, dass sie für ein paar Tage freibekommen habe und deshalb hierherkommen konnte, um sie zu besuchen. Die jüngste Schwester ganz wunderlich: „Hast du uns was mitgebracht?“ Christine machte Witze: „Oh, das hab ich total vergessen!“ Aber dann verriet sie sich mit einem Lächeln und öffnete ihren Koffer. Oben darauf lagen die Schokoladen, bis auf eine nahm sie alle heraus, legte sie ihrer Mutter auf den Schoss: „Es wäre gut, wenn du sie verteilst!“ Mutter hatte bisher kein Wort gesprochen und noch immer Mühe seit Christines Geburt, sie zu berühren. Christine erzählte dies einmal ihrem Arzt, der es ihr sehr gut erklären konnte, warum das bei Müttern vorkommen kann. Weiter kramte sie zwei Päckchen Parisiennes Zigaretten hervor für ihren Vater und den einen Bruder, der anwesend war und schob den Koffer zur Seite. Bis tief in die Nacht wurde erzählt, auch viel gelacht.
Christine hatte dieselben Kleider und Schuhe an und die gleiche Tasche und den Koffer, mit denen sie damals weggefahren ist. Das war einerseits gut so, aber sie wusste, dass ihre Mutter mal fragen wird, wenn sie schon keine neuen Sachen gekauft habe, was sie den mit ihrem Lohn gemacht hat?
Vater und Mutter standen schon um 4 Uhr früh auf, um in ihre Werkstatt zu gehen. Ein paar Familienmitglieder waren dort Festangestellte. Einige nahmen die Arbeit nicht so ernst, Emer turnte auf einem aufgestellten Trapez im Hof herum, ein anderer bastelte ein Puppenhaus für seine Tochter. Doch irgendwie wurden die Aufträge, die hereinkamen, mehr oder weniger zurzeit abgefertigt.

Christine sah, dass es im Haushalt einiges zu tun gab und blieb mit den zwei Geschwistern, die noch nicht zur Schule mussten, zu Hause. „Hier hat es Gemüse und noch andere Sachen, das sollte man brauchen bevor sie schlecht werden. Kannst damit einen Eintopf kochen, wenn du willst und es uns, mit dem kleinen Leiterwagen, in die Werkstatt bringen.“ „Na gut! Für wie viel Personen wird hier gekocht?“ wollte Christine noch wissen, bevor ihre Mutter das Haus verliess. „Rechne so für 10, genau kann ich es dir auch nicht sagen.“ Die Geschwister waren schon dabei Gemüse aus einem Korb zu holen, also stellte sie alles zusammen, musste aber feststellen, dass es für einen 10 Personen Eintopf nicht reicht! Sie schaute noch in allen Küchenschränken nach, fand ein Stück Wurst und Speck in einem Zeitungspapier eingewickelt. Ja dann, entschied sich Christine, gibt es halt eine Gemüsesuppe mit etwas Mehl angerührt, so wie es die Schweizer machen und dann halt viel Brot dazu.

Drei Töpfe voll gut riechender, dicker Suppe standen vor der Mittagszeit auf dem Herd. Christine und die beiden Geschwister gönnten sich das wohlschmeckende Essen, bevor sie das Übrige in der Werkstatt ablieferten. Mutter lächelte und schöpfte für alle einen Teller Suppe und genug geschnittenes Brot vom Vortag war auch noch da.
Mutter hatte in der Zwischenzeit in einem kleinen Lebensmittelladen eingekauft, dort konnte sie manchmal auch anschreiben lassen, wenn das Geld für den Moment nicht reichte. Christine sah sich die Ware, die für die nächsten paar Tage reichen sollte an. „Musst halt einteilen und schauen, ob du damit was kochen kannst, wenn du meinst, es fehlt was, kannst es im Laden holen.“ Es fehlten einige Zutaten, die Christine noch dazu kaufen wollte, also machte sie sich auf den Weg dorthin. Mutter machte keinen Anstand ihr etwas Geld mitzugeben. So werde sie halt nachher mit ihr abrechnen.

Sie freute sich die nette Ladenbesitzerin wiedermal zu sehen. Sie ging grüssend ins Geschäft und hörte schon: „Da schau her, Christine! Schön dich wiederzusehen, bleibst jetzt wieder hier? Ich hab dich schon erwartet, deine Mutter hat erzählt, dass du da bist. Mit was kann ich dienen?“ Christine zählte auf, was sie noch kaufen möchte und man sprach nebenbei, wie es einem so ergangen ist. Christine erwähnte nur, dass sie für eine Woche hier bleiben kann. „Ja dann wünsche ich dir weiterhin alles Gute. Ich habe jetzt alles zusammengezählt, hier ist die Rechnung.“ „Das kann nicht stimmen? Haben Sie sich da nicht geirrt?“ meinte Christine. „Also deine Mutter hat gesagt, dass du sicher noch was einkaufen wirst und die Rechnung, die noch offen ist, bezahlst.“ „Von dem weiss ich nichts!“ Die Ladenbesitzerin merkte, dass Christine ganz nervös wurde und ihre Mutter sie wahrscheinlich ausnützen wollte. „Weisst was? Du zahlst einfach das, was du jetzt gekauft hast und ich werde deiner Mutter das andere anrechnen, ist das gut so? Sagen wir ihr einfach du hattest nicht so viel Geld bei dir, einverstanden? Vielleicht stimmt es auch?“ Sprach sie mit einem schelmischen Lächeln und wiegte den Kopf hin und her. Christine zahlte einen Teil von Mutters Einkauf mit, so waren beide einverstanden. Etwas beschämend bedankte sich Christine, verliess den Laden und ging nach Hause. Die Tür war verschlossen, doch sie wusste, wo ein Schlüssel zu finden war. Das Erlebte machte sie müde, sie stellte alles ab, legte sich aufs Sofa und nickte für eine Weile ein.
Ihre Schwester kam herein und ermunterte sie mit ihr in die Stadt zu gehen, um Bekannte, die sie beide kennen zu treffen. Christine fand es nicht schlecht, das lenke sie von ihren Gedanken ab.

Es ging nicht lang, da trafen sie schon ein paar Kollegen von früher. Eine fröhliche Runde kam zusammen, man entschloss sich ins Gasthaus Kramer, mit dem schönen Biergarten, zu gehen. Auf den Weg dahin ging man an dem Geschäft vorbei, wo Christine vor ihrer Abreise in die Schweiz ein paar Kleider, die sie später bezahlen konnte, bekommen hat. Plötzlich ein: „Hallo Christine! Wann kommst du deine Schulden bezahlen, ich hab jetzt lange genug darauf gewartet, hab auch deine Mutter deswegen angefragt, aber die wollte nichts davon wissen.“ Christine war ganz erschrocken, löste sich von der Gruppe. Sie ging zu der Geschäftsfrau hin und entschuldigte sich und erzählte ihr aber, dass sie ihrer Mutter Geld geschickt habe, um dass sie die Schulden bei ihr bezahle. Vielleicht ist das Geld nicht angekommen, sie werde nachfragen. Zusammen gingen sie ins Geschäft, Christine hatte genug Geld bei sich, um alles zu begleichen. „Ich kenne deine Mutter, aber dass sie so was machen würde, traue ich ihr nicht zu. Zwischen uns ist jetzt ja alles in Ordnung, du wirst schon herausfinden, was schiefgelaufen ist. Tut mir leid, dass ich so laut geworden bin. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, würde mich freuen, wenn du wieder mal vorbeikommst.“ Sie zeigte sich sehr freundlich, winkte auch noch den Leuten zu, denen sich Christine wieder anschloss. Christine erzählte, dass da ein Irrtum war. So musste sie nicht alles erklären. Die meisten bestellten Bier, Christine und ihre Schwester Süssmost. Es wurden vor allem derbe Witze erzählt und gelacht, da fühlte sie sich irgendwie nicht mehr so zugehörig, liess sich aber nichts anmerken.

Am nächsten Tag wollte Christine ihre Mutter stellen, doch ihre Schwester hat es ihr schon erzählt, was passiert war. Mutters Antwort mit zittriger Stimme war: „Na ja, ich hab gedacht, das hast du uns geschickt“, ohne Christine anzuschauen. „Das haben wir dann verbraucht!“ „Ich hab nicht alles im Lebensmittelladen bezahlt, nur das du es weisst. Hast du kein Geld?“ Da Vater die Frage gehört hat, löste es bei ihm Unmut aus: „Was ist los? Um was geht es?“ „Nichts! Nichts! Das geht nur uns was an“, beteuerte Mutter. Damit gab er sich zufrieden und sie wendete sich wortlos ab, ohne es mit Christine zu klären.

Der nächste Tag verging mit kochen, aufräumen, Essen in die Werkstatt liefern. Christine half noch einige Arbeiten zu erledigen. Vater fragte nach der Mutter, da wurde Christine stutzig, versprach nach ihr zu suchen. Schnurstracks lief sie nach Hause, ertappte ihre Mutter, die schnell Christines Koffer unters Bett schiebt und so tat, als würde sie etwas zu Recht richten. „Vater hat nach dir gefragt, bleibst du heute zu Hause? Ich wollte noch unsere Tanten besuchen gehen, schauen wie es denen geht, darum bin ich hier!“ Mutter: „Denen geht es gut, besser als uns, brauchst ihnen nicht helfen, die kommen schon zurecht. Wie steht es mit deinen Finanzen, kommst gut damit aus? Bei uns ist immer alles so knapp.“ Sie wusste nicht, dass Christine sich beim Spielwarengeschäft, das vor der Werkstatt an der Strasse sich befindet, sich für das Herbeiholen der Eltern / Geschwister bedankt hatte. Dass wenn sie dort angerufen hatte, er sie ans Telefon holte. Denn Christines Familie hatte wie so viele noch kein Telefon. Bei der Gelegenheit erzählte ihr der Inhaber, dass ihre Mutter gerade ein Gummiboot abgeholt hat, und dass du es bezahlen würdest, da es für deine jüngste Schwester ein Geburtstag Geschenk ist.“ Christine war sprachlos. „Geburtstag? Nein da hat sich Mutter vertan.“ Der Geschäftsmann meinte verständlich, er könne es zurücknehmen, wenn sie es nicht bezahlen würde. Nun wollte Christine auch das noch richtig stellen und ihrer Mutter erklären, dass sie hier ein paar Tage bleiben möchte, ohne weitere Einkäufe bezahlen zu müssen.
„Mutter, du musst das Gummiboot zurückbringen, bevor es Vater findet, der ist damit sicher nicht einverstanden.“ „Von was redest du denn? Gummiboot! Ich hab kein Gummiboot!“ Christine war ganz betrübt, holte ihren Koffer hervor und leerte ihre Sachen auf das Bett. Zum Glück hatte sie die meist neueren Kleider in die Reisetasche getan und in Bern gelassen. Im Koffer war also nicht viel drin. Ihre Mutter beobachtete sie, so nahm Christine ein Kleidungsstück nach dem anderen und legte es säuberlich wieder zurück. So hatte sie die Neugier ihrer Mutter gestillt.
Auch wollte Christine wissen, warum sie kein Dienstmädchen mehr haben? „Du bist ja jetzt da, darum habe ich ihr heute ausrichten lassen, dass sie nicht mehr kommen braucht. Sie kommt Morgen noch ihre Sachen holen. So jetzt fertig, ich geh jetzt wieder in die Werkstatt.“

Für den Besuch ihrer Tanten wollte Christine noch etwas Süsses in der Bäckerei kaufen und dort sich einen Kaffee genehmigen. „Grüss Gott Christine! Wieder zu Hause? Ihre Mutter sitzt dahinten bei Kaffee und ihrer Lieblingstorte. Sie ist ganz vertieft beim Journal lesen und was möchten Sie gerne?“ Christine kaufte ein paar Süssigkeiten, ohne sich bei ihrer Mutter bemerkbar zu machen und besuchte ihre gut gelaunten Tanten. Dort bekam sie sodann auch einen Kaffee serviert. „Du, deine Mutter lobt dich sehr, weil du ihr schon Geld geschickt hast, sie erzählt das überall herum“. Sie lachten fröhlich darüber. Christine liess sich die belanglosen Neuigkeiten erzählen und ging bald wieder in die Werkstatt.

Am nächsten Morgen kam Hellen, das Dienstmädchen, ihre Sachen holen. Man sah ihr an, dass sie eine Wut hatte, aber nichts sagen wollte. Christine näherte sich ihr und wollte wissen, was passiert sei? „Wenn ich schon grundlos rausgeschmissen werde, möchte ich wenigstens meinen restlichen Lohn erhalten. Ihre Mutter meinte, sie sei mir nichts mehr schuldig. So eine Frechheit!“ Christine fragte, wie viel das ausmache. „Kommen Sie, ich werde das in Ordnung bringen.“ „Ich warte lieber hier draussen.“ Christine ging zu ihrer Mutter und bat sie um Geld, sie versprach Schweizer Franken umzutauschen, um es ihr dann zurückzugeben. „Für was brauchst du den soviel Geld?“ „Überraschung!“, posaunte Christine. Ihre Mutter hatte wirklich die Summe bei sich, die Christine an Hellen anschliessend aushändigte. Hellen hielt ihre Hand aufs Herz: „Die sehen mich nie wieder, das schwöre ich bei Gott!“ und ging ihren Weg. Später gestand Christine ihrer Mutter, dass sie Hellen ihren restlichen Lohn aushändigte. „Die hätte nur warten müssen, ich hätte es ihr schon gegeben.“ Mutter passte das natürlich gar nicht.

Die weiteren Tage bis zur Rückreise in die Schweiz gingen ganz friedlich und auch fröhlich vorüber. Die Geschwister, die noch zu Hause waren, hofften auch mal in die weite Welt hinauszukommen. Christine versprach zu helfen, wenn sie dann alt genug sind. Sie sah ein, dass man trotz vieler Arbeit, hier nicht viel weiter kommen kann, und war gespannt, wie es ihr selbst noch ergehen werde. Über ihre bisherigen Erlebnisse schwieg sie eisern, versprach regelmässig anzurufen, so war alles Gut.



Wieder in Bern
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1.31.  Au-pair in der Schweiz – Wieder in Bern.

Mit Fränzi hatte Christine abgemacht, wo sie den Schlüssel deponieren sollte. Sie fand ihn angeklebt oberhalb der Zimmertür. Der Hintereingang, den man durch ein Vorgärtchen erreichte, war erstaunlicherweise nie geschlossen.
Christine packte ihre Sachen aus und räumte die ein, danach fuhr sie mit der Strassenbahn in die Stadt, um etwas Lebensmittel einzukaufen. Als sie einen kleinen Friseurladen sah, der angeschriebene Preise im Schaufenster zeigte, entschloss sie sich, wegen ihren krausen Haaren, beraten zu lassen. Die Friseurin, der sie zugeteilt wurde, war eine Österreicherin aus Salzburg. Sie verstand auf Anhieb, was Christine störte. Sie stellte sich als Milly vor und riet ihr die Haare fürs erste Mal zu strecken. Während sie Christines Haare richtete und dabei redeten, fragte Milly, ob sie interessiert sei heute Abend mit ihr zum Österreicher Verein zu gehen. „Heute ist eine Jahresfeier mit Musik und Tanz, ein Botschafter wird eine Rede halten, es wird sicher interessant und lustig werden.“
Christine liess sich nicht zweimal fragen und sagte zu. Zeit und Treffpunkt war abgemacht als Christine sich, mit neuer Frisur, verabschiedete. Nach dem Lebensmittel Einkauf fuhr sie in ihre neue Unterkunft zurück, ass etwas und da es sonst nichts mehr zu tun gab, ruhte sie sich noch ein wenig aus.

Sie freute sich schon auf den Abend, zog ihr schwarzes zweiteilige Kleid an, die graue Kostümjacke darüber, die roten Schuhe, ihre rote Tasche und eine passende Halskette dazu. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie hier mit 17 noch keine Abendveranstaltung besuchen darf und um 22 Uhr zu Hause sein sollte. Aber doch fiel ihr ein, in Begleitung einer älteren Person, es zulässig war. Milly hatte Christine zum Glück nicht gefragt, wie alt sie sei, sonst hätte sich diese sicher überlegt, ob sie sie mitnehmen soll. So war also nichts zu befürchten, im Fall sie unter Kontrolle käme. Christine will die Frage ihres Alters so gut sie kann verheimlichen.

Stefan, der Traummann?
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1.32.  Au-pair in der Schweiz – Stefan, der Traummann?.

Milly kam eine halbe Stunde zu spät zum Treffpunkt, sie hatte noch eine Kundin zu bedienen. Sie beeilten sich in den Veranstaltungssaal zu gehen. Am Eingang wurde kontrolliert, ob man Mitglied ist, somit konnte man einen Gast mitbringen. Christine bekam ein Blatt zum Ausfüllen für den Beitritt des Österreicher Vereins. Wegen der live Musik wurde ein Eintritt verlangt. Alle Tische im Saal waren besetzt, so mussten sie beide auf den Balkon ausweichen, wo nur Klappstühle zur Verfügung standen. Milly zwängte sich mit ihrem Stuhl ganz nach vorne und zog Christine hinterher. Ein attraktiver Mann rutschte schüchtern zur Seite. Milly sah, dass die Gäste hier oben sich unten ihr Getränk holen mussten. Die meisten tranken Bier, die Frauen Wein. „Soll ich Wein holen?“, fragte Milly. Christine nickte nur, so holte Milly eine Flasche Rotwein und zwei Glässer, die sie auf der Barrikade abstellen konnten.
Die Musik spielte lustige österreichische Volkslieder, dann stoppte sie und der Botschafter hielt seine Rede, die man wegen der schlechten Akustik kaum verstand. Christine zog ihre Jacke aus, der attraktive Mann blickte sie mit einem Lächeln an. Es gab ihr einen Stich ins Herz, sie spürte, wie sie rot wurde, sie prostete Milly zu und trank das erste Glas Wein in einem Zug aus. Eine Wärme stieg in ihr auf, so wie sie es vorher noch nie erlebt hatte. Durchs Mikrofon wurde zum Tanz aufgeboten. Milly und Christine schauten von oben zu und wackelten hin und her. Milly entschloss sich hinunterzugehen, sie wollte auch tanzen. Christine wusste nicht, wie es ihr geschah, als sie kokett den Mann daneben fragte, ob er nicht auch tanzen möchte? Er erhob sich langsam, nahm Christine bei der Hand und führte sie zur Tanzfläche. „Stefan und wie heisst du?“ Er nahm sie bald eng zu sich, Wange an Wange tanzten sie bis zur Pause. Christine wurde es ganz schwindelig, sie bat Milly mit ihr die Toilette aufzusuchen. Auf den Platz zurück, schenkte Milly Wein nach und erzählte von ihrem Tanzpartner, der habe zwei linke Füsse, echt anstrengend war's, ich hab richtig Durst bekommen und sie lachte aus vollem Herzen. „Wie war's bei dir? Ich glaub der muss sich jetzt ausruhen bevor er die Treppe herauf schafft, komm stossen wir an. Prost!“ Bald tranken sie den Wein, als wäre es Wasser. „Ich glaub mich hat es erwischt, ich bin ganz aufgeregt. Stefan heisst er, ist aus Tirol, der schwirrt in meinen Kopf herum. Oh Schreck, ich glaub ich hab mich verliebt!“ Milly tupfte Christine an die Schulter, den die merkte nicht, dass Stefan hinter ihr stand und die letzten Worte mithörte. Er lachte und gab Christine einen Kuss auf die Wange. Sie rutschte sodann auf ihren Stuhl und versteckte ihr Gesicht mit beiden Händen. Milly und Christine erhoben sich und schauten den Spektakel zu, den sie auf der Bühne aufführten. Schuhplattler und Humoristen, es wurde gelacht, aber vom Balkon aus verstand man kein Wort. Milly: „Ich habe genug, ich geh nach Hause, bin echt müde, hab einen strengen Tag gehabt.“ Natürlich wollte Christine nicht alleine bleiben, sie hatte ja letzte Nacht im Zug verbracht und der Alkohol ist jetzt in den Beinen und im Kopf zu spüren. „Ich geh auch nach Hause.“ Stefan bewegte sich langsam zum Ausgang. „Gute Nacht, habt ihr weit zu laufen? Ich begleite euch, wenn ihr wollt.“ „Das ist aber nett“ kicherte Milly. Stefan hackte sich bei beiden ein.

Milly hatte nicht weit und verabschiedete sich. Christine wollte mit der Strassenbahn nach Hause fahren. „Jetzt fährt keine mehr“ meinte Stefan. Er lief mit Christine nicht viel weiter, bis zu dem Haus wo er wohnte. Als er die Tür öffnete und sie sanft hineinzog, machte sich Christine bemerkbar. „Moment mal, ich möchte nach Hause!“ „Pscht!!! Nur für einen Moment dann gehen wir. Zieh die Schuhe aus, meine Schlummer Mutter hört dich sonst.“ Stefans Zimmer war nur einige Schritte weiter. Kaum waren sie drinnen noch im Dunkeln, rief eine Frauenstimme: „Stefan bist du es?“ „Ja gute Nacht.“

Christine flüsterte: „Mir ist nicht gut, ich möchte jetzt gehen.“ Er drückte sie an sich: „Jetzt müssen wir warten, ich muss mal schnell, setz' dich nicht aufs Bett, das quietscht.“ Oh gut, so kann nichts passieren dachte sie. Von draussen leuchtete eine Strassenlampe ins Zimmer, auf der Kommode konnte man ein Foto im Silberrahmen von einer jungen Frau sehen. Christine schaute durchs Fenster auf die Strasse und hörte, wie eine Strassenbahn anhielt. Sie wollte gehen, ging zur Tür, da kam Stefan zurück. Christine zeigte zum Fenster, „Ich geh jetzt zur Strassenbahn Haltestelle, es hat gerade eine Bahn angehalten.“ „Ach ja?“ Er schaute auf seine Armbanduhr. „Dann kommt die nächste erst in 20 Minuten.“ Er lächelte sie an, nahm sie bei der Schulter und küsste sie am Ohr, am Hals und schob sie dabei langsam Rücklinks ans Fenster. Dann hob er sie hoch und setzte sie aufs Fensterbrett, streichelte sie und liebkoste sie. Christine schloss die Augen und liess alles geschehen.
„Oh mein Gott!“ Ein brennender Schmerz! Kurz danach rutschte sie vom Fensterbrett ab, mit wackeligen Beinen stand sie da, zitterte am ganzen Körper und fragte sich, 'war es Das', wovon so viele träumen? Während er ihr eine Rolle Toilettenpapier hinhielt und sich abdrehte. „Komm! Du verpasst sonst dein Tram!“ Trug ihre Schuhe und ihre Tasche bis vor die Haustüre. Stefan nahm ihren Arm und fragte, ob sie sich Morgen wieder treffen könnten. Er würde mit ihr gerne eine Stadttour machen, wenn sie möchte. Und anschliessend ihr ein paar Arbeitskollegen auf der Casino Terrasse vorstellen, dort spielt immer eine Musikkapelle zum Tanz auf. Er bestimmte, wo und um welche Zeit sie sich treffen werden. Christine zeigte sich, ohne zu überlegen einverstanden. Stefan küsste sie, obwohl sie ihren Mund hinhielt, auf die Wange bevor sie in die Strassenbahn stieg und schaute ihr nach. Während der Fahrt sinnierte sie: „Warum hab ich mich nicht gewehrt? Der Typ stand plötzlich vor mir und in meinem Leben. Aus einem jähen unerklärlichen Impuls heraus, verliebte ich mich bis über beide Ohren in diesen so attraktiven, scheuen Menschen.“ Wer und was ist er? Das aufgestellte Foto. Hat er eine Freundin? Christine nahm sich vor, ihn diese Fragen zu stellen, sie meinte, nach dem was passiert ist, hat sie wohl das Recht dazu mehr von ihm zu erfahren.

Am nächsten Tag: traf Stefan Christine vor dem Zeitglockenturm, er strahlte und umarmte sie ganz fest und herzlich mit einem Kuss auf die Wange. „Es freut mich, dass du gekommen bist. Muss ich mich wegen gestern entschuldigen? Es ist mir einfach so überkommen, ich hoffe, du nimmst mir das nicht Übel?“ Er wartete nicht auf ihre Antwort. „Es wird bald regnen, unter den Lauben hier in Bern finden wir Schutz.“ Christine zog ihre Kapuze von ihrem neuen Mantel über den Kopf und lief über den Platz und behielt sie auch unter den Lauben auf. So liefen sie Richtung Bärenplatz, er wollte ihr noch das Bundeshaus zeigen. Da kam ihnen ein Arbeitskollege entgegen. Er grüsste Stefan und sagte auf tirolerischen Dialekt: „Was hast den da für eine Scheuche?“ Stefan schob Christines Kapuze nach hinten, sodass sein Kollege ihr Gesicht sehen konnte. „Das ist Karl, er kommt auch aus Kufstein, wir arbeiten beide bei Hasler.“ Karl schaute voll in Christines Gesicht, er wollte ihr die Hand geben, doch sie hielt ihre Tasche fest und gab ihm zu verstehen, dass sie verstanden hat, was er vorhin gesagt hat. Stefan: „Wo ist den deine Verlobte?“ „Die kann heute nicht kommen, sie hat ihre Tage, die Schmerzen.“ Stefan lachte: „So genau wollten wir das nicht wissen, wir sehen uns dann im Casino, Tschau!“ Und beide liefen weiter, sahen das Bundeshaus, schlenderten die hintere Gasse bis zum Bahnhofplatz hinauf. Stefan drückte plötzlich Christines Arm: „Schau her, Karls Verlobte mit seinem besten Freund und so verliebt!“ Stefan zog Christine in den nächsten Laden, damit sie sich nicht begegnen. „Hast du gesehen, der trägt die gleichen modischen Kleider wie Karl und das schon seit dem sich die beiden kennen. Ist jetzt Trend, sozusagen Twin-look, massgeschneidert natürlich. Vera, seine Verlobte, hat sich auch aus dem gleichen Stoff ein Kostüm machen lassen und es auf Karls Rechnung gesetzt. Darüber war er sehr verärgert.“

Im Casino waren schon ein paar Freunde und Kollegen, meist Österreicher. Karl hat zwei Stühle neben sich für Stefan und Christine reserviert. Stefan rückte höflich den Stuhl für Christine zurecht, die sich dafür bedankte. Einer meinte: „Das mach ich für meine Weiber nicht.“ Ein anderer lachend: „Darum bleibt dir auch keine.“ So ging es eine Zeit lang lustig hin und her. Karl erzählte, dass der Chef von Vera es nicht gerne sieht, wenn er im Ärztevorraum auf sie wartet, bis sie fertig ist. Hat auch gesagt, er soll dort nicht rauchen, obwohl auch andere geraucht haben, so hat er sich gestern auf den kleinen Balkon dort gesetzt und weiter geraucht. Ein Kollege in der Gruppe war schon angeheitert und lallte: „Der denkt halt so ein Alter passt nicht zu seiner jungen Gehilfin.“ Dann fragte ein anderer, wie alt ist den Vera? „Der Liebe ist es Wurst, wer wie alt ist. Rechenübungen sind nicht so mein Ding. Es kommt Knall auf Fall“, verteidigte sich Karl. Der Mann neben Christine flüsterte: „Ich weiss, die ist erst 17 und lässt sich nicht so leicht flach legen. Sie sei bei ihrem Chef in ärztlicher Behandlung, weil bei ihr etwas nicht stimmt, hat Karl einmal ausgeplaudert.“ Dann lachte er hell auf und wollte nicht aufhören. Karl bestellte drei Schnäpse zu Christines Einstand in die Gruppe. Doch Stefan und Christine weigerten sich den zu trinken. Sie merkten auch, dass ein paar Kollegen schon übers Mass getrunken haben. Christine stand auf: „Ich muss mich jetzt leider verabschieden, war nett euch kennenzulernen“, winkte allen höflich zu. Stefan trank noch sein Glas Wein fertig aus und folgte ihr. Karl trank die Schnäpse alleine aus und rief: „Leg sie flach!“ „Oi, oi, oi Karl! Hast zu viel getrunken? Benimmt dich gefälligst“, liess einer der Männer verlauten.

Stefan begleitete Christine auf ihren Weg nach Hause. Jetzt hatte sie Gelegenheit ihn ein paar Fragen zu stellen. Wie sie schon wisse, arbeitet er bei der Firma Hasler, er habe in Kufstein wie auch Karl Werkzeugmacher-Feinmechaniker gelernt. Aber mache seit einiger Zeit nebenbei ein Studium zum Ingenieur an der ETH Zürich. Karl hatte sich auch eingeschrieben aber wegen Vera alles hingeschmissen. Es sei schade, da er einen klugen Kopf habe. So werde er den Rest der Woche in Zürich verbringen. Im Studentenhaus teilt er ein Zimmer mit zwei anderen jüngeren Studenten, ist zwar eng, doch im Moment geht es gut, erzählte er. „Nun werde ich dich erst, wenn ich wieder zurückkomme, treffen können.“  Christine war enttäuscht, konnte ihn aber gut verstehen, dass er weiter kommen wolle. Am Hintereingang des Hauses angelangt schlang Christine ihre Arme um Stefan und gestand ihm, dass sie sich in ihn verliebt habe und ihn nicht verlieren wolle. Dann konnte sie es nicht verkneifen zu fragen, wer den die Frau auf dem Foto in seinem Zimmer sei. „Das Zimmer gehört eigentlich dem Sohn der Schlummer Mutter und sie wollte das Bild seiner Freundin nicht verschieben. Mich stört es nicht und jetzt sperr schon auf!“ sagte er etwas scharf. Christine: „Komm wir verabschieden uns hier, denn ich weiss nicht, ob meine Vorgängerin noch anzutreffen ist. Sie ist die meiste Zeit bei ihrem Freund, aber man weiss ja nie, ich bin ja erst eingezogen und kenne die Situation noch nicht.“ Stefan gab sich zufrieden, küsste sie wieder nur auf die Wange und drückte sie fest an sich. „Also ich melde mich wieder, sobald ich zurück bin. Tschau bis dann!“ Dabei ging er winkend weg. Christine machte sich Gedanken, fühlte sich allein gelassen. Sie ging in ihr Zimmer, schaute auf die Uhr. Um diese Zeit könnte sie noch Milly im Friseursalon antreffen, sie wollte nicht im Zimmer herumhocken und machte sich auf den Weg. Milly freute sich: „Servus! Schön dich zu sehen, kannst noch ein wenig warten, ich räume schnell auf, bin gleich fertig.“ Christine nickte ihr lächelnd zu: „Freue mich, dass du Zeit für mich hast.“ „Ist doch logisch! Magst was trinken, ich hab noch Tee in der Thermosflasche.“ Milly holte eine Tasse und schob sie ihr mit der Thermosflasche hin. Sie flüsterte: “Ich hab noch zwei Privatkunden, kannst meine Assistentin sein, wenn du willst?“ Christine war damit einverstanden, denn was sollte sie sonst so alleine tun. Milly verabschiedete sich von allen ganz herzlich mit netten Worten. Sie packte alles, was ihr gehörte in eine Reisetasche. Christine erfuhr so, dass dies Milly's letzter Arbeitstag war. Als sie den Salon verliessen, klärte Milly Christine auf, dass sie noch heute Abend den Zug nach Salzburg nehmen werde und sie bei ihrem Bruder bleiben kann, bis sie eine Unterkunft gefunden habe. Er habe nur eine kleine Wohnung in der Stadt. Für sie seien die drei Probe Monate in der Schweiz abgelaufen. „Kommst nicht mehr zurück?“, fragte Christine. Milly: „Nein, zu Hause gefällt es mir besser, obwohl ich dort viel weniger verdiene, aber ich komme ganz gut damit aus. Mein Bruder hat mir schon ein Vorstellungsgespräch arrangiert in einem Top Salon in Salzburg, ich freue mich echt darauf. Ich muss ihn nachher nochmals anrufen, so dass er zu Hause ist, wenn ich ankomme.“ Christine liess den Kopf hängen: „Ich bin ganz traurig, dass auch du nicht mehr da bist. In ein paar Tagen wird es mir weniger langweilig sein, weil ich dann meine Lehrstelle antreten kann.“ Milly fragte: „Aber der Stefan ist doch da, oder? Dein Traummann, du hast dich ja total verliebt in ihn, ist ja auch ein schöner, eleganter, höflicher Mann und so herzig scheu.“ Christine dachte, oh, wenn Milly nur wüsste, was passiert ist, von scheu keine Rede. „Stefan studiert in Zürich, er arbeitet deswegen hier in Bern nur teilzeitig und wohnt in der Nähe der ETH in einem Studenten Haus. Er hat mir versprochen, dass er sich meldet, wenn er wieder da ist“, erwiderte Christine. Milly: „Ist ja toll, das heisst, es hat ihn auch erwischt mit der Liebe. Sei jetzt nicht traurig, freu dich auf ein Wiedersehen.“

Milly hackte sich bei Christine ein, zog sie sanft die letzten paar Schritte bis zum Eingang einer wunderschönen Villa. Sie läutete, das eiserne Tor ging auf, auf der Treppe wurden sie von einer Dame im Hausdress freundlich begrüsst. „Wie lieb von ihnen, dass sie noch Zeit für uns fanden, meine Freundin ist auch schon nervös, wir haben heute noch Grosses vor, da möchten wir uns elegant zeigen. Kommen Sie bitte herein. Nehmen Sie meine Freundin Alice zuerst vor, ich kann noch warten. Sie haben noch jemanden mitgebracht?“ „Ja meine Assistentin Christine, die wird mir hilfreich zur Hand gehen.“ Milly reichte Christine eine blaue Friseurschürze und sie selber zog sich eine weisse über. Das Gespräch während Milly ihre Arbeit machte und Christine ihr alles reichte, was sie brauchte, ging um Frisuren, neueste Mode und ähnliches. Nach fast zwei Stunden standen beide Damen zufrieden vor einem grossen Spiegel, bedankten sich sehr und bezahlten Milly und Christine grosszügig aus. Alice rief: „Aufwiedersehen bis zum nächsten Mal!“ Milly wollte nicht bekannt geben, dass sie nicht mehr hier sein wird: „Viel Vergnügen heute Abend“, wünschte Milly noch. Christine: „Adieu!“, und sie liefen die Treppe hinunter. An einer nahen Telefonkabine stoppte Milly, holte die Telefonnummer ihres Bruders hervor und rief ihn an. Milly öffnete die Kabinentür und rief: „Christine willst mitkommen, kannst auf der Küchenbank für eine Nacht schlafen, dann hast du zwei Tage Zeit um Salzburg zu besichtigen, das Mozart Haus und so.“ Milly wartete nicht, bis Christine zusagte. „Also dann bis morgen Früh. Servus!“ und verliess die Kabine. Milly:„Kommst jetzt mit?“ Christine ganz überrascht: „Ja gut, wann fährt der Zug, ich muss noch meinen Pass und ein paar Sachen holen für die zwei Tage.“ „Hast noch genug Zeit, ich kauf dir die Fahrkarte inzwischen, hast du soviel Geld dabei?“ Milly nannte ihr die Summe. Christine hatte genug bei sich. Sie machten Uhrzeit und Treffpunkt aus. Christine fuhr mit der Strassenbahn zum Haus und zurück, alles ging so schnell. Was für ein aufregender Tag dachte sie und freute sich mit Milly im Nachtzug nach Salzburg zu reisen.

Christine und Milly in Salzburg
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1.33.  Au-pair in der Schweiz – Christine und Milly in Salzburg.

Sie hatten Glück ein Zugabteil für sich alleine zu haben, so konnten sie sich bequem hinlegen. In Salzburg angekommen regnete es. Milly erklärte, das sei der berühmte Salzburger “Schnürlregen“, weil die Tropfen wie kurze Schnüre herunter Regnen. Milly spannte ihren Schirm auf und Christine stülpte die Kapuze vom Mantel über den Kopf. So marschierten sie bis zur Wohnung von Milly's Bruder. Dieser war gerade im Begriff zu gehen, schnell ein „Grüss Gott“, eine Umarmung, Händeschütteln und weg war er. Auf dem Küchentisch in der winzigen Wohnung, war die Adresse und die Zeit Angabe, wo sich Milly vorstellen sollte, und auch dass er die Nacht nicht hier sein werde und Milly sein Bett benutzen kann. Im Küchenschrank war genug für ein Frühstück vorhanden, in einer Kühlbox war Milch und Butter, Kühlschrank gab es nicht. Nach dem Frühstück machte sich Milly für das Vorstellungsgespräch bereit und suchte ihre Unterlagen zusammen. Sie fand einen Stadtplan für Christine, dann marschierten sie los. Milly erklärte ihr, wo sie das Mozart Haus, das Geburtshaus von Josef Mohr, der den Text zu 'Stille Nacht' geschrieben hat und die Altstadt und noch andere sehenswerte Gebäude, Kirchen und den Mirabellgarten, finden konnte. Sie verabredeten sich für den späteren Nachmittag, damit beide genug Zeit für sich selber hatten. Milly wollte noch einkaufen gehen und ihr Zeugs in Ordnung bringen. Sollte es aufhören zu regnen, dann wäre die Festung Hohensalzburg einen Besuch wert, schon der Aussicht wegen, meinte sie. Christine fand es, aber wichtiger zuerst herauszufinden wann ein Zug wieder nach Bern zurückfährt. Auf ihren Weg fand sie ein Reisebüro, dort konnten sie ihr wieder einen Nachtzug empfehlen, die Rückfahrkarte hatte sie schon. So hatte sie noch genug Zeit, um ein paar Sehenswürdigkeiten von Salzburg zu finden. Das Mozart Haus war sporadisch möbliert, ein kleines Klavier, auf dem er schon als Kind komponierte. Natürlich kaufte sie ein Säckchen Mozart Kugeln, die mit Marzipan gefüllt waren. Eine Köstlichkeit! Christine musste sich zusammen nehmen, nicht alle gleich zu vernaschen. Auf die Burg hat es nicht mehr gereicht, aber vielleicht regnet es Morgen nicht, dachte sie, dann würde sie das noch nachholen. Jetzt war es Zeit Milly zu treffen und sich dann bei ihr zu Hause etwas auszuruhen.

Milly strahlte übers ganze Gesicht, erzählte, wie es ihr ergangen ist und sie morgen schon anfangen kann. „Uns bleibt also nur noch der heutige Abend, den wir zusammen verbringen können. Wer weiss wann wir uns dann mal wiedersehen werden?“ Sie sagte das in einem traurigen Ton. Christine meinte, sie selber war froh, sie überhaupt getroffen zu haben, und dass sie in Bern ihre neue Lehrstelle schon bald antreten werde, da bleibt auch nicht mehr viel Zeit zum Vergnügen übrig.
Nach einem langen Gespräch und während sie ihre belegten Brote assen, verriet Milly einiges über ihre Familie. „Unser Vater ist im Krieg gestorben, unsere Mutter griff immer mehr zur Flasche, war total überfordert mit Arbeit und Kinder erziehen. Erst Jahre später versuchte sie vom Alkohol loszukommen, wurde auch noch aggressiv, konnte nicht mehr schlafen, es war fast nicht auszuhalten. Nur ein Ziel hatte sie noch, dass wir Kinder einen Beruf lernen, und das haben wir dann, Gott sei Dank, zusammen geschafft. Heute geht es ihr besser, sie arbeitet in einem Spital in einer kleineren Stadt und dort hat sie auch ihren neuen Partner gefunden. Sie hat jetzt wieder alles auf die Reihe bekommen, sie sieht auch schon viel erholter aus, darüber sind wir natürlich alle sehr froh. Die Nähe meiner Mutter hat mir schon gefehlt, ist auch ein Grund gewesen zurückzukehren. Mein Bruder ist ein toller, zuverlässiger Typ, immer für einem da, das ist schön.“ Milly trank noch ihren Tee aus und suchte noch ein paar Sachen für den nächsten Tag zusammen. Während Christine im Badezimmer war, bereitete sie eine Schlafstelle auf der schmalen Sitzbank zurecht. Sie wünschten sich dann gegenseitig gute Nacht und legten sich schlafen.
Am nächsten Tag mussten beide früh aufstehen, Christine konnte nicht in der Wohnung bleiben, da Milly nur einen Schlüssel hatte. Die Zeit zum Frühstück reichte noch für ein Stück Brot mit Marmelade und eine Tasse Tee, dann mussten beide aus dem Haus, wo sie sich herzlich umarmten und ein paar Tränen verdrückten und sich verabschiedeten. Milly wünschte Christine noch eine schöne Zeit in ihrer Stadt und hoffte, das es aufhört zu regnen. Christine wünschte Milly einen guten Start an ihrer neuen Arbeitsstelle und dann trennten sich ihre Wege.
Der Regen hörte nicht auf, noch dazu war dichter Nebel aufgekommen. Christines Mantel war bald durchnässt, sie fröstelte in dieser frühen Morgenstunde, so entschloss sie sich zum Bahnhof zu gehen, um eventuell früher abreisen zu können. Sie studierte nicht lange den Fahrplan, ging zum Auskunftschalter und fragte dort nach für einen Zug in die Schweiz nach Bern. Es gab eine Möglichkeit mit zweimal Umsteigen und der fährt in diese Richtung in 25 Minuten ab. Oh gut! Dachte sie, es hat ja keinen Sinn im Regen den ganzen Tag herumzulaufen. Sie konnte sich noch im kleinen Bahnhofladen mit Proviant für die lange Reise eindecken.
Der Zug fuhr dann gemütlich durchs schöne Tirol, wo sich der Nebel langsam aufgelöst hat, man sah die hohen Schneebedeckten Berge. Er stoppte einige Male, dann in Bregenz umsteigen für weiter nach Zürich. In Zürich angekommen, war noch Zeit einen späteren Zug nach Bern, als wie geplant, zu nehmen. Christine freute sich auf diese Gelegenheit noch Zürich besuchen zu können. Sie spazierte auf der Bahnhofstrasse an den eleganten Geschäften vorbei bis zum See. Der Ausblick war herrlich mit all den vielen Booten und Schiffen. Schade war es nicht so warm, dass man ein wenig länger verweilen könnte. So ging sie auf der Bahnhofstrasse an den vielen in Pelz bekleideten Damen vorbei, bis sie wieder den Bahnhof erreichte und den Zug, mit einem guten Gefühl nach Bern bestieg.

Müde kam Christine in Bern an, fuhr mit dem Tram nach Hause. Sie sperrte ihr Zimmer auf, legte sich ins Bett und erwachte erst am nächsten Morgen, als die Sonnenstrahlen ihr Zimmer erreichten, auf. Sie träumte noch eine Weile vor sich hin, bis Hunger und Durst sich meldeten. Auch erinnerte sie sich noch, dass sie ein Plakat von der Migros Sprachschule gesehen hat. Sie nahm sich vor heute noch diese Schule aufzusuchen, um zu sehen, was es für Möglichkeiten gibt, um einem Französischkurs zu besuchen. Da sie genug Zeit hatte, lief sie die Strecke über die Kornhausbrücke bis zum Einkaufscenter der Migros. Im ersten Stock befand sich ein Restaurant mit Selbstbedienung, sie sah sich um und nahm zum ersten Mal ein Birchermüesli zu sich, das gut aussah und auch so schmeckte. Danach suchte sie die Schule auf. Nach einem Informationsgespräch wurde ihr eine Anfängerklasse empfohlen. Christine konnte sich aber nicht definitiv anmelden, da sie noch nicht wusste, wann sie dazu Zeit bekommen wird. Sie bekam einen Stundenplan ausgehändigt und versprach sich bald anzumelden.

Beginn der Hauswirtschafts Lehre
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1.34.  Au-pair in der Schweiz – Beginn der Hauswirtschafts Lehre.

Christine war heute ganz nervös, denn es war der erste Tag, den sie in dem Bäckereishaushalt verbringen werde. Was soll sie anziehen, war die grosse Frage? Sie zog sich zweimal um, dann war es wirklich Zeit zum Gehen. Sie kam pünktlich an. Frau Iseli begrüsste sie ganz herzlich und fragte, ob sie immer so pünktlich sei? Sie liess aber Christine nicht zu Wort kommen und stellte ihr die Köchin, die gerade zur Tür hereinkam, vor und noch ein paar andere vom Personal. Ihre Schwester Joli half im Verkauf und ihr Mann ist meist in der Backstube tätig und die anderen wirst du bald auch kennenlernen. Dazu habe sie noch zwei liebe Söhne, die in den Kindergarten gehen, erklärte sie ihr.

„Christine ist ein schöner Name, spricht man den immer ganz aus?“ „Ja bitte, ich mag keine Abkürzung“, sagte Christine bestimmt. „Na gut, man wird sich daran gewöhnen. Ich hab hier einen Zeitplan, was so für dich zukommt, den kannst du, während dem du dein Frühstück in der Küche einnimmst durchlesen. Wenn du dann Fragen hast, kannst dich bei Ursla, der Köchin melden, die weiss Bescheid. Die Küche war winzig klein. Ursla eine buckelige, kleine Frau wie meine Tante zu Hause, schoss es Christine durch den Kopf. Sie begrüsste sie mit einem freundlichen Lächeln. Ihr machte es nichts aus in so einer kleinen Küche zu werken, sie sei schon einige Jahre hier und es gibt weniger zu putzen, lachte sie. „Was isst du so zum Frühstück? Hier haben wir Weggli und Gipfeli vom Vortag, Butter und zwei verschiedene Konfitüren. Zum Trinken kannst du Milch, Kaffee oder auch Schwarztee haben.“ Christine entschloss sich für die Milch und bedankte sich bei Ursla.
„Hier sind wir alle per “du“, ausser den Chefs Leuten und Fräulein Joli. Milch ist gut und gibt mir weniger zu tun“, lachte sie.
Christine las den Plan durch und hatte schon ein paar Fragen an Ursla. „Komm, ich zeig dir schnell, wo du anfangen kannst und gebe dir, was du dazu brauchst auch gleich mit.“ Sie erklärte Christine deutlich, was sie bis zum Mittagessen zu tun hatte. Die Zeit verging schnell, zu Mittag gab es Käseschnitte und man konnte sich eine Frucht aus dem Korb nehmen. Es waren noch drei Lehrlinge am Tisch. Ursla stellte Christine vor, erhob ihren Zeigefinger und warnte die scherzhaft ihre “Pfoten“ von ihr zu lassen. Sie alle grinsten schelmisch. Ursla lachte darüber. Der Plan zeigte die Arbeit- und Freizeit an. Nachmittag gab es zwei Stunden, `Zimmerstunde`. Mittwochnachmittag war das Geschäft geschlossen und Sonntagvormittag mussten einige, so auch Christine anwesend sein. Christine fragte Ursla, ob niemand in die Kirche gehe? „Ja schon, die Herrschaft geht am Vormittag und die anderen können, wenn sie wollen, zur Abendmesse gehen.“
Die Woche ging wie im Flug dahin. Christine meldete sich für den Französischkurs an, es war nur noch Mittwoch 17:00h-19:00h was frei und es war gut so. Bei der Anmeldung bekam Christine noch ein kleines Buch für Anfänger überreicht, das sie sich noch anschauen soll. Stefan hat sich übrigens noch nicht gemeldet.

Christine wagte sich zum Treffpunkt seiner Kollegen zu gehen, die waren neugierig ob Stefan auch noch kommt. „Er hat gesagt, er wird sich melden, wenn er wieder in Bern ist. Ich hab jetzt auch nicht mehr so viel Zeit, da ich eine neue Arbeitsstelle angefangen habe und Abends einen Französischkurs besuche.“ Damit gaben sie sich zufrieden. Kollege Horst fragte, was sie trinken möchte? Christine bestellte sich selber einen Drink und bezahlte auch sofort. Karl kam dazu: „Jetzt hat es keinen Platz mehr für mich frei,“ frotzelte er. Er kam gerade vom Friseur, die Haare in Wellen gelegt und im dreiteiligen Anzug ohne Krawatte, die Schuhe auf Hochglanz poliert, und hatte auch neuestens einen schmalen Oberlippenbart. „Hast den Bart von Errol Flin aufgeklebt, der ist jetzt neu gell?“ witzelten sie herum. Karl holte sich einen Stuhl vom Nebentisch und bestellte sich ein Glas Wein. Nach einer Stunde Geplapper verabschiedete Christine sich. Karl: „Brauchst einen Begleiter?“ „Nein danke!“, bekam er zur Antwort. Christine hörte noch, wie einer nach Vera fragte. Sie hätte noch gerne gehört, was er dazu sagte, und ob er schon erfahren hat, dass Vera mit seinem besten Freund gesehen worden ist.

Christine dachte viel an Stefan. Endlich nach zwei Wochen passte er sie vor der Haustüre ab. Es war Mittwoch, sie kam gerade vom Französisch Kurs zurück. Sie freute sich sehr, dass er wieder da war und fiel ihn um den Hals. Er nahm ihre Arme weg, hielt sie fest und fragte, wo sie war. Er warte schon bald eine Stunde hier und was sie in der ganzen Zeit gemacht habe? Christine stotterte herum, erzählte, was er hören wollte. „Hast einen Anderen gehabt, derweil ich weg war?“ „Nein natürlich nicht!“ Sie schrie ihn an, die Tränen liefen ihr über die Wangen, sie lief ins Haus und war ganz enttäuscht, dass er so was fragen konnte. Er lief ihr nach, die Treppe hoch, sie beeilte sich ins Zimmer zu kommen, schlug die Türe zu und sperrte ab. Schluchzend legte sie sich aufs Bett. Nach einer Weile dachte sie, so geht das nicht! Ich muss meinen Eigenwert wieder finden und mich stark machen. Sie wusch sich das verweinte Gesicht, ass und trank etwas und dachte, das war es also, die grosse Liebe. Von nebenan gab es laute Musik, also war es ans Schlafen gehen nicht zu denken. Nachdem sie Ordnung gemacht hatte, blätterte sie im französischen Lexikon herum, machte Notizen, konnte sich aber nicht konzentrieren. Ihre Gedanken waren in Lausanne. Sie wirft sich vor nicht genug probiert zu haben, um aus der Deutschen Schweiz wegzukommen. Da klopfte es an der Tür.
Christine erschrak, schaute auf die Uhr, es war bald Mitternacht. Es klopfte noch mal. „Ja! Wer ist da?“ „Mach auf ich bin's.“ Sie erkannte Stefans Stimme. Christine zögerte. „Es tut mir leid, mach schon auf!“ Er rüttelte fest an dem Türgriff, da schloss sie auf und liess ihn eintreten. Er schlang seine Arme um sie und drückte sie fest an sich. Sie schob ihn mit grosser Mühe weg. „Wir sollten zusammen reden, ich will schon wissen, wie es in Zukunft mit uns steht, obwohl wir uns noch nicht so lange kennen. Dann möchte ich noch wissen, wo ich dich erreichen kann, hier oder in Zürich. Ich möchte deiner Karriere absolut nicht im Wege stehen, ich finde es gut, dass du dich weiter bildest. Ich hätte auch gerne studiert, aber die Umstände liessen es nicht zu, wie und warum erzähle ich dir später.“ Stefan sah sich Christines Französisch Heft an. „Gehst du jetzt Französisch lernen? Ich hab gedacht du arbeitest irgendwo?“ lenkte er ab. „Ja das auch“, antwortete sie etwas mürrisch und sah ihn dabei erwartungsvoll an. „Ja wegen der Adresse. Ich bin gerade auf der Suche für eine kleine Wohnung oder auch Wohngelegenheit, so wie ich es hier in Bern habe. Wichtig ist mir auch, ein Telefonanschluss, damit man mich erreichen kann. Wo ich jetzt wohne, geht telefonisch gar nichts. Weder hier noch in Zürich, ist nicht einfach, glaube mir.“ Er rückte näher zu ihr. „Und weiter?“, fragte sie. „Ich werde dem Karl die Adresse schicken. Er kann sie dir dann weiter geben, aber ich denke, wir werden uns noch vorher treffen, ich weiss ja wo ich dich finde“, grinste er und küsste ihre Hände. Christine gähnte, sie war müde und hoffte, dass er von alleine geht. Doch Stefan machte keine Anzeichen, fing an sie zu streicheln, drückte sie auf das Bett. „Hör mal! Ich will das nicht, was ist, wenn ich schwanger werde?“ wehrte sich Christine. Er hielt ihren Mund zu. „Dann heiraten wir!“, und schon war es wieder passiert. „Aber nur wenn es von mir ist“, sagte er nachher ihr flüsternd ins Ohr. Christine schlug ihn mit der Hand ins Gesicht und lief schnell auf die Toilette. Als sie zurückkam, war er weg.

Die Tage vergingen schnell. Christine hatte sich gut mit den Leuten in der Bäckerei verstanden. „Mir gefällt es, dass man dir nicht sagen muss, was du zu tun hast. Du siehst die Arbeit von alleine“, lobte die Chefin, ihr Mann und ihre Schwester nickten dazu. „Ja das ist nicht immer so mit den Angestellten“, sagte ihre Schwester dazu. Christine räusperte sich: „Ich frag halt einfach Ursla, wenn ich nicht weiter weiss, die hilft mir dann gerne.“

 




Karl und Vera
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1.35.  Au-pair in der Schweiz – Karl und Vera.

Freitag war meist Casino Tanzabend oder man ging ins Kino. Karl war ein offener Typ, erzählte alles, was so lief. Er wollte noch wie immer Vera von der Arbeit abholen. Doch dann sagte er, wurde es ihrem Chef zuviel: „Hören Sie, Sie können nicht weiterhin hier zwischen meinen Patientinnen auf Vera warten. Es sind doch sicher fast drei Monate, wo sie hier auftauchen. Und da haben sie hoffentlich gemerkt, dass sie hier bei einem Frauenarzt sind, das geht einfach nicht! Bitte gehen Sie jetzt und kommen sie nicht wieder!“ Vera wohnte über der Praxis, wo Karl keinen Zutritt hatte. Gerade an diesem Tag kam seine Schwester Traudel zu Besuch, sie wollte Vera, seine Verlobte, kennenlernen. So schrieb er Vera eine Einladung, ob sie mit ihnen in den Kornhauskeller zum Abendessen kommen würde und schob den Brief unter die Tür der Familie, wo sie wohnte.

Als Karl und Traudel im Kornhauskeller ankamen, war Vera, zu Karls Freude, schon da. Ihr graues Kostüm war vom gleichen Muster und Stoff wie Karls Anzug. „Trägt man das hier so?“, fragte Traudel. Es folgte Küsschen links und rechts. „Hast gemerkt, sie hat keinen Verlobungsring an, den hätte ich gerne gesehen“, flüsterte Traudel, mit starken Tiroler Dialekt in Karls Ohr. Er aber schaute sich um, wo ein passender Tisch für drei Personen sei. Doch Vera lief voraus und setzte sich neben dem Balkongelände an einem runden Tisch, von wo sie gut die Bühne, die unten war, sehen konnte. Heute gab es Blasmusik und als Spezialität ein kleines gegrilltes Huhn im Körbchen mit frittierten Kartoffeln. Dazu eine Schale mit warmen Wasser, darin schwamm eine Scheibe Zitrone, um die Finger zu waschen. Traudel setzte sich zwischen Vera und Karl. Sie erblickte einen Kellner, ging zu ihm und bestellte eine Flasche roten Hauswein. Karl wollte aber lieber ein Bier und Vera trank keinen Alkohol. „Wenn das so ist, nehme ich halt den Rest mit nach Hause“, äusserte sich Traudel unfreundlich. Die Musik gefiel ihr auch nicht besonders, am Huhn rupfte sie herum, kam langsam in schlechter Stimmung. Karl zu Vera: „Wo hast den deinen Ring?“ „Den muss ich irgendwann verloren haben, ich finde ihn einfach nicht mehr!“ „Denk doch nach, wo du überall warst, irgendwo muss der ja sein“, erwiderte Karl. Vera hörte nicht mehr hin, schaute nur noch auf die Bühne und wippte mit den Beinen, vom Huhn knabberte sie nur die Flügel ab, den Rest liess sie stehen. Traudel: „Essen Sie nichts mehr?“ „Mein Magen ist verstimmt, ich glaube, ich gehe besser nach Hause. Ich treff dich dann im Casino.“ Karl stand auf, Küsschen links, Küsschen rechts. Vera winkte kurz zu Traudel, dann stöckelte sie mit ihren hohen Absätzen zur Tür hinaus. „Ist die immer so? Die ist aber dünn und viel grösser als du“, meinte Traudel.“ „Nein, nein sie hat halt was mit dem Bauch, ist auch bei ihrem Chef deswegen in Behandlung. Vera trägt halt gerne hohe Schuhe, darum meint, man sie sei grösser als ich.“ Traudel: „Was machen wir jetzt mit den angefangenen Abend? Hier sitzen bleiben, möchte ich nicht.“ „Wir könnten uns noch einen Film anschauen. Wenn du willst, gehen wir zurück zu dem Kino, wo du stehen geblieben bist. Der Film würde mich auch interessieren.“ Sie liefen die Strasse hinauf. Als sie fast angekommen sind, kam ihnen Karls bester Freund Bernhard, eingehängt bei Vera, entgegen. Ruckartig blieb Karl stehen, er traute seinen Augen nicht. Traudel sah sich etwas im Schaufenster an, als sie hörte, wie Karl laut sagte: „Was soll den das?“ „Oh mein Gott, wir wollten dir das schon lange sagen, das wir jetzt zusammen gehören. Es tut mir leid für dich, aber es ist passiert!“ Bernhard schob Vera raschen Schrittes schützend weiter. Traudel fiel nichts anderes ein, als zu sagen: „Du Karl, der hat den gleichen Anzug an wie du!“ dann hackte sie sich bei ihm ein und sie gingen weiter.

Bei Christine waren jetzt schon wieder fast sechs Wochen vergangen, seit Stefan hier war. Das war doch mein, gut aussehender, eleganter, kluger Traummann, sinnierte sie vor sich hin. Wie geht es weiter? Christine konnte sich ihre Gefühlslage kaum erklären. Sie fragte bei Karl nach, ob er die Adresse von Stefan kennt, sie möchte ihn gerne besuchen. „Nein weiss ich nicht, er muss wohl in Zürich sein.“ Er wohne nicht mehr in Bern und arbeitet auch nicht mehr bei Hasler, musste sie erfahren. Das war wohl das Ende dieser Beziehung. Wut stieg in ihr auf. Der hat mich nur benutzt! In den Moment ging bei ihr, mit gebrochenen Herzen die Welt unter. Niemand und nichts kann diesen Schmerz mildern. Wir waren nicht aus demselben Holz geschnitzt und somit nicht für einander bestimmt, versuchte sie sich zu trösten. Es ist Schluss. Punkt.

Fehlgeburt
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1.36.  Au-pair in der Schweiz – Fehlgeburt.

Ihre Chefin, Frau Iseli fuhr mit ihrem Mann und den zwei Buben für drei Tage, mit einem Einkaufsreisebus nach Domodossolar in Italien, nah an der Schweizer Grenze. Sie hatte noch vorher eine kleine Wanne, mit ihrer Unterwäsche und Miedern, in der Privatküche in Seifenwasser eingeweicht. Frau Iselis Schwester erklärte Christine, was so alles zu erledigen wäre bis sie zurückkommen. „Also du kannst zu mir Joli sagen, rufst mich wenn, was ist, zuerst musst du halt mal die Wäsche waschen“. Sie liess Christine in der Wohnung hantieren und ging in den Bäckerladen zurück. Christine hob die Wanne alleine vom Boden auf den neben stehenden Hocker. Nach nur kurzer Zeit schmerzte ihr Bauch und sie wusste nicht, was es war. Sie liess alles liegen und stolperte die Treppe runter bis in den Laden. „Ich hab auf einmal so schreckliche Schmerzen, ich hab mich wohl überhoben. Ich glaub, ich muss mich hinlegen, bis es besser wird.“ „Oh je! Ich gebe dir hier ein paar Schmerztabletten, nimm gleich zwei mit viel Wasser. Geh in dein Zimmer und leg dich hin. Ich ruf meine Schwester an, die macht sowieso immer die Wäsche, die kann jetzt einspringen. Aber wenn es nicht besser wird, musst du zum Arzt, der ist ganz in der Nähe. Ich schreib dir gleich die Adresse auf.“ „Danke!“ „Geh die Abkürzung durch den kleinen Park, die setzten neue Bäume, darum ist die Zauntüre offen.“ Christine war kaum im Zimmer, da plumpste eine faustgrosse rote Kugel unten raus. „Ich hab doch keine Periode, die ist sowieso so unregelmässig,“ dachte sie. Sie sah sich das fleischige Ding an und erschrak fürchterlich, zitterte am ganzen Körper, legte sich am Boden hin und dachte nach. Sieht so eine Fehlgeburt aus? Gehört hat sie schon davon. Die Bauchschmerzen waren fast weg, sie hatte Angst etwas falsch zu machen und nahm sich vor so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen. Sie wickelte das rote Ding in eine Zeitung ein, schleppte sich durch den Park, vorbei an den Löchern, wo die neuen Bäume eingepflanzt wurden, blieb einen Moment stehen und rollte das Mitgebrachte in ein tiefes ausgegrabenes Loch. Daneben lag eine kleine Birke. Die Tränen liefen ihr über die Wangen. Mit gefalteten Hände sah sie noch, etwas entfernt zu, wie dieses Bäumchen darüber eingepflanzt wurde. Christine bekreuzigte sich versteckt. War es wirklich eine Fehlgeburt?

In der allgemeinen Praxis wurde sie von einer Assistenz Ärztin empfangen und zum Arzt geführt. Er wusste, nach einer kurzen Untersuchung, sofort was passiert war. „Es passiert oft und ist doch ein grosser Verlust ein Baby in den ersten Wochen der Schwangerschaft zu verlieren. Ich gebe ihnen hier ein Medikament und Desinfektion Lotion mit.“ Dann nahm er Christines Gesicht in die Hände, schaute sie prüfend an und sagte: „Du bist noch so jung, pass gut auf dich auf! Es ist noch zu früh Kinder zu bekommen und zuerst musst du den richtigen Mann dazu finden. Hast du den jetzt?“ „Er hat gesagt, er heiratet mich, im Fall ich schwanger werde, habe aber jetzt seit sechs Wochen nichts mehr von ihm gehört. „Dann vergiss ihn, aber schnell! Du bist ein hübsches Mädchen, sei vorsichtig, da draussen warten die Wölfe.“ Er küsste sie, ziemlich feucht auf die Stirne, was Christine sehr unangenehm fand. Seine Assistentin schrieb als Diagnose: Muskelzerrung im Bauchbereich, drei Tage Bettruhe, somit auch in dieser Zeit arbeitsunfähig. Sie drückte Christine mit einem Augenzwinkern das Arztzeugnis in die Hand. „Komm in drei Tagen zur Kontrolle vorbei. Wie ich sehe, wohnst du nicht weit weg, ich denke, du schaffst es alleine bis zu deiner Unterkunft. Ich rufe die Bäckerei an, so musst du jetzt nicht vorbeigehen, den Krankenbericht kannst du später dort vorlegen. Auf Wiedersehen!“ Sie öffnete die Tür, Christine lief ganz vorsichtig den Weg zurück durch den Park. Die Gärtner sassen auf einer Bank, sie hatten ihre 9 Uhr Pause. Christine staunte das fast alle Bäume schon eingepflanzt waren. Oh Gott! Unter welchen Baum.....? Vom Zaun entfernt war es der zweite. Sie sah auf einem ausgehobenen Hügel ein paar wilde Veilchen hervorschauen, nahm diese auf, die Wurzel waren noch dran. Die Veilchen setzte sie jetzt an der Rückseite unter der jungen Birke ein. Christine hatte noch Schmerzen, hielt ihren Bauch fest, so erreichte sie heulend ihr Zimmer. Sie legte sich aufs Bett und schlief bald ein. Gegen Mittag hörte sie klopfen, machte nicht gleich auf, dann schaute sie nach, vor der Tür stand ein Korb, darin war eine kleine Schüssel dicke Suppe, eine Flasche Milch, Brot, Äpfel, ein Schinken Sandwich und ein Nussgipfel. Ein Zettel mit “Gute Besserung“ Ursla u. Joli.

Christine freute sich sehr, dass sie so Verpflegt wurde. Stellte den leeren Korb, mit einem Danke schön Zettel und den Krankenbericht vor ihre Türe. Das wiederholte sich am nächsten Tag, Ursla erkundigte sich nur schnell, wie es ihr geht, wechselten einige Worte, ohne ins Zimmer zu treten. Christine fühlte sich noch recht Schwach, nahm ihre Medikamente ein und blieb so die meiste Zeit im Bett liegen. Manchmal schaute sie traurig aus dem Fenster in den Park hinüber, konnte fast nicht begreifen, was sie in letzter Zeit durchgemacht hat. Sie fragte sich: „Was wenn das Stefan wüsste? Er, der mich heiraten wollte, fragt nicht nach mir, lässt mich alleine, haut einfach ab!“

Bei Christine klopfte es, heute Samstag war Kinoabend. Da Karl alleine war, wollte er Christine von ihrem Zuhause abholen, auch weil der Film in ihrem Quartier gezeigt wurde. Christine öffnete die Tür und liess ihn eintreten. Mit „Hallo!“ begrüssten sie sich. Christine war noch nicht so weit, um das Bett zu verlassen. Nur blöd, dachte sie, dass er hier hergekommen ist. „Leider geht es mir nicht so gut, ich muss mich schonen und liegen bleiben. Ich hab mich bei der Arbeit eine Muskelzerrung zugezogen, habe zum Arzt gehen müssen, der hat mir Bettruhe verordnet.“ Karl setzte sich auf dem Stuhl und fragte, wie das passiert sei? Sah sich dabei um und entdeckte auf den Boden Blutspuren. „Ist das Blut auf dem Boden? Hast dich verletzt?“ Christine war geschockt, holte einen nassen Lappen hervor, kniete sich auf den Boden und entfernte die Blutflecken. Doch plötzlich bekam sie einen Schüttelfrost, die Tränen flossen über ihre Wangen. Es dauerte, bis sie sich wieder gefangen hatte. Karl fragte weiter: „Sag was ist passiert?“ „Das kann ich dir nicht sagen“, rutschte es aus ihr heraus. „Wieso nicht?“, bohrte er weiter. „Weil es mit Stefan zusammenhängt. Geh jetzt ins Kino und lass mich in Ruhe, ich hab schon zu viel gesagt!“ Karl blieb auf seinen Stuhl sitzen, machte keinen Wank um zu gehen. Karl: „Du kannst mir vertrauen, ich erzähle nichts weiter, komm sag schon was passiert ist, du kannst das nicht alleine herunterschlucken.“ Christine leise: „Ich hatte eine Fehlgeburt. Das kam, weil ich etwas Schweres alleine aufgehoben habe, da ist es passiert. Ich schaffte es gerade noch hierherzukommen. Das weitere möchte ich nicht erzählen.“ Karl: „Oh Herrgott noch mal! Und Stefan weiss nichts davon? Der soll es aber wissen, meinst du nicht auch?“ „Nein, nein! Das hat doch keinen Sinn, sowie es aussieht, will Stefan nichts mehr von mir wissen, sonst hätte er dir, sowie wie er es mir versprochen hat, seine Adresse geschickt. Oder hast du sie?“ Karl: „Nein! Aber die kann man sicher herausfinden, ich werde mich mal umhören.“ „Erwähne meinen Namen ja nicht, versprochen?“ Karl: „Ja, ja, versprochen, jetzt geh ich mit den Kollegen ins Kino, vielleicht hat einer die Adresse. Bist du in zwei Stunden noch auf? Dann kann ich dir schon Bescheid sagen.“ „Also, Gut.“

Die Suche nach Stefan
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1.37.  Au-pair in der Schweiz – Die Suche nach Stefan.

Karl klopfte nach dem Kinobesuch bei Christine leise an. „Leider weiss keiner wo Stefan steckt, alle wollten wissen, warum ich die Adresse suche, habe dann behauptet ich müsste ihn noch einige Unterlagen zukommen lassen. Dann hab ich gedacht, dass ich meine Schwester Traudel bitten werde bei seiner Mutter, die auch in Kufstein wohnt, nachzufragen. Ich werde ihr das von den Unterlagen sagen, das klingt glaubwürdig.“ Christine: „Meinst du? Und was dann?“ „Abwarten und nachdenken“, erwiderte Karl und fuhr fort: „Ich erinnere mich da an die Freundin von Fritz, die war schon im dritten Monat schwanger, als sich beide entschlossen noch keine Kinder zu bekommen. Sie fuhr nach England, um eine Abtreibung vorzunehmen. Das war so die billigste Variante, leider hatte sie dort aus hygienischen Gründe eine Infektion bekommen und musste ziemlich lange im Spital bleiben. Aus Wut darauf konnte er seinen Mund nicht halten und hat es in unserer Kollegenrunde erzählt. Als Warnung wie er sagte und zuletzt war es teurer als in einem renommierten Genfer Privatspital, dort müsste man mit Fr. 800.00 rechnen. Von unserem Lohn ist das schon happig!“ Christine hatte genug von all den Geschichten: „Karl, jetzt musst du gehen, wenn es mir wieder besser geht, werde ich wieder in die Casino Terrasse in eure Runde kommen.“

Nach drei Tagen stand Karl wieder vor der Tür: „Es hat geklappt! Hier ist die Adresse, Stefan ist in Zürich!“ winkte er mit einem Zettel, kam ins Zimmer und setzte sich hin. „Die Telefonnummer kannte seine Mutter nicht, da Stefan wöchentlich immer am selben Tag, zur gleichen Zeit bei der Nachbarin anruft. Bei uns haben nur wenige Leute einen privaten Telefonanschluss. Mein Vater hat einen aus beruflichen Gründen.“ Christine: „Vielleicht steht die Nummer im Zürcher Telefonbuch, da kann ich jetzt nach schauen.“ Karl wollte gerade gehen, da donnerte jemand an der Tür und schrie: „Aufmachen!“ Die Tür war nicht verschlossen, da stürmten zwei Frauen herein. „Wo ist mein Mann?“ Sie schauten unterm Bett, in die Abstellkammer und auch noch aus dem Fenster. Karl sass sprachlos auf seinen Stuhl. Christine: „Hier ist niemand ausser uns, Sie sind an der falschen Adresse.“ Die beiden Frauen sahen sich fragend an. „Das muss der Hauseingang nebenan sein. Komm mit, wir brauchen einen Zeugen.“ Sie zogen Christine zuerst an der Hand, dann hielten sie sich hinten am Kleid fest, es ging die Treppe hinunter und im Nebengebäude die Treppe wieder hoch. „Lassen Sie mich los!“, wehrte sich Christine ein paar mal ohne Erfolg. Oben angekommen hämmerten sie wieder an eine Tür, dabei liessen sie Christine einen Moment los, die stürzte sich die ersten Treppen hinunter. Als sie den Namen Joli hörte, stoppte sie. „Da ist er! Jetzt haben wir dich erwischst du untreues Dreckschwein!“ Anschliessend hörte es sich weiter wie eine Schlacht an. So eilte Christine in ihr Zimmer zurück. Karl stand neugierig vor der Tür, schaute Christine fragend an. Sie erzählte ganz kurz, was los war. „Ja was sagst den da dazu?“, äusserte er sich ganz erstaunt und verabschiedete sich. Am nächsten Morgen wartete Joli auf Christine: „Guten Morgen!“ „Grüss Gott!“, erwiderte Christine. Joli hatte einen blauen Fleck auf ihren Arm, sie sagte: „Ich muss dich bitten kein Wort über gestern Abend zu erzählen, ich hab dich weglaufen sehen. Weisst du das war mein Schulschatz. Aber unsere Wege haben sich, nach der Schule, getrennt. Als wir uns dann per Zufall wieder trafen, fingen wir an uns regelmässig zu treffen, was natürlich falsch war, aber es ist halt so gekommen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, nur an Wochenenden kam er nicht. Er sei nicht glücklich in seiner Ehe, er wolle sich von seiner Frau trennen. Er bleibe nur wegen den zwei Buben, die sie zusammen haben, sonst wäre er schon längst weg, hat er mir von Anfang an schon vorgegaukelt. Der wollte sich doch nie Scheiden lassen! Durch den Vorfall gestern habe ich erfahren müssen, dass er in den fünf Jahren, wo wir uns getroffen haben, noch zwei weitere Kinder mit seiner Frau gezeugt hat. Das war ein Schock! Ein Schicksalschlag ins Gesicht. Das kannst mir glauben. Ich habe die ganze Nacht, trotz Schlaftabletten nicht schlafen könne. Ich rate dir, nimm dich vor den Männern in acht! Heute frage ich mich, ob ich ihn tatsächlich geliebt habe. Was ist den eigentlich Liebe?“ Christine versprach ihren Mund zu halten, worauf Joli ihr die Hand reichte und der Alltagstrott hatte sie wieder eingeholt.

 

Uriella, lesbische Begegnung
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1.38.  Au-pair in der Schweiz – Uriella, lesbische Begegnung.

Es war Zeit für eine Kontrolle beim Arzt. Die Assistent Ärztin begrüsste Christine ganz überschwänglich und dann: „Weisst du, dass ein Herz im Bauch nach 22 Tagen anfängt zu schlagen?“ Christine: „Was wollen Sie mir damit sagen?“ Sie kam nicht mehr dazu eine Antwort zu geben, den der Arzt bat Christine in den Untersuchungsraum. Als sie wieder zur Assistentin zurückkehrte, meinte diese: „Ich gehe jetzt zu Mittag essen, komm mit, ich lade dich ein, dann können wir ein wenig über uns plaudern. Noch eine Frage? Hast du eine Freundin, mit der du über alles reden kannst? Komm wir reden im Restaurant weiter.“ Christine erzählte ihr, dass sie im Moment keine hat und ihre Freundin in die Heimat zurück gekehrte ist und nicht mehr kommen würde. „Dann bist du auch so allein wie ich selber. Ich heisse Uriella, kannst `du` zu mir sagen, einverstanden? Entschuldige, dass ich dich duzte, aber du bist mir von Anfang an sehr sympathisch gewesen.“

Christine freute sich, dass Uriella sich für sie interessierte. „Da wir noch Zeit haben würde ich dir gerne mein Zuhause zeigen und ich muss Mittags meine Tiere füttern. Mein Auto steht gerade da vorne, es ist nicht weit zu fahren.“ Christine wurde neugierig. „Ja gut, ich habe es auch nicht eilig.“ Im super Sportwagen, nach zehn Minuten Fahrzeit, waren sie angekommen. „Hier bin ich zu Hause, ganz allein mit meinen Tieren.“ „Das ist ja eine prachtvolle Villa und der schöne Garten“, staunte Christine. „Komm wir gehen hinein.“ Als die Türe aufging, sprangen ihnen zwei grosse Windhunde entgegen. Uriella streichelte sie heftig und küsste sie ab. Christine hatte so eine Begrüssung noch nie beobachtet. Die Hunde schleckten Uriellas ganzes Gesicht ab. Bäh! Das fand Christine total unhygienisch. „Komm herein, ich hol uns etwas zu trinken.“ Christine staunte über die alten, wunderschönen Möbel, den vielen Porträts, an den mit Stoff tapezierten Wänden, sie kam sich vor wie in einem Schloss. Uriella kam mit einem Tablett zurück, darauf standen zwei Gläser und eine Flache in einem kühlhalte Glasgefäss. Christine: „Ist das Alkohol? Momentan halte ich mich mit dem zurück, tut mir leid.“ „Ach nur einen Schluck.“ Uriella setzt sich ganz nah an Christine, hielt ihr ein Glas hin und berührte mit der anderen Hand ihre Lippen und schaute sie mit einem aufdringlichen Lächeln an. „Ich möchte gerne lieb mit dir sein, den ich habe mich in dich verliebt. Ich mag keine Männer, das solltest du wissen.“ Sie wollte Christine küssen, aber die stand abrupt auf und wollte nur noch weg. „Können wir zurückfahren oder gibt es hier eine Busstation oder Tram damit ich nach Hause komme?“, stotterte sie ganz aufgewühlt. Uriella stellte die Gläser auf den Tisch. „Komm ich fahre zurück. Schade du hättest es hier schön, könntest bei mir wohnen und meine Freundin sein. Kannst es dir ja noch überlegen, es würde mich riesig freuen dich in meiner Nähe zu haben.“ Christine sprach auf der ganzen Fahrt kein Wort mehr. Schade, dass es so herausgekommen ist, den eine gute Freundin hätte sie schon gerne.

Karl
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1.39.  Au-pair in der Schweiz – Karl.

Es war Freitag, Casino Tag. Christine hatte Lust wieder unter die ihr bekannten Österreichern zu kommen, so machte sie sich nach der Arbeit auf den Weg dort hin. Diesmal waren auch zwei Frauen mit bei der Partie, sie stellten sich selbst mit ihrem Vornamen vor. „Christine, tanzt du gerne?“, fragte die eine. „Ja schon aber heute nicht, ich war den ganzen Tag auf den Beinen, da möchte ich lieber einmal sitzen bleiben.“ Christine war froh, dass sie gefragt haben, denn sie empfand keine Lust mit einem von den Herren, die anwesend waren, zu tanzen. Bald waren alle auf der Tanzfläche bis auf Christine und Karl. Karl: „Ich hab die Telefonnummer von Stefan heraus gefunden, ich gebe sie dir später. Möchtest du ihn nicht heute noch anrufen, der ist um diese Zeit sicher erreichbar. Du könntest in einer von den Telefonkabinen im Bahnhof gehen, wenn du willst, komme ich mit.“ Christine: „Ich weiss nicht, soll ich das wirklich tun? Es bringt mir ja nichts.“ „Und ob dir das was bringt, wenigstens eine Genugtuung, wenn er weiss, was er dir angetan hat. Der soll das nur wissen und dann kannst ihn Fragen, ob er eine andere Puppe hat, weil er sich bei dir nicht mehr meldet. Übrigens weiss er auch von Fritz und seiner Freundin Bescheid und was dem die Abtreibung gekostet hat“, regte sich Karl auf. „Also hör mal! Ich habe das Baby verloren, das ist nicht das Gleiche. Mein Arzt hat mir erklärt, dass es in den ersten paar Wochen vorkommen kann, ist also nichts Neues.“ In guter Stimmung kamen die anderen vom Tanz zurück. Christine war aufgewühlt und musste ihre Tränen zurückhalten. „Was für Filme gibt es in Bern zu sehen, ich glaube, für mich wäre das die richtige Entspannung, als wie hier herumzusitzen“, lenkte sie ab und stand auf. Karl: „Ich hab auch noch was ganz kurz zu erledigen, bin dann bald zurück.“ So marschierten beide zum Bahnhof. Karl fand eine unbesetzte Telefonkabine: „Wart, ich wähle dir die Nummer, mein Gekritzel kann ja keiner lesen, weisst schon wie und was du fragen oder sagen möchtest, musst dich schon ein bisschen vorbereiten, ist ja nicht gerade eine so einfache Sache. Und noch was, wenn jemand anders das Telefon abnimmt, sagst, du bist Erika, seine Cousine. Man weiss ja sonst nie, ob die dich weiter leiten, also denk dran.“ „Ja gut!“ 

Christine atmete ein paar mal gut durch. „Also jetzt kannst wählen!“ Tatsächlich nahm eine Frau das Telefon ab. „Meier?“ Christine: „Hier ist Erika, Stefans Cousine, bin ich richtig, ist Stefan bei ihnen, ich möchte ihm gerne was von zu Hause ausrichten.“ „Ja, einen Moment bitte, ich muss ihn ans Telefon holen.“ Bei Christine rollten plötzlich Tränen runter. „Ja Stefan?“ Hörte sie leise, „Ich bin es Christine, heulte sie los, es geht wegen Schwangerschaft, ich wollte dir...“ „Brauchst du Geld?“, unterbrach er sie trocken. „Ich schick dir einen Brief, Postlagern ans Hauptpostamt in Bern. Am Dienstag kannst ihn abholen, dann kannst du das erledigen.“ Christine: „Was meinst du.....“, weiter kam sie nicht, er hängte auf. Christine ärgerte sich, sie hätte nicht einfach 'Schwangerschaft' erwähnen sollen, das fand sie jetzt total blöd. Karl war die ganze Zeit in ihrer Nähe. Weinend lehnte sie sich an die Wand, hielt sich die Hände vors Gesicht. „Was hat er genau gesagt?“, wollte Karl wissen. Christine: „Ich kann nicht mehr, komm lassen wir das!“ Sie wischte zitternd ihre Tränen ab. Karl: „Hat er wenigstens gefragt, wie es dir geht?“ „Bitte! Ist schon gut, es ist alles vorbei und erledigt, keine Fragen mehr.“ Während sie aus dem Bahnhof liefen, sagte Christine zu Karl: „Ich setzt mich jetzt in ein Kino und du gehst besser zurück zu deinen Kollegen, sonst meinen die...... Na du weisst schon was und das möchte ich auf keinen Fall haben. Du verstehst mich also, wir kennen uns und nichts weiter, was anderes will ich nicht! Ich möchte mich aber noch bedanken für alles und bitte komm nicht mehr zu mir nach Hause. Wir sehen uns ja bei deinen Kollegen und deren Freundinnen.“ Karl: „Ja dann halt. Ich hab ja noch eine andere auf Lager, die wohnt und arbeitet in Kreuzlingen. Schau her, ich zeig dir ein Foto von ihr.“ Er griff in seine Brusttasche und holte ein Foto von einer brünetten Frau heraus. Schön ist die gerade nicht, dachte Christine und sah nur kurz hin. Es interessierte sie auch gar nicht, was er so am Lager hat und was nicht. Sie reichte ihm noch die Hand, bevor sie in eine Toilette verschwand. Als sie danach auf den Bahnhofplatz ging, sah sie einen Kreis von Leuten, die einem tanzenden Musiker zuschauten, so blieb sie auch eine Weile stehen und vergass, dass sie eigentlich vorhatte sich zur Ablenkung einen Film anzuschauen. Zu Fuss spazierte sie nachdenklich durch die Stadt, bis sie zu Hause ankam.

Erster Zahltag
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1.40.  Au-pair in der Schweiz – Erster Zahltag.

Heute war Zahltag, das wartende Personal wurde einzeln in die Privatwohnung gerufen, um die braune Lohntüte entgegenzunehmen und nachzuzählen. Auch Christine stand in der Reihe, bis sie aufgerufen wurde. „Komm schon, zähl nach!“, befahl ihr die Chefin mit einem freundlichen Lächeln. „Du bist jetzt schon eine Zeitlang bei uns und ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin mit dir. Das sag ich nicht so schnell, musst du wissen. Darum, wie du siehst, hab ich dir deinen Lohn aufgestockt. Deine Französischstunden musst du schliesslich auch bezahlen können.“ Christine bedankte sich erfreulich. Chefin: „Da ist noch was, Frau Ramseier, die im zweiten Stock wohnt, kann wegen einer Operation, die oberen Treppen nicht mehr putzen. Jetzt sieht es so aus, das du diese, jede zweite Woche am Dienstag, reinigen müsstest. Ich habe auf dem Plan nachgesehen, habe etwas umdisponiert, sodass es zeitlich drin liegt.“ „Ist schon in Ordnung, ich mach das schon“, versprach Christine und verabschiedete sich. Erst in der Zimmerstunde Zuhause, zählte sie den Lohn richtig nach und freute sich endlich etwas Positives zu erleben. Dann fiel es ihr plötzlich ein, das heute Dienstag ist, Stefans Brief müsste angekommen sein. Sie nahm ihre Handtasche und suchte die Poststelle auf. Sie fragte bei einem der vielen Schalter nach einem, an sie gerichteten postlagernden, Brief. „Da müssen sie sich mit ihrem Ausweis am Schalter 1 melden.“ Der Brief wurde ihr erst überreicht, nachdem sie ihren Pass, den sie immer bei sich trug, zeigte. Dann unterschrieb sie den Empfangsschein. Christine stellte sich auf die Seite und machte den dünnen Brief auf. Darin war nur ein Bankscheck und zu ihrer Enttäuschung keine einzige Zeile an sie gerichtet. Wut kam in ihr auf. Sie schaute sich den Scheck genauer an, da waren CHF800.00 angegeben. Karl hat Christine doch erzählt, dass eine Abtreibung in Genf soviel kostet, erinnerte sie sich. „Oh mein Gott!“, erschrak sie. Sie redete leise mit sich selbst, während sie aus dem Postgebäude lief: „Der meint sicher, ich müsste jetzt nach Genf fahren. Ich muss ihn aufklären, dass es nicht so ist. Zu blöd! Von Stefan hab ich keine Telefonnummer, Karl hat diese zurückbehalten.“ Christine nahm sich vor, bis Freitag zu warten und Karl nach der Telefonnummer zu fragen. So fuhr sie nach Hause zurück und ging anschliessend zur Arbeit.

Freitag, Casino Tanzabend! Christine zog ihr grünes Kleid an, die Haare rollte sie hinten zusammen, so sah sie älter aus und machte sich auf den Weg ins Casino. Es waren mehr Österreicher mit Damenbegleitung als üblich anwesend. Karl war auch da, mit freiem Stuhl an seiner Seite. „Komm da ist noch frei!“, rief er Christine zu. „Magst was trinken?“, fragte er. Christine bestellte eine Cola und bezahlte die gleich. Sie merkte, dass die Frauen sie dabei beobachten. Es kam eine fröhliche Stimmung auf. „Karl tanzt du nicht?“, fragte seine Tischnachbarin. „Ja könnt man ja probieren. Komm!“ Er stand auf und sah Christine an, die sitzen blieb. „Gibst mir jetzt aber nicht einen Korb gell?“ „Doch! Komm, bleib sitzen ich brauche die Telefonnummer von Stefan, hast du sie dabei?“ Karl sah sie an: „Ich hab gedacht, das ist jetzt vorbei?“ Christine: „Ich muss etwas klar stellen, mit ihm reden, denn er hat mir Geld geschickt, oder hast du noch seine Adresse? Dann könnte ich es ihm zurückschicken und ein paar Zeilen dazu schreiben.“ Karl: „Wieso den? Behalte das Geld! Der soll für seine Unvorsichtigkeit bestraft werden. Um wie viel geht es den? “ Christine schüttelte den Kopf. „Komm lass mich, ich weiss schon was ich zu tun habe.“ Karl suchte in seinen Taschen. „Leider nichts dabei, ich bring sie dir Morgen.“ Christine trank ihre Cola aus und stand auf um zu gehen. „Wo gehst den hin?“, fragte Karl. „Ich muss noch was besorgen.“ Sie ging in eine Telefonkabine und suchte im Zürcher Telefonbuch nach 'Meier'. Aber da waren soviel 'Meier' und ohne Vornamen keine Chance die Adresse zu finden. Ja dann, abwarten bis Morgen.

Am nächsten Abend klopfte Karl an Christines Tür. Sie machte auf und liess ihn herein. Er streckte sich auf dem Stuhl aus und fing an zu erzählen, was gestern noch los war: „Stell dir vor Bernhard, der mit Vera, meiner Ex zusammen war, ist im Casino aufgetaucht. Er wolle sich noch bei allen verabschieden, da er nach Deutschland versetzt worden sei. Ob Vera mitkomme hab ich aus Neugier gefragt. Er hat es verneint und hat gesagt, sie hätten sich getrennt. Er hat sich bei mir entschuldigt und es ihm Leid tue, dass er so blöd dazwischen gefunkt habe. Das hat er vor allen Leuten gesagt. Aber passiert sei zwischen ihnen nichts, hat er mir leise ins Ohr geflüstert, die wäre ihm zu jung gewesen. Und dann hat er noch gemeint, er hoffe Vera und ich finden uns wieder. Da hab ich wütend reagiert und gesagt die soll zum Teufel gehen, die Heilige!“ Karl schwieg darauf für einige Sekunden: „Also hier hast du die Telefonnummer von Stefan, die Adresse muss ich wohl verloren haben.“ Christine glaubte ihm nicht und nahm die Telefonnummer entgegen und prüfte, ob sie diese lesen konnte. Karl: „Hast was zum Trinken da?“ Christine holte eine Flasche Süssmost aus ihrer neu erstandenen Kühltasche heraus. Als sie einschenken wollte, klopfte es an der Tür. Christine öffnete. Sie kannte die junge Frau nicht, die da stand, doch Karl sprang auf: „Wie hast du mich gefunden, hast du nach mir gesucht?“ „Ich bin dir nachgelaufen, eigentlich wollte ich warten, bis du rauskommst. Ich wollte dich fragen, ob wir zusammen ins Kino gehen könnten, heute ist ja Kinotag?“ Dann sah sie Christine fragend an. „Ist schon gut, Sie sind also Vera, nehme ich an?“ Karl: „Du glaubst, das geht einfach so?“ Vera kniete sich mit einem Knie nieder und sah ihn flehend an. Karl in einer Wut: „Hau ab, kannst, wen anders Blöden suchen, mit uns wird nix mehr!“ Vera stand auf und rannte beschämend weg. Christine äusserte sich streng zu Karl: „Jetzt kannst auch du gehen und bitte komme nicht mehr hier her. Das war das letzte Mal, verstanden?“ Er stand auf, öffnete die Tür und schlug sie, als er draussen war, hinter sich zu.

Bäckereichef Herr Iseli
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1.41.  Au-pair in der Schweiz – Bäckereichef Herr Iseli.

Christines Chefin: „Vergiss nicht, die Treppe im oberen Stock zu reinigen. Heute ist Dienstag und das ist auch mein Coiffeur Tag, wie du sicher schon gemerkt hast.“ „Wenn ich fertig gebügelt hab, dann fange ich damit gleich an.“ Auf der Treppe begegnete Christine ihren Chef, Herrn Iseli. „Grüesech!“, grüsste Christine auf Berndeutsch. Das gefiel ihm: „So ist es richtig, unseren schönen Dialekt wirst bald beherrschen, wenn du so weiter machst. Gefällt es dir bei uns?“ „Ja natürlich sonst wäre ich schon lange weg“, spasste Christine. Beide lachten und er ging in die Wohnung im ersten Stock. Christine lief bis zum zweiten Stock hinauf und wischte die Treppe, die nur ein wenig staubig war, auf. Als sie im ersten Stock ankam, machte Herr Iseli die Tür auf und streckte seine Hand zu Christine: „Hier hast noch einen Patzen von mir, aber 'bschsch' zu den anderen.“ Er hielt seinen Finger vor den Mund und verschwand wieder in die Wohnung. „Danke!“, rief Christine ihm leise nach und sah, dass er ihr eine relativ grosse Geldnote in die Hand gedrückt hat. Das war dann so regelmässig jeden zweiten Dienstag. An einem solchen Dienstag war Joli bereits in der Wohnung am Küchenfenster putzen. Herr Iseli merkte das nicht. Joli hörte die Türe aufgehen und sah nach, wer hereingekommen ist. Herr Iseli guckte gerade an der fast angelegten Tür hinaus. Joli ging in die Küche zurück, ohne sich bemerkbar zu machen. Nach einer Weile hörte sie ihn ins Badezimmer gehen. Darauf verliess sie die Wohnung und begegnete Christine, als diese gerade ihr Putzzeug zusammen packte. „Ach ja, du musst jetzt auch die obere Treppe putzen. Oh der arme Werner, der hat jetzt nichts mehr Aufregenderes in seinem Leben, als dich beim Stiegen putzen zu beobachten. Hast du das nicht gemerkt?“ „Nein! Ich habe am Hinterkopf ja keine Augen.“ Joli gab sich mit dieser Antwort zufrieden und ging hinunter ins Geschäft. Die spinnt, dachte Christine, warum soll der mir beim Treppen putzen zuschauen? Erst viel, viel später klickte es bei ihr, da war aber Frau Ramseier wieder fähig diese Arbeit zu machen. Nur, dachte Christine, ich habe immer einen Rock an, der bis fast zu den Knöchel reich. Da konnte man auch, wenn man sich bückte, nicht viel sehen. So wischte sie die Geschichte weg.

Stefan verweigerte jeden Kontakt
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1.42.  Au-pair in der Schweiz – Stefan verweigerte jeden Kontakt.

Es war Zeit Stefan anzurufen, um seine Adresse zu erfahren, damit sie den Bankscheck zurücksenden könnte. Diesmal will sie keine Träne vergiessen und ihm die Situation erklären. Christine sah zu, dass sie genug Münzen hatte, um den Telefonkasten zu füttern. Frau Meier nahm wieder das Telefon ab. „Moment bitte!“ Nach einer Weile. „Sind sie noch da?“ „Ja.“ „Stefan kann nicht ans Telefon, er lässt fragen, ob sie den Brief geholt haben. Wenn ja, dann sollen sie nicht mehr anrufen.“ „Ja, aber ich möchte ihm gerne etwas erklären“, sagte Christine. „Haben sie mich nicht verstanden? Sie sollen ihn also nicht mehr stören, er hat hart zu arbeiten. Es tut mir leid“, sagte Frau Meier noch sanft in die Länge gezogen und hängte auf. Christine fing an zu zittern, obwohl sie sich vorgenommen hatte ruhig zu bleiben. Den Brief mit dem Scheck hatte sie bei sich, so ging sie zu einer Bank am Bundesplatz. Sie zeigte den Scheck am Schalter. Freundlich wurde sie nach ihrem Pass gefragt und ob sie ein Konto bei der Bank hätte. Christine verneinte. „Dann möchten sie, dass ich ihnen den Betrag bar auszahle, oder möchten sie bei uns ein Konto eröffnen?“ Christine: „Oh ja gut einverstanden, ich möchte das Geld auf ein, also auf mein Konto anlegen“. Sie nahm sich dann noch vor das Geld, das sie zu Hause hatte, in die Bank zu bringen.

Christine lernte viel bei ihrer Chefin mit Sachen sparsam umzugehen. Zum Beispiel, dass man Schuhe austrägt und nur eine kleine Anzahl davon haben soll. Ihre Seidenkleider, die zu eng wurden, musste Christine vorsichtig auftrennen, -handwaschen und bügeln. Die Schwester von der Chefin, die bei ihr manchmal als Aushilfe einsprang, war eine geschickte Schneiderin, die machte wieder was Neues daraus. Ein paar Krokodilleder Schuhe und ein paar Leder Handschuhe, die ihr zu eng waren, bekam Christine geschenkt. Leintücher, die in der Mitte abgenützt waren, musste Christine der Länge nach auseinander schneiden, die Aussenseiten zusammen nähen und die Randseiten einsäumen. Das ergab eine Naht in der Mitte der Leintücher, für die Betten der Angestellten. Viele Tücher, Kleider und Socken wurden geflickt und mit der Nähmaschine die Löcher verwoben. Die Köchin kochte saisonal einfach, natürlich gab es viel Brot aller Art aus der eigenen Bäckerei. Nur die vielen Würste aller Varianten mochte Christine mit der Zeit nicht mehr. Sonntags gab es nur ein Huhn für die fünf Familien Mitglieder.

Die Zeit verging relative schnell. Französisch ging schleppend vorwärts, öfter eine neue Lehrperson, Klassen wurden zusammen gelegt oder auch ausgetauscht. Christine wartete nur ab, bis sie 18 Jahre alt würde. Dann geht es ab in eine Gegend, wo man eine andere Sprache spricht und lernen kann.

Die zwei Söhne von Iselis waren meist nur am Wochenende zu Hause, ansonsten in einer Privatschule. Der Ältere hatte ziemlich Lernschwierigkeiten und er hasste es immer noch in einem Gitterbett, quasi zu seinem Schutz, schlafen zu müssen. Darum freute er sich jetzt, dass sie eine Woche ins Chalet, in den Bündner Bergen, Ferien machen können, wo er sein eigenes, normales Bett hat. Christine bekam auch fast die ganze Woche frei. Sie besuchte die Österreicher im Casino. Karl hatte vor nach Kufstein zu fahren, da sein Vater im Sterben lag. Er fragte Christine, ob sie mitkommen möchte, sie könnten ein paar schöne Orte oder so besuchen. Sie überlegte, eigentlich kenne ich Tirol nur wenig, war vom Krieg weitgehend verschont geblieben, man hört nur schönes und interessantes über diese Gegend. „Also gut ich fahre mit.“

Mit Karl nach Kufstein
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1.43.  Au-pair in der Schweiz – Mit Karl nach Kufstein.

Von Bern nach Kufstein. Umsteigen in Zürich. Karl lief in Zürich schnell voraus, um einen Fensterplatz zu bekommen, Christine hinterher. Im Zug sagte Karl: „Hast du Stefan gesehen, der hat da jemanden zum Zug begleitet. Schau raus vielleicht siehst du ihn noch?“ Christine schaute bei der Tür hinaus und wirklich, er sah sie kurz verlegen an, dann lief er zu einem Fenster und winkte. Karl gab sich Mühe zu sehen, wem er danach winkte. Er lief durch den Wagon und fragte sogar, ob wer den Stefan kenne, aber es meldete sich niemand. Sicher nicht einen Mann, dachte Christine. Auf dem Bahnsteig fuhr ein fahrender Kiosk vorbei. Karl kaufte Zigaretten. Kurz vor dem Zoll hörte er, dass man, wenn man zu viele hat, für alle Zigaretten Zoll zahlen muss, und wenn man Pech hat, auch noch eine Strafe verhängt bekommt. Als er die Zöllner kommen sah, meinte er, er würde unbemerkt durchkommen. Christine nahm ihm in letzter Minute die überzähligen Zigaretten, die er neben sich auf dem Sitz hatte, weg. Die Zöllner durchsuchten sogar noch seine Tasche, weil er dabei lachte und grinste: „Bei mir finden sie nichts.“
Eine Weile später ärgerte er sich an seiner Orange: „Wie soll ich die jetzt schälen, ohne dass ich klebrig werde?“ Christine nervte es. Sie nahm ein feuchtes Tuch aus ihrer Tasche, das sie bei Reisen immer bei sich hatte, nahm ihm seine Orange ab, schälte und spaltete sie. Sie nahm ein Stück in ihren Mund und gab ihm das Übrige. „Danke sagen hast wohl nie gelernt“, ermahnte sie ihn! „Dafür hast du mir die halbe Orange gegessen“, behauptete er frech. Die Männer, die daneben sassen, amüsierten sich über sein Verhalten, sagten aber nichts dazu.

Endlich in Kufstein angekommen. Beim Aussteigen war eine Mutter mit ihrem Baby am Arm. Sie hielt die Babyflasche hoch und schüttete einen Gutsch auf Christines Haar. „Oh nein! Wo wasche ich jetzt meine Haare sauber“. Ein kleiner Trinkbrunnen war zu sehen. Christine lief hin und wusch so viel sie konnte heraus, nahm ihr feuchtes Tuch heraus, das etwas durch die Orange stickig war. „Das muss mir auch noch passieren“, meinte Christine, „wäre ich doch zu Hause geblieben“, sagte sie in schlechter Laune. Karl: „Du, da oben ist ein Friseursalon. Die Friseurin kenne ich, komm die richtet dir deine Haare wieder.“ Eine knochige junge Frau, namens Erni, grüsste Karl und er: „Hast jetzt einen Besseren gefunden?“ Christine stand so eine Weile daneben, bis Erni endlich fragte, was mit ihren Haaren passiert ist. „Ja das haben wir gleich.“ Sie wusch die Haare als wären sie seit langem nicht mehr gewaschen worden. Karl: „Geht es noch lang, bis die fertig ist. Ich hab Hunger, bin dann im Gasthaus Auracherlöchel zu finden. Du Erni, könntest auch was zum Essen vertragen, trinkst immer noch Zitronensaft?“ Erni wendete sich zu Christine. „Ist der Karli ihr Freund oder mehr?“ „Wir kennen uns vom Österreicher Verein in Bern. Ich bin mitgefahren, weil ich ein paar Tage freihabe und Tirol besser kennenlernen möchte, aber sonst ist nichts.“ Erni: „Ja was nicht ist, kann ja noch werden. Sie haben 'Gemeinderatsecken' links und rechts an der Stirne, da müssen sie aufpassen, dass sie keine Glatze bekommen. In der Drogerie gibt es was dagegen, sagen sie dort, dass ich sie geschickt habe, dann bekommen sie Prozente.“ Christine ist fast der Kragen geplatzt, gibt es den so was? Erni ging zu einer anderen Kundin, die unter der Trockenhaube war. Christine stand auf, kämmte sich ihre Haare fertig und bezahlte an der Kasse. „War es Waschen, Föhnen, kein Spezial Shampoo oder was Extra?“ „Nein!“ Sie bezahlte und ging ohne Adieu zu sagen. Als sie sich auf der Strasse durchfragt, wo das `Auracherlöchel` ist, sah sie eine Tafel mit der Aufschrift `Fremdenzimmer Frei` und den Preis daneben. Ist gerade gut, dachte sie, hier übernachte ich. Sie wollte für eine Nacht buchen. „Nein, das geht nicht, sie müssen schon mindesten zwei Nächte nehmen, sonst zahlt sich das für uns nicht aus.“ Christine: „Also gut zwei Nächte.“ „Frühstück wird extra berechnet, gell? Sie können gleich jetzt bezahlen, oder wollen sie das Zimmer zuerst besichtigen?“ Christine: „Ja gerne, da kann ich meine Tasche gleich hier lassen.“
Krachender Holzboden, bunt bemalte Kasten und Bett mit viel Herzen rundherum, ein Waschbecken, ein Fenster. „Die Toilette und Dusche ist im Gang, ich zeig es Ihnen noch.“ Fast schräg gegenüber war das `Auracherlöchel`. Karl sass mit missmutigem Ausdruck im Gesicht da. „Ein Bier hab ich noch bekommen, nach zwei gibt es nur belegte Brote oder Brezel. In dem Fall gehen wir halt Heim“, stand auf und sie marschierten durch Kufstein. Christine hatte noch einen Apfel in ihrer Tasche, den sie jetzt ass. „Ich kenne fast niemand mehr, vor lauter Touristen. Und aufpassen muss man auch schon gewaltig, Autos, Motorräder, Fahrräder und Kinderwagen, wo du hinschaust“, jammert er.

In einer sogenannten Südtiroler Siedlung, für Österreicher, die nicht im Südtirol bleiben wollten und sich nicht als Italiener integrierten, dort wohnten seine Eltern mit seiner Schwester Traudel und ihren 12-jährigen Sohn Ernst. Kleine Küche mit Esstisch in der Mitte, ein Diwan an der Wand, Elternzimmer, Kinderzimmer, Bad mit Toilette.

Karl‘s Familie
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1.44.  Au-pair in der Schweiz – Karl‘s Familie.

Begrüssung mit Händeschütteln, dann ging es zum Vater ins Elternzimmer. Vaters Augen sahen müde aus. Karl grüsste ihn. „Bist alleine da?“, fragte er, weil er von der Traudel gehört hat, dass er verlobt sei. „Ich hab noch eine mitgebracht, schau: ‚Christine komm den Vater grüssen!‘ ‚Grüss Gott‘! Rief dann Christine und stolperte über die Stufe ins Zimmer. Seine Mutter und Traudel weinend, sowie Karl standen neben dem Bett. „Komm näher rief der Vater zu Christine und sah sie flehend an. „Du bist halt noch jung, versprich mir, dass du den Karl heiratest, ja?“, sagte er mit gebrochener Stimme. Mutter zu Christine: „So sag schon was!“ Traudel kannte doch Vera, also wusste sie, wer die Verlobte war. “Komm sag schon ja.“ flennte sie, „Damit er in Frieden sterben kann.“ So sagte Christine „Ja“ mit versteckten gekreuzten Fingern am Rücken, die niemand sah. Das haben sie schon als Kinder so gemacht, wenn sie gezwungen waren, etwas zu versprechen, was sie nicht wollten. Vater schlief ein. Es klopfte an der Tür, es war der Arzt, der zu Vater kam. Bevor er danach die Wohnung verliess, sagte er: „Zum Glück hat er keine Schmerzen, ich komme in ein paar Tagen wieder vorbei.“ Da putze Traudel sich laut die Nase. „Hast was mitgebracht?“, fragte sie Karl. „Ich habe Mutter gefragt, ob sie etwas braucht, sie hat nein gesagt.“ Mutter: „Ich brauch nix, ich hab alles was ich brauch.“ Traudel: „Aber für den Buben hast sicher was?“ Karl: „Ja Zigaretten, der fängt sicher bald an zu rauchen“, und fand es spassig. Traudel: „Wo hast den du dein Gepäck?“, zu Christine. „Sind wir schon per DU? Im Hotel gelassen!“ Karl: „In welchem Hotel?“ „In der Gasse wo du essen wolltest, gerade gegenüber.“ Traudel: „Ach da schläft ihr beide dort. Das ist gut, denn hier hat es sowieso keinen Platz.“ Christine: „ICH schlafe im Hotel! Wo der Karl schläft, weiss ich nicht.“ Karl: „Ich schlafe da in der Küche auf dem Diwan, wie immer, wenn ich da bin.“ Traudel: „Ich muss mit dir reden, gehen wir hinaus.“ Mutter: „Wieso reden die so laut, die ganze Siedlung kann es hören. Ich finde es gut, dass ihr vor der Heirat nicht zusammen schläft. Wie lange seid ihr schon verlobt? Traudel hat mir einen ganz anderen Namen angegeben.“ Christine: „Ich bin nicht seine Verlobte und werde mich auch nicht verloben, ich habe andere Pläne.“ Mutter: „Um Gottes willen, was geht hier vor, jetzt sag ich nichts mehr.“ Traudel kam in einer Wut bis ins Kinderzimmer hereingestürmt, Karl hinterher. Mutter wollte ablenken und fragte, was sie kochen solle für so viel Leute? Christine: „Karl wollte schon etwas essen, bevor wir hier herkamen, aber von 14:00-17:30 Uhr gibt es keine warme Küche. Ich denke wir gehen besser auswärts essen.“ Karl kam aus dem Zimmer. „Komm wir gehen, bis Traudel sich beruhigt hat.“

Das Gasthaus, wohin Karl gehen wollte, war in einer engen Gasse, mit kleinen Läden, ein Juwelier und ein Antikwaren Geschäft. In diesem Schaufenster lagen Abzeichen und andere Gegenstände aus der Hitlerzeit. Auch ein Mutterkreuz, das Christines Mutter so gerne erhalten hätte, aber durch Vaters kommunistische Einstellung, nicht bekommen hatte. Sie überlegte, ob sie es kaufen sollte, um es ihrer Mutter zu schenken. Vielleicht nach dem Essen jetzt hatten beide richtig Hunger. Es gab nur eine kleine Auswahl auf der Speisekarte, doch beide entschieden sich für Gulasch mit Knödel und ein Glas Rotwein dazu. Während Sie auf das Essen warten mussten, lief Karl für einen Moment auf die Gasse, um zu rauchen. Christine hat es eh nicht so gerne, wenn am Tisch geraucht wurde. Christine war noch am Essen, als er sagte: „Ich geh noch eine rauchen“, was sie unhöflich fand. Nach dem Essen bummelten sie noch in der Stadt herum. Christine: „Du Karl, ich glaube, du solltest jetzt nach Hause gehen und deine Mutter ein bisschen unterstützen. Ich schau mir noch ein paar Geschäfte an, bevor ich ins Hotel gehe. Wir treffen uns dann am besten Morgen Nachmittag“. „Ja aber vorher möchte ich mit dir noch einen Kaffee trinken gehen, schau da ist ein gutes Kaffeehaus.“ „Also gut!“, meinte Christine. Karl holte, während dem sie ihren Kaffee tranken, einen goldenen Ring mit einem violetten Stein aus der Tasche. Er hielt ihn Christine hin. „Schau den möchte ich dir schenken.“ Christine: „Warum das?“ Karl: „Einfach so!“ „Aber nicht, weil ich ja gesagt habe. Du weisst, dass es nicht ernst gemeint war. Ich habe meine Finger am Rücken gekreuzt, damit das nicht gültig ist.“ „Nein, nein, nimm ihn jetzt, kannst ihn ruhig tragen, passt der überhaupt? Komm, probiere einmal.“ Christine: „Ja, der passt, sieht aus wie ein Trachten Ring. Aber ich weiss nicht, ob ich so was von dir annehmen soll. Du möchtest, dass ich den hier trage, nehme ich an. Also gut, mal sehen und jetzt mach ich meine Runde. Danke schön! Also morgen um 2 Uhr hier.“ Sie gab ihm zum Abschied ein Küsschen links und rechts. Es ist das erste Mal, dass Christine sich den Kaffee bezahlen liess, bisher hat sie immer alles strickte selber bezahlt.

Christine sah sich in ein paar Geschäfte um, zu ihrer Überraschung verkauften sie auch Schweizer Schokolade. Also kaufte sie eine Toblerone für Ernst, den Sohn von Traudel und eine Tafel Lindt&Sprüngli Schokolade für Mutter. Ein paar kleine Flaschen alpinen Quellwasser für sich selber. In antiken Geschäft wollte sie noch das Mutterkreuz erstehen, doch der Verkäufer will es an einer speziellen Auktion anbieten und nahm es aus dem Schaufenster. Christine lief weiter bis zum Heimatmuseum und den Aufzug zur Festung Kufstein. Für das war es schon etwas spät geworden. Für heute lohnte es sich nicht mehr. Morgen Vormittag will sie dies in Angriff nehmen. Auf einem Plakat war Zitter-Konzert angekündigt, das in der Nähe ihres Hotels stattfindet. Also nichts wie hin, etwas Essen dann ab ins Bett.

Karl kam pünktlich ins Kaffeehaus, nicht gerade gut gelaunt. Christine: „Guten Morgen, hast gut geschlafen?“ Karl: „Ernst hat fast die halbe Nacht geweint. Im Bett bei seiner Mama wollte er nicht mehr schlafen, da musste sie ihm am Boden was zurechtmachen. Ich wusste nicht, dass er in letzter Zeit auf dem Diwan in der Küche schläft. Weisst du was Mutter zu ihm gesagt hat? Wenn der Opa im Himmel ist, kannst du ja in sein Bett schlafen. So was sagt man doch nicht, oder?“ Christine: „UH! Horror für das Kind, denke ich, wie hat Ernst es aufgenommen?“ „Kannst ihn selber fragen.“ Traudel hat gemeint, wir sollen bei der Mutter und Ernst bleiben, der hat heute Nachmittag keine Schule. Sie möchte auch mal ihre Besorgungen machen können. Christine: „Das heisst, heute kannst du nicht weg? Also ich möchte nicht meine ganze Zeit mit deiner Familie verbringen, das musst du schon verstehen. Ich kann gut alleine etwas unternehmen, ich bin das gewohnt, also kein Problem für mich.“ Karl: „Wieso? Morgen möchte ich nach Wörgel meinen Onkel und meine Tante besuchen, da kannst mitkommen.“ Christine: „Also gut gehen wir jetzt zu dir nach Hause.“ Dort angekommen, begrüsste Ernst zuerst Christine: „Bist du jetzt meine neue Tante?“ Traudel verdrehte die Augen. Christine: „Du bist also Ernst? Sagen wir so, ich bin Christine, die du neu kennengelernt hast, einverstanden? Und du kannst auch 'du' zu mir sagen oder möchtest du das nicht?“ Ernst stand stramm da und nickte mit dem Kopf: „Einverstanden!“
Traudel verliess eiligst die Wohnung. Mutter erstaunt: „Was hat die den so Eiliges vor, hoffentlich macht sie nichts Dummes.“ Christine setzte sich auf einen Stuhl und Ernst knapp daneben. Christine holte aus ihrer Tasche die Toblerone heraus und reichte sie unter den Tisch an Ernst, hielt ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und sah ihn an. Er nickte, lächelte sie dankbar an und lief kurz damit ins Kinderzimmer. Karl war im Zimmer seines Vaters. Mutter sah den Ring an Christines Hand: „Ach! Haben Sie den jetzt bekommen oder nur von Traudel geliehen. Karl hat den von Rosel, mit der er verlobt war, zurückverlangt. Wahrscheinlich waren die beiden gestern deswegen so laut vor der Tür, die hat ihn sicher nicht gerne hergegeben.“ Christine: „Sie kann ihn haben, wenn sie will. Karl gab ihn mir so ganz ohne Bedeutung. Ich werde mit den beiden reden.“ Karl kam aus dem Zimmer, wendete sich an seine Mutter: „Hast keinen Kaffee oder was zu Trinken? Du lässt uns alle verdursten.“ Christine holte ihr Fläschchen Wasser aus ihrer Tasche und nahm einen Schluck. Ernst legte Spielkarten auf den Tisch und sah Christine an. „Was spielen wir?“, fragte sie. Ernst: „Memory!“ Zwei Stunden vergingen. Mutter fragte, ob die beiden da essen? Christine schnell: „Nein ich gehe in die Stadt, Karl möchte sicher hier bleiben.“ Er schaute Christine fragend an: „Na ja, wenn du meinst.“ Christine erhob sich. Mutter: „Ich kann ihnen nicht die Hand geben, bin mitten im Kochen. Pfirt di Gott!“ (Behüte dich Gott!) Karl: „Also Morgen um die gleiche Zeit und am gleichen Ort wie heute, gell!“ Christine nickte ihm zu und ging. Ernst lief mit ihr noch die Treppe hinunter, Christine gab ihm die Schokolade für die Mutter: „Gibst es ihr, sodass es niemand sieht. Er nickte, versteckte sie unter seinen Pullover, streckte ihr, ohne etwas zu sagen die Hand hin. Christine machte “Salut“ mit den Fingern an die Stirn, er machte es ihr lachend nach und winkte noch für eine Weile hinterher.

Christine schaute in die Schaufenster einiger Boutiquen. Bei mancher konnte man bis in den Laden hineinsehen. In einem meinte sie Traudel zu sehen, die eine Bluse und ein Jupe in der Hand hielt, um es zu begutachten. Tatsächlich war es sie. Christine drehte sich weg als sie die Boutique verliess, ging dann selber hinein und schaute sich die Preise von Blusen und Jupes an. Die Verkäuferin schrieb gerade eine Notiz „Reserviert für T. Nikolussi“ und klammerte es bei einer Bluse mit Jupe an. Christine zur Verkäuferin: „Oh! Das würde mir auch gefallen“, und schaute sich den hohen Preis an. Verkäuferin: „Sind leider nur Einzelstücke.“ Christine. „Schade!“, und verliess die Boutique. „Wau!“, dachte sich Christine, dass Traudel sich das leisten kann, konnte sie sich nicht vorstellen? Jetzt möchte sie auch noch wissen wie viel der Ring wert ist, den Karl ihr gegeben hat. Sie ging in ein Goldschmuck Geschäft, zog den Ring vom Finger und fragte, was so einer kostet, denn sie möchte ihn verkaufen, was sie dafür verlangen kann? „Von denen haben wir einige im Schaufenster, die verkaufen sich gut, weil sie 'Trachten'-mässig aussehen und nicht so teuer sind. Neun Karat Rotgold, der Stein ist ein eingefärbter Kristall“. Christine: „Nur neun Karat Gold, wie sieht man das? Ich wusste nicht, dass man Kristall einfärben kann.“ Er zeigte ihr den Goldstempel am Ring. „Mann kann noch viel, spasste er und nannte ihr den Preis. Schöner Schmuck muss nicht teuer sein“, dann wendete er sich ab. Christine nahm den Ring und trat auf die Strasse. In der Schweiz sah sie nur 18 Karat Goldschmuck. Der Stein ist zu gross, um echt zu sein, sinnierte sie und zog den Ring wieder an.
Draussen vor dem Hotel war es schon um 5 Uhr früh recht lärmig. Marktstände wurden aufgestellt, so stand Christine früh auf und nahm ihr Frühstück ein. „Das Zimmer muss vor elf geräumt sein oder bleiben sie noch eine Nacht?“ „Nein ich glaube nicht, aber kann ich meine Tasche bis Nachmittag hier lassen, wir fahren heute nach Wörgel, um Verwandte zu besuchen.“ „Ja, ja ist schon in Ordnung, dann noch gute Reise.“

Karl war etwas spät dran. Christine hatte bereits einen Apfelstrudel mit Vanille Sauce zu Mittag genehmigt. Dann hat sie Karl gefragt, ob er auch noch was essen will, bevor sie nach Wörgel fahren. „Mir ist der Appetit vergangen!“ Christine wollte wissen warum? Karl: „Ich sag es nicht gerne. Traudel hat mich in dieses teure Geschäft am Platz geschleift, weil sie etwas reservieren liess, und das jetzt abholen wollte. Nach einem hin und her, berichtete die Verkäuferin, dass sie das jetzt schon nehmen müsse, denn sonst fällt die Anzahlung weg. Den bereits gestern hätte sich jemand für diese Modellstücke interessiert. Traudel meinte, ich soll ihr das kaufen, denn schliesslich hätte ich ihr etwas Wertvolles weggenommen und ich ihr auch mal anständige Kleider gönnen soll. Ich hab ihr tatsächlich nur die Bluse bezahlt. Den Jupe nahm sie dann nicht, sie nähe sich selber einen, da sie ja eigentlich Schneiderin sei, hat sie im Laden erzählt.“ Karl kochte vor Wut: „Komm jetzt, nehmen wir den Zug nach Wörgel, oder vielleicht müssen wir den Bus nehmen.“

Besuch bei Karl‘s Tante und Onkel in Wörgel
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1.45.  Au-pair in der Schweiz – Besuch bei Karl‘s Tante und Onkel in Wörgel.

Sie waren früh genug am Bahnhof angekommen, um den Zug nach Wörgel zu erreichen. Die Reise war schön und dauerte nicht lange. Auf dem Weg zu Tante und Onkel wollte Christine einiges über die beiden erfahren.
„Ja meine Tante war eine wichtige Person während der Nazizeit. Nachdem diese vorbei wäre, wurde sie wegen Denunzieren mehrerer Personen verhaftet und verbrachte einige Jahre im Gefängnis unter der Kufsteiner Festung. Mein Onkel hat sich nie für Politik interessiert, war bis zu seiner Pensionierung Schuldirektor in Wörgel. Er sammelt und tauscht Edelsteine weltweit. Ist sehr involviert in der Verbreitung der Kunstsprache Esperanto.“ Christine wurde immer neugieriger die beiden kennenzulernen.
Die Wohnung lag im ersten Stock eines typischen Tiroler Hauses, mitten in der Stadt. Karls alter Onkel öffnete die Tür. „Ja Hallo! Lässt du dich wieder einmal sehen. Ist schon einige Jahre her, als du das letzte Mal hier warst.“ Aus der Küche kam Karls resolute Tante: „Oh mei! Was machst den du hier und wer ist den das Fräulein, das du mitgebracht hast?“ Es wurde erklärt und erzählt, wie es den so geht in der Familie. „Ja, der Franz hat sich halt nicht von der Flasche trennen können, jetzt hat er halt das Resultat und liegt im Sterben. Wie geht es der Traudel mit ihrem Buben? Der Arme wird in der Schule sicher gehänselt, weil er keinen Vater hat.“ Onkel: „Jeder hat einen Vater.“ „Ja den Koch, den Hallodri, der hat mehrere Kinder in der Gegend erzeugt und steht nicht für die ein, weil man das leider nicht nachweisen kann. Deine Mutter hat schön was mitgemacht mit der Traudel, eine Schande war das für die ganze Siedlung. Die Südtiroler, die dort wohnen sind ja alle streng, stock- katholisch so wie deine Mutter. Ja und Karl, wann heiratest du dann endlich, musst dich schon beeilen, wenn du Kinder haben willst. Du wolltest ja immer eine Familie gründen.“ Christine wendete sich an den Onkel: „Ich habe gehört, sie sammeln Edelsteine aus der ganzen Welt!“ „Ja, das stimmt, ich habe gerade heute wieder ein eingeschriebenes Päckchen von der Post bekommen. Wenn es sie interessiert, da draussen im Gang sind die Kästen voll davon.“ Er stand auf und Christine folgte ihm. Wunderschöne Exemplare in beleuchteten Schaukästen waren zu sehen. Er zeigte auf einige Steine, die er besonders mochte und erzählte, mit strahlenden Augen, wo die gefunden wurden. Karl kam dazu: „Was passiert mit dem Zeug, wenn du nimmer bist?“ „Das wird meine Schule erben, in meinem Testament ist das festgehalten, die Direktion ist schon informiert.“ Christine: „Das ist eine gute Idee, ein grossartiges Vermächtnis, das bleibt dort sicher für ewig, stelle ich mir vor.“ Der alte Herr wischte sich ein paar Tränen von der Wange. „Karl?“, tönte es aus der Wohnung. „Was habt ihr noch vor, also ich muss dir gleich sagen, übernachten könnt ihr hier nicht. Und unser Nachtessen wird uns vom Gasthaus geliefert, ich koch nur noch ganz selten was.“ Karl: „Ich hab sowieso nichts bei mir, wir fahren dann wieder nach Kufstein zurück. Also dann verabschieden wir uns jetzt. Der Onkel umarmte Christine ganz kurz, Tante gab ihr die Hand ohne einen Druck. Christine entschloss sich in Wörgel zu übernachten, sie hatte ja ihre Reisetasche dabei. Auf der Strasse erklärte sie Karl, dass sie in Kufstein kein Zimmer reserviert hat und es jetzt egal ist, wo sie übernachte. Am besten ist, wir treffen uns im Zug bei der Rückfahrt nach Bern, so kann jeder machen, was er will. Karl: „Aber was essen gehen wir noch zusammen, bevor wir auseinander gehen.“ Christine fand es fast dramatisch, so wie er es sagte. „Ja natürlich!“ Sie sahen sich um, da war ein Gasthaus neben dem anderen. Hinter einem Fenster stand eine Tafel mit der Aufschrift: 1 Fremdenzimmer noch frei! Mit Preis Angabe. Christine buchte es für eine Nacht, das Gesicht der Wirtin schien nicht so erfreut, da fragte Christine rasch nach, ob man hier auch was essen kann. Da erhellte sich ihr Gesicht ein wenig. Karl: „Hast nicht zuerst sehen wollen wie das Zimmer aussieht?“ „Das ist sauber und bequem“, kam es von der Wirtin und sie begleitete beide in die Gaststube. Karl ordnete ein Glas Rotwein, Christine einen Almdudler, so stand es auf einem Plakat. Karl ass ein Jägerschnitzel und sie einen Kaiserschmarren. Nach dem Essen kramte Karl ein kleines Schmuckkästchen aus seiner Hosentasche, machte es auf, darin waren zwei goldene Ringe. Christine: „Was machst den mit denen?“ Ich hab die gravieren lassen, schau her!“ In den Ringen war das Datum von Vorgestern eingraviert und auch der neun Karat Stempel war zu sehen. „Und was soll jetzt das?“ „Ich habe mir gedacht, wir kennen uns jetzt schon eine Zeitlang, da könnten wir uns doch verloben, was meinst du dazu?“ Christine erzürnt: „Du weisst, dass ich das nicht will! Wir bleiben Freunde, wenn du willst, aber nichts mehr. Ich glaub du gehst jetzt besser!“ Der Kellner brachte einen Zettel mit der Rechnung von beiden. Christine: „Wir bezahlen separat.“ Karl: „Nein, ist schon gut, diesmal bezahle ich für uns beide.“ Christine stand auf: „Danke! Und wie gesagt, wir treffen uns bei der Rückfahrt in Kufstein. Servus!“ Sie nahm ihre Reisetasche, die unter dem Tisch stand und ein paar Prospekte für Ausflüge und Besichtigungen mit in ihr Zimmer. Am Tag darauf fuhr sie mit dem Lift hinauf auf den schneebedeckten wilden Kaiser. Skifahrer überall. Am andern Tag mit dem Bummelzug durch die schöne Landschaft. Sie genoss jeden Ausflug, den sie unternahm. Doch der Tag der Rückreise kam immer näher.

Abreise von Kufstein
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1.46.  Au-pair in der Schweiz – Abreise von Kufstein.

Am Kufsteiner Bahnhof wartete Karl schon, in der Hand hielt er eine volle Tüte aus der Drogerie. Er kaufte Blend-a-med Zahnpaste, Latschen Salben für die Muskeln an den Beinen, für nach dem Radfahren, Pitralon, ein deutsches Rasierwasser mit desinfizierender Wirkung und ein Haarwuchsmittel. „In der Schweiz ist alles viel teurer, darum habe ich mir einen kleinen Vorrat zugelegt“, erklärte er. Im Zug war noch viel Platz vorhanden, sie hatten ein Abteil für sich alleine, so konnten sie die Nacht durch ein wenig schlafen. Müde in Bern angekommen, ging jeder in seine Unterkunft. Sie haben abgemacht, sich im Casino zu treffen. Christine verbot ihn zu ihr zu kommen. Sie wollte ihm keine Hoffnungen machen. In ihrem Zimmer leerte sie ihre Tasche aus und herausrollte der Ring mit der Gravur. „Jetzt hat er den in meine Tasche gesteckt. Der gibt einfach nicht auf!“ sprach sie leise zu sich selbst.

Christine entschloss sich darauf hin nicht mehr ins Casino zu gehen, bis sie ihr Hauswirtschaft-Lehrjahr abgeschlossen habe, um den Französischkurs weiterhin zu besuchen.

Arbeitsuche für in den Service
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1.47.  Au-pair in der Schweiz – Arbeitsuche für in den Service .

Bevor das Lehrjahr zu Ende war, wollte Christine in einem Restaurant, oder Tea-room eine Stelle finden. Eine Serviceangestellte, die auch den Französischkurs besuchte, meinte, als Frau kannst du nirgends mehr verdienen als im Service in einem Restaurant. Ein Tea-room, geht auch noch so. Die dürfen halt keinen Alkohol ausschenken, das merkt man schon am geringeren Umsatz und im Portemonnaie.

In der Nähe der Bäckerei war ein kleines Lokal, was Christine gefiel. Aber leider war das ein Familienbetrieb, als Aushilfe wäre sie herzlich willkommen. Das ging natürlich nicht. Das nächste Lokal, wo sie sich vorstellte, war im französischen Stil eingerichtet. Die Kundschaft schien aus noblen Gäste zu bestehen, mehr Frauen als Männer. Der Patron begrüsste Christine sehr freundlich und machte ihr Komplimente, bis sie fast verlegen wurde. Sie bewarb sich für eine Stelle im Service. „Also melde dich, wenn du die Lehre abgeschlossen hast bei unserer Gerantin. Nur zuerst musst du am Buffet arbeiten, bis du alles kennst. Dann werden wir prüfen, ob du für den Service geeignet bist.“ Christine gefiel es nicht, dass er sie duzte. Sie wollte wissen, was bei diesem Lohn, den er ihr angegeben hat, es sich um den Nettolohn handelt. Denn bei Ausländern wurde vom Grundlohn, Steuer, Krankenkasse, Versicherung sowie AHV gleich abgezogen. Er gab keine rechte Antwort: „Verpflegung von Montag bis Freitag, in der Dienstzeit ist inbegriffen.“ Christine fragte weiter: „Gibt es eine Wohngelegenheit für mich?“ Patron: „Nein!“ Christine: „Also den Nettolohn muss ich schon wissen, damit ich weiss, wie viel ich für das Wohnen ausgeben kann“. Er nahm einen Zettel und schrieb ihr die Summe auf. „Netto?“, fragte sie. Er nahm einen anderen Zettel und schrieb den Nettolohn und die Summe auf. Dann stand er auf: „So noch welche Fragen?“ Christine verneinte. Mit einem gefrorenen Lächeln gab er ihr die Hand und sie verliess sein Büro. Da sie zu Joli vertrauen hatte, erzählte sie ihr, was sie vorhatte und zeigte ihr den Lohnzettel. Joli: „Für den Anfang nicht viel, ich würde behaupten, das ist der Durchschnittslohn für Buffet Angestellte. Aber du schaffst es schon in den Service, dann verdienst du sicher einiges mehr, da musst du jetzt halt mal durch.“

Es war höchste Zeit eine Unterkunft zu suchen, wenn möglich in der Nähe der Arbeitsstelle. Christine suchte die Zeitungsanzeigen, die im Casino Restaurant an einem Ständer hingen, für Zimmer zu vermieten, eine nach der anderen ab. Ein Telefonanruf nach dem anderen folgte. Sie fragte die Österreicher, die auf der Casinos Terrasse sassen, ob sie etwas wüssten. Fritz: „Ich rutsch ein bisschen rüber, dann hast du schon Platz“, witzelte er. Seine Freundin gab ihn darauf einen Kick ins Bein, sodass er aufschrie. Alle fanden das lustig, nur Christine nicht. Karl wohnte bei einer Italienerin in deren Mietwohnung: „Ich glaub, da wird ein Zimmer frei.“ Christine meinte: „Also wenn ich nichts anderes finde, werde ich es wohl nehmen müssen. Reserviere es für mich, im Fall es frei wird.“ Karl grinste: „Ich frag sie gleich jetzt, bevor es zu spät ist.“

Am nächsten Abend stand er vor Christines Tür. „Servus! Ich hab es reservieren können, sie hat zwar gesagt, sie vermiete es lieber an Männer.“ Christine wollte noch die Adresse wissen. 15 Minuten zu Fuss bis zum Arbeitsplatz war schon nicht schlecht. Sie gab aber nicht auf und suchte weiter.

Abschluss des Lehrjahrs
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1.48.  Au-pair in der Schweiz – Abschluss des Lehrjahrs.

Das Lehrjahr war geschafft. Christine freute sich enorm darüber und erwartete ein gutes Lehrabschlusszeugnis. Joli erzählte ihrer Schwester von Christines neuen Arbeitsstelle.

Doch mit der Reaktion ihrer Schwester, der Chefin, hatte sie nicht gerechnet. Frau Iseli rief Christine in die Privatwohnung. Sie schlug ihr vor, noch ein Jahr anzuhängen und jetzt nicht einfach davonzulaufen. Christine hätte ihr früher Bescheid sagen sollen, dass sie nicht bleiben will. Jetzt müsse sie so kurzfristig einen Ersatz suchen und das sei nicht leicht. Christine entschuldigte sich, erinnerte sie aber, dass ihr Lehrjahr zu Ende ist und sie jetzt gerne in einem Restaurant arbeiten möchte. Frau Iseli: „Also dann bleibst du nicht länger?“ „Nein! Tut mir leid, ich habe schon zugesagt.“ Frau Iseli stand auf. „Schade! Dann rechnen wir Ende Monat ab.“

Unterkunft
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1.49.  Au-pair in der Schweiz – Unterkunft .

Karl wartet schon auf Christine. Er sagte, seine Vermieterin sei heute eingeladen, also nicht zu Hause, aber er könne ihr das Zimmer zeigen. Christine war einverstanden. Sie nahmen das Tram, um dort hinzukommen, so erreichten sie das Länggass Quartier. Die drei Zimmer Wohnung befand sich im Erdgeschoss eines alten Hauses. Der Gang zu den Zimmern war kurz und dunkel. Karls Zimmer war wohl das Wohnzimmer, das andere ein kleines Schlafzimmer, das schon ausgeräumt, aber noch nicht geputzt war. Das Bad und die Toilette ziemlich eng. Christine drückte den Türgriff zur Küche, die sie aber nicht benutzen durften. Karl hatte daher einem kleinen Elektrokocher in seinem Zimmer auf dem Tisch. In der kleinen Küche, auf der Küchenbank war eine dünne Matratze zusammen gerollt, eine Decke und ein Kissen darauf. Christine: „Die schläft und wohnt hier in der Küche, so wie es aussieht, damit sie die Zimmer vermieten kann.“ Karl: „Es ist das erste Mal, dass ich die Küche sehe, die ist sonst immer abgeschlossen.“ An der Tür hängt eine Tafel: “Privato“. „Also ich muss das Zimmer vorläufig nehmen, bis ich was Besseres finde und es mir auch leisten kann. Ist es jetzt nur reserviert oder schon für mich bestimmt? Das muss jetzt schon auf Nummer sicher gehen.“ Karl: „Ja, ich hab es ihr auf Italienisch gesagt, dass du ein Zimmer suchst, und dass du heute vorbeikommst und es dir anschaust. Ich werde ihr sagen, dass du hier warst und du hier einziehen willst.“ Christine: „Ich schreibe zur Sicherheit meinen Namen auf einen Zettel und klemme den auf die Küchen Türschnalle.“ Christine bestätigte noch, dass sie das Zimmer mieten möchte und morgen nochmals vorbeikommen würde. Es waren nur noch ein paar Tage bis zum Umzug.

Am folgenden Tag war Karl schon da, als Christine bei der Italienerin ankam. Karl war ganz aufgeregt: „Jetzt hat sie das Zimmer einem Verwandten vermietet, der war gestern auch dort wo sie eingeladen war, und der ist heute schon eingezogen. Was sagst jetzt dazu?“ Christine: „Was mach ich jetzt? Wenn Frau Iseli nicht so sauer auf mich wäre, könnte ich sicher noch bleiben, bis sie einen Ersatz für mich gefunden hat. Aber ich getraue mich echt nicht sie zu fragen, die sieht das sicher als eine Frechheit an.“ Während Karl und Christine diskutierten, kam die Vermieterin aus ihrer Küche. Karl hat ihr auf Italienisch, da sie kein Deutsch verstand, erklärt, dass Christine jetzt auf der Strasse steht, weil sie nicht Wort gehalten habe, obwohl sie versprochen hat, dass sie das Zimmer ganz sicher haben kann. Christine warnte Karl: „Bleib ruhig, sonst schmeisst sie dich zum Schluss noch raus“. „Sie sagt, sie hat im Keller noch ein Bett stehen, das könnte man ins Wohnzimmer stellen und die zwei Polstersessel in den Keller tun. Da wäre genug Platz, bis du was anderes findest.“ Sie öffnete die Tür ins Wohnzimmer, wo Karl eingemietet war und schob die Einrichtung herum. Ihr Verwandter kam gerade nach Hause und sie erzählte ihm, was los sei. Er richtete sich an Karl, es täte ihm leid. Im Spital, wo er jetzt arbeiten wird, hat es keine Unterkunft fürs Personal. Man kann dort duschen, Kleider in der Wäscherei abgeben und Verpflegung gibt es auch genug. Er sei erst vor ein paar Tagen aus Calabrien angekommen und hat sich jetzt bei der Personalchefin angemeldet und ist informiert worden, wie es läuft. Ohne abzuwarten, was Christine dazu sagt, ordnete die Vermieterin Karl und ihren Verwandten an, einen Polsterstuhl zu nehmen und in den Keller zu tragen. Sie kamen mit einem einfachen Bett und Matratze zurück, stellten es auf, ganz nah ans Fenster. Mit dem Tisch in der Mitte konnte man einander nicht sehen. Die Kommode konnte Christine benutzen und dem Karl blieb der Kleider Kasten. Im Gang holte sie aus einem eingebauten Schrank Bettzeug hervor, gab es der verdutzten Christine und verschwand in die Küche. Ihr Verwandter versicherte, dass er nur die Toilette benutzen werde, duschen und rasieren könne er sich im Spital, dann ging er in sein Zimmer.

Kein Arbeitszeugnis
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1.50.  Au-pair in der Schweiz – Kein Arbeitszeugnis.

Frau Iseli war jetzt von Christine sehr enttäuscht, ordnete knapp an, was noch erledigt werden soll, bevor Christine die Bäckerei verlässt. Christine fragte Joli, ob sie meint, sie könne im Zimmer bleiben, bis die Neue kommt? Das glaube sie nicht, denn ihre Schwester ist recht beleidigt, weil alles so abrupt kam, ohne dass man darüber geredet hat. „Aber du könntest fragen, ob du das Zimmer erst Tage später reinigen kannst. Gib an, dass du auch die Wände, die ja mit abwaschbarer Farbe gestrichen sind, abwaschen möchtest. Das imponiert ihr sicher.“ Und wirklich, damit war sie einverstanden. Oh, war das eine Erleichterung. Christine suchte auch noch das Stellenbüro von Frau Hänni auf, leider war das nicht mehr in ihrer Hand. Ein junger Mann hat es übernommen. Er könne ihr auch eine neue Arbeitsstelle vermitteln. Christine: „Ich wäre gerne in Lausanne oder Montreux im Service. Etwas Französisch habe ich hier im Migros Kurs schon gelernt.“ Da fing er an Französisch zu reden, um zu prüfen, ob sie genug verstehen und sprechen kann. „Ist leider noch nicht gut genug für den Service im Welschen. Aber für hier kein Problem.“ „Ich habe hier schon ein Angebot. Danke schön.“ Ach! Wird schon werden, dachte sie mit Zuversicht.

Am letzten Tag in der Bäckerei, wartete Christine auf die Lohnabrechnung und ihrem Zeugnis, das sie ihren neuen Chef bringen sollte. Frau Iseli: „Das Zeugnis habe ich noch nicht parat, das andere ist schon hier in der Schublade.“ Sie übergab Christine den Lohn mit der Abrechnung. Christine: „Kann ich Morgen ein Zeugnis bekommen, mein neuer Chef verlangt es von mir.“ Chefin: „Mal schauen.“ Christine: „Ich möchte mich noch Mal für alles entschuldigen. Es hat mir hier gut gefallen, aber ich will noch andere Berufe kennenlernen und jetzt hab ich die Gelegenheit dazu. Es tut mir wirklich leid.“

Am nächsten Tag ging Christine wieder in die Bäckerei, um ihr Zeugnis abzuholen. Joli war im Laden: „Die gibt dir keines, kannst es vergessen. Aber lass mir deine neue Adresse da, so kann sie es dir schicken. Ich werde ihr sagen, dass du es dringend brauchst. Mehr kann ich nicht für dich tun. Wie du siehst, will sie dich nicht einmal mehr sehen. Oder warte, ich frag sie noch mal.“ Sie kam zurück. „Keine Chance, sie hat es noch nicht einmal geschrieben.“ Christine fing zu weinen an, Joli drückte sie noch zum Abschied an sich, dann übergab sie ihr eine grosse Schachtel Pralinen. „Sei nicht so traurig, Kopf hoch, wird schon werden. Nun geh bevor sie kommt.“

Christine war schon zwei Wochen länger in ihrem Zimmer, als Joli klopfte und den Schlüssel verlangte. Christine packte ihre restlichen Sachen noch in den Koffer und gab Joli den Schlüssel. Das Bett war nicht gemacht, die Wände vor Wut, wie versprochen nicht gewaschen und geputzt hatte sie auch die zwei Wochen nicht. Christine fragte: „Was ist mit dem Zeugnis?“ Joli: „Ich hab sie noch mal gefragt und ihr angeboten, dass ich es dir bringen werde. Leider nichts zu machen. Hast ja Arbeit bekommen, gefällt sie dir, wie war es bei der Fremdenpolizei? Wo wohnst du jetzt?“ „Der Patron hat nicht mehr danach gefragt. Die Fremdenpolizei meinte, ich könne das mal später vorbeibringen und wohnen tue ich jetzt bei einer Italienerin.“ Joli: „Siehst du, es geht doch, also dann noch alles Gute!“

Neue Arbeit am Buffet
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1.51.  Au-pair in der Schweiz – Neue Arbeit am Buffet.

Vorstellung im Tea-room, bei der Gerantin Fräulein Jud. Nach kurzer Begrüssung, zeigte sie Christine das Buffet und das Gästelokal. Die Angestellten, die sie begegneten, grüssten sie sehr höflich. Christine hatte ihr elegantes grünes leinen Kleid an und ihre Haare nach hinten frisiert. Erst als Fräulein Jud ihnen erklärte, dass Christine, die Neue am Buffet sein wird, war ein „ach so“ zu hören. „Sie können noch die Speisekarte mitnehmen und studieren. Wie man verschiedene Eiscremen zubereitet, wird ihnen ihre Kollegin zeigen. Dann kommen sie Morgen um 07:30 in die Garderobe, dort werden Sie Arbeitskleidung finden. Also bis Morgen.“ Christine sah sich die Speisekarte an, viel französische Wörter wurden benutzt und billig war es ganz und gar nicht. Wie sie später erfuhr, hielt man so das `Gemeine Volk` davon ab hier Gast zu sein. Es gab sogar vorgedruckte Kärtchen mit „Sie sind hier unerwünscht, verlassen sie unser Lokal.“ Das bekam auch eine Frau vom Chef persönlich vorgelegt, den sie entsprach nicht dem Kleidercode des Lokals. Sie stand auf und legte ihre Visitenkarte auf den Tisch. Die Serviceangestellte nahm es, las es und gab es dem Chef. Hinter seinen Rücken grinste sie: Professorin Dr. Sadi TPH Tropical and Puplic Health Institut. Ihre Privatpraxis war im ersten Stock über dem Lokal. Man sah dem Chef die Peinlichkeit an.

Am Buffet war Christine, nach fast einem Monat, gut eingearbeitet. Es war nicht schwer, denn die Bestellungen wiederholten sich und auf der Karte gab es nur Änderungen der Menüs. Sie konnte auch beobachten, wie der Service so läuft. Es ergab sich bald eine Gelegenheit den Chef zu fragen, wann er gedenkt sie im Service arbeiten zu lassen. „Das können wir heute nach Feierabend an der Party besprechen.“ „Welche Party?“, fragte Christine. „Wir haben manchmal eine Party unten im Vorratsraum, da bleiben dann einige vom Personal hier und es werden noch andere Gäste anwesend sein. Also bis später.“ Christine fragte die Köchin, die aus Burgenland Österreich war, ob sie auch bei der Party dabei sein wird. „Ich bin, Gott sei Dank, zu wenig attraktiv, dass die mich dabei haben wollen.“ Christine: „Der Chef hat mir gesagt, er würde dort mit mir reden können und abklären, ob ich in den Service gehen kann.“ Köchin: „Oh Jesus, jetzt hat er dich im Visier. Schau, dass du wegkommst, kannst ja ein andermal mit ihm reden. Übrigens nenne ihn Patron und nicht Chef. Sag es niemandem, ich gehe zurück in meine Heimat. Ich hab genug von Sodom und Gomorrha und hier von der Keller Küche. Meine Schwester wollte er auch dabei haben, die hat aber ihren Freund, der sie immer abholt, da ist dann nichts daraus geworden.“

Christine blieb trotz Warnung, kann ja nicht so schlimm sein, dachte sie. Zwei Stewardessen, die manchmal im Service aushelfen, diskutierten mit dem Patron im Treppenhaus. Sie hörte, wie die eine sagte, sie habe Bauchschmerzen und bleibe ein anderes Mal, dann fragte er die andere. „Ich kann sie nicht allein lassen, wir haben nur einen Hausschlüssel.“ Christine und das Fräulein Jud mussten an denen vorbeigehen, da gab der Patron auf. Sie fragte Fräulein Jud, ob sie auch dableibe. „Ach was, das ist nichts für mich.“ Sie griff nach ihrer Tasche und verliess das Haus. Drei ältere Männer und zwei jüngere kamen zur Tür herein und stiegen in den Keller runter. Fünf junge Frauen sassen schon im Kreis, jede hatte einen Drink in der Hand. Einer von den jüngeren Herren war Elektriker und schon öfter für eine Reparatur da. Er setzte sich zu Christine und stellte sich als Fritz vor, fragte, wie es ihr geht. Christine gab ihm zu verstehen, dass sie sich nicht wohlfühle. Der Patron wollte mit ihr über die Arbeit reden, darum sei sie geblieben. Fritz verkündete laut: „Ich gehe mit Christine in den 69-Club. Einer der Herren meinte grinsend: „Ja ist gut! Dann geh schon!“ Fritz hatte sein Auto in der Nähe. Christine fragte, bevor sie einstieg, wo der Club sei? In der Länggasse antwortete er. Christine war erleichtert, denn sie wohnte inzwischen bei der Italienerin in dem Quartier. Als er Mitte der Längasse an einer Kreuzung stehen bleiben musste, stieg Christine schnell aus. „Danke ich wohne hier in der Nähe.“ Sie hörte nicht, was er ihr nachrief und lief nach Hause. Erst jetzt merkte sie, dass sie den Hausschlüssel in der Garderobe vergessen hat. Sie ging ums Haus herum und klopfte ans Fenster. Karl war zum Glück noch wach, er öffnete das Fenster und half ihr hineinzusteigen. Christine entschuldigte sich, dass sie so dumm war und den Schlüssel liegen liess und wünschte ihm gute Nacht. Karl und Christine sahen sich nicht sehr oft. Er ging früh zur Arbeit und Christine bevorzugte den Abenddienst zu machen. Ihre Kolleginnen waren sehr froh darüber, die eine wohnte weiter weg und die andere konnte ihr Baby in die Krippe bringen. So war es jedem geholfen.

Christine fand es langweilig am Buffet zu arbeiten. Sie wandte sich an Fräulein Jud und fragte sie, ob sie nicht im Service arbeiten könne. „Tut mir leid, im Moment haben wir da genug Personal. Wenn jemand geht, dann sind die Chancen grösser im Service einzusteigen. Nach fast einem Monat war wieder Party angesagt. Der Patron suchte wieder junge Angestellte, die er zur Party “einladen“ möchte. Er ermahnte Christine nicht mehr wegzulaufen, das sei nicht fair die geladenen Gäste sitzen zu lassen. Christine hackte ein: „Vor fast einem Monat, haben sie mir versprochen, dass ich eventuell im Service arbeiten kann. Am Buffet möchte ich nicht mehr bleiben, das ist mir zu langweilig und schliesslich habe ich mich für den Service anstellen lassen.“ „So, so, so! War das so? Ich kann mich nicht daran erinnern.“ Drehte sich um und ging. Für Christine war um 23:30h Feierabend. Sie ging in die Garderobe und holte ihre Sachen, als sie an der Haustüre ankam, war diese geschlossen. Da komm ich nicht raus, dachte sie. Die Party Gäste waren noch beim Apéro, da huschte Christine in den Getränkekeller. Heute gab es eine Teillieferung und morgen früh den Rest der Getränke. Die Harrassen waren so gestapelt, dass sie überklettern konnte, um das Kellerfenster zu öffnen. Hinter ihr schloss sie es, so gut es ging wieder zu. Das Gitter zur Strasse raus war sehr schwer zu heben und zu verschieben, doch sie schaffte es, schob es zurück und lief die Strasse hoch. Plötzlich merkte sie, dass sie von einem Auto verfolgt wurde. Sie versteckte sich hinter den Bäumen der Allee nacheinander, bis sie ziemlich erschöpft zu Hause ankam.

Zu Mittag, am nächsten Tag, wollte der Patron Christine sprechen. Zuerst fragte er sie, wie sie aus dem Haus kommen konnte, die Tür war abgeschlossen. Christine mutig: „Durch die Tür natürlich, die war noch offen.“ Fräulein Jud und einige Angestellten hatten schweigend mitgehört. „Du lügst! Bist fristlos entlassen. Punkt!“ Fräulein Jud ganz schüchtern: „Aber wie konnte sie sonst raus?“ Es gab ein Raunen in der Gruppe. „Abrechnen und fertig!“ Schrie er sie an. „Noch bestimme ich!“
Als er weg war, nahm Fräulein Jud Christine auf die Seite. „Morgen Vormittag gehst du zu ihm ins Büro, bis dahin wird er sich erholt und alles überdacht haben. Danach kommst du zu mir und wir sehen weiter, ist das gut so?“ Christine hielt ihre Tränen zurück und nickte nur mit dem Kopf.

„Jetzt gehst du, wie normal zurück zu deiner Arbeit.“ Christine war froh, dass Fräulein Jud ihr beistand, das hätte sie von ihr nicht erwartet. Ihre Buffets Kollegin, die bei der Party dabei war, erzählte ihr von einem Spiel mit einer Flasche. Diese wurde am Boden gedreht und bei der Person wo sie hinzeigte, musste die ein verlangtes Kleidungsstück abgeben. Dann durfte diese drehen und ein Kleidungsstück verlangen. Zum Glück waren wir eine grosse Gruppe, so wurde es langweilig und gestoppt. Dem Patron hat es schon verärgert, als er merkte, dass du weg warst. Er hat dich sogar gerufen und gesucht. Ich hab gehört, dass du letztes Mal mit Fritz in den Club 69, den es übrigens gar nicht gibt, gefahren bist. Muss ich dich aufklären? 69 ist eine Liebesstellung, verstehst du? Das ist gemeint, dass er dich zu sich nach Hause nehmen wollte. Christine: „Du meine Güte! Aber wieso weisst du, dass ich nicht dort war?“ „Ja, weil er zurückgekommen ist.“

Am nächsten Morgen zog Christine ihr schwarzes zweiteiliges Kleid an, frisierte sich schick und suchte den Patron auf. Sie wurde von seiner Frau, die einen offenen japanischen seiden Kimono trug, im Vorraum empfangen. Mit Wiener Dialekt fragte sie, worum es geht? Christine erzählte ihr kurz, was vorgefallen war. „Ach mein Mann liebt Partys, das war immer schon so, da haben wir uns auch näher kennengelernt“, zwinkerte sie. Es kamen zwei süsse Zwillings Mädchen auf sie zu gerannt. Sie rief nach ihrem Mann: „Schatz du hast Besuch!“ Dann zu Christine „Du weisst ja, wo das Büro ist.“ „Guten Tag!“, grüsste Christine. „Oh, heute so elegant, hab sie fast nicht erkannt. Wegen gestern: Ich habe festgestellt, dass sie nicht gerne bei uns am Buffet weiterarbeiten möchten. Leider, kann ich sie nicht in den Service nehmen, da müsste ich jemanden entlassen, aber dazu gibt es keinen Grund. Ich werde ihnen den vollen Monatslohn ausbezahlen.“ Christine kam aus dem Staunen nicht heraus. Jetzt sprach er sie mit `Sie` an und war ganz überlegt höflich zu ihr. In diesem Fall dachte sie, ist es wirklich besser zu gehen. „Ja ich glaube, für mich ist es in diesen Fall auch besser so“, erwiderte Christine. „Soll ich die zwei Tage, die fehlen, noch arbeiten?“ „Nein die rechnen wir als Ferien ab.“ Christine bekam das Geld auf den Bürotisch gezählt und dann in einen Briefumschlag überreicht. Sie verabschiedeten sich höflich, er drückte ihr fest die Hand und wünschte ihr alles Gute.

 

Stellen Wechsel
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1.52.  Au-pair in der Schweiz – Stellen Wechsel.

Im Restaurant Beaulieu in der Längasse, wurde schon länger eine Person für den Service gesucht. Dies sah Christine, wenn sie zur Arbeit ging, auf einer Tafel angeschrieben. In letzter Zeit, dachte sie schon öfter mit Karl dort hinzugehen, um zu sehen, ob das etwas für sie wäre. Sie erzählte Karl, dass sie nicht mehr im Tea-room arbeite, weil sie keine Chance hatte dort im Service angestellt zu werden wie es vorgesehen war. „Und jetzt?“, fragte Karl. Christine: „Ich hätte gerne, dass du mit mir ins Restaurant Beaulieu kommst, damit wir sehen, ob das für mich infrage kommt.“ Da es Samstagmittag war, war er einverstanden. Christine: „Wir können ja dort zu Mittag essen, ich lade dich ein.“ Es war ein einfaches, mit Holz ausgelegtes Gastzimmer, der Stammtisch neben dem Buffet und etwa ein Dutzend gut besetzte braune Holztische.
Christine und Karl fanden noch Platz bei einem Fenster. Da nur eine Person im Service war, brachte der Chef persönlich die Speisekarte mit `Bürgerliche Küche` als Überschrift. Karl bestellte Kotelett mit Pommes frites, Christine Rösti mit Ei und Salat. Christine: „Was meinst du, passe ich hier rein?“ Karl: „Das Essen war gut, das Restaurant gut besetzt, ein gutes Zeichen. Aber ich glaube nicht, dass es für länger ist. Sagst einfach, dass du gerne für eine kurze Zeit aushelfen möchtest, und wenn es dir gefällt, kannst ja länger bleiben. Lausanne oder das noble Montreux ist es ja nicht!“ grinste er. „Ich könnte auch in Lausanne arbeiten, meine Firma hat dort eine Zweigstelle und durchs Italienische, versteh ich gut Französisch. Ich muss aber sagen, an all den Orten, wo ich gearbeitet habe, gefällt es mir da in Bern am besten.“ Christine: „Ich überlege es mir noch. Heute muss ich meine Wäsche waschen und ein bisschen Ordnung machen. Für einmal wasche ich deine Wäsche mit, weil ich selber nicht so viel habe, nur wenn du willst.“ „Doch, doch, dann kann ich mein Buch fertig lesen.“ „Aber erst nach dem Staubsaugen“, ermahnte Christine. „Ach so!“, war Karls erstaunte Antwort.
Zu Hause roch es ganz stark nach Mottenkugeln. Die Vermieterin hatte sie überall in den Polstern und unter den Teppich deponiert. So suchten Karl und Christine die Mottenkugeln zusammen und er schmiss sie in hohen Bogen aus dem Fenster. Christine ging später nochmals alleine ins Restaurant zurück, um sich vorzustellen. Die Serviceangestellte war alleine in der Gaststube. Christine sprach sie an und fragte nach dem Chef. „Der ist jetzt in der Küche beim Aufräumen. Die Chefin ist hinten im Saal, die könnt ich rufen, wenn sie wollen.“ „Sind sie auch Österreicherin?“, fragte Christine. „Ja aber schon lange in der Schweiz.“ „Gefällt es ihnen hier zu arbeiten? Sind sie schon lange hier?“ Dazu gab sie keine Antwort. „Ich wollte mich um die freie Stelle bewerben.“ Sie streckte die Hand aus. „Ich heisse Elfi. Also hier gibt es einige freien Stellen. In der Küche, am Buffet und im Service.“ „Im Service würde ich gerne für eine Zeit aushelfen.“ Elfi: „Ja dann ruf ich mal die Madam Holziker.“ Die kam fast angerannt. „Grüesech! Sie möchten im Service aushelfen?“ Christine stellte sich rasch vor und bejahte. „Haben sie schon mal im Service gearbeitet?“, fragte Frau Holziker weiter. Christine: „Ja vor einem Jahr, danach habe ich eine Hauswirtschafts Lehre gemacht. Im Moment bin ich frei und würde gerne im Service aushelfen.“ Frau Holziker: „Wann können sie anfangen?“ „Sofort oder in den nächsten Tagen, wie sie möchten.“ „Also das wäre auch schon morgen möglich?“ „Ja, wenn es eilt.“ Frau Holziker: „Haben Sie ein schwarzes Jupe, eine weisse Bluse mit Ärmel und schwarze, nicht zu hohe Schuhe? Auch eine Servicegeldbörse, eine kleine Schürze und Strümpfe, so wie es Elfi hat, sollten sie mitbringen. Und die Haare nach hinten frisiert, das ist obligatorisch im Restaurant.“ Christine studierte: „Geldbörse mit der dazu gehörigen Umhängetasche habe ich nicht. Eine hellrosa Bluse, geht sicher auch, ja?“ „Ja gut für die ersten paar Tage ist es in Ordnung. Die Geldbörse mit der Tasche kann ich Ihnen vorderhand leihen.“ Dann zeig ich ihnen jetzt schnell, wo alles zu finden ist. Elfi ist ja auch noch da, wenn sie Fragen haben. Sie öffnete ein paar Schubladen und ging noch hinters Buffet, wo viele schmutzige Gläser standen, die Elfi noch waschen musste. „Ich muss jetzt im Saal weiter machen und sie können sich ruhig umschauen, dann sehen wir uns morgen um 9:00 Uhr.“
Elfi kam näher: „Wir sagen 'du' zueinander, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“ Christine: „Einverstanden.“ Elfi ging die hintersten Tische abräumen und Christine schaute sich das Buffet und die Getränke Schubladen an. Oh meine Güte, da war sicher schon lange keine Kontrolle von einem Lebensmittel Inspektor. Im Tea-room war alles sehr sauber gehalten. Sie fragte Elfi, wer hier am Buffet zuständig ist: „Jeder und keiner“, lachte sie. Wir müssen alles selber machen so gut es geht, da brauchst dir keine Sorgen zu machen. „Also dann bis morgen. Tschüss!“

Um 9:00 Uhr waren alle Fenster zum Lüften offen, die Stühle noch auf den Tischen gestapelt. „Guten Morgen!“, grüsste Herr Holziker: „Heute helfe ich die Stühle aufzustellen, normalerweise macht es das Personal. Am Nachmittag möchte ich dann mit ihnen etwas Genaueres abmachen, dann hocken wir uns für einen Moment zusammen.“ Christine: „Ja ist gut.“ Und schon war er weg. Der erste Gast kam herein, setzt sich zum Stammtisch und verlangte eine Stange Bier. Christine brauchte eine Weile, bis sie das Bier im Glas hatte. „Schon wieder eine Neue? Bin neugierig, wie lange sie es hier aushalten.“ Er trank sein Bier rasch aus und verlangte einen Kassenbon. Da kam Frau Holziger: „Das muss ich Ihnen auch noch zeigen, die Kasse ist zwar alt, aber sie funktioniert immer noch. Jetzt können sie die eine Hälfte vom Kassenzettel abreissen und dem Gast geben und die andere Hälfte hier auf das Nagelbrett für Bier aufstecken.“ Zum Glück hatte der Gast Kleingeld auf den Tisch gelegt, denn Christine hatte kein Wechselgeld mitgebracht. Ging ja alles so schnell. Am Nachmittag legte Herr Holziger eine Liste auf den Tisch, erklärte monatlichen Grundlohn und 12 % vom Umsatz der Kellnerin wird jeden Tag abgerechnet. Dazu kommt noch Trinkgeld, wenn der Gast zufrieden ist und Verpflegung während der Arbeitszeit. „Ist der Grundlohn Netto und gibt es wo Unterkunft fürs Personal?“, wollte Christine wissen. „Vom Grundlohn wird bei Ausländer verschiedenes abgezogen, das ist bei uns obligatorisch. Für Unterkunft ist jeder selber zuständig. Noch welche Fragen?“ „Nein im Moment nicht.“

Nach ein paar Tagen kam ein Lebensmittel Inspektor ins Restaurant. Er ging in die Küche und danach sah er sich das Buffet an, zog Schubladen heraus und leuchtete mit einer Taschenlampe hinein. Er erklärte dem Wirt, dass er heute allein gekommen ist, sein Kollege musste zu einer Sitzung. Dann setzte er sich zum Stammtisch und bekam einen Kaffee offeriert. Herr Holziger und er diskutierten eine Weile miteinander. Der Inspektor unterschrieb einen Bericht und hinterliess eine Kopie für den Wirt, den er aufs Buffet legte. Christine sah noch, wie er ein paar Geldscheine in seine Hosentasche einsteckte. Sie blickte auf die Kopie und war erstaunt, dass alles in Ordnung sei.

Ein Gast wollte Christine Trinkgeld in die Hand drücken. Sie zog sie schnell zurück und sagte höflich aber laut, damit es auch die anderen hörten: „Danke! Sie können das auf den Tisch legen.“ Die Wirtin hat das auch gehört und sah Christine fragend an. „Ich möchte nicht, das mich jeder angreift, mir ist lieber, wenn es auf den Tisch gelegt wird. Hände schütteln mag ich auch nicht. Man kann sich auch so begrüssen und verabschieden, ist auch hygienischer, besonders im Service.“ Dann fing sie an zu stottern, hatte das Gefühl, dass es falsch verstanden wurde: „Das hab ich so bei meiner letzten Arbeitsstelle gelernt“, log sie. Erstaunlicherweise wurde dies von den meisten Gästen respektiert.

Elfi war eine freundliche, ruhige, flinke Person, die Gäste mochten sie. Aber es war schwierig mit ihr ins Gespräch zu kommen, sie antworte immer nur ganz kurz. Christine fand es auch komisch, dass der Wirt sie beide immer nur durch den dunklen Saal bei der hinteren Tür hinaus liess, obwohl es kürzer wäre, durch den Haupteingang auf die Strasse zu kommen. Elfi lief immer hinter Herrn Holziger her. Christine tastete sich alleine durch, nahm sich vor eine Taschenlampe zu kaufen, auch wollte sie wissen, warum er das so macht? Eines Abends war Christine hinter dem Wirt, auf einmal spürte sie eine kräftige Hand auf ihren Busen. „Au!“, schrie sie. „Was ist los? Bin ich mit meinem Ellenbogen wo angestossen? Also gute Nacht.“ Dann schloss er die Tür auf. Draussen wollte Christine Elfi fragen, ob ihr das auch schon passiert ist. Sie verneinte es, doch Christine nahm ihr das nicht ab. Am nächsten Tag kaufte sie eine kleine Taschenlampe und sie werde sich auch weigern durch den dunklen Saal zu laufen. Also posierte sie sich am Feierabend vor dem Haupteingang und fuchtelte mit der Taschenlampe herum. „Ich möchte bitte hier raus.“ „Ja gut, mir soll's gleich sein, ich hab das nur aus Sicherheitsgründen gemacht. Da vorne könnte man euch abpassen.“

Fast zwei Monate sind ruhig und zufrieden vergangen, bis eines Tages der Bruder von Herrn Holziker, einen kleinen Brief aufs Buffet legte und es Christine zu schob. Auf dem Umschlag stand 'Für Sie'. Er wollte gerade gehen, da rief ihn Christine nach. „Entschuldigung! Für wen ist der...“, weiter kam sie nicht. „Steht ja drauf!“, sagte er und ging. Christine nahm den Zettel, der im Umschlag war, heraus und las: Treffe Sie morgen Sonntag um 14:00 Uhr beim Springbrunnen. Christine zeigte Karl den Brief: „Was will den der von dir? Ich komme mit, mal sehen wie der reagiert?“ Karl grinste dabei, er freute sich sogar. „Morgen ist ja schon Sonntag, da ist ja bei euch geschlossen“, er lachte dabei. Christine sagte: „Du stehst aber im Hintergrund, ich werde ihm sagen, dass ich schon woanders eingeladen bin. Du halltest dich da raus.“

 

Sonntag 14:00h beim Springbrunnen.
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1.53.  Au-pair in der Schweiz – Sonntag 14:00h beim Springbrunnen..

Pünktlich fuhr ein silbermetallic Porsche, mit offenem Schiebedach vor und stoppte. Der Fahrer lehnte sich zur Türe hinüber und öffnete sie. „Pünktlich!“, sagte er mit einem Lächeln. Christine machte die Türe zu, „tut mir leid, ich kann nicht mitkommen.“ Da sprang Karl hervor: „Sie ist meine Verlobte müssen sie wissen.“ Da heulte der Motor auf, eine Wolke hinterher und weg war er. „Das hättest dir sparen können, ich hätte es ihm schon anders erklärt und von wegen Verlobte, hör endlich auf mit dem.“

Montag hatte Christine Frühdienst. Herr Holziger wartete schon in der Gaststube mit einem Briefumschlag in der Hand. „Das ist die Abrechnung für sie. Die Probezeit schliessen wir somit ab, sie brauchen heute nicht mehr anzutreten.“ Seine Frau kam dazu, wollte wissen, was hier vorgeht. Christine war wie vor den Kopf geschlagen. „Jetzt kenne ich mich nicht mehr aus, was hab ich falsch gemacht?“ Er hielt ihr die Tür auf. „Gehen sie jetzt, es gibt keine Diskussion.“ Seine Frau stand wie gelähmt da. Christine rief noch: „Ist es wegen ihrem Bruder?“ Da erhellte sich ihr Gesicht und sie schrien sich gegenseitig an. Christine stand vor der Tür und überprüfte die Abrechnung. Für einen klaren Kopf zu bekommen lief sie in die Stadt hinunter, setzte sich in ein Kaffeehaus und überlegte. Sie ging dann in ihr Bank und zahlte den Lohn auf ihr Konto ein. Jetzt geh ich ins Stellenbüro, wenn ich dort eine Arbeit finde, fühle ich mich mehr geschützt, sinnierte sie.

Da Christine nicht angemeldet war, musste sie ein wenig warten. „Guten Tag, was kann ich für sie tun? Sie waren schon einmal bei mir stimmts?“ „Ja, guten Tag. Ich suche eine Arbeit im Service am liebsten in einem Tea-room. Wichtig für mich ist auch, dass ich eine Unterkunft bekomme, denn wo ich jetzt wohne, ist es nur für vorübergehend. Ich habe vor einem Jahr eine Hauswirtschaft Lehrstelle von eurem Büro bekommen, die habe ich fertig gemacht. Ich hab dann an zwei Stellen kurz gearbeitet, aber es sind dann Sachen passiert, die, wie soll ich das erklären, sagen wir ins Private gingen und mit dem ich nicht einverstanden war.“ „Oh je! Das ist natürlich unangenehm. Kommt aber, glauben sie mir, öfters vor. Man kann froh sein, wenn es friedlich abläuft.“ Auf seinem Namensschild stand Fred Fischer. „Also was haben wir da. In Wabern haben wir ein Ehepaar, das aus Argentinien zurückgekehrt ist und seit kurzen ein Tea-room gepachtet hat, das anscheinend ganz gut läuft. Wollen wir das einmal anschauen? Ich ruf mal schnell an, wenn sie einverstanden sind.“ Christine nickte. Herr Fischer erkundigte sich am Telefon genau und stellte eine Frage nach der anderen, notierte alles nebenbei, dann fragte er ob Christine noch heute vorbeikommen kann. Christine nickte wieder. „Also gut! Ich schreib noch die Adresse auf. Mit dem neuner Tram kommen sie fast vor dem Tea-room an. Die Unterkunft müssen sie sich auch anschauen, die befindet sich im gleichen Haus. Dann melden sie sich wieder bei mir in den nächsten zwei Tagen. Prima und viel Glück!“ Christine freute sich und war gespannt, wie es weiter geht.

 

Tea-room in Wabern
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1.54.  Au-pair in der Schweiz – Tea-room in Wabern.

Das Ehepaar Müller begrüsste Christine recht freundlich, machten es deutlich, wie sie sich das vorgestellt haben, punkto Lohn etc. und wollten wissen, welche Erfahrung sie mitbringe. Dann freute es sie, dass sie die Stelle annehmen wolle und noch dazu sofort anfangen könne. Herr Müller zeigt ihr das abgeschrägte nett eingerichtete grosse Zimmer im dritten Stock. Waschraum, WC und Dusche waren neben an. Man trank noch Tee zusammen und Müllers erzählten von Argentinien, wie schlimm es dort war. Sie hatten von einem Schweizer Land gekauft, als sie dort ankamen, stellte es sich heraus, dass der Boden für eine Farm aufzubauen total ungeeignet und auch zu weit von allem entfernt war. Sie hatten Glück im Unglück, dass ein Deutscher Nachbar es von ihnen für einen Spottpreis abgekauft hat. Der Verlust war gross, aber es gab keine andere Möglichkeit. Sie probierten etwas anderes zu finden, waren aber erfolglos. Sie sahen auch, wie die neu Ausgewanderten zu kämpfen hatten, das wollten sie nicht auf sich nehmen so haben sie sich, nach drei Monate, entschlossen zurück nach Bern zu reisen.

Christine überlegte nicht lange und machte ab, schon morgen anzutreten. „Um 9:00 Uhr öffnen wir, da kommen die ersten Gäste“, verkündete Frau Müller. „Gut ich werde da sein“, versprach Christine.

Karl war erstaunt das Christine zu Hause war. „Musst du heute später anfangen?“ Sie erzählte ihm, was passiert ist und wie es weiter geht. Zwischen hinein fluchte er. Als er hörte, dass sie auszieht, wurde er sichtlich traurig. „Jetzt bin ich wieder allein!“, meinte er. Christine hatte plötzlich Mitleid mit ihm, liess es sich aber nicht anmerken. „Also so hätte es ja nicht weiter gehen können, das siehst du wohl ein.“ Er: „Aber wir hätten darüber reden können.“ „Haben wir aber nicht! Weil es sowieso nichts gebracht hätte, es ist gut so, wie es ist. Musst jetzt den Kopf nicht hängen lassen, dass ich hier wohnte, war ja nur für vorübergehen und nicht für ewig, das hast du wohl nicht vergessen. Ich bin dir dankbar, dass du mir helfen wolltest. Vieles ist schiefgelaufen, aber jetzt sind wir wieder auf dem richtigen Weg und können gute Freunde bleiben.“ Karl: „Ja schon gut, hast ja recht.“

Der Umzug war schnell gemacht und die Arbeit im Tea-room zeigte sich einfach. Christine und eine Köchin waren die einzigen Angestellten. Zu Mittag gab es zwei Menüs. Den Einkauf machte Herr Müller. Sie hatten auch einen gemütlichen, alten Boxerhund, den er meist mitnahm, der aber ansonsten im Lokal war. Christine fand das nicht gerade gut, aber den Gästen schien das nicht zu stören, wenn er so auf seiner Decke lag. Müllers und Christine konnten offen miteinander reden, das war sehr angenehm so. Man könnte mehr Gäste vertragen, um den Umsatz zu steigern, wurde besprochen. Herr Müller müsste dann mehr in der Küche mithelfen, den Ella war schnell einmal in Panik, wenn ein paar Bestellungen eintrafen. Christine liess somit immer nur höchsten vier Bestellungen auf einmal im Küchenlift hinunter, das funktionierte eine Zeitlang sehr gut so.

Müllers haben in einem Inserat auf das Tea-room aufmerksam gemacht, aber es hat sich kaum gelohnt. Im Keller sah Christine einen Ständer mit Tafel, die man beidseitig beschriften konnte, also holte sie die herauf und zeigte sie Frau Müller. Die war erstaunt, dass sie diesen Ständer nicht beachtet hatte. Frau Müller hatte eine schöne deutliche Schrift, so schrieb sie vorher auf einen Block Papier, wie und was man auf die Tafel schreiben könnte? Kreide in drei Farben fand sie in einer Schublade, die sie fast weggeworfen habe, erzählte sie. Sie schrieb die zwei Menüs mit den Preisen an und gross oben auf `Neu eröffnet`. Sie malte noch ein paar Blümchen links und rechts dazu, sah also ganz gut aus. Christine stellte die Tafel so vor das Gebäude auf, das man es wirklich sehen und lesen konnte. Um zehn Uhr kam Herr Müller vom Einkauf zurück, er war angenehm überrascht und freute sich darüber. Er war überzeugt, dass es besser sei als ein Inserat in der Zeitung und es kostet auch nichts. Und wirklich, zu Mittag kamen Gäste, die Müllers vorher noch nie gesehen haben.

Auch zum Frühstück kamen jetzt ein paar Leute mehr und daher war es ab jetzt schon um 8:00 statt 9:00 geöffnet. Herr Müller begrüsste die Kunden gerne persönlich. Mit Ella der Köchin besprach man einfache Menüs, die in kürzester Zeit zubereitet waren. Nachmittags wurde das Tea-room von 14:00-15:30 Uhr geschlossen, da in dieser Zeit sehr wenig los war und man das Geschirr abwaschen und die Küche aufräumen konnte. Abendessen gab es von 18:00-21:00 Uhr. So musste man die Tafel zweimal am Tag beschreiben. Um 22:00 Uhr wurde geschlossen. Sonntag war Ruhetag.

Christine rief regelmässig zu Hause an, sie erfuhr das Frieda, die Freundin von ihrem Bruder, gerne schon vor ihm in die Schweiz kommen würde. Sie habe schon alle Papiere zusammen und sucht jetzt eine Arbeitsstelle. Christine schlug vor, dass sie mit ihr arbeiten und wohnen könne. Sie besprach das sofort mit Müllers, ob sie damit einverstanden wären. Natürlich waren sie das, den alle waren schon an der Grenze ihrer Leistung. Sie schickten ihr sofort die nötigen Unterlagen zu. Bevor Frieda ankam sassen alle zusammen und erstellten einen Arbeitsplan. Christine gab zu, dass sie Frieda nicht kannte und es am besten wäre, sie für den Anfang, mehr zur Ablösung einzusetzen. So konnte man sie auch besser kennenlernen und sie mit dem Schweizer Deutsch langsam zurechtkomme.

Christine holte Frieda am Sonntag in Bahnhof Bern ab. Sie machten ab, dass sie einen Regenschirm, beim ankommenden Zug, in die Höhe halten wird damit sie sich finden. Es klappte wunderbar. Ein blondes wohlgenährten Bauernmädchen, die kurzen Haare mit einem Gummiring zusammen gehaltenem zu einem kleinen Schwänzchen im Nacken und grobe Sandalen an den Füssen, kam näher. Sie strahlte mit dem ganzen Gesicht. Sie begrüssten sich herzlich und fuhren mit dem Tram nach Hause. Frieda war von der Reise recht müde und wollte sich frisch machen. Christine gab ihr ein Badetuch und Shampoo, dann zeigte sie ihr die Dusche, das war neu für sie. Das Bett für Frieda war unter Christines Bett, das konnte man hervorziehen und aufstellen. Es war genug Platz für die zwei Frauen. Sie richteten sich ein, dann wollte Frieda wissen, was am nächsten Tag, ihren ersten Arbeitstag, anziehen solle. Frieda zeigte, was sie in ihrer Reisetasche mitgebracht hatte und sie fand die passende Kleidung. Sie habe ihre Nagelschere vergessen entschuldigte sie sich noch. Christine sagte ihr, sie könne ihre gebrauchen.

Frieda freute sich irrsinnig in der Schweiz angekommen zu sein und war neugierig auf das Tea-room. Christine hatte den Schlüssel bekommen, sodass Frieda und auch sie etwas zu essen holen konnten. Friedas Gesicht leuchtete, als sie das Lokal sah. Sie gingen dann noch in die Küche hinunter. Christine öffnete den Kühlschrank, der mit Esswaren voll gestopft war. Sie nahm Schinken, Butter, Essiggurken heraus und nahm noch Brot und ein Getränk mit nach oben. Sie setzten sich im Gastzimmer an einem Tisch und assen, was sie vor sich hatten. Frieda erzählte, dass sie zu Hause keinen Kühlschrank hatten und alles im Keller gelagert wurde. Wie es jetzt weiter geht und was sie zu tun hat, wollte sie noch wissen. Christine: „Jetzt gehen wir schlafen und morgen wirst du die Müllers und Ella kennenlernen, das sind sehr nette Leute, mit denen kommst du sicher gut aus. Wir nehmen noch was zum Trinken mit nach oben und dann ist es Zeit für ins Bett.“ Christine ging noch ins Badezimmer, ihre Zähne putzten und sich waschen. Als sie zurückkam, war Frieda schon im Bett und schnarchte vor lauter Müdigkeit leise vor sich hin.

Am nächsten Tag stellte sich Frieda den Müllers vor. Frieda hatte eine sehr laute Stimme, sie musste sich Mühe geben Hochdeutsch zu sprechen. Frau Müller: „Heute Vormittag helfen Sie Ella Gemüse und Salat zubereiten, dann sehen wir weiter.“ Frieda und Ella verstanden sich vom ersten Moment an gut. Sie lernte auch bald ein wenig Schweizer Deutsch von Ella. Man hörte sie oft lachen. Mit der Zeit half sie auch in der Gaststube mit, das gefiel ihr am meisten. Sie redete gerne mit den Gästen und sagte andauern 'Bitte Danke'. Die Gäste haben sich dabei amüsiert und hatten Freude an ihrer freundlichen Art und korrigierten sie, wenn sie etwas falsch machte oder sagte. Bald aber machte sie es Christine nach. So lernte sie schnell, das richtige zu tun. Alle arbeiteten gut und gerne zusammen.
Herr Müller erzählte seine Geschichte als Verdingkind und Frau Müller hatte auch einschneidende Erlebnisse als Kind, aber darüber so richtig reden konnte sie nicht. Durch ihre Kindheit Erlebnisse wollten sie daher selber keine Kinder haben. Sie haben aber einen Buben für eine Ferienwoche zu sich genommen und festgestellt, dass es doch nicht für sie gut wäre. Eines Tages fragte Herr Müller Christine, ob sie nicht in ihrer Freizeit mit ihm fischen gehen möchte, man könne sich irgendwo treffen, ohne dass es die anderen merken. Sie war erstaunt, dass er sich so was einfallen liess, das hat sie sehr enttäuscht. Sie hat ihm klar gemacht, dass sie das niemals machen würde.

Ein Problem gab es noch. Herr Müller meinte, sie sollten noch eine Aushilfe, die das Geschirr abwäscht, das nach dem Mittag zusammen kommt, denn er möchte das nicht mehr machen. Er habe jetzt mehr anderes zu erledigen, die könnte man sich so für zwei Stunden schon leisten. Er sagte noch wie viel, die kosten würde. Frieda zupfte an Christines Kleid: „Du, wir könnten unsere Zimmerstunde verkürzen und für den Lohn abwaschen. Sind sie einverstanden?“ wendete sie sich an Herrn Müller „Ja das wäre für mich auch das einfachste, schon wegen der Versicherung und so.“ „Und wir verdienen etwa mehr dazu“, freute sich Frieda.

Karl und ein Österreicher kamen an einem Abend Kaffee trinken. „Und wie geht's?“, fragte er. „Eigentlich hätte ich lieber ein Bier, hast sicher im Kühlschrank so was drinnen.“ Christine fragte Frieda, ob sie die Herren bedienen möchte. „Ja gern, du der blonde gefällt mir, kennst du den? Auf deinen Bruder warte ich nicht mehr, von dem bin ich schön enttäuscht.“ „Nein, aber den anderen schon, der hockt immer mit den Kollegen im Casino zusammen“, mehr verriet Christine nicht.

Es sind nicht einmal zwei Monate vergangen. Da wollte Christine wieder etwas anderes machen. Sie hat von einer christlichen Organisation in Luzern gehört, die Kindermädchen für England suchen. Halbtag Sprachschule für Englisch und fünf Stunden am Tag ist mit Kindern und etwas Haushalt gerechnet. Sie meldete sich an und bekam mit der Post Formulare zugeschickt, die sie ausfüllen musste. Christine sprach mit niemandem darüber, noch konnte sie innerhalb einer Woche ihre Stelle ohne Kündigung verlassen. Wird wahrscheinlich schon ein kleiner Schock für Müllers sein.

 

Reise nach England
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1.55.  Au-pair in der Schweiz – Reise nach England.

Der Tag für die Reise nach England kam näher. Jetzt war es Zeit den Müllers, Ella und Frieda davon zu berichten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen sagte Christine: „Ich muss euch leider mitteilen, dass ich mich entschlossen habe, nach England zu gehen, um mein Englisch zu verbessern.“ Frieda ganz erschrocken: „Wann gehst den weg? Irgendwie hab ich es gespürt, dass du was vorhast.“ Christine: „Ich werde noch eine Woche hier sein, es hat mir hier sehr gut gefallen, wir waren ein gutes Team, aber ich möchte mich weiter bilden und hoffe auf eurer Verständnis.“ Die Müllers sahen sich gegenseitig an. Frau Müller: „Ist schon schade, aber vielleicht kommst zurück, wenn es dir dort nicht gefällt, so müssen wir uns mit der Tatsache abfinden.“ Ella war den Tränen nahe: „Du warst immer so lieb zu mir, ich werde dich vermissen.“ Herr Müller: „Schreibst uns, wie es dir geht.“ Christine: „Noch bin ich hier und hoffe, dass bald ein Ersatz da ist. Ich bin sicher, im Stellenbüro wartet schon jemand auf die gute Arbeitsstelle. So jetzt muss ich ins Zimmer sonst fliessen mir die Tränen runter.“

Frieda hat sich in den blonden Österreicher verknallt. Sie trafen sich jetzt schon ein paar mal. Dadurch hat auch Karl gehört, dass Christine nach England geht. Er erfuhr auch, wann ihr Zug von Bern abfährt und stand unerwartet plötzlich vor Christine. „Schreibst mir, ob du gut angekommen bist und wie es dir dort geht.“ Christine versprach mit ihm in Kontakt zu bleiben. Karl half ihr noch in den Zug und sie winkten sich zu, bis sie sich nicht mehr sahen.

In Frankreich war für eine lange Zeit der Zug voll trinkender und rauchender Soldaten. Mit dem Schiff sollte es weiter gehen über den Kanal. Helikopter flogen mit Passagieren hin und her. Christine verstand kein Wort und wurde in einem mit samt Gebäck verfrachtet. Sie flogen ganz schräg über den Kanal, doch bevor es ihr schlecht wurde, waren sie schon in der Nähe des Dover Bahnhofes und ohne Verspätung, sass sie bald im Zug nach London. An der Victoria Station wurde sie abgeholt. Eine Frau mit gekräuselten dunklen Haaren und dunklen Augen hielt einen grossen Zettel in die Höhe, darauf stand der Name von Christine. Christine ging auf sie zu und begrüsste sie recht freundlich, wollte ihr dabei die Hand geben. Doch sie schien es eilig zu haben und so liefen sie aus dem Bahnhof zu einem schwarzen Auto. Christine konnte ihre Koffer und Tasche in den Kofferraum legen, den Frau Cannon öffnete. Dann ging sie auf die falsche Seite vom Auto. Sie wusste nicht, dass man in England auf der linken Seite fuhr, also der Fahrer rechts sitzt. Für Christine war die Fahrt ganz irritierend, um die Kreiseln herum und ausser der Stadt, die engen Strassen. Die meisten Häuser waren hinter hohen Büschen versteckt und mit Namen statt Nummern gekennzeichnet. So fremd hatte sie sich das nicht vorgestellt. Frau Cannon sprach fast nichts während der Fahrt, sie hielt das Lenkrad krampfhaft fest. Dann stoppte sie vor einem Haus mit zweisprachiger Anschrift und einem David-Stern am Fenster der Eingangstür. Christine wusste jetzt, dass es eine jüdische Familie war, der sie zugeteilt worden war. Sie nahm ihr Gepäck aus dem Kofferraum und wartete bei der Türe, bis Frau Cannon das Auto geparkt hatte.`Come here!` rief Frau Cannon. Christine nahm ihr Zeug auf und folgte ihr hinterher zum Hintereingang. Sie schloss auf und sagte zu Christine mit harscher Stimme: „Can you say thank you? Christine ganz verwirrt: „Oh yes! Thank you!“ Ein dickliches Schweizer Mädchen kam zur Türe und nahm Christine den Koffer ab. „Salü! Ich bin Dorli und du Christine, gell.“ Frau Cannon fragte nach Christines Passport. Dorli nahm ihn entgegen und überreichte ihn Frau Cannon, die machte grosse Augen und öffnete weit ihren Mund: „Nazi!“, schrie sie entsetzt und legte den Pass weg. Dorli: „Ach du bist keine Schweizerin?“ „Nein, ich bin Österreicherin und bestimmt keine 'Nazi.' Ich habe in der Schweiz eine Lehre gemacht und wollte jetzt Englisch lernen, darum bin ich hier.“ Frau Cannon versuchte verzweifelt jemanden anzurufen.
Zum Glück hatte Christine die Adresse und Telefonnummer einer jüdischen Familie aus ihrer Heimatstadt bei sich, die mit der Hilfe ihres Vaters, nach London flüchten konnten. Deren Tochter war in Österreich auf Besuch, so kam Christine zu der Adresse, die sie in ihrem Adressbüchlein hatte. Sie hatte komplett vergessen, dass sie jemanden in London kannte. Wie gut ist es, dass es ihr jetzt eingefallen ist. Sie zeigte Frau Cannon die Telefonnummer von Familie Weiss und sie solle dort anrufen. Was sie dann auch tat. Sie sprachen lange miteinander, dann schien alles in Ordnung zu sein. Dorli zeigte Christine ihr Zimmer im ersten Stock. Es war klein aber fein. Dann zeigte sie ihr das ganze, im französischen Stil eingerichteten Haus. Frau Cannon musste ihre Mutter abholen so war sie momentan nicht anwesend. Es gab zwei Badezimmer, das grosse für die Familie und das andere für die Angestellten. Es herrschte Wasserknappheit, baden konnte man nur mit Wasser bis zum Knöchel, das war an der Badewanne angezeichnet. Duschen waren keine vorhanden. Schmutzwasser sparte man für die Toilette. Dorli zeigte noch den kleinen Tisch neben der Küche mit einem Radio auf einem Regalbrett, da wurde gegessen und auch gelernt. Familienanschluss gab es nicht und Essen konnte man sich selber zubereiten. Frau Cannon legte immer alle Lebensmittel in ein Fach im Kühlschrank für die 'Girls' und in einem anderen für die Familie, das man nicht berühren durfte. Die Familie isst selten zu Hause, das schöne Esszimmer, mit Stühlen für zwölf Personen, wird kaum benutzt, erklärte Dorli. „Am Vormittag machen wir Ordnung und Nachmittag können wir in die Schule gehen und um spätestens 21:00 Uhr müssen wir zu Hause sein. Du kannst dich morgen dort eintragen lassen. Ich gebe dir noch eine Broschüre von der Golders Green School of Languages.“ Christines Magen knurrte, sie hatte ihren Proviant, den sie mitgenommen hatte, schon aufgegessen. Sie fragte Dorli, wann gegessen wird? „Ich mach schnell was, bevor die Cannons nach Hause kommen.“ Sie machte eine Dose mit weissen Bohnen in einer roten Sauce auf, dazu gab es ein Stück ungesalzenes Brot. Die Bohnen wurden kalt gegessen. Christine fragte Dorli ob sie kochen kann? „Ja schon, aber hier bekommst du noch lange nicht das, was wir in der Schweiz essen.“ Wenn ich in die Schule gehe, kauf ich mir meistens `fish and chips` an einem der Foodstände.“ Herr und Frau Cannon und ihre Mutter kamen nach Hause. Herr Cannon machte nur einen Blick mit „Hello!“ herein und verschwand in seinem Büro. Frau Cannon telefonierte die längste Zeit. Ihre Mutter kam in die Küche, um einen Tee für sich, Christine und Dorli zu machen, dazu reichte sie eine Dose mit trockenen Kekse herum. Sie sprach perfekt Hochdeutsch, war eine richtige Dame, mit Perlenkette und Ringe an ihren Fingern, dezent geschminkt, und das noch in ihrem Alter. Sie hatte hell farbige Kleider und Schuhe mit erhöhten Absätze. „Ich fliege manchmal nach Deutschland, wir haben dort noch liebe Verwandte und auch Bekannte. Ich bin in Frankfurt geboren und zu Hause gewesen, leider mussten wir alles verkaufen und wegziehen. In England gefällt es mir gar nicht. Es ist alles so schmutzig!“ Ihre Tochter, Frau Cannon kam dazu und sagte auf Englisch: „In diesem Haus wird nicht Deutsch gesprochen, das habe ich dir schon so oft gesagt!“ „Aber das ist unsere Muttersprache, das kann man nicht verleugnen! Also Girls dann ein anderes mal“, dann verliess sie die Küche. Ihre Tochter nahm die Keksdose und stellte sie weg. Dorli: „Komm wir verschwinden ins Zimmer, um 08:00 Uhr morgens gibt es dann Frühstück. Gute Nacht!“ Dorli verschwand in ihr Zimmer, ohne das Bad zu benutzen.

Die Schule war nur für Frauen, in einem grünen Haus mit goldener Schrift über der Türe.
`Golders Green School of Languages`. Christine wurde nach kurzer Prüfung einem älteren Lehrer vorgestellt, in seiner Klasse gab es nur wenige Studenten. Christine fand es gut so. Nach dem Unterricht standen einige Mädchen vor einem nah gelegenen Pub auf dem Gehsteig. Gabi, eine deutsche Mitstudentin, mit grossen Busen und Ausschnitt an ihrem Kleid, sprach Christine an und meinte, sie soll auch mitkommen, da lernt man mehr Englisch als in der Schule. Es stellte sich aber heraus, dass die Mädchen mehr in ihrer Muttersprache als in Englisch kommunizierten. „Warum geht niemand ins Lokal?“, wollte Christine wissen. „Da dürfen nur Männer hinein, aber die bringen dir einen Drink heraus, wenn du etwas willst.“ Ein Mann brachte zwei, bis auf den Glasrand eingeschenktes Bier heraus und offerierte eines Gabi. Die lachte und sagte: „Siehst du, so geht das hier!“ Christine sah Dorli an einer Busstation und ging zu ihr. Dorli: „Kommst mit? Es ist bald Mittag, wir müssen aufräumen, die Betten machen und was sonst noch zu tun gibt. Halben Tag Schule, dann Haushalt. “Christine: „Wie bezahlst du den Bus?“ „Ich habe ein Mehrfahrtticket, das kannst du bei einem Kiosk kaufen. Ich bezahle heute für dich, kannst es mir nächstes Mal bezahlen.“ Es waren nur drei Stationen bis in die Nähe des Hauses. Christine: „Steht in deinem Vertrag auch fünf Tage die Woche, vier Stunden pro Tag Kinderbetreuung und leichte Haushaltsarbeit. Vier Pfund Mindestlohn pro Woche, plus Logie und Verpflegung. Versicherung und Steuer wird von der Familie bezahlt. Familienanschluss sollte gewährleistet sein.“ Dorli: „Ach wie soll ich dir das alles erklären, warte ab, du wirst in der ersten Woche schon sehen, wie es hier läuft.“

Christine war für das Masterbedroom zuständig, so hängt sie die Bettwäsche auf Schweizer Art über dem Fenstersims zum Lüften. Als sie die wieder hereinholte, war alles voll Russ und schwarz. „Dorli, schau was passiert ist!“, rief Christine. „Oh, da wird die Lady keine Freude daran haben, also das untere Leintuch musst du immer in die Wäsche geben und das frische kommt oben auf.“

Beide drehten die Tücher und schüttelten, so gut es ging aus und hofften, dass niemand den Russ auf dem Leintuch sieht. Putzfrau und Gärtner kamen an, man stellte sich gegenseitig vor. Die Putzfrau bearbeitete auf den Knien den Esszimmer-Spannteppich mit Schaum. Der Gärtner hackte im Garten herum. Bevor sie wieder gingen, gab es Schwarztee mit Milch und ein paar abgezählte Kekse aus der Dose.

Einige Tage später lag für Christine eine nationale Versicherung Karte auf dem Tisch. Da musste man jede Woche eine Marke beim Kiosk kaufen und hineinkleben. Christine fragte Dorli, ob sie das bezahle: „Es heisst, schon bei Mindestlohn, muss es die Familie bezahlen, aber das kostet ja nicht viel, da hab ich nichts gesagt. Und wer zahlt dir die Schule? Du bekommst ja auch nur den Mindestlohn von vier Pfund die Woche, das reicht hinten und vorne nicht. Warum müssen, bei so wenig Arbeit, zwei Mädchen im Haus sein? Einem könnte sie dann mehr Lohn geben? Das verstehe ich nicht!“ Dorli: „Musst du auch nicht, ist so und fertig!“ Sie ärgerte sich über all diese Fragen. Christine legte die Karte auf den Schreibtisch von Herrn Cannon und wartete ab, was passiert. Sie hatte genug Geld von der Schweiz mitgebracht, um die Schule für die ersten paar Monate bezahlen zu können. Frau Cannon wollte die Karte wieder Christine geben, die aber gab der Lady auf Deutsch zu verstehen, dass es im Vertrag steht, dass die Familie bei Mindestlohn den Stempel einkleben muss. Herr Cannon hörte das im Hintergrund mit. Frau Cannon lief im Gesicht rot an und sagte auf Englisch: „Kein Schweizer Mädchen habe sich erlaubt so mit ihr zu reden und sich zu beschweren.“ Dann ging sie weg. Dorli: „Nächste Woche kommt eine Neue aus der Schweiz, die braucht sich dann nicht zu währen. Ich wechsle die Stelle, hab schon einen anderen Job, den ich von einer Mitschülerin übernehmen kann. Die Lady hier weiss nichts davon, ich liess ihr den Glauben, dass ich in die Schweiz zurückkehre.“ Christine: „Wie lange warst du hier?“ „Drei Monate, die muss man bleiben, wenn kein triftiger Grund da ist, die Stelle zu verlassen.“ „Ich bin neugierig, wie es mit mir weitergeht, ich werde die Familie, die ich kenne aufsuchen und London anschauen. Da gibt es viel zu sehen, dann sind bald einmal auch meine drei Monate um.“

In der Schule nahm man die Berechnungen von Guinea, Pound, Shillings und Pence vor. Für die Ausländer ungewöhnlich. Auch mit Messungen und Gewichte kamen sie ins Schwitzen. Vor dem Pub lachte man darüber. Christine wurde von einem gut aussehenden Sportwagen Fahrer angesprochen, ob sie Lust hätte zu einer Party mitzugehen? Christine fragte Dorli und Gabi, ob sie auch mitkommen, denn alleine wollte sie nicht gehen. Gabi machte sich an den Fahrer ran und erklärte ihm, dass keine von uns alleine mitkommen würde. „No problem girls, let's go!“ Dorli wollte wissen, was der Anlass für diese Party sei, und wo sie stattfindet und so weiter. Die Fragen gingen dem Mann wohl auf die Nerven, denn er blitzte plötzlich ab. Am nächsten Schultag war er wieder da. Er lehnte mit einem Drink in der Hand an seinem Auto und grüsste Christine mit einem „Hi, how are you today?“ und plapperte weiter. Sie verstand noch, dass er sie gerne näher kennenlernen möchte. Christine wurde neugierig, da in der Nähe ein Tea-room war, liess sie sich dorthin einladen. Er stellte sich als Gerry vor und war sehr höflich, bemühte sich Deutsch zu sprechen. Seine Grossmutter war Deutsche erzählte er. Dann wollte er wissen, warum sie in London ist. Christine wollte auch wissen, was er macht und wer er sei? Er erzählte ihr, dass er für die News, die in den Kinos vor dem Spielfilm immer gezeigt werden, arbeite. Die Zeit verging, Christine wollte den Bus für nach Hause erreichen, so stand sie auf und verabschiedete sich. Gerry wollte sie nach Hause fahren, aber sie lehnte ab. Als sie zu Hause ankam, sah sie, dass Gerry sie verfolgt hat und gegenüber für eine Weile stoppte. Als Christine an der Tür läutete, machte Dorli auf. Sie sah den Sportwagen und meinte: „Hast du keine Angst mit einem Weltfremden mitzufahren?“ Fast glaubte Dorli nicht, was Christine ihr erzählte, und dass sie den Bus genommen habe.

Au-pair in der Schweiz 2
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2.  Au-pair in der Schweiz 2
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Gerrys Verlobte Hanelore
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2.1.  Au-pair in der Schweiz 2 – Gerrys Verlobte Hanelore.

Am nächsten Morgen rief Frau Cannon Christine ans Telefon: „It's for you!“ Christine nahm den Hörer: „Hallo, sind sie es Christine?“, fragte eine Frauenstimme auf Hochdeutsch. „Ja was ist?“, antwortete Christine. „Hier spricht Hanelore, können wir uns treffen, ich möchte nicht am Telefon sagen, um was es geht.“ Sie schlug als Treffpunkt ein Lokal am Picadilly Circus vor. Christine war einverstanden und sie beide bestimmten Tag und Zeit. Hanelore meinte, als Kennzeichen die Handtasche vor die Brust zu halten.

Christine kannte sich in London nicht aus, Dorli erklärte ihr, dass sie die Untergrundbahn nehmen soll und gab ihr noch den Stadtplan mit. Christine musste sich echt durchfragen. Ach, dachte sie, ist das kompliziert, umsteigen und noch so weit zu fahren. Doch sie schaffte es rechtzeitig anzukommen. Sie hielt ihre Tasche vor ihre Brust und trat in das abgemachte kleine Restaurant ein, doch niemand der anwesenden Frauen reagierte auf das Zeichen. Sie setzte sich und bestellte einen Tee. Dann zwanzig Minuten später kam eine langhaarige Blondine, sie trug Schuhe mit sehr hohen Absätzen und einen modischen Minirock. Ihre kleine Handtasche hielt sie wedelnd vor die Brust. Christine stand auf und begrüsste sie. Hanelore bestellte einen Drink, bevor sie etwas sagte. „Nun um was geht's?“, fragte Christine. „Also ich sage es dir gerade heraus. Ich habe den Zettel mit deinem Namen und die Adresse, bei Gerry, meinem Verlobten, in seinem Auto gefunden und möchte jetzt, bevor ich ihn stelle, wissen, wie gut ihr euch kennt und herausfinden, wie es um euch beiden steht? Denn ich fühle mich echt beschissen! “Hanelore kämpfte mit den Tränen. Christine war paff: „Mit uns ist gar nichts! Ich kenne ihn nur, weil er mich zweimal vor der Schule angesprochen hat. Das erste Mal für eine Party, da waren auch andere Schülerinnen dabei, wir haben nein gesagt. Und einmal wollte er mich nach Hause fahren, ich aber nahm wie üblich den Bus, da ich ihn ja nicht kannte. Das ist alles.“ Hanelore: „Das kann nicht alles sein, er kannte deinen Namen und deine Adresse?“ „Gerry ist dem Bus nachgefahren, das haben wir gesehen, so hat er meine Adresse herausgefunden. Meinen Namen hat er sicher, wo aufgeschnappt. Ich habe wirklich kein Interesse an ihm gezeigt“, schwindelte Christine. „Der gehört dir, wenn du es so willst. Ich bin hier, um Englisch zu lernen und sonst nichts. Ich hoffe, du hast meine Adresse vernichtet?“ Hanelore griff in ihre Tasche: „Hier ist sie, ich verbrenne sie jetzt.“ Sie zündete sich eine Zigarette an und hielt die Glut an den Zettel, der zu brennen begann, dabei lächelte sie zufrieden. Christine hätte noch gerne mehr über sie erfahren, aber Hanelore zeigte kein Interesse länger zu bleiben, so verabschiedete sie sich und ging. Gerry sah man übrigens danach nie mehr bei der Schule.

Christine hatte jetzt Zeit sich ein wenig in Picadilly Circus umzusehen. Die vielen Kleider Geschäfte rund um den Platz fielen ihr am meisten auf. In einer Seitenstrasse waren kleine billigere Läden, bei so einem sah sie ein blaues enges Kleid mit einem grossen weissen Kragen, der über die Schulter ging, der Preis war verlockend billig. Sie ging hinein und probierte es an, sie sah richtig elegant und schlank darin aus. Der asiatische Verkäufer schwatzte ihr noch ein paar weisse Netzhandschuhe auf. Christine hat auch bei Frau Cannon solche gesehen. Dann meinte er, dazu hätte er Schuhe, die genau dazu passen würden. Er zeigte ihr blau und weiss verzierte Plastik Sandaletten mit höherem Absatz. Christine behielt das Kleid und die Schuhe gleich an, ihre abgelegten Sachen, hatte er ihr in einer weissen Plastiktasche verstaut. Dann bezahlte sie und ging so angezogen aus dem Laden. In einem grossen Shopping-Center, gleich nach dem Eingang, kam sie in die Kosmetik Abteilung. Eine Beraterin fragte Christine, ob sie bereit sei für ein gratis Make-up, dass liess sich Christine nicht entgehen. Sie wurde nur leicht geschminkt, die Sommersprossen über der Nase deckte sie nicht ab, das gefiel Christine sehr. Gekauft hat sie dann nur den Lippenstift.

In einer Ecke gab es eine Austernbar. „Heute spezial, ein Glas Champagner gratis dazu“. Austern sah Christine zum ersten Mal. Sie sah wie die Austern mit Zitrone beträufelt und von der Muschel geschlürft wurden. Das wollte sie auch probieren. Drei Austern und ein Glas Champagner dazu, bei der ersten, schluckte sie diese sofort hinunter. Ein Gast nebenan zeigte ihr, dass man die kauen soll.

Sie biss zweimal hinein und nahm einen grossen Schluck Champagner hinterher, dann hatte sie genug. Geschmeckt hat es ihr nicht besonders. Es war Zeit, sich auf dem Heimweg zu machen, als sie Richtung U-Bahn ging, sprach sie ein modern gekleideter Mann an. Hielt ihr eine Visitenkarte hin, ob sie interessiert sei, als Modell zu arbeiten und zu einem Casting in die Agentur zu kommen. Christine konnte sich nicht vorstellen, dass sie als Modell geeignet wäre so sagte sie: „No, thank you!“ Sie traute dem ganzen nicht, man hörte oft nicht so gute Geschichten darüber, nahm aber die Visitenkarte an. Er sagte noch: „Think about it and give us a call.“ Christine nickte und machte sich auf den Heimweg.

 

Au-pair Alice kam, Dorli ging.
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2.2.  Au-pair in der Schweiz 2 – Au-pair Alice kam, Dorli ging..

Frau Cannon holte Alice vom Victoria Bahnhof ab. Zu Hause erklärte sie Alice, was sie zu tun hatte und zeigte ihr Haus und Garten. Als Christine nach Hause kam, wurde sie ihr vorgestellt: „Oh, du bist Österreicherin? Meine Eltern sind aus Linz, haben sich aber in der Schweiz einbürgern lassen, sie wohnen mit meiner Schwester zusammen in Interlaken.“ Frau Cannon hörte mit einem freundlichen Lächeln zu, dann drehte sie sich ab. Christine grinste in sich hinein, jetzt hat sie zwei `Nazi`, so wie sie Christine am Anfang als Österreicherin betitelte, in ihrem jüdischen Haushalt. Fast tat sie ihr Leid, Christine wusste ja nicht, ob   ihrer Familie was zugefügt wurde, während der Nazi-Zeit.

Herr Cannon kam mit seinem Sohn und Tochter ins Haus. Die zwei waren bisher sehr selten hier. Frau Cannon ging mit ihnen nach oben, nach einer Weile rief sie Christine hinauf. Dorli hat den Sohn Benjamin immer bei der Körperpflege geholfen, jetzt sollte dies Christine übernehmen. Das Wasser war wegen der Wassernot nur bis zur, im Bad angezeichneten, Limit eingelassen. Benjamin stand bereits hinter dem Duschvorhang und wartete mit einem grossen Naturschwamm in der Hand auf Hilfe. Als Christine den Vorhang wegzog, erschrak sie fürchterlich und rannte aus dem Badezimmer. Da stand ein ausgewachsener nackter, voll behaarter Mann vor ihr. Frau Cannon kam aus dem Schlafzimmer und fragte, was los sei. Christine konnte kaum reden: „Der kann sich wohl selber waschen“, stammelte sie laut. Frau Cannon: „Er ist doch nur ein 12-jähriger Junge, der etwas behindert ist und Hilfe braucht.“ Doch siehe da, während der Diskussion wusch er sich selber und stieg aus der Wanne. Seine Mutter fragte ihn. „Bist du wirklich sauber?“, er ärgerte sich, ging in sein Zimmer und schlug die Türe hinter ihm zu.

Der Bruder von Frau Cannon war zu Besuch aus New York angekommen. Er hatte einen französischen Cognac mitgebracht. Herr und Frau Cannon hatten keine Lust darauf, so trank nur er davon. Das Nachtessen wurde geliefert und musste nur noch, nach dem Gebet, serviert werden. Der Lieferant platzierte alles auf Tellern und Alice brachte es in den Speisesaal. Als sie gegessen hatten, wechselte die Familie in das Wohnzimmer. Alice und Christine räumten das Geschirr und die Gläser in die Küche. Alice sah, dass aus dem Cognacglas fast nichts getrunken wurde, so nahm sie einen Schluck und es schüttelte sie durch, weil der so stark war. Auf einmal ging die Küchentür auf und der Bruder stand vor ihnen und fragte, wo sein Cognac ist. Alice hielt ihm das Glas entgegen, er nahm es und ging wieder zu den anderen zurück. Christine und Alice verbogen sich vor Lachen, wenn der wüsste, pustete Alice heraus. Alice: „Ist schon ganz anders als bei uns, bist du religiös?“ fragte sie. Christine: „Also ja katholisch erzogen und du?“ Alice fing an zu weinen, mein Vater hat eine Todsünde begangen, hat unser Pfarrer gesagt, denn er hat sich vor zwei Monaten im Wald das Leben genommen. Er war Musiker und sehr depressiv veranlagt, es war für uns schwer sich ihm zu nähern, er wollte immer alleine sein. Er war auch ein Monat in der Psychiatrie, wir dachten, jetzt geht es ihm besser, aber dann so was.“ Alice hatte darauf hin ihre Lehre als Zahnarzt Helferin abgebrochen. Sie wollte weg von zu Hause, zu ihrem russischen Freund nach London ziehen. Leider wohnt er noch bei seiner Familie, erzählte sie. Ich freue mich riesig ihn wiederzusehen.

Frau Cannon rief Christine zu sich: „Hier ist ein Brief aus der Schweiz für dich.“ Christine war ganz erstaunt, dass Karl ihr schreiben konnte, denn sie hatte ihm ja keine Adresse gegeben. Sie werde ihm schreiben war abgemacht. Sie schrieb zurück und fragte unter anderem, woher er die Adresse hat. Später erfuhr sie, dass er Frieda, die das Zimmer mit Christine zuletzt in der Schweiz teilte, angezettelt hat, die Adresse von England herauszufinden. Sie fand sie in den Unterlagen von Christine und gab sie an ihn weiter.

Eines Tages rief Frau Cannon den Gärtner, die Putzfrau, Alice und Christine zusammen und verkündete, dass sie Anfang nächsten Monat, mit der Familie 10 Tage auf der Insel Capri verbringen werden. Ihre Mutter wird frische Lebensmitteln vorbeibringen und nach dem Rechten sehen und wenn sie etwas brauchen es ihr sagen können. „Alice und Christine! Ihr dürft das Haus nicht zusammen verlassen, es muss immer jemand im Haus sein. Wie ihr das macht, ist eure Sache und es bleibt dabei, dass ihr beide spätestens um 21:00 Uhr hier zurück seid. Passt gut auf euch auf, London ist eine gefährliche Stadt.“ Sie gab dem Gärtner und der Putzfrau noch einen Plan, was in ihrer Abwesenheit gemacht werden soll.
Alice und Christine freuten sich für ihre Freiheit. Christine schrieb es sogar Karl, wann sie abreisen werden. Das hätte sie lieber lassen sollen, denn plötzlich stand er an dem ersten freien Wochenende vor der Tür. Christine hatte gemerkt, dass Alices Freund auch schon hier war, denn die kleine Bartüre war offen und die Cognac Flasche nicht auf ihren Platz. Der Fernseher war näher ans Sofa gerückt und die Kissen verdrückt. Christine machte überall Ordnung und kontrollierte auch Alices Zimmer.
An dem Tag, als Karl vor der Tür stand, hatte Alice Ausgang. Christine wurde ganz nervös, er durfte nicht im Haus bleiben, wenn das jemand merkt, hätte sie Schwierigkeiten. Sie teilte dies auch später Alice mit, den es kann zu jeder Zeit die Mutter oder Putzfrau kommen. Christine fragte Karl, wo er übernachten wird. Er habe eine Adresse von einer Bardame bekommen, ihr Bruder Herbert ist in London, der habe immer ein Bett frei für ein paar Franken. Ich habe seine Adresse und die Telefonnummer hier, du könntest den jetzt anrufen und sagen, dass Rita ihn schön grüssen lässt. Christine wurde bei dem Namen stutzig, der kam ihr irgendwie bekannt vor. Also rief sie an: „Hallo, spreche ich mit Herbert?“ „Ja!“ „Hier spricht Christine, entschuldige, ich kenne ihren Familien Namen nicht. Ich habe Besuch aus der Schweiz, der lässt schöne Grüsse von ihrer Schwester ausrichten und sie meinte, er könne bei ihnen übernachten.“ „Moment Christine? Wir kennen uns, ich bin aus dem gleichen Kaff wie du!“ Er lachte und gab seinen vollen Namen an. Aber Platz zum Übernachten habe er momentan keinen.
Er gab Christine eine Adresse und Telefonnummer von einer Angestellten der österreichischen Botschaft, die sie aufschrieb. Diese habe ein B&B, dort solle sie anrufen. Christine könnte ihn mal besuchen kommen, er würde sich sehr freuen, jemand aus der alten Heimat zu sehen. Es wurde schön langsam spät. Christine rief die Nummer an, die ihr Herbert gegeben hat. Erst für Morgen könne sie reservieren, hat sie mitgeteilt bekommen und verlangte den Namen und die Adresse vom Gast. Christine ärgerte sich, dass Karl nicht schon aus der Schweiz angerufen hat, ob Herbert ein Bett für ihn freihat. Es wurde hin und her diskutiert, da hörte Christine, dass ein Auto vor dem Haus stoppte. Sie ergriff Karls Reisetasche, winkte ihn zu kommen, liefen rasch die Treppe hinauf und weiter in ihr Zimmer. Sie zeigte ihm, dass er sich ruhig verhalten soll und ging schnell hinunter in die Küche und machte dort das Licht an und sah dann nach, wer hereingekommen ist.

Es war Alice die nach Hause kam. Sie zog ihre stark verschmutzen Schuhe aus und kam auf Christine zu. „Ist was passiert?“, fragte Christine. Alice: „Was passiert? Scheisse! Scheisse! Scheisse! Boris und ich mussten über einen Park flüchten. Er merkte plötzlich, dass jemand hinter ihm her ist, dass er verfolgt wurde. Er brach ein parkiertes Auto auf, mit dem wir dann zum Glück ein Stück fahren konnten. Dann stoppe er ein Taxi, stoss mich hinein und gab dem Fahrer meine Adresse an. Ich hoffe, es ist ihm nichts passiert“, heulte sie zitternd. Christine gab ihr ein Glas Wasser zu trinken und schob sie zu einem Stuhl. „Ruft er dich an oder was habt ihr abgemacht. Es ging alles so schnell, dabei hat er mir gesagt, er würde mir seine Familie vorstellen und mir das Geld, das ich ihm in der Schweiz geliehen habe, bald zurückzahlen, und ob ich ihm bis dann noch etwas leihen könnte. Aber dazu kam es dann nicht mehr, weil er mit mir losgerannt ist.“ Christine: „Wie hast du Boris kennengelernt?“ „Am Friedhof in Interlaken, ich habe das Grab meines Vaters besucht und er erzählte mir, dass seine Grossmutter, der er sehr nahe stand dort begraben ist. Sie sei bei einem Ferienaufenthalt an einem Herzstillstand gestorben. Wir haben beide getrauert und uns dann regelmässig getroffen, bis er nach London zurückfahren musste.“ „Warum hast du ihm Geld geliehen?“ Alice: „Weil er nicht gerechnet hat, dass es in der Schweiz so teuer ist jemanden zu begraben. Ihm ist das Geld ausgegangen und das Hotel musste er auch noch bezahlen.“ Christine sah Alice verwundert an. „Du hast doch die Adresse von ihm, oder?“ „Nein, er hat mich immer kurz angerufen, damit es mir nichts kostet. Das fand ich so süss von ihm, ich hab mich richtig in ihn verliebt. Ich weiss nicht, wie es weiter geht, ich hoffe, er meldet sich bald einmal.“ „Hat er die Telefonnummer von hier?“ „Nein, nur die von Interlaken. Wir haben uns heute im Hyde Park Speaker`s Corner getroffen, weil er in der Nähe geschäftlich zu tun hatte.“ Christine wollte nicht vorgreifen, denn sie war überzeugt, dass sie einen Betrüger auf den Leim gegangen ist. Boris war doch gestern hier, Christine hoffte, dass er nichts mitgehen liess. Jetzt fiel ihr ein, dass die Bürotüre, die immer abgeschlossen wurde, nur angelehnt war. Alice nahm noch etwas zu trinken mit in ihr Zimmer am Ende des Ganges und wünschte gute Nacht. Christine nahm sich vor am Morgen im Büro nachzuschauen. Ihr Zimmer war zwei Schritte von der Treppe entfernt. Sie nahm auch eine Flasche zu trinken mit. Als sie eintrat, lag Karl nur in einer Unterhose bekleidet auf dem Bett und schlief so fest, dass er sie nicht kommen hörte. Was mach ich jetzt, überlegte sie und hoffte, dass er nicht auf die Toilette gehen muss, schon weil man die Spülung nicht benutzen durfte, sondern das Abwasser das daneben in der Giesskanne stand. In ihrem Zimmer war ein Schrank mit Abend und Winterkleider, sie nahm einen Mantel heraus und deckte Karl zu. Dann schloss sie das Fenster, das offen stand und ein starker Uringeruch ging ihr entgegen. In seiner Not hat er wohl aus dem Fenster gepisst. Da er oben auf der Decke lag, schlüpfte sie, nachdem sie im Badezimmer gewesen war, selber unter die Decke, sodass sie sich nicht berührten.

Um 7:00 Uhr früh klopfte es an der Aussenmauer. Christine sah nach, der Fensterputzer hatte seine Leiter aufgestellt, schnell warf sie die Decke über Karls Kopf, der reklamierte. „Was machst den da? Pass auf meine Haare auf!“ „Bleib unten, der Fensterputzer ist da“, flüsterte Christine, die sich im Bett aufsetzte. Der Fensterputzer schmierte mit einem Lederlappen etwas herum und war schnell fertig. Christine: „Zieh dich schnell an, damit wir noch bevor Alice aufsteht, aus dem Haus kommen.“ „Ja aber zuerst möchte ich mich rasieren, so geh ich nicht auf die Strasse!“ „Das kannst aber schnell vergessen! Wir fahren zum B&B und dort kannst du dich rasieren und waschen und Frühstück bekommst du sicher auch noch. Komm, beeile dich!“ Als er fertig angezogen war und sein Rasierzeug wieder verstaut hatte, schickte Christine ihn zur Bushaltestelle und dort soll er warten. Mit wider Willen ging er hinaus. Christine schaute noch im Büro nach, zog aber vorher ihre Netzhandschuhe an, wegen der Fingerabdrücke. So hat sie es bei Miss Marple im Film von Agathe Christie gesehen. Vorsichtig sah sie auch auf den Boden und ob welche Schubladen geöffnet worden sind. Sie meinte die Schreibtisch Lade sei bis zum Anschlag des Schlosses gezogen worden. Also es sah aus, als wäre alles in Ordnung, so schob sie die Lade zurück und siehe da, das Schloss klickte und öffnete sich. Christine sah hinein, da lag ein Revolver oben auf. Schnell machte sie zu, verliess das Büro und machte die Tür hinter sich zu. In der Küche hinterliess sie eine Notiz für Alice und wünschte ihr so einen guten Tag. Christine ging aus dem Haus und sah wie Karl nervös hin und her lief. „Na endlich!“, bemerkte er. Nach zwei Minuten kam ein Bus. Christine hatte die Adresse in der Hand und fragte den Chauffeur, wie sie dort hinkommen könnten. Er war sehr behilflich, sagte ihr, wo sie aussteigen sollen und beschrieb den nächsten Bus, den sie nehmen mussten. Es war eine ziemlich lange Fahrt, das gab Christine Gelegenheit zu fragen, was es neues gibt und was er so gemacht hat, ausser dass er die englische Klasse in der Berlitz Schule besucht hat. „Ach da war nichts erwähnenswert, fällt mir gerade nichts ein. Na jaaa, ich habe meine Bekannte in Konstanz besucht, wir sind lange am Bodensee entlang spazieren gegangen. Ich hab dann gemerkt, dass sie nichts für mich ist. Das hab ich ihr dann auch zu verstehen gegeben, dann hat sie von mir ihr Foto zurückverlangt, ich hab es ihr dann auch gegeben, was soll ich sonst damit.“ Karl schien die Fahrt zu gefallen, Christine genoss es im Doppeldecker, der oben offen war, zu sitzen. Dem Karl ging nur der Wind auf die Nerven, er strich andauern seine Haare zurück.

Laura
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2.3.  Au-pair in der Schweiz 2 – Laura .

B&B war gross angeschrieben und nur ein paar Schritte von der Busstation entfernt. Christine suchte eine Klingel, dann sah sie einen silbernen grossen Kegel, der an der Tür angebracht war und klopfte damit zweimal. Eine grosse Frau öffnete und begrüsste die beiden auf österreichisch. Das gefiel Karl sehr. „Da muss ich mich nicht mit dem Englisch herumplagen“, meinte er. Als sie in das Haus eintraten, stellte sich Laura vor. „Ich heisse Karl und das ist ...“ Christine sagte selber ihren Namen, den Karl nannte sie anders. Laura: „Wir haben es hier sehr einfach, ich zeige dir, wo du schlafen kannst.“ Sie rannte die Stiege hinauf und Karl und Christine hinterher. Das Zimmer war klein, er setzte sich gleich auf das Bett, „ist schon sehr weich.“ Laura lachte, Christine lenkte ab, und fragte, ob er noch ein Frühstück bekommen kann. „Ja natürlich unten ist das Frühstückszimmer.“ Christine trank nur den Tee, den sie offeriert bekam. Karl wollte ihr noch einen Toast zuschieben, aber sie winkte ab. „Haben die kein anständiges Brot?“ „Kannst ja später schauen, wo du eins kaufen kannst, oder kannst ja Laura fragen für ein anderes Brot.“ Laura kam dazu: „Kennt ihr London? Wir haben eine kleine Tour organisiert, es hat noch Platz für euch zwei, wir fahren an den sehenswerten Gebäuden vorbei und ich werde darüber erzählen, was ich so weiss. Wir teilen dann die bescheidenen Kosten von dem Kleinbus. Ja?“ Karl sah Christine an, die nickte: „Ja gut, wir kommen gerne mit.“ Karl etwas später: „Ich werde wohl nicht gefragt.“ Christine: „Musst ja nicht mitkommen, wenn du nicht willst.“ Christine zeigte Laura noch die Adresse von der Familie Weiss, die sie gerne besuchen möchte. Sie dachte, wenn sie in der Nähe vorbeifahren, könnte sie vielleicht aussteigen. Laura sah die Route an, die sie fahren werden. „Einen Block weiter müsstest du schon laufen, denn dort ist eine Einbahnstrasse, da können wir nicht durch, geht Karl mit?“ „Nein, es ist besser, wenn ich alleine gehe“. Laura: „Wenn wir zurückkommen, kann er ja zur Themse runter laufen oder sich in unseren Garten bequem machen. Er scheint ja ein ganz netter Kerl zu sein. Wir kommen sicher gut miteinander aus und füttern tue ich ihn auch, wenn er Hunger hat.“ Beide lachten, sie verstanden sich sichtlich gut. Christine: „Morgen muss ich nach der Schule das Haus hüten, es wäre schön, wenn er etwas selber unternehmen kann. Weisst du, er ist nur ein guter Bekannter von mir, der plötzlich hier vor meiner Tür stand. Ich weiss nicht was er von mir erwartet hat. Ich muss zugeben, er war immer sehr hilfsbereit, also ich meine nicht finanziell, ich stehe auf meinen eigenen Füssen, das hätte ich so nicht gewollt.“ Laura: „Also da seid ihr kein Paar?“ „Nein wir passen nicht zusammen, aber wir wollen Freunde bleiben, wenn es geht.“ Laura: „Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das schon hin.“ Christine: „Übermorgen rufe ich an, um ihn zu treffen, bevor er zurückkehrt.“ Karl kam frisch rasiert, mit stark riechenden Pitralon im Gesicht, aus dem Bad: „Ich habe meine Zahnpaste vergessen und muss in einer Apotheke fragen, ob ich sie hier kaufen kann, denn ich nehme nur Blend-a-med zum Zähneputzen. Laura hat mir eine von ihr gegeben, auf die Dauer wäre diese nichts für mich.“ Christine und Karl sassen, noch mit anderen Personen, im Garten und warteten auf den Bus. Karl hatte noch mehr Neuigkeiten, er erzählte, dass er in Bern mit seiner indischen Englischlehrerin öfter ausgegangen sei und er habe sie auch den Kollegen im Casino vorgestellt. Sie sah richtig exotisch aus in ihrem Sari. So ganz schlank war sie gerade nicht und ihre Beine konnte man auch nicht sehen. Sie hatte einen roten Punkt auf der Stirn. Für seinen Geschmack hätte sie ihre schwarze Schminke um die Augen weglassen können. Im Casino hatte sie gemerkt, dass alle Österreicher sind, da war sie enttäuscht, denn sie wollte einen Schweizer heiraten können, damit sie bleiben kann. Sie habe ihn gefragt, ob er nicht Schweizer werden könne. Sie dachte, dass er sicher schon lang genug dort sei. Dann habe er ihr erklärt, dass man acht Jahre am gleichen Ort gewohnt haben muss, um eingebürgert zu werden und zudem würde er niemals seinen österreichischen Pass abgeben. „Von da an war Funkstille zwischen uns.“ Christine: „Ich glaub die Laura hat ein Auge auf dich geworfen, wäre das nichts für dich?“ „Bist blind? Die ist ja einen Kopf grösser als ich, wie schaut den das aus. Da bin ich wie ein Zwerg neben ihr, nein das geht auf keinen Fall. Ihre Art gefällt mir schon, schade, gell!“ Christine: „Sie wird dich heute betreuen, da ich vorhabe die Familie Weiss zu besuchen, wir fahren nämlich dort später in deren Nähe vorbei, dann steig ich aus. Wir sehen uns dann Übermorgen, ich rufe vorher an, damit wir uns wo treffen können. Morgen muss ich das Haus nach der Schule hüten, da kann ich nicht weg.“ Karl: „Ist schon blöd.“

 

Besuch bei Familie Weiss.
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2.4.  Au-pair in der Schweiz 2 – Besuch bei Familie Weiss..

Ein altes Cottage hinter Büschen. Ein David-Stern an der Postbox und auf dem Fussabstreifer.

Christine klingelte, eine kleine weisshaarige ältere Frau machte auf: „Hallo Christine, komm lass dich umarmen, es freut mich sehr jemanden aus der Heimat zu sehen. Komm herein! Wie geht es dir und deiner Familie, ist dein Vater wohlauf? Der hat ja einiges mitgemacht in der Nazizeit, im Konzentrationslager ist er auch noch gewesen, der Arme. Obwohl wir den Nazi entkommen sind, war es hier nicht leicht durchzukommen. Unser Geld wurde uns, bis auf weniges, abgenommen und überprüft, ob es Falschgeld ist, das hier stark im Umlauf war. Wir mussten lange darauf warten, so hat sich einiges verzögert, dass wir geplant haben. Es ist viel passiert, Esther war vor zwei Jahren in Österreich bei der Tante und ist schwanger zurückgekommen, das gab einen grossen Krach in unserer Familie. Oh entschuldige, ich habe Orangensaft hier, darf ich dir einen einschenken?“ Christine: „Ja gerne. Also wir haben ja eine Werkstatt für Lederwaren Erzeugnisse, mit dem kommt meine Familie ganz gut durch. „Soviel ich mitbekommen habe, hat sich dein Vater nach dem Krieg bald erholt.“ Esther kam mit ihrem kleinen Sohn nach Hause. „My Dear!“ Sie umarmte Christine. „Du hast dich aber schön verändert, ich meine zu deinem Vorteil. Warte, ich komme gleich, mein Sohn will seine Spaghetti essen.“ Sie nahm einen tiefen Teller mit ein wenig kalten Spaghetti darin und gab es ihrem Sohn unter dem Tisch. „Er will noch nicht am Tisch essen, so ist auch gut.“ Frau Weiss erzählte noch, das ihr Mann nach Israel ausgewandert ist und dort einen Kibbuz leitet. Sie und ihre Kinder wollen hier bleiben und darum habe sie eine kleine Schneiderei aufgemacht. Davon könne ihre Familie ganz gut leben. Sie fragte noch, wie lange Christine bleiben wird, und dass sie besser in die Schweiz zurückkehren solle, als bei den Cannons zu bleiben. Das bringt dir nichts, bei keinem Familienanschluss und so wenig Lohn. Christine erwähnte, dass sie sich für ein Jahr, bei der Berner Fremdenpolizei abgemeldet hat, sodass eine Rückkehr möglich ist. Man tauschte noch Erinnerungen aus und schön langsam war es Zeit für Christine sich auf dem Weg zu machen. Esther bot ihr an sie bis zur Schule zu fahren. Die Schule hatte eine parallel Klasse, so konnte man Vormittag oder Nachmittag am Unterricht teilnehmen, das war echt gut so. Christine: „Ich glaube, ich könnte hier nie auf der linken Seite Auto fahren.“ Esther: „Ich bin Linkshänderin und hier in England wird man nicht gezwungen rechts zu schreiben, auch nicht in anderen Dingen bei der Arbeit. Darum ist es für mich leichter, glaube ich.“ „Ich bin auch Linkshänderin, musste, aber in der Schule rechts schreiben so wie du sagst, wurde ich dazu gezwungen.“

Nach dem Unterricht ging Christine zu Fuss nach Hause. Frau Herzel, die Mutter von Frau Cannon, war auch gerade angekommen. So half sie die Lebensmittel für die kommende Woche hineinzutragen. Alice war erfreut, die beiden zu sehen und stellte Wasser für den Tee auf. Also nur alle zwei Tage in die Schule gehen zu können fand sie blöd. Frau Herzel meinte, sie sollten den Plan ändern auf je einen halben Tag. Alice: „Mein Gott, dass uns das nicht selber in den Sinn gekommen ist.“
Christine griff sich auf die Stirne und lachte, kramte in ihrer Tasche nach einem Taschentuch, da kam ihr die Visitenkarte von der Agentur in die Finger. Sie zeigte die Frau Herzel und fragte, was sie dazu meine. „Vorsicht! Vorsicht! Ein Casting heisst ja nicht, dass man in die Kartei aufgenommen wird und wichtiger noch Aufträge bekommt. Aber probieren kannst du das ja und nein sagen auch, wenn du kein gutes Gefühl dabei hast. Der Karte nach ist es eine gute Modell-Agentur, schätze ich.“ Christine: „Mich interessiert es eigentlich gar nicht, ich denke, für ein Modell zu sein bin ich nicht geeignet.“ Frau Herzel: „Das kann man so voraus nicht sagen, du siehst dich anders als die Leute in der Agentur.“ Alice meinte, das hättest du mir schon vorher zeigen können, ich wollte immer schon Modell sein oder in Filmen mitmachen, das ist mein grösster Traum.“ Christine: „Hier nimm die Karte, kannst ja hingehen und dein Glück versuchen.“ Alice: „Aber du kommst mit, gell! Wenn Morgen die Putzfrau kommt, dann können wir beide sicher in die Agentur gehen.“ Frau Herzel: „Also macht euch hübsch für Morgen und dir Alice viel Glück. Ich komme in zwei Tagen wieder vorbei, um den Gärtner eine Umgestaltung des Gartens vorzuschlagen. Bis dann!“ und weg war sie.

Modell Agentur
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2.5.  Au-pair in der Schweiz 2 – Modell Agentur.

Alice sah so süss aus in ihrem kurzen Kleid. Christine richtete sich nicht besonders zurecht und so machten sie sich auf den Weg in die Agentur, den ihnen Frau Herzel erklärt hat. Alice war grösser und schon 23, 4 Jahre älter als Christine. Man hörte immer wieder, wie jung die Models am Anfang ihrer Karriere waren. Alice wurde immer nervöser, je näher sie an das imposante Gebäude kamen. Alice: „Wir hätten uns telefonisch anmelden sollen, meinst du nicht?“ Christine: „Davon hat er nichts gesagt, nur einfach vorbeikommen, so habe ich es verstanden, wirst sehen, wird schon klappen.“ An einer Tür leuchtete eine rote Lampe “No entry“ stand darauf. Also muss es die andere Tür sein. Christine klopfte zweimal und öffnete die schwere Tür. Dann sagte sie: „Hello! Wir sind hier für ein Casting.“ „Oh yes, come nearer.“ Das Pult der Agentin war ganz hinten im Raum, sie beobachtete, wie beide liefen, das haben sie erst hinterher erfahren. Christine liess Alice den Vortritt, doch die Agentin wollte mit Christine reden. Die sagte ihr: „No, no not me. Alice möchte gerne ein Modell werden.“ Sie sagte auf gebrochenen Deutsch, ihr Typ währe momentan nicht gefragt. Alice argumentierte für Reklamen und Film und so seien doch verschiedenen Typen nötig. Christine war schon bei dem Ausgang, als sie hörte, dass Alice sich bei der Agentur “All Faces“ melden könne, das sei hier im gleichen Gebäude. Mit schweren Herzen und Tränen in den Augen ging auch Alice aus dem Büro. Christine: „Komm, wenn wir schon hier sind, dann schauen wir dort hinein. Vielleicht hast du da mehr Glück. Tut mir leid, dass es hier nicht geklappt hat, aber du hast gehört, `momentan` bist du nicht der Typ, den sie brauchen. Jetzt klopfst an, ich halte mich im Hintergrund auf oder komme erst gar nicht mit dir mit.“ Alice: „Nein, kannst ja hören was die sagen.“ Das Büro war voll gepflastert mit den verschiedensten Fotos an der Wand. Schöne, hässliche, dicke, dünne Gesichter und Figuren. Darunter notiert, was sie können und haben, Auto, Hunde und so weiter. Ein junger Mann war gerade am Telefonieren, als sie eintraten. Er sah sie an, lächelte, ein sympathischer Typ mit auffrisiertem Haaren. „Hy Girls, was führt euch zu mir?“ Alice erklärte, dass sie gerne modeln würde oder bei Film und Reklamen mitmachen könnte, ob sie hier an der richtigen Adresse ist, fragte sie freundlich. Yeeeh, wir brauchen Fotos von dir, hast du welche, ich zeige dir, wie die aussehen müssen und, welches Format sie haben müssen. So wie die hier an der Wand oder da im Regal. Am besten wäre es, wenn wir einen Termin bei unseren Fotografen abmachen könnten, der weiss genau was wir brauchen. Kosten musst du selber tragen. Es war eine ziemlich hohe Summe, die er angab. Sie fragte, ob sie später anrufen kann, für einen Termin abzumachen. Er gab ihr ein Kärtchen von der Agentur und er hoffe, er sehe sie bald. Alice auf den Weg nach draussen: „Du, der ist mir echt sympathisch. Ich muss jetzt schnell nach Hause, damit ich da bin, wenn Boris mit dem Geld auftaucht, ich brauche es jetzt.“ Christine war froh, wieder ein Lächeln auf Alices Gesicht zu sehen. Aber wegen Boris machte sie sich keine Hoffnung, der kommt eher Geld holen statt bringen. Christine: „Ich bleibe in der Stadt und schaue, ob ich Herbert besuchen kann, hoffentlich ist er da, wenn ich komme, er ist Österreicher und von der gleichen Stadt wie ich. Also komm gut nach Hause, Tschau!“

Besuch bei Herbert
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2.6.  Au-pair in der Schweiz 2 – Besuch bei Herbert.

Die Adresse war in einer der vornehmsten Quartiere Londons. Als Christine dort ankam, fand sie kein Namensschild mit seinen Namen darauf. So ging sie wieder die paar Treppen hinunter auf den Gehsteig und schaute an den daneben liegenden Gebäuden nach, auch da nichts. Plötzlich hörte sie ihren Namen rufen und „wart, ich komme!“ Christine sah sich um, da kam er schon aus der Tür heraus, wo sie das Namensschild gesucht hat. „Servus! Also ich hätte dich fast nicht erkannt, währst du nicht auf und ab gelaufen, sodass ich gedacht hab da sucht jemand wen und ich schau mal nach. Bin ja ein hilfsbereiter Mensch, nicht wahr?“ Er grinste und gab ihr links und rechts ein Küsschen auf die Wange. „Komm herein.“ Er führte sie hinter einem Gitter die Stiege hinunter, er könne hinten oder vorne raus, sagte er. Christine meinte, er geht mit ihr durch den Keller, aber nein es war eine kleine schön aufgeräumte Wohnung. Durchs Fenster sah man die Schuhe der Passanten vorüberziehen. Ein Bügelbrett war aufgestellt, er müsse noch zwei Hemden bügeln für die Arbeit morgen früh. Er schenkte sich und Christine ein dunkles Bier ein: „Das ist ein Bier aus der Brauerei meiner Freundin, fast Verlobten hoffe ich bald. Sie war noch nie hier, wir treffen uns immer in ihrem Logie. Heute muss ich noch einen Sprung zu meinem Spezi machen, der besorgt mir meine nötigen Zeugnisse, die ich brauche. Ein ganz schlauer Bursche aus dem Balkan, er sagt mir nicht genau, von wo er kommt, aber das ist mir wurscht. Es kostet mir schon eine Kleinigkeit, nur das ist es mir wert, damit ich weiter komme. Einen internationalen Fahrausweis hat er mir auch angedreht, obwohl ich noch nie hinter einem Steuer gesessen bin“, sagte er schelmisch lachend. „Jetzt bist du dran, erzähl was von unserer Stadt und wie es dir geht?“ Christine erzählte ihm, warum sie in die Schweiz gekommen ist und was sie so erlebt hat und wie es hier und jetzt ist. „Mein Gott, das geht ja auf keine Kuhhaut, wie wir so sagen. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, musst es mir mitteilen, versprichst mir das. Du siehst gut aus und weisst was sich gehört, da kann man sicher, was ändern, wenn du willst. Ich denke einmal nach. Weisst du, von was ich am meisten Angst habe? Das mich meine Schwester oder mein Bruder besuchen würden. So eine Blamage kann ich mir nicht leisten, verstehst schon? Die versauen mir sonst alle Pläne, die ich noch verwirklichen möchte. Ich war in der Schweiz bei meiner Schwester, eine Katastrophe sag ich dir, wie die herumläuft. Und mein Bruder in Schweden ist auch nicht besser, sauft sich krank. Zum Glück war ich in Genf in einem 5 Stern Luxus Hotel, da hab ich mir viel Nobles angeeignet und natürlich Französisch gebüffelt. Ich hatte eine tolle schwarze Freundin dort, die hat mir viel beigebracht, punkto Manieren und so. Leider musste sie nach Ghana zurück, um dort ein Hotel zu führen. Dann hab ich durch einen Kollegen diese Stelle hier bekommen, fast ohne Englisch Kenntnisse. Ich hab mich durch geschlängelt und immer gute Kollegen gehabt, auch jetzt noch. Komm, wir müssen noch ein Stück mit dem Bus weiter fahren, da können wir noch quatschen.“

Bei seinem `Spezi`, wie er ihn nennt, sah es anders aus. Das Haus aussen war vollgeschmiert mit Sprüchen und Zeichnungen. Das Treppenhaus stank von Urin und überall lag Abfall herum. Christine: „Wie kann man nur so wohnen? Warum räumen die Bewohner hier nicht auf?“ Herbert sagte nichts und öffnete eine eingebrochene Tür. „Komm, wir machen es schnell, musst dich nicht umschauen, das ist eine andere Kultur, verstehst!“ Ein braun gebrannter kräftiger Mann, mit fast blossen Oberkörper, kam ihnen im dunklen Flur entgegen. Hinter ihm lief eine gefärbte Blondine mit einem nackten Baby auf dem Arm. „Hast aufgepasst, dass dir niemand gefolgt ist, ich will nicht mehr so schnell in die Kiste zurück, meine Frau braucht mich jetzt“, sprach er in abgehackten Deutsch. Herbert: „Komm rück raus mit dem Zeug, dann verschwinden wir wieder.“ Er führte ihn in eine Ecke, wo Herbert alles prüfte bevor er den Rest bezahlte. Seine Frau räumte ein dreckiges samt Sofa ab, auf der Lehne hingen noch ein paar Spaghetti. Sie öffnete eine Dose Sardinen und hielt es Christine mit einer Gabel hin. Christine: „No thank you, wir haben gerade gegessen.“ Sie beugte das Baby zu ihr, Christine stand auf und streichelte dem über den Kopf. Dann huschte Herbert hervor: „Komm wir hauen ab, ich habe jetzt was ich brauche. Ganz gute Fälschungen, die haben ein riesiges Netzwerk. Man muss aufpassen, dass man da nicht reinrutscht. Der glaubt, ich bin von der Schweiz gekommen und habe das hier machen lassen. Ich war erst einmal hier, immer überraschend, ja nicht anmelden.“

Draussen fuhr ein Londoner Taxi langsam vorbei, Herbert hielt es auf und sie fuhren nur bis zu einer U-Bahn-Station. Dort tat er so, als würde er hinuntergehen und zog Christine hinterher. Sie blieben kurz unten, dann liefen sie wieder auf die Strasse. Das Taxi musste in diesem Verkehr weiter fahren. „Das hab ich so berechnet“, meinte Herbert. Sie nahmen den nächsten Bus, der zu sehen war und fuhren bis zu einem italienischen Restaurant. „Magst du Pizza?“ „Hab ich noch nie gegessen“, war Christines Antwort.

Der letzte Tag mit Karl
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2.7.  Au-pair in der Schweiz 2 – Der letzte Tag mit Karl.

Christine hatte am Vormittag Unterricht. Sie hatte vor, Karl bei Laura abzuholen und fuhr mit der U-Bahn zur Station nahe dem B&B. Karl lag in einem Liegestuhl mit einem Mix-Drink in der Hand und träumte vor sich hin. Christine begegnete Laura im Haus, bevor sie in den Garten ging. „Hallo! Wie geht es?“ fragte Christine. „Ja ganz gut, Karl möchte mit dir Fleisch für ein Wiener Schnitzel kaufen gehen. Ich weiss wirklich nicht, wo man einen Metzger findet, weil ich alles, was ich brauche, im Supermarkt einkaufe und dort gibt es keine Schnitzel. Er möchte es gerne für uns zubereiten, das finde ich so süss“, lächelte sie. Ach ja und Blend-a-med Zahnpaste konnten wir auch nicht finden.
Christine rief Karl, der erschrak, stand auf und schüttete ein wenig von seinem Drink auf die Hose und fluchte. Laura sah das und kam mit einem Tuch gelaufen und rieb den Fleck trocken.
„Drei Liter Wasser zum Waschen pro Tag und Person gibt es, damit musst du auskommen. Auf der Tour durch die Stadt waren alle Gebäude schwarz, Dreck und Bettler überall. Allein der Palast von der Königin sah frisch geputzt aus“, verkündete er. Christine: „Ich weiss, es herrscht immer noch Wassermangel in gewissen Gegenden. Möchtest du etwas anschauen gehen oder was wollen wir unternehmen. Ich habe drei Stunden Zeit, dann muss ich mich verabschieden, damit ich rechtzeitig zu Hause bin.“ „Ich hab der Laura auch versprochen, dass ich ihr ein echtes Wiener Schnitzel zubereiten werde, da brauch ich nur noch das Fleisch dazu.“ „Dann glaube ich, wäre es am besten eine Strecke mit dem Bus zu fahren, vielleicht sehen wir von dort aus eine Metzgerei“, schlug Christine vor. Der Bus kam und Karl wollte in den oberen Stock hinauf. Christine rief ihn zurück und sie blieben im unteren Teil neben der Tür sitzen, damit sie schneller aussteigen können. Es ging nicht lange, da sah Karl Würste im Schaufenster hängen, also stiegen sie aus und liefen zurück. Aber der Laden hatte kein Frischfleisch zu verkaufen. Christine fragte, ob es eine Metzgerei in der Nähe gebe. Er rief seine Frau auf Italienisch, so konnte Karl mit ihnen verständlich italienisch reden. Die Frau kam aus dem Laden und zeigte, wo und wie man den Metzger finden könnte. So marschierten sie weiter und fanden das angegebene Geschäft. Karl schaute sich die Fleischstücke an, die hinter einer Glasscheibe ausgelegt waren. „Schnitzel sehe ich keines.“ Es gab Schinken, Hühnerfleisch, Lamm, Braten und mehr. Der Metzger meldete sich: „Schnitzel? Ich schneide keine Schnitzel, ich kenne Wiener Schnitzel, aber leider habe ich nicht das richtige Fleisch dazu“, erklärte er auf Englisch. Christine erinnerte sich an das paniertes Hühnerfleisch in der Schweiz. Karl lief enttäuscht aus dem Laden. Christine zeigte auf das Hühnerfleisch und sagt: „Schnitzel“. Der Metzger verstand sofort, was sie meinte und klopfte zwei Schnitzel zurecht und grinste dabei. Karl hielt den Kopf in den Laden: „Kaufst du was?“ „Ja er hat mir zwei Schnitzel verkauft.“ Und sie reichte ihm das Fleisch hin, dass er gleich kontrollierte. Sein Gesicht hellte sich auf und er sprang lustig auf dem Gehsteig herum. Dann wollte er für die Familie in Österreich noch Souvenirs einkaufen. Dazu fuhren sie ein wenig weiter ins Zentrum der Stadt. Für Ernst kaufte er einen schwarzen Pullover mit einigen farbigen Streifen auf der Vorderseite. Reine Schafwolle war zu lesen. Christine machte ihn darauf aufmerksam, das der beissen könnte. Karl: „Der fühlt sich aber ganz weich an“, und kaufte ihn. „Da schau, da sind schöne Hüte, die Mutter trägt immer einen Hut. Komm, setz diesen auf, der wird ihr bestimmt gefallen.“ Christine probierte einen Hut nach dem anderen, fragte, welche Farben seine Mutter am liebsten trägt, dunkelblau hat sie am liebsten. Manchmal kicherte Karl und fand es lustig. Er entschied sich für einen einfachen blauen Hut. „Jetzt wird es heikel, ja für die Traudl noch etwas.“ Sie kamen in die Küchenabteilung, Karl sah eine lustige Küchenschürze: „Die nehmen wir, meinst ob sie daran Freude hat?“ Christine: „Ich kenne sie zu wenig.“ Er kaufte sie. „Jetzt brauch ich was zu trinken.“ Im ersten Stock war eine Kaffeebar, Karl wollte Bier bestellen, hatten sie aber nicht, so entschied er sich für einen Kaffee und Christine nahm einen Tee mit Milch. „Du, ich glaub die hat mir den Tee serviert.“ Er nahm die Tasse und ging zur Bar: „Kaffee“ sagte er nur. „Das ist Kaffee“, wurde er belehrt. „Abwaschwasser und nichts anderes ist das.“ Christine: „Nimm ein Mineralwasser, wenn schon Durst hast.“ Er stand auf und holte sich ein rotes Mineralwasser, dazu bekam er ein Rohr aus Papier gemacht in die Flasche hinein gesteckt. Christine: „Für dich hast jetzt noch nichts gekauft.“ „Ich will nicht so viel mitschleppen und in meiner Tasche hat es keinen Platz mehr. Ich hab mir in Tirol ein Rennrad gekauft und das passende Trikot und Schuhe dazu. Das war ganz schön teuer, aber immerhin noch billiger als in Bern. Übrigens war diesmal die Traudl und Ernst bei ihrem neuen Freund in Deutschland, da hab ich mich und Mutter ein wenig verwöhnen können, war echt schön. Bin sogar mit ihr in die Kirche gegangen, das hat sie sehr gefreut.“
Bevor sie die Kaffeebar verliessen, erwähnte Karl, er habe zu viel englische Pfund eingetauscht, die wolle er ihr da lassen. „Ich behalte etwas zurück. Der Laura hab ich schon alles bezahlt, so brauch ich nicht mehr viel und beim Umtauschen verliert man wieder ein paar Franken. Ich hab dir eh nichts mitgebracht und auch hier nichts gekauft, im Gegenteil  du hast mir das Fleisch bezahlt, da nimm es.“ „Danke! Das kann ich gut für meine Schule brauchen. Ich muss ziemlich rechnen, wie ich durchkomme. In der Schweiz hab ich schon noch etwas auf der Bank. Ich kann sicher was überweisen lassen, muss mich erkundigen, wie das geht“. Karl: „Warst du schon mal in Soho? Bei Laura war ein Gast, der war öfter dort, er meinte, ich soll unbedingt mal hingehen, bevor ich London verlasse.“ Christine: „Ich habe keine Ahnung wo Soho ist, du hast ja einen Stadtplan, sieh mal nach.“ Sie mussten einige Stationen mit dem Bus fahren, um dort hinzukommen. Sie gingen eine schmale Strasse entlang, zwei Polizisten kontrollierten gerade den Ausweis einer Frau. Karl blieb hinter einem geparkten Auto geduckt stehen. Gegenüber an einer Hausecke wirbelte eine Frau mit ihrem Schlüsselbund herum. Es kam ein Herr dazu und beide gingen ins Haus. An einem Fenster im ersten Stock wurde ein Vorhang gezogen. Nach etwa fünf Minuten stand sie wieder an der Ecke, der Herr kam auch wieder auf die Strasse und eilte weg. Ein anderer Mann sprach sie an und wieder gingen beide ins Haus. Als sie nach einer Weile wieder zu ihrer Ecke gehen wollte, sah sie die zwei Polizisten kommen, da verschwand sie ins Haus und zog den Vorhang zur Seite und schaute runter. Christine: „Komm jetzt, hast wohl genug gesehen. Wir sind sicher nicht in der richtigen Strasse.“ Sie sahen noch Plakate von verschiedenen Theater, die hier in Soho zu finden waren.
Christine: „Jetzt ist es Zeit auf den Bus zu gehen, ich denke, du weisst, wie du zu Laura kommst. Ich muss eine andere Strecke fahren, so müssen wir uns jetzt verabschieden.“ Küsschen links, Küsschen rechts. Christine sah zu, dass er den richtigen Bus nahm und sie winkten ihm nach.

Alices russischer Freund Boris, ein Krimineller?
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2.8.  Au-pair in der Schweiz 2 – Alices russischer Freund Boris, ein Krimineller?.

Frau Herzel brachte am frühen Morgen wieder etwas zum Essen vorbei. Sie erzählte gerne von ihrer Familie und wie schön es in Deutschland damals war. Dann fragte sie, ob Alice und Christine Interesse hätten, ein Konzert mit Maria Callas zu besuchen, sie hätte zwei Tickets dafür. Alice sprang auf: „Mein Vater war Musiker, er verehrte die Callas.“ Alices Augen füllten sich mit Tränen, die sie heimlich abwischte. Christine hatte schon was gehört von Callas und in so einem Konzert war sie noch nie. „Warum gehen sie nicht hin, wenn sie schon Tickets haben?“, fragte sie. „Ach die Callas ist mir, na ja... und die Tickets hab ich bei einem Wohltätigkeitsball gewonnen.“ Alice: „Aber wer bleibt im Haus, wenn wir weg sind?“ Frau Herzel: „Ich werde der Putzfrau sagen, sie soll an dem Tag Abends kommen, das macht die schon.“ Sie telefonierte ihr und alles war arrangiert.

Christine: „Wie kommen wir dort hin?“ Frau Herzel: „Am besten mit dem Taxi, es ist nicht sehr weit, den Preis müsst ihr aber vorher abmachen und das soll euch anschliessend wieder nach Hause fahren.“ Covent Garden stand auf dem Ticket. „Was kostet es bis dorthin?“ Frau Herzel: „Ich werde meinen Fahrer fragen, ich nehme immer das gleiche Taxi.“ So fand sie heraus, dass es sich die beiden leisten können, wenn sie es sich teilen. Frau Herzel. „Ich schalte schnell den Fernseher ein, sie senden etwas was mich interessiert.“ Sie schaltete ein und drehte herum, aber es rührte sich nichts. Dann ging sie ins Master-Bedroom, da hat es auch einen Fernseher, aber auch hier alles tot. Frau Herzel: „Seit wann gehen die zwei Fernseher nicht?“ Christine: „Keine Ahnung, wir schauen nie fern.“ Dabei suchte sie den Blick von Alice, die sich ruhig verhielt. Somit verabschiedete sich Frau Herzel. Christine rief Alice zu sich: „Hör mal, hier war jemand, der nicht ins Haus gehört. Die Bartür war offen und die Cognac Flasche halb leer getrunken. Im Wohnzimmer, die Kissen auf dem Sofa zerdrückt. Die geschlossene Bürotüre wurde irgendwie geöffnet und die Pult Schublade hat jemand probiert aufzumachen, kam aber nur bis zum Anschlag des Schlosses, das schon ganz schräg war. Ich wollte sie schliessen, da sprang das Schloss auf. Ich dachte, du erzählst mir, dass Boris da war oder täusche ich mich?“ Alice schluckte ein paar mal leer: „Ich dachte, da ist nichts dabei, wenn ich ihn kurz hereinlasse. Ich war in der Küche und hab uns was zum Essen gemacht. In der Zeit ist er schon herumgelaufen und hat sich alles angeschaut. Ja, er hat auch am Fernseher herumgedreht, weil der plötzlich nicht funktioniert hat. Aber das, was du da aufzählst, ist mir nicht aufgefallen.“ Christine: „Komm, ich zeig dir was. Wegen den Fingerabdrücken darfst du jetzt nichts berühren. Warte, ich hole die Gummihandschuhe. Zuerst zeig ich dir die Cognac Flasche, du hast ja zuletzt dem Bruder was ausgeschenkt und seither niemanden mehr, oder?“ „Nein hab ich nicht.“ Alice war jetzt überzeugt, dass Boris aus der Flasche getrunken hat. Christine „Und jetzt das Büro. Stell dir vor, er hätte die Schublade aufgebracht und diesen Revolver gefunden. Ich kenne mich mit Waffen, aus früheren Zeiten, aus.“ Alice wurde bleich, lief in die Toilette und musste sich erbrechen. Christine beruhigte sie und holte ein Glas Wasser. „Jetzt sag ich nur noch eins, lass niemanden herein. Im Fall Boris kommt, sagst einfach, du bist nicht allein und er soll auf der Strasse warten.“ Sie sassen in der Küche und sprachen über belanglose Dinge, dann fiel Alice doch noch was ein: „Du, etwas ist mir doch suspekt vorgekommen. Im Masterbedroom ist doch dieser sogenannte Diener, da lag immer etwas Geld, das Herr Cannon jedes Mal aus seinem Hosensack holte. Das ist weg!“ Christine: „Der Revolver geht mir nicht mehr aus dem Kopf, wenn der plötzlich weg ist, was dann? Weisst du was, den graben wir im Garten unter den Rosen ein, aber vorher schiessen wir die Ladung leer, hoffentlich hört das niemand.“ Alice war ganz aufgeregt: „Ich habe noch nie geschossen!“ Christine holte den Revolver und schoss auf einen Blumentopf, dann liess sie Alice einen Schuss abgeben, die zitterte mit beiden Händen, traf aber das Ziel. Sie wollte nochmals abdrücken, aber es war keine Patrone mehr drin. Alice holte eine Hacke und machte ein Loch und legte den Revolver hinein. Christine suchte nach den leeren Patronen, die kamen auch noch ins Grab. Danach sahen sie sich an und Alice schwor, nichts von allem was passiert ist, gewusst zu haben. Christine: „Ich schwöre auch!“

Maria Callas, Konzert in Covent Garden
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2.9.  Au-pair in der Schweiz 2 – Maria Callas, Konzert in Covent Garden.

In Christines Zimmer war der Schrank mit der Abendgarderobe der Cannons. Es hängen nur drei Kleider drin, plus eine Stola aus Pelz und ein glitzernder Abendschal. Christine probierte ein Cocktail Kleid an. Die anderen Kleider waren ihr zu lang und die Pelzstola hängte sie noch um, dann ging sie zu Alice und präsentierte sich. Alice: „Wo hast denn das her?“ „Komm es hat noch mehr.“ Alice zog ein langes einfaches mausgraues Abendkleid an und drapierte den glitzerndem Schal um die Schulter. Cannons Parfüm wurde noch genug angesprüht, Schminke und Puder aufgetragen, fertig. Die Putzfrau war im Wohnzimmer in ihrer Arbeit vertieft.

Das Taxi kam etwas spät, Christine und Alice wurden langsam nervöse. Aber die Zeit reichte, da die Callas die Tendenz hatte, die Besucher immer ziemlich lang warten zu lassen. Ihre Plätze waren in der Mitte der fünften Reihe, sie mussten sich bis dorthin durchdrängen. Es war wunderbar so nah an der Bühne zu sitzen. Sie sang so fantastisch das Christine Gänsehaut bekam und ihre Hände vom zusammen klatschen schmerzten. In der Pause gab es in einer Ecke Champagner für spezielle Gäste. Alice wurde fast dort hineingedrückt, nahm zwei Gläser und suchte Christine in der Menge. „Was hast du dafür bezahlt?“ „Prost, die sind so dagestanden.“ Alice lachte dabei, hinter ihr drehte sich ein eleganter Mann, mit erhobenen Glas, um. „Soll gelten!“, prostete er ihnen auf Schweizerdeutsch zu. Alice trank ihr Glas in einem Zug leer: „Ich hab so Durst!“ „Darf ich euch noch ein Glas bringen?“ „Ja gerne!“, posaunte Alice, es war sehr laut im Foyer. „Würden Sie mir meines halten, bis ich zurückkomme?“ Alice nahm es ihm ab, war dann so verwirrt, dass sie aus Versehen auch sein Glas leer trank. Christine: „Alice!! Nimm dich zusammen, hast gemerkt, wie der dich gemustert hat. Der interessiert sich für dich, fragt dich sicher noch aus. Sag einfach, wir sind Studentinnen.“ Weiter kam sie nicht, da stand er schon vor ihnen. Alice schwenkte zwei leeren Gläser hin und her: „Tut mir leid, ich habe ihr Glas aus Versehen ausgetrunken, jetzt brauch ich kein zweites mehr. Hick, machte sie und sie lachte aus vollem Herzen. Es läutete, alles bewegte sich wieder in den Saal zurück. „Könnten wir uns mal zu einem Drink oder Essen treffen, rufen Sie mich bitte an, hier ist meine Telefonnummer.“ Alice: „Oh! Ja gerne gut, morgen ruf ich an!“ Christine schob Alice, die den Alkohol schon spürte, zu ihren Platz zurück. Im Taxi war Alice so aufgeregt: „Was soll ich ihm am Telefon sagen, wo könnten wir uns treffen?“ Sie besprachen alles genau, auch was sie auf keinen Fall erzählen soll.

Zu Hause hängte Christine die `geliehenen Kleider` in den Schrank zurück. Die Putzfrau verabschiedete sich jetzt. Christine: „Zeig mir die Karte, die er dir gegeben hat.“ Alice suchte sie in ihren BH: „Das ist der beste Platz für so was“, kicherte sie. „Schau, Jerom ist ein Bänkeler!“ Dann verschwand sie in ihr Zimmer.

Die Familie Cannon kamen aus den Ferien von Capri zurück, so kehrte der Alltag für Christine wieder ein. Alice traf sich jetzt fast zu jeder freien Stunde mit Jerom. Eines Morgens suchte Frau Cannon eine Büchse Sauerkraut, die sie in der Küche auf dem Regal hatte. „Christine, du kommst aus einem Sauerkraut Land, hast du die Büchse genommen?“
„Nein! Wir haben genug anderes zum Essen von Frau Herzel bekommen. Übrigens gab es mehr Sauerkraut in der Schweiz, als in meiner Heimat aufgetischt, und das nicht aus einer Büchse, sondern meist aus einem Holzfass.“ Christine fragte später Alice, ob sie Sauerkraut in den letzten zwei Wochen gekocht hat. „Ja, Boris hatte eine Büchse Sauerkraut mitgebracht. Wieso?“ „Weil Frau Cannon heute nach einer gesucht hat.“ „Also weisst, der hat wohl alle Tricks angewendet, um mich zu blenden.“ „Sag hast du ein Foto von Boris?“ „Er wollte sich nicht fotografieren lassen, aber ich habe ein paar Bilder mit meiner Kamera von ihm geschossen, die Filmrolle werde ich entwickeln lassen, wenn sie voll ist. Ich sehe nach, wie viele Fotos ich noch machen kann.“ Alice holte ihre kleine Fotokamera: „Noch zwei! Komm, ich fotografiere dich im Garten mit dem Gärtner, er kann dann noch eins von uns zwei machen.“ Alice und Christine stellten sich wie Modells auf und spassten herum, dann nahm sie die Filmrolle heraus und brachte die bald einmal in ein Geschäft nahe der Schule. Als sie die Fotos abholen konnte und die aus der Verpackung heraus nahm, sah sie nur zwölf schwarze und hell gefleckte Bilder. Sie fragte, was sie falsch gemacht habe, bisher hatte sie immer gute Fotos erhalten. Man erklärte ihr, entweder sei die Kamera nicht gut geschlossen gewesen, aber eher wurde an der Rolle gedreht, weil alle Fotos Licht bekommen haben. Zu Hause schmiss sie die Packung vor Christine auf den Tisch. „Dieses Schwein! So ein verfluchter Betrüger, wie konnte ich mich so täuschen lassen? Ich komme mir so blöd vor, der hat mich von Anfang an belogen. Ich Trottel hatte Mitleid mit ihm, damals als wir uns am Friedhof getroffen haben. Das Grab seiner Grossmutter, da bin ich mir jetzt ganz sicher, gibt es gar nicht in Interlaken.“ Christine: „Komm, das kann jedem passieren, ich habe auch schreckliches erlebt, konnte mit niemandem darüber reden. Versuch es zu vergessen, ändern kannst ja nichts. Jetzt hast du ja Jerom getroffen, du scheinst ja happy zu sein.“ „Ja wir verstehen uns gut und haben auch viele gemeinsame Interessen, das ist wirklich schön.“ Christine: „Ich wünsche euch beiden alles Glück auf Erden, hoffe das ihr eine gemeinsame Zukunft habt und lange glücklich zusammen bleibt.“ „Danke! Wer weiss schon im voraus was noch alles passiert.“

South Pacific
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2.10.  Au-pair in der Schweiz 2 – South Pacific.

Die Mitstudentin Gabi schwärmte vom Film `South Pacific`. „Dass muss man gesehen haben, Rossano Brazzi und Mitzi Gaynor sind die Hauptdarsteller, umwerfend brillant. Ich schaue mir den sicher noch einmal an.“ Christine hatte ihren freien Nachmittag, also dachte sie, warum nicht mal ins Kino gehen. Sie hatte sich von Gabi schon informieren lassen, wo der Film läuft und erfuhr so, dass sie unmöglich um 21:00 Uhr wieder zu Hause sein kann. Frau Cannon kontrollierte schon nicht mehr so genau, denn bisher lief alles nach ihrem Wunsch. Christine machte das Küchenfenster auf und drückte es zu ohne zu schliessen. Da könnte sie auf die Bank, die draussen unterm Fenster stand, leicht ins Haus kommen. Ihr Bettzeug bauschte sie so zusammen, als schliefe sie drin.

Oh nein! Eine Riesen-lange Warteschlange von Leuten vor dem Ticket Schalter. Christine dachte, wenn sie für heute kein Ticket bekomme, dann kaufe sie halt eines für einen anderen Tag, so stand sie hinten an. Vor ihr ein Herr, mit Regenschirm am Arm und eine schwarze Melone auf dem Kopf, las ruhig seine Zeitung. Hinter ihr schlossen sich noch mehr Leute an. Aufgefallen ist ihr ein rothaariger junger Mann im Schottenrock. Er unterhielt sich mit Personen, die in der Schlange standen, dreht sich ein paar mal um, sodass Christine merkte, er mehrmals zu ihr blickte. Der junge Man verabschiedete sich von den Leuten und lief nach hinten. Man könnte meinen, er wolle sich dort anschliessen. Bei Christine blieb er stehen, vielleicht weil sie ihn so angeschaut hat. Er war ja der erste Schotte, den sie bisher gesehen hatte. Ein sehr gepflegter Mann mit sicher kostbarer traditioneller Kleidung. Er fragte Christine, wie viele Tickets sie kaufen wolle, und ob sie heute den Film sehen möchte und dann: „Bist du alleine hier? Wo ist dein Freund? Entschuldige, dass ich so viel Frage, ich dachte, ich könnte dir ein Ticket für heute Abend abgeben, oder besser kann ich dich einladen? Wir könnten vorher noch etwas zusammen essen gehen.“ Die Frau hinter Christine stupste sie in den Rücken. Christine rückte aus der Schlange und sagte zu, dann hielt sie ihre Hand mit Geld hin und fragte nach dem Ticket. Er nahm ein paar Pfund aus ihrer Hand und gab ihr das Ticket. Aha! Ein Schotte! Dachte sie. Doch dann lachte er und gab ihr das Geld zurück. Christine: „Oh thank you! Mein Name ist Christine.“ „John Johnson.“ Sagte er mit tiefer Stimme. Beide liefen dann bis zu einem kleinen Restaurant, drinnen sah man hinter einer Vitrine eine Reihe verschiedener Speisen auf Tellern angerichtet. Christine wählte Roast Beef und John, Lamm mit Pfefferminz Gelee und Gemüse.

Der Film `South Pacific` war ein phänomenales Musical, berührend schön und dauerte 2 ¾ Stunden, mit kurzer Pause dazwischen. Christine und John kauften sich einen Drink. Am Ende des Films begleitete John Christine nach Hause. Unterwegs erzählte er ihr, das er aus der Nähe von Edinburgh her komme und hier in London studiere. Sein Ziel sei, wie sein Vater, Anwalt zu werden. Am Haus angekommen, drückte er sie plötzlich begehrend an den Zaun. Christine wehrte sich, der muss nicht meinen, dass er wegen der spendierten Kinokarte sie ihm körperliche Nähe schuldet, das gab sie ihm klar zu verstehen. Er liess von ihr ab und bat sie inständig für ein neues Treffen, das sie dann zusagte. Von da an verehrte er sie wie eine Heilige, hie und da ein Kuss lag noch drin aber nichts mehr. Christine öffnete die Zauntüre, die sie am Tag vorher, mit Oliven-Öl aus Israel, schmierte. Jetzt ging sie, ohne zu krächzen auf und dann stieg sie auf die Bank, drückte das Küchenfenster auf, stieg vorsichtig in die Küche und leise die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

John und Christine trafen sich dann immer wieder, gingen auch ins Schwimmbad, wo Christine einmal vom höchsten Sprungbrett mit dem Kopf voraus in den Pool sprang. Sie kam, ohne es zu merken, mit verrutschtem Oberteil an den Rand geschwommen. John richtete es ihr schnell wieder zurecht, was ihr peinlich war. Er lenkte ab, sprach von Mut, und dass er kein guter Schwimmer sei. Im Bad war noch ein rothaariger junger Mann mit Bart. Christine sagte zu John: „Sieh mal, so ein Bart würde dir auch gut stehen“. Also ließ er sich, ihr zu liebe wie er anmerkte, einen Bart wachsen. Sie besuchte auch die schönen englischen Gärten und Parks, setzten sich meist auf eine Bank oder ins Gras. Christine holte stets ihr Schulheft heraus und lernte so mehr auf Englisch zu schreiben und zu kommunizieren. John hatte immer einen kleinen Schreibblock bei sich, schrieb etwas darauf, riss dann die Seiten raus und klemmte sie wieder zurück. Sie merkte auch, dass trotz seiner teuren Bekleidung, er sehr knapp bei Kasse sein musste, da er nie etwas kaufte. Er trug auch meist ein Getränk, so wie Christine, mit sich. Nur manchmal hatte sie den Verdacht, dass John sehr sparsam war, so wie man es den Schotten nachsagt. Nun ja, sie kannte ihn eben noch nicht so lange, das wird sich schon mal herausstellen, dazu ihn anzusprechen, getraute sie sich nicht.

Die Zeit verging, Christine bekam regelmässig Post von Karl und manchmal war auch Geld dabei. Doch ihre Finanzen wurden auch so knapper, es reichte einfach nicht mehr, um länger in England zu bleiben. Mit John besuchte sie einmal Laura. Christine dachte vielleicht weiss sie einen Rat. Doch sie wusste, ohne Arbeitsbewilligung habe sie keine Chance Arbeit zu bekommen. Sie riet ihr, in die Schweiz zurückzukehren und dort Englisch zu studieren. Da sie Deutsch sprachen, entschuldigte sich Christine bei John, doch irgendwas hat er schon was mitbekommen. Laura gab ihr noch eine kleine Tasche: „Die hat Karl vergessen, wenn du ihn in der Schweiz triffst, kannst sie ihm ja, mit schönen Grüssen von mir geben. Ich bin jetzt sicher, du gehst zurück.“ Christine öffnete die Tasche und sah ein paar Wellenklammern für seine Haare darin. Laura sah ihr zu und hob ihre Schultern: „Er ist schon ein bisschen eitel. Nun ja, jeder möchte gut aussehen“. Beide lächelten sich zu.

Als sie zu Hause ankam, öffnete Frau Cannon die Tür. Christine war gerade dabei den Haustürschlüssel aus ihrer Schultasche zu holen, da fielen ein paar beschriebene Bögen Papier auf den Boden. Frau Cannon hob auch ein Blatt auf und sah es kurz an, bevor sie es ihr gab. Christine sah sofort, dass es Johns Schrift war und ging damit auf ihr Zimmer. Die Blätter waren mit Datum versehen und darunter stand, wo sie gewesen waren und weiter, so wie man es in einem Tagebuch schreibt, mit viel persönlichen Gefühlen. Für Christine eine Offenbarung, die so die meisten Fragen, die sie ihn gerne stellen wollte beantwortet haben. Frau Cannon klopfte an die Tür: „Ich habe auch für dich etwas aus Capri mitgebracht.“ Christine bedankte sich und wickelte aus dem Papier einen Aschenbecher heraus, eingraviert: SEMPRE AMORE! Das ärgerte sie sehr, was soll das? Erstens rauche sie nicht und zweitens fand sie das eine blöde Anspielung. Was weiss die schon von ihrem privat Leben, sie redet ja nie mit einem. Die wird Augen machen, wenn sie hört, dass sie nächste Woche, nach der letzten Auszahlung, abreist.

Fest entschlossen wieder in die Schweiz zurückzukehren, versuchte sie vergeblich Müllers und auch Frieda, von ihrer letzten Arbeitsstelle in Bern zu erreichen. Christine schrieb an Karl, ob er dort mal vorbeigehen könnte, denn sie würde wieder dort arbeiten wollen, wenn es möglich wäre. Eventuell auch nur als Ablöse im Service. Leider kam keine Antwort von ihm.

Tag der Abreise zurück in die Schweiz
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2.11.  Au-pair in der Schweiz 2 – Tag der Abreise zurück in die Schweiz.

Christine schlich ins Büro und rief ihre Eltern an, das tat sie regelmässig am gleichen Wochentag und etwa um die gleiche Zeit, so wie es abgemacht war. Natürlich waren dann die Cannons oder sonst wer, nicht in der Nähe, auch Alice wusste nichts davon. Am Anfang fragte Christine Frau Cannon, ob sie zu Hause anrufen dürfe. Sie gab ihr zu verstehen, dass sie das nicht mochte und sie nach Hause schreiben könne, wie die anderen Mädchen es tun. Sie rief darauf von einer Telefonkabine an, musste sich sehr kurz halten, weil der Kasten die Münzen nur so schluckte.

Christine packte ihre Sachen und unterhielt sich dabei mit Alice, die es fast nicht glauben kann, dass sie einfach so abreisen werde. „Du hast jetzt Jerom, halt dich an ihn fest, er meint es ernst mit dir.“ Alice: „Ja wir lieben uns, er macht auch schon Pläne und möchte mich in seiner Nähe haben. Noch etwas, Frau Cannon weiss von der Modellagentur, sie hat das sicher von ihrer Mutter gehört. Sie wollte wissen, was da jetzt läuft. Ich hab ihr gesagt, wir haben im Moment nicht zugesagt.“ Alice verkneift sich heraus zu lachen. Frau Cannon kam mit ihrer Tochter nach Hause, sie liefen die Treppe hinauf in Sahras Zimmer, dann rief sie Christine und Alice zu sich: „Sieht Sahra nicht gut aus mit ihren kurzen Haaren“. Alice erschrak, hielt ihre Hand vor den Mund: „Oh ja! Steht ihr gut.“ Christine dachte nur, oh, die schönen langen Haare sind jetzt ab. Sahra sah nicht gerade glücklich aus. Christine: „Komm schon, die wachsen ja wieder nach, nicht traurig sein.“ Sahra sah Christine an: „Glaubst du, dass du schön bist?“ „Hm, jeder Mensch hat etwas Schönes an sich, oder man muss ein wenig nachhelfen. Meine Nase war gebrochen, so habe ich sie richten lassen.“ Frau Cannon lächelnd zu Christine: „Wenn man in den Spiegel schaut, gefällt einem das und das nicht.“ Während sie so sprach, griff sie sich auf die Stirne und den Hals. Sahra sah sie an und tippte auf ihre Nase, sagte aber nichts. „Ja die Nase“, rutschte es Christine heraus. Oh! Das war jetzt total daneben, das hätte sie nicht sagen sollen. Frau Cannon ging in ihr Schlafzimmer, machte aber die Türe nicht ganz zu. Alice flüsterte: „Viele Juden haben diese krumme Nase, hast das ganz vergessen? Jetzt gehst zu ihr und sagst ihr, dass es dir Leid tut, falls du sie verletzt haben sollst, oder so.“ Christine wollte zu Frau Cannon gehen, da sah sie, wie sie an ihren Badeanzug die Schaumgummieinlagen heraustrennte, sie kehrte um und wollte wieder gehen aber Frau Cannon stand auf und suchte in ihrer Tasche nach ihrer Geldbörse. Sie gab wortlos Christine die vier Pfund für die vergangene Woche. „Danke! Es tut mir leid, wenn ich was Falsches gesagt habe.“ „Alice!“, rief sie dann und gab ihr auch, was ihr zustand.

Christine sah auf die Uhr und zog etwas Bequemeres für die Reise an. John wird auf sie schon warten, so wie sie es abgemacht haben. Dann nahm sie ihre gepackten Sachen und trug sie hinunter in die Eingangshalle. Alice kam hinterher: „Tschau und gute Reise. Weiss Frau Cannon das du gehst?“ „Nein! Ich geh jetzt zu ihr und sage ihr, dass ich nicht die richtige Person für diesen Haushalt bin.“ Frau Cannon hatte das gehört und lief die Treppe herunter. „Wo gehst du hin?“ „In die Schweiz zurück. Adieu!“ Christine machte die Türe auf und verliess das Haus.

John wartete schon, er war sehr traurig. Er begleitete Christine zum Bahnhof, dort übergab er ihr drei Briefumschläge mit seiner Adresse darauf: „Bitte schreibe mir und deine Adresse darfst du nur im Brief bekannt geben, damit keiner dazwischen funken kann. Wenn ich mit dem Studium fertig bin, ändert sich vieles, dann kann ich endlich selbst über mich entscheiden“. Christine kämpfte mit den Tränen, umarmte und küsste ihn: „Natürlich werde ich dir schreiben.“ Er half ihr noch in den Zug und winkte ihr lange nach.

Ankunft in Bern
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2.12.  Au-pair in der Schweiz 2 – Ankunft in Bern.

Es war neun Uhr früh am Morgen, als der Zug in Bern ankam. Christine stellte ihr Gepäck ein und machte sich auf den Weg zu Müllers Tea-room. Dort werde sie dann ihr Frühstück einnehmen, wie in alten Zeiten. Sie freute sich die bekannten Gesichter wiederzusehen. Doch dort angekommen, war kein Licht und geschlossen. Keine Anzeige wegen Ferien oder so. Der Friseur Salon neben an war offen. Christine erkundigte sich, warum das Tea-room geschlossen sei. „Ach, die Frau Müller hat so grosse Schmerzen wegen ihrer Arthrose und er alleine konnte es nicht schaffen. Frieda musste auch aufhören, da sie eine komplizierte Schwangerschaft hat. Sie hat in Linz, der Heimatstadt ihres Mannes, standesamtlich geheiratet und bei ihr zu Hause dann kirchlich. Das war noch, bevor die Beschwerden kamen und man das Bäuchlein sah“, lachte sie. „Wo finde ich Frieda jetzt?“ „Die wohnt neben dem Weiermann Bad in dem gelben Haus, ist nicht zu übersehen. Im Sommer bei schönem Wetter ist es dort ziemlich lärmig, deswegen bezahlen sie nicht so viel Miete. So, jetzt muss ich wieder an die Arbeit, es war schön sie wiederzusehen.“
Christine fuhr zurück in die Stadt, setzte sich in ein Kaffeehaus und ass ein Croissant zu einem guten Kaffee. Das war schon anders, besser als in England. Danach fuhr sie mit dem Bus bis in die Nähe des Bades. Sie sah das gelbe Haus von weiten, an der Tür waren nur drei Klingeln mit Namen. Sie drückte die von Frieda. Ein Fenster öffnete sich und Frieda fragte, wer da ist? „Oh mein Gott! Du Christine, komm, ich wirf dir den Schlüssel runter.“ Sie freuten sich beide sich wiederzusehen. Frieda bekam ganz wässerige Augen und musste zurück ins Bett, denn sie hatte strenge Ruhe verordnet bekommen. „Heute frag ich mich oft, ob ich das richtige gemacht habe. Heinz ist viel unterwegs, bin sehr viel allein und ich weiss nicht, wie es sein wird, wenn das Kind da ist. Ich wollte meine Schwester hier haben aber Heinz will das nicht, er mag überhaupt nicht, wenn sich jemand anders um mich kümmert.“ Die Tränen rollten ihr übers Gesicht. Christine: „Er ist doch Schriftsetzer, da hat er ja einen festen Arbeitsplatz, oder?“ „Ja klar, aber er ist im Motorrad Verein, im Schützen Verein und ich weiss nicht, wo sonst noch überall. Sobald ich kann, geh ich wieder arbeiten, er verdient ja gut, sagt aber, ich muss sparen, nicht er. Hat sich auf einmal so ein Spielzeug von Motorrad gekauft, das geht mir so auf die Nerven. Ich hoffe nur, mein Zustand schadet dem Kind nicht. Die Müllers kommen zweimal die Woche vorbei, aber nur wenn Heinz bei der Arbeit ist, so schaut es aus. Frau Müller ist jetzt zu Hause und er hat eine Arbeit bei einem unserer Stammkunden bekommen, einen Häusermakler. Er zeigt den Kunden die Häuser und Wohnungen, das gefällt ihm sehr. Er bekommt viel Lob von seinem Chef, hilft auch in der Buchhaltung mit. Kannst mal hingehen, die freuen sich sicher, wenn du sie besuchst. Und wie ist es dir ergangen?“ Christine erzählte ihr ein paar Episoden, dann musste sie weiter schauen, wo sie unterkommt. Sie wird die Italienerin, dort wo Karl wohnt, fragen, ob sie etwas frei hat. Dann zur Bank Geld abheben, für ins Stellenbüro muss es auch noch reichen.

Bei der Italienerin: „Oh Mama mia! No nix Camera frei. Bett im andere noch da, Nikolussi kommt fünf Uhr.“ Christine verabschiedete sich, holte Geld ab und ging ins Stellenbüro. „Grüesäch! Sind sie angemeldet?“ „Nein!“ „Dann müssen sie hier warten.“ Sie zeigte ihr einen Stuhl und gab ihr noch einen Fragebogen und Stift zum Ausfüllen. Schon wieder eine Neue in diesem Büro stellte Christine fest. Sie hörte wie die Vermittler mit den Arbeitssuchenden sprechen. Fand dadurch heraus, dass jemand eine Stelle im Service suchte. Der Vermittler nannte ein paar Restaurants und lobte besonders eines, das Christine von früher her kannte. Sie verliess sofort das Büro und suchte das Restaurant auf. Sie setzte sich hin, bestellte ein Mineralwasser und beobachtete die Gäste und das Personal. Der Kellner, der sie bediente, hatte einen österreichischen Akzent. „Österreicher gibt es viel in Bern, habe ich recht?“, fragte Christine. „Ja nicht so schlimm, es hat mehr Italiener, würde ich behaupten.“ „Wie ist es hier zu arbeiten?“ „Also mir gefällt es, es ist ein grosses Haus, hat eine Bar oben und eine dahinten. Unser Chef ist ganz toll, den Besitzer sieht man kaum hier, er überlässt das alles dem Emmanuel. So dürfen wir ihn nennen, weil er einen so langen Nachnamen hat. Sie suchen nicht etwa Arbeit, wir könnten noch jemand im Service gebrauchen?“ lachte er. „Wie ist es mit der Unterkunft?“ „Leider nur ausser Haus. Hier schlafen nur die Küchenhilfen und das Putzpersonal, die verdienen ja auch weniger. Der Chef kommt, jetzt muss ich gehen.“ Emmanuel kam näher, er sah Christine an und sagte: „Sie kommen mir bekannt vor, sie sind mir irgendwo schon begegnet. Waren sie in Lausanne oder in der Hotelfachschule?“ Jetzt klickte es bei Christine und sie erkannte ihn wieder. „Ja! Ein einziges Mal im Hotel, wo sie gearbeitet haben. Christine ist mein Name. Ich habe mich damals um eine Stelle beworben und sie haben gedacht ich sei ein Hotelgast. Sie haben mir dann einen Kaffee offeriert, das vergesse ich nie. Heute bin ich von England zurückgekommen und suche Arbeit im Service, haben sie etwas für mich?“ Christine lachte und Emmanuel strahlte. „Haben sie schon im Service gearbeitet und wann können sie anfangen?“ „Ja hab ich. Sagen wir in zwei Tagen?“ „Gut übermorgen um 14:00 Uhr hier im Restaurant, den Kaffee müssen sie auch diesmal nicht bezahlen. Renato! Der Kaffee geht aufs Haus.“ Renato, der Kellner freute sich, dass Christine, eine Landsmännin, im Service mitarbeiten wird. „Also, dann auf bald“. Sie gaben sich die Hände. Christine ging ihre Sachen in der Bahnhof Gepäckaufbewahrung holen, dann machte sie sich auf den Weg zur Italienerin. Dort fragte sie, ob sie im Zimmer auf Nikolussi warten dürfe. „Si, si, no problema.“ Christine sah noch nach, ob etwas Essbares zu finden war. Sie fand hartes, weisses Brot, Milch und Orangen. Sie bröckelte Brot in eine Schale und goss Milch darüber, so wie es ihr Grossvater immer machte, erinnerte sie sich. Danach stellte sie ihren Wecker, sodass sie eine Stunde schlafen konnte. Denn später möchte sie noch Müllers, die nicht so weit weg wohnten, besuchen.

Monbijou Strasse 7, hat ihr Frieda angegeben. Die Hausnummer wusste sie nicht mehr so genau. Christine läutete und Frau Müller öffnete mit einem breiten Lächeln die Tür. „Oh was für eine Überraschung, komm herein. Bist in den Ferien da? Ich bin allein, wie du gleich siehst, Urs kommt erst später.“ Sie schnaufte die Treppe in den ersten Stock hinauf. Christine: „Nein, nein, ich wollte zurück zu euch. Ich habe mich im Salon neben dem Tea-room erkundigt, sie hat mir erzählt, was passiert ist. Sie gab mir die Adresse von Frieda, bin dann gleich hingefahren. Die Arme ist nicht so glücklich mit ihrem Heinz, wo sie doch so verknallt in ihn war.“ „Ja die hat nur durch die rosarote Brille gesehen, bis sie schwanger wurde. Er hat ihr ja versprochen, wenn das passiert, dass er sie heiraten würde und so war es dann auch. Ruck zuck ist es auf einmal gegangen und sie war so glücklich. Sie ist bei uns geblieben bis mir die Finger und die Knie geschwollen sind, wie du siehst, und ich nicht mehr konnte. Übrigens, eine Bekannte von Heinz hat deine Stelle eingenommen, ein nettes scheues Mädchen.“ Christine: „Wie geht's dem Hund, ist er mit dem Herrchen spazieren gegangen?“ Frau Müller schluckte ein paar mal und sah aus dem Fenster. „Bubi ist hier zu Hause gestorben, er war halt schon alt, ich vermisse ihn immer noch sehr. Aber wir müssen ja alle einmal gehen.“ Ihr liefen ein paar Tränen herunter. Komischerweise winkte sie mit einem Lächeln hinunter, obwohl niemand unten stand. „Er hatte schon seine Jahre, als wir ihn mit samt dieser drei Zimmer Wohnung bekommen haben. Frau Gerber, die hier wohnte, hatte uns ein Zimmer vermietet, als wir nach Bern kamen. Wir waren noch nicht lange hier, da musste sie ins Pflegeheim. Sie war so froh, dass wir Bubi und ihre ganze Wohnung, so wie sie jetzt noch ist, übernommen haben. Wir haben seither nichts verändert und Frau Gerber mit Bubi besucht, bis sie gestorben ist. Für uns war es auch ein Glücksfall, da wir mit fast nichts aus Südamerika zurückkamen. Sie hatte sonst niemanden, der sich um sie kümmerte. Ein Notar hat uns nach ihrem Tod besucht und uns den Rest ihres Vermögens, mit der Wohnung, testamentarisch übergeben. So konnten wir, ohne lange zu überlegen, das Tea-room übernehmen.“ Christine: „Ist das Zimmer, wo Frieda und ich gewohnt haben, noch frei?“ „Da wohnt jetzt Erwin Frei, der Beamte, der immer bei uns gefrühstückt hat, er war froh, dass er nicht mehr Pendeln musste, um nach Hause zu kommen. Das von unserer Köchin Ella mussten wir auch abgeben, sie wohnt jetzt auch hier bei uns und hat Arbeit in einer Kaffeebohnenrösterei gefunden. Sie ist mir eine grosse Hilfe und wir sind sehr zufrieden, wie es jetzt ist. Urs hat auch, wegen seiner Arbeit, ein Auto zur Verfügung, so machen wir öfters einen Ausflug zusammen. Ach, da kommt er schon!“ Herr Müller kam mit ein paar Blumen in der Hand herein: „Ja wen seh ich denn da? Christine gibt es dich noch? Wie geht es? Was machst du so?“ Dann zu seiner Frau: „Die sind für Bubi“, und er überreichte ihr die Blumen. Christine fragte, wo Bubi begraben liegt. Die Müllers sahen sich an, dann ging Herr Müller zum Fenster und sagte: „Da unten.“ Christine: „Was da unten?“ Dann erzählte er, dass neue Leitungen verschoben und verlegt worden sind und dadurch eine tiefe Grube ausgehoben wurde, da wo jetzt die Grasinsel ist. Das war für sie die Gelegenheit, Bubi in eine Decke zu wickeln und ihn hier unten zu begraben. Eine einfache aber gute Sache. Er umarmte seine Frau und beide winkten runter. Christine war gerührt und wollte sich nicht äussern. Sie unterhielten sich dann noch für eine Weile. Christine fragte auch, ob er durch seine Vermittlung, eine Wohnung oder ein Zimmer zu vermieten hätte. Ja schon, aber die sind unbezahlbar für Normalverbraucher, alles Luxuswohnungen und Häuser in den besten Quartieren. Seine Makler Firma nehme keine billigen Projekte an, zu wenig Profit und die gleiche Arbeit. Er gab ihr eine Adresse, wo sie sich auf die Warteliste setzen könne. Während dem traf Ella mit zwei Hunden ein, einer lief gerade Wegs auf Frau Müller zu und stellte sich auf die Hinterbeine. Frau Müller lachte aus Überraschung laut heraus. Ella hatte kaum Zeit sich umzusehen, doch als sie Christine sah, liess sie die Hunde los und begrüsste sie mit einer Umarmung: „Wie schön dich wiederzusehen, gut siehst du aus.“ „Ella! Oh wie gut, dass ich dich sehe“, erwiderte Christine. Ella: „Ich muss leider zur Arbeit zurück, wollte nur die Hunde den Müllers vorführen. Vielleicht haben die ein Herz für die zwei schon älteren Semester. Frau Liechti möchte sie nicht behalten. Sie meinte, es waren die Hunde ihres Mannes, der kürzlich an einem Herzstillstand gestorben ist. Den Dackel hat er aus Wien mitgebracht und diese lebendige Strassenmixtur aus Salzburg.“ Herr Müller: „Kannst sie ja hier lassen, dann sehen wir, ob wir zusammen passen“. Frau Müller spielte bereits mit dem `Mixer`, wie sie ihn jetzt nannte. Ella liess die Hunde bei Müllers und lief zurück zur Arbeit. Christine verabschiedete sich auch und versprach in Kontakt zu bleiben.

 

Unterkunft bei der Italienerin
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2.13.  Au-pair in der Schweiz 2 – Unterkunft bei der Italienerin.

Auf den Weg nach Hause hatte Christine noch Lebensmitteln eingekauft und sie in Karls Zimmer auf den Tisch gestellt. Auf einem Stapel Papier lag eine Ansichtskarte von Bern, die werde sie in den Brief an John mitsenden. Sie setzte sich auf die Bank vor dem Hauseingang und schrieb John ein paar Zeilen. Danach hatte sie noch Zeit zur Post zu gehen, um den Brief aufzugeben und noch weitere Briefmarken, für England und Österreich, zu kaufen, bevor Karl kommt.

Fast zur gleichen Zeit kamen beide an der Haustür an. „Servus, bist du schon da?“ begrüsste er sie mit einem Küsschen auf die Wange. „Schläfst du jetzt wieder hier? Hast du mit der Signora gesprochen?“ „Ja habe ich und ihr erklärt, dass ich mir ein Zimmer, oder eine kleine Wohnung suchen werde. Arbeit für in den Service in einem Restaurant habe ich schon gefunden. Übrigens, musste ich diese Wohnadresse angeben. Ich habe dich im letzten Brief gebeten, zu Müllers zu gehen, und dass du fragst, ob ich das Zimmer dort wieder bekommen kann, das ich früher hatte. Warst du eigentlich dort?“ Christine verschwieg, wen sie heute schon besucht hatte. Karl: „Ich gehe arbeiten, da kann ich nicht noch weiss was tun.“ „Na ja, wenn du was für mich gefunden hättest, würde ich dich hier nicht belästigen.“ „Nein, nein, ist schon gut, du warst ja vorher schon hier, das stört mich nicht.“ Christine: „Sag, ist das, das teure Fahrrad, das du in Österreich gekauft hast?“ „Nein das hier hab ich von einem Arbeitskollegen abgekauft. Mit dem anderen fahre ich jeden Abend eine Runde, das steht im Keller.“ Er ging dann ins Bad und zog sich um. Er hatte etwas zum Essen für sich mitgebracht „Hast auch was dabei?“ Christine zeigte ihm die Sachen auf dem Tisch. Karl: „Ich habe heute mit einem Italiener abgemacht. Er arbeitet bei uns und kennt Bern noch nicht. Wir treffen uns bei Rita in der Bar. Nach dem Essen gehe ich los, wenn du willst, kannst mitkommen und Rita kennenlernen.“ Christine: „Ich komme mit, weil ich neugierig bin, wie die aussieht. Ihr Bruder Herbert spricht nicht gerade gut über sie. Er hat sogar Angst, dass sie ihn mal besuchen kommt. Ich werde aber nicht lange bleiben, bin noch müde von der Reise.“

Vor der Bar wartete schon der Italiene. Er grüsste ganz kurz, diskutierte mit Karl auf Italienisch, zirkulierte mit den Händen in der Luft herum und ging dann weg. Er wollte nicht in diese Bar gehen, erklärte Karl. Das Lokal war total verraucht, das eh schon dämmerige Licht vernebelt. Karl nahm eine Zigarette hervor und hielt das Paket Christine hin. „Ich rauche doch nicht! Wo ist die Rita?“ Inge, die Berliner Bardame rief: „Hallo Charly, das Übliche gell und deine Begleiterin?“ Christine: „Einen starken Kaffee.“ „Oh, die Kaffeemaschine wurde noch nicht geliefert“, scherzte sie. Christine fragte: „Und Mineralwasser, haben Sie so was, oder wird das auch erst geliefert?“ Inge und ein paar andere lachten darüber. Karl fragte, wo Rita heute ist. Die hörte ihren Namen und rutschte vom Barhocker herunter und kam näher: „Ist das Christine? Du warst bei meinem Bruder in London. Wie geht es ihm? Ich glaube gut, weil er nichts von sich hören lässt“, lachte sie, hielt dabei ihre Hand vor den Mund, dann umarmte sie Christine. „Du musst mich unbedingt besuchen, ich schreibe dir hier die Adresse auf. Musst entschuldigen, ich habe bis vorhin hinter der Bar gearbeitet und vielleicht ein Gläschen zu viel getrunken. Aber jetzt muss ich nach Hause, mein Mann und meine zwei Kinder warten sicher schon auf mich.“ Mit wackeligen hohen Absätzen stand sie da, hob ihren Arm und winkte allen Adieu, dabei rutschte aus ihrem tiefen Ausschnitt Watte hervor. Ein Mann, in einem weissen Anzug und glatt zurück gekämmten längeren Haaren, hielt ihr die Tür auf und folgte ihr. Christine sagte zu Karl, dass sie auch gehen werde, wollte bezahlen, doch Inge winkte ab: „Ist schon gut, der erste Drink ist für den Einstand.“ Christine fuhr dann mit dem Bus nach Hause. Karl kam erst um Mitternacht, Christine wachte kurz auf, drehte sich um und schlief bald wieder ein.

Arbeit im Service
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2.14.  Au-pair in der Schweiz 2 – Arbeit im Service.

Christine gefiel die Arbeit im Service recht gut. Es war ein sehr kollegiales Verhältnis vorhanden. Chef Emmanuel stellte Hellene, die öfter kurz hereinschaute als seine Frau vor. Karl kam jeden Tag zum Abendessen und Emmanuel merkte, dass er nie zahlte. „Christine, eine Frage, wie steht ihr zusammen?“ „Wir wohnen beide bei einer Italienerin.“ Schrittweise näherte er sich an den Tisch, wo Karl sass. Christine folgte ihm. Emmanuel duzte Karl: „Du isst Christine ihren ganzen Verdienst weg oder habt ihr was abgemacht.“ Karl: „Wir sind verlobt.“ Christine: „Du bist verlobt! Nicht ich! Wir sind nicht verlobt, wie oft soll ich dir das noch sagen. Wir sind Freunde, kennen uns schon lange. Einfach gesagt, Bekannte und nichts mehr!“ Sie ärgerte sich, dass er nicht aufhört, sie als Verlobte zu bezeichnen. Dann sah Emmanuel ihn streng an: „Hör mal, du kannst weiterhin zu uns kommen, aber wirst von jemanden anderen bedient, verstehst du?“ Emmanuel drehte sich ab, gab Renato die Rechnung, die er bei Karl einziehen musste. Karl wusste nicht recht was sagen, murmelte etwas vor sich hin, dann ging er weg, ohne Adieu zu sagen. Christine erzählte Emmanuel, dass sie auf der Suche nach einem Zimmer oder einer kleinen Wohnung sei und sie hoffe, es ergibt sich bald etwas. „Ja, das ist schwierig, ich weiss, musst halt Geduld haben, du stehst ja nicht auf der Strasse.“ Christine dachte, zum Glück weiss Emmanuel nicht, dass sie ein Zimmer mit Karl teilen muss. Karl gab sich keine Mühe etwas Rechtes zu finden. Als Emmanuel ihn fragte, meinte er: „Wieso ich, sie sucht ja was, muss schon selber schauen, dass sie was findet.“ Emmanuel: „Ich bin auch auf der Suche, aber bisher ergab sich nichts Konkretes. Hellene und ich werden jetzt abwarten und ein Tea-room übernehmen, das jetzt in Solothurn am Bahnhof gebaut wird. Weisst du, ich bin nicht mehr so gesund und das wäre, im Fall mir etwas passiert, ideal für Hellene und ihren Sohn. Auch weil dieses Haus hier, Ende nächstes Jahr, abgerissen wird, muss ich schon vorausschauen. Aber bitte nicht weiter sagen, sonst laufen die Angestellten schon jetzt davon.“

Emmanuel unterhielt sich öfter mit Karl, wenn er zum Essen kam. Er meinte dann: „Karl ist immer elegant gekleidet, hat einen guten Beruf, sieht gut und gepflegt aus. Ihm sei auch aufgefallen, dass er gute Tischmanieren hat und lustig ist. Was willst du noch mehr?“ Christine sagte nichts mehr. Bald hatte sie das Gefühl, sie warte auf einen Prinzen. Auch konnte sie nicht verstehen, dass John auf ihre Briefe nicht antwortete. Er hat es doch so gewollt, mit ihr in Kontakt zu bleiben.

Die kranke Mutter
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2.15.  Au-pair in der Schweiz 2 – Die kranke Mutter.

Im November, bekam Karl bei der Arbeit von Traudl die Nachricht, dass Mutter sehr krank im Bett lag. Sie habe den Pfarrer gerufen, damit er ihr die letzte Ölung geben kann. Karl nahm sofort von der Arbeit frei und fuhr noch am selben Tag zu seiner geliebten Mutter nach Kufstein. Am nächsten Tag erkundigte sich Christine per Telefon, wie es ihr geht. Karl: „Sie ist nur schwer erkältet und hustet halt noch. Aber es ist nichts Gefährliches, hat der Arzt gesagt. Der Pfarrer war da, er hat dann mit ihr nur zusammen gebetet. Das andere erzähl ich dir, wenn ich wieder in Bern bin. Ich fahre heute noch zurück.“ Man merkte, dass er verärgert war. Christine bekam sichtlich Mitleid mit Karl, der sich so von seiner Schwester irre führen und auch unterdrücken lässt. Sie fand das furchtbar. Christine bereitete etwas zum Essen vor. Als er müde Heim kam, umarmte sie ihn und sagte: „Musst mir nichts erzählen, ich weiss, wie du dich jetzt fühlst.“ Sie fand ihn plötzlich sympathisch.

 

Weihnachten in Tirol
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2.16.  Au-pair in der Schweiz 2 – Weihnachten in Tirol.

Weihnachten kam näher. Karl hatte vor, die Festtage bei seiner Mutter zu verbringen. Karl: „Was hast du vor, kommst mit, die freut sich sicher, wenn wir beide kommen. Ich hab ihr schon am Telefon gesagt, dass wir wahrscheinlich beide kommen. Du wirst sicher nicht alleine hier bleiben wollen, oder?“ Christine zögerte, sagte aber dann kurz vor seiner geplanten Reise zu.

Im Zug waren schon viele mit Wintersport Ausrüstung unterwegs. Am Bahnhof in Kufstein wimmelte es nur so von Urlaubern. Christine suchte das Hotel auf, wo sie letztes Mal übernachtet hat. Voll ausgebucht! Sie ging mit Karl ins Informationsbüro, um ein Fremdenzimmer zu finden. „Weihnachtszeit ist immer und überall ausgebucht, keine Chance, tut mir leid“, bekamen sie zur Antwort. Karl: „Komm bei uns zu Hause hat es sicher Platz.“ Als sie ankamen, sah es dann anders aus. Traudl war im kleinen Zimmer. Ernst und Mutter schliefen im Doppelzimmer und Karl schlief immer, wenn er auf Besuch war, auf dem breiten Sofa in der Küche. Traudl: „Müsst halt zusammen auf dem Sofa schlafen. Ihr schläft sicher in Bern auch zusammen in einem Bett.“ Christine: „Tun wir nicht!“ Karl meinte, er habe nicht gerechnet, dass seine Schwester auch hier ist. Am Telefon hat ihm das niemand gesagt. Christine glaubte ihm nicht ganz. „Bist du nicht bei deinem Freund in Deutschland?“, fragte er Traudl. „Hör auf! Über den rede ich nicht mehr,“ und wischte sich ein paar Tränen ab. Mutter lief mit leisen „MMMM“ nervös umher. Christine: „Dann bleibe ich halt nur die eine Nacht und fahre Morgen wieder zurück.“ Alle schwiegen, sie schauten sich nur gegenseitig an. Dann räusperte sich Mutter: „Heute ist der 24., kommst du wenigstens zur Mitternachtsmesse, damit du das Wichtigste von Weihnachten noch hast.“ Christine war einverstanden und zugleich erleichtert, dass sie nicht die ganze Nacht auf dem Sofa mit Karl schlafen musste. Mutter hatte Gulasch und Knödel vorgekocht, so ass man schnell, bevor man die Geschenke auspackte. Karl hatte für alle Schokolade mitgebracht, so zu sagen war das auch von Christine, denn er wollte nicht, dass sie im letzten Moment noch was kaufen gehen musste. Traudl: „Ich hab nur was für Ernst und Mutter gekauft. Ich hab nicht gewusst, was ich euch kaufen soll.“ Karl winkte ab. Ernst sass gerne eng neben Christine, die schob ihm unter den Tisch einen kleinen Briefumschlag zu, darin war eine Weihnachtskarte und ein Geldschein beigelegt. Er steckte den unter seinen Pullover und ging damit ins Badezimmer. Als er zurückkam, schickte er ihr heimlich einen Kuss und gab ihr die Hand unter dem Tisch. Da Karl gerne las, schenkte Christine ihm ganz überraschend, einen Mitgliedsausweis von der Buchhandlung 'Ex Libris' und dazu das Buch „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ von Willi Kufalt. Karl hatte vor es selber zu kaufen. Traudl rief Karl ganz geheimnisvoll in ihr Zimmer. Er kam dann mit einer Box zurück, in der eine schwarze umhänge Ledertasche drinnen war. Karl: „Das ist von mir für dich“ und überreichte die Box Christine. Von Mutter erfuhr sie später, dass er die von Traudl abgekauft hat, weil es für sie ein Fehleinkauf war und das Geschäft diese nicht mehr zurücknahm.

Draussen war es kalt. Auf dem Weg zur Kirche knirschte der Schnee so schön unter den Füssen. Die Kirche war gestossen voll, Mutter und Traudl drängten sich nach vorne zu ihrer Bank, Karl und Christine hinterher. Es wurde so lange hin und her gerutscht bis sie alle Platz hatten, einige Fremde mussten aufstehen. Traudl betete so laut voraus, sodass der Pfarrer sie böse anschaute und Karl ihr sagte, sie soll damit aufhören. Am Heimweg fragte Mutter: „Sag Karl, trägst du immer noch keine Kappe oder Hut bei diesem Wetter?“ Karl: „Ich hab ja Haare auf dem Kopf.“ In der Wohnung wurde in der Nacht nie geheizt. Bis man ins Bett kam, war es frostig kalt und an den Fenstern bildeten sich Eiskristalle. Am Vordach hingen lange Eiszapfen herunter und der Schnee glitzerte im Mond und Strassenlampen Licht. Karl wollte die Tür von Traudls Zimmer schliessen, doch sie sagte, sie könne nicht bei geschlossener Tür schlafen. Sie stand sehr früh auf und klapperte in der Küche herum, sodass Christine und Karl geweckt wurden. Karl: „Was machst denn so früh auf?“ „Ich steh immer so früh auf, um Frühstück zu essen, du kannst ja liegen bleiben“, grinste sie. Christine hielt sich die Ohren zu und blieb noch eine Weile unter der Decke. Mutter und Ernst waren im Badezimmer, Karl hängte einen Spiegel an den Fensterhebel und rasierte sich so in der Küche.

Christine wartete, bis das Bad frei wurde, und huschte schnell hinein. Traudl hatte sich in ihrem Zimmer zurechtgemacht, dann schaute sie andauernd zum Nachbarhaus hinüber. Auf einmal sagte sie, Christine komm schnell mit mir hinunter. Sie nahm ihren und Christines Mantel vom Hacken und lief die Stiege hinunter. Sie wischte Schnee von einer Bank und wollte sich hinsetzten. Da kam ein Mann aus dem Nachbarhaus heraus. Traudl: „Grüss dich Hubert. Du, ich möchte dich gern was Wichtiges fragen.“ „Ja was ist denn so wichtig?“ „Wir könnten doch heiraten, wo du jetzt doch Witwer bist.“ Hubert: „Mir bleibt die Luft weg! Spinnst denn du total, was fällt dir eigentlich ein? Meine liebe Frau, Gott hab sie selig, ist doch erst beerdigt worden. Hast denn keinen Anstand? Und meine beiden Buben, ach was rede ich da. Dich heiraten, nie im Leben, und geh mir in Zukunft aus dem Weg. Hast verstanden?“ Christine plumpste rückwärts auf die Bank, dann hörte sie Mutter aus dem Fenster rufen: „Schäm dich! So eine Schande! Was hast du dir dabei gedacht?“ Traudl lief die Stiege hinauf und verschanzte sich heulend in ihrem Zimmer. Karl: „Komm Mutter, heut brauchst nichts kochen, wir gehen hinüber ins Gasthaus was essen. Ernst zieh dich an und komm mit.“ Dann klopfte er an Traudels Tür, „wir sind drüben im Gasthaus, wenn du willst, kannst nachkommen.“

Es war noch nicht 12:00 Uhr, als sie dort ankamen. Der Wirt kam: „Habt ihr reserviert?“ Karl: „Nein.“ Christine sah, dass bei einem Tisch die Reservation 13:30 zeigt und mischte sich ein. „Wenn die erst so spät kommen, haben wir schon längst gegessen. Könnte man das nicht so richten? Das machen wir immer so, dort wo ich arbeite, gibt es oft doppelte Reservationen. Ach bitte! Jetzt kommt es natürlich auf Sie darauf an, ist ja Weihnachten. Machen sie uns bitte diese Freude!“ „Einen Moment bitte.“ Er ging zu seiner Frau, die nickte mit dem Kopf: „Ist schon gut so.“

Nach dem Essen holte Christine ihre Reisetasche. Karl, Mutter und Ernst spazierten noch mit Christine durch die wunderschönen weihnachtlichen dekorierten Strassen und Plätze und begleiteten sie bis zum Bahnhof. Zum Abschied umarmten sich alle mit lieben Worten. Im Zug war es angenehm warm und um diese Zeit nicht so voll besetzt. Aus dem Fenster hatte sie gewunken, bis niemand mehr zu sehen war.

Christine zurück in Bern
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2.17.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christine zurück in Bern.

Zu Hause in Bern schlief Christine einmal richtig aus. Als sie aufstand und die Vorhänge auf die Seite schob, sah sie, dass die Fenster schon lange nicht mehr geputzt wurden. So nahm sie sich vor, nach dem Frühstück, diese vorerst wenigstens von Innen zu reinigen. Da keine Putzlappen zu finden waren, werde sie zerknülltes Zeitungspapier nehmen, so hatten sie es auch bei ihr zu Hause in Österreich gemacht. Im Papierkorb, der im Gang stand und für alle da war, nahm sie ein Bündel Zeitungen heraus. Zwischen einer Zeitung fand sie eine grosse Weihnachtswunsch Karte. Christine sah diese genauer an und fing an zu zittern. Sie setzte sich hin, denn es war eine liebevoll geschriebene Weihnachtskarte, unterschrieben von John. Sofort holte sie Briefpapier und fing an, an John zu schreiben. Darauf suchte sie überall, wegen der Absender Adresse, nach dem Briefumschlag, fand ihn aber nicht. Dann nahm sie ihr Adressbüchlein hervor und suchte auch darin erfolglos nach Johns Adresse. Briefe konnte man im Postkasten deponieren, der Briefträger nahm sie dann mit. Christine und Karl bekamen von allen anderen Briefe, von John war nie einer dabei. Sie passte den Briefträger ab und fragte ihn, wie das passieren kann: „Keine Ahnung. Ich nehme die Briefe für den Versand aus den Kasten und stecke die angekommene Post hinein. Tut mir leid, dass Sie keine Weihnachtspost bekommen haben. Also dann wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr!“ Und er ging weiter auf seine Tour. In ihrer Aufregung rief sie sämtliche Personen an, wo sie meinte Hilfe oder Ratschläge zu bekommen. Alice erreichte sie nirgends. Laura bot ihre Hilfe an, riet ihr aber noch abzuwarten. Vielleicht kommt im neuen Jahr noch ein Brief von John. Sie soll mit dem Briefträger nochmals reden. Sie glaubte nicht, dass Karl ihr die Weihnachtskarte vorenthalten habe. „Das war sicher ein Versehen“, meinte sie. Herbert und Frau Weiss versprachen, sobald sie etwas herausfinden, ihr eine Nachricht zu kommen zu lassen. Herbert kannte den Hoteldetektiv, wo er arbeitete: „Ruf mich später nochmals an.“ Er gab dann Christine die Telefonnummer und die Zeit an, wo und wann sie ihn erreichen kann. Detektiv Durof war sehr höflich, stellte einige Fragen und sagte dann zugleich, es gibt über tausende John Johnsons in London. Nach ein paar Tagen rief Christine nochmals an. Durof: „Also gut, Wohnadresse und Telefonnummer kennen sie nicht. Denken sie nach, auch nicht einen Teil davon? In welcher Universität studiert er? Von welcher Stadt in Schottland kommt er? Immer sehr gut gekleidet, auch traditionell? Können sie mir die Knöpfe oder sonstiges von seiner Kleidung beschreiben. An den Knöpfen kann man erkennen aus welchem Clan oder Familie er herkommt. Rote Haare und Bart haben viele in Great Britain.“ Durof rief dann auch bei den verschiedenen Filialen von Johnson Bros in England an. Dann auch noch privat beim Besitzer der Firmen. Versuchte heraus zu finden, wer von den jüngeren Männern in London studiert, aber leider hat er keine Auskunft über Familienmitglieder erhalten. Christine kontaktierte ihn wieder. „Wir können nur hoffen, John Johnson schreibt wieder mal. Also abwarten, mehr kann ich im Moment nicht für sie tun.“ Christine war sichtlich niedergeschlagen. Sie nahm sich vor, Karl zur Rede zu stellen, den wer sonst hätte Interesse ihre Briefe aufzumachen und zu entsorgen?

Silvesterball
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2.18.  Au-pair in der Schweiz 2 – Silvesterball.

Am Tag vor Neujahr, rief Christine von der Telefonzelle in der Stadt, zu Hause und in Kufstein an und wünschte allen ein gutes neues Jahr. Karl sagte, er bleibe noch etwas länger, wie lange wusste er nicht so genau.

Es wurde Christine schön langsam langweilig. Viele Restaurants waren geschlossen, auch das, wo Christine arbeitete. Die meisten ihrer Mitarbeiter wollten bei ihren Familien die Festtage verbringen. Im Kursaal war Silvesterball angesagt, Christine überlegte sich, ob sie dort ohne Begleitung hingehen soll. Sie schlenderte durch die Gassen und blieb bei einem Kleidergeschäft, das reduzierte festliche Kleider im Schaufenster ausgestellt hatte. Ein Knie kurzes rosarotes Kleid gefiel ihr, sie probierte es und kaufte es. Sie ging dann ziemlich spät in den Kursaal, draussen unter dem Vordach standen ein paar Leute mit einem Glas Champagner in der Hand. Christine zog ihren Mantel aus und näherte sich dem Eingang: „Auch ein Glas?“ Ein Mann stand vor ihr und bot ihr ein Glas Champagner an. Christines Mantel rutschte ab, er nahm diesen über seinen Arm. „Kommt, mir wird kalt, gehen wir hinein. Erwarten Sie jemand?“ fragte er Christine. „Nein ich bin alleine gekommen“, sagte sie ehrlich. „Jaaaa, dann bleiben sie doch mit uns. Wir haben Zuwachs!“ rief er fröhlich, mit einem nördlichen Akzent, in die Runde. Fragte nach ihren Namen und stellte ihr alle, die an seinem Tisch sassen, vor. Dann wurde lustig getanzt und danach kleine Häppchen, die auf einer Platte serviert wurden gegessen. „Kommt, nehmt euer Glas und alle raus! Wir wollen die Raketen sehen.“ Christine nahm ihren Mantel, der an der Stuhllehne hing, und schloss sich den anderen an. Ohrenbetäubendes Glockengeläut, das Licht der Stadt wurde gelöscht und man fing an zu zählen. Christine zog ihren Mantel an und stellte dabei ihr Glas in eine Ecke. Alle schauten in den Himmel, da entfernte sie sich. Sie wollte nicht von fremden Angetrunkenen geküsst werden. Sie lief einer singenden Horde hinterher, die bis zum Münsterplatz liefen und dort ihre leeren Flaschen mit viel Lärm in einem Container schmissen und laut herumtanzten. Christine gefiel die Silvesternacht und sie fuhr mit einem Nachtbus fröhlich nach Hause. Sie schloss die Türe auf und plötzlich bekam sie Bauchschmerzen. Sie erreichte gerade noch die Toilette und spie alles heraus was sie getrunken und gegessen hatte, spülte ihren Mund, ging in ihr Zimmer und machte das Fenster auf um frische Luft zu atmen. Christine nahm ein Kräuterbonbon, suchte alle Kissen zusammen, sodass sie im Bett nicht flach liegen musste, und schlief bald einmal ein.

Am zweiten Neujahrstag wollte Christine die Müllers besuchen, unterwegs lief ihr Emmanuel über den Weg. „Hallo, Christine! Gutes neues Jahr! Ich bin gerade von Ägypten angereist, dort wurde mir meine Ledertasche gestohlen, da waren meine Hausschlüssel drin. Jetzt kann ich nicht ins Haus hinein kommen. Ich erreiche niemanden, der mir die Tür aufschliessen kann. Es sind alle noch in den Ferien. Erst Morgen kann jemand vorbeikommen. Ich suche jetzt das Hotel in der Längasse von einem Bekannten auf, wo ich hoffentlich übernachten kann. Ach weisst du, zum Glück hatte ich meinen Pass und die Boarding card in meiner Hand, sonst wäre ich noch nicht hier. Also Tschau, ich muss jetzt gehen“. Die Müllers waren auch nicht da, so spazierte Christine zum Bahnhof, kaufte sich dort ein paar Sandwiches und ging anschliessend nach Hause. Es war schon spät, als jemand an der Tür klingelte. Christine hatte das Radio leise an, sie ging zur Tür und sah Emmanuel draussen stehen, schloss auf und ließ ihn ins Zimmer hinein. „Entschuldige, im Hotel war alles besetzt, ich habe gewartet bis alle Zimmergäste da waren und gehofft, dass jemand nicht kommt. Leider kein Glück gehabt. Karl gab mir einmal eure Adresse an, so hab ich gedacht, weil ich gerade in der Nähe bin, schau ich mal rein. „Hat Karl in seinem Zimmer nicht läuten gehört, schläft er schon?“ Christine: „Er ist noch bei seiner Familie.“ Emmanuel sah sich um, bemerkte, dass zwei Betten weit auseinander gestellt im Zimmer standen. „Wer schläft denn noch hier?“, wollte er wissen und dann: „Kann ich wenigstens auf diesem Sofa übernachten?“ Er zeigte auf einem gepolsterten Lehnstuhl. Christine machte nun klar, dass sie kein eigenes Zimmer hier hat, so wie es versprochen war, und die Italienerin einfach ein zweites Bett bei Karl reinstellte. Das andere Zimmer hat sie einem Verwandten gegeben. Das war wirklich gemein von ihr, aber auch wieder verständlich. So sei sie wenigstens nicht auf der Strasse gelandet, als sie von England zurückkam. Wir haben uns dann arrangiert und gehofft, dass ich bald was anderes finde. Emmanuel schüttelte den Kopf und sagte nichts mehr. Christine: „Also ich rufe jetzt bei Karls Mutter an, ob er schon weggefahren ist, denn dann käme er heute noch spät an.“ Sie zeigte noch, wo er Kaffee und Sandwiches findet und eilte in die nächste Telefonkabine. Mutter nahm ab und berichtete verärgert, dass Karl bei Rosel, seiner früheren Freundin schläft, da Ernst sein Sofa nicht mehr freigibt und beide bei mir im Zimmer nicht schlafen wollten. Er hat doch allen erzählt, dass er mit dir verlobt ist und jetzt schläft er dort. So eine Schande, ich bete schon lange und innig, dass das endlich aufhört. Traudl war jetzt am Telefon: „Was hat sie dir jetzt erzählt? Karl hat Rosel für einen Pelzmantel Geld geliehen, jetzt möchte er es gerne zurück haben. Er schläft in einem separaten Zimmer. Rosels Schwester Fini lebt ja auch in derselben Wohnung. Ich glaube, er fährt vor 'Drei Königs Tag' wieder in die Schweiz.“ Weiter kamen sie nicht, die Münzen waren schon verbraucht. Christine log, dass Karl Morgen Mittag in Bern ankommen wird, so kann Emmanuel sich auf dem Bett bis Morgen früh ausstrecken. „Wo ist denn deine Frau?“ „Meinst du Hellene. Wir sind nicht verheiratet und wohnen auch nicht zusammen. Sie ist in Deutschland bei ihrem Sohn und ihren Eltern.“

 

Hellenes Geschichte
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2.19.  Au-pair in der Schweiz 2 – Hellenes Geschichte.

Im Laufe des Abends erzählte Emmanuel immer mehr von seinem Privatleben. So erfuhr Christine, dass er Hellene in London kennengelernt habe, als sie mit 17 Jahren von ihrem Grossvater schwanger wurde und das Kind nicht behalten wollte. Sie reiste nach London, wo sie hoffte, Hilfe zu bekommen. Die Adresse von einem Spital hatte sie von ihrer Freundin bekommen, die in London in einer Studentenwohngemeinschaft war, wo auch er wohnte. Doch die Ärzte dort haben ihr nach der Untersuchung mitgeteilt, dass es zu riskant wäre bei ihr die Schwangerschaft zu unterbrechen. Warum genau wurde ihr nicht erklärt. So erhielt sie keine Hilfe und war total verzweifelt und trug sich mit Selbstmord Gedanken herum. Ihren Eltern gab sie an, nur kurz ihre Freundin zu besuchen. Wir Studenten suchten einen Ausweg für sie und besprachen die Situation. Wir meinten, sie solle hier wohnen bleiben und sich als Studentin für Englisch eintragen und alles seinen Lauf lassen. Hellene nahm somit Verbindung mit ihren Eltern auf, die damit einverstanden waren. Doch das Kind wollte sie, wenn möglich, in Deutschland auf die Welt bringen, weil inzwischen ihr Grossvater verstorben sei. Sie hatte ein grosses Problem, wen soll sie jetzt als Vater angeben, ohne ein Familiendrama daraus zu machen. Die können ja nichts dafür und erzählen will sie es ihnen auf keinen Fall. Also ein Vater muss her. Der einzige der weder eine Freundin oder `engen` Freund hatte, war er. So wurde er ausgequetscht, warum und wieso. Er machte denen klar, dass es Menschen sowie ihn gibt, die das nicht interessiert und lieber ohne enge Beziehungen durchs Leben gehen wollen. Ist ganz normal und nichts dahinter. Er war erstaunt, plötzlich über seine Beziehung und privaten Verhältnis ausgefragt zu werden. Hellene hat ihm dann erklärt, dass sie einen Vater für ihr Kind sucht. Da habe er nicht lange überlegt und ganz spontan gesagt, sie soll ihn angeben. Später fand er das ganze verrückt! Sie kaufte sich einen Verlobungsring und fuhr zu ihren Eltern, wo ihr Sohn geboren wurde. Hellene erzählte ihren Eltern, schon vor der Geburt, dass sein Vater gestorben sei, was ja der Wahrheit entsprach. Nach drei Monaten kam sie zurück, um ihr Englisch Studium abzuschliessen. Danach fuhr sie in die Schweiz, um als Köchin zu arbeiten. Ihr Sohn blieb bei ihren Eltern und ging dort später auch in die Schule.

„Erst nach Jahren haben wir uns in Bern per Zufall wieder getroffen und da ihre Eltern mit ihrem Sohn nicht gut zurechtkamen, wollte sie ihn in die Schweiz holen und mit ihm zusammen leben. Ein Mann kam für sie nicht infrage, sie hatte die Jahre hindurch zu sehr gelitten. Sie wollte, dass er eine Kochlehrstelle findet. Ich wollte ihr behilflich sein und fragte bei meiner Arbeitsstelle in der Küche nach, ob Leo “schnuppern“ darf. Der Küchenchef war einverstanden. Doch Leo zeigte kein Interesse nur irgendetwas zu machen. Alle redeten auf ihn ein. Das machte ihn so hässig, dass er seine Hände, in das heisse Öl der Fritteuse reinsteckte. Leo schrie vor Schmerz und wurde ohnmächtig. Das war ein riesiger Schock für alle. Ambulanz mit blauem Licht kam an, auf der Strasse blieben Neugierige stehen, wollten wissen, was passiert ist. Nach der ersten Behandlung wurde Leo in Deutschland, in der Nähe seiner Grosseltern, in die Spital Abteilung einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Hellene war in Therapie Behandlung und ganz einsam. So hab ich mich um sie gekümmert und jetzt wollen wir zusammenleben.

Emmanuels Flucht
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2.20.  Au-pair in der Schweiz 2 – Emmanuels Flucht .

Es war schon spät, als Emmanuel sich ins Bad bemühte und dann mit voller Kleidung auf Karls Bett ausstreckte. Christines Magen fing wieder an zu zwicken, sie hatte ja nur ein Sandwich und einen Tee getrunken. Sie ging hurtig ins Badezimmer und alles kam wieder raus. Emmanuel fragte sie, ob sie etwas Falsches gegessen habe. Christine verneinte, sie glaube nicht, aber in letzter Zeit ist es ihr öfter übel und sie wagt sich kaum was zu essen. Emmanuel: „Die Symptome erinnern mich an Hellenes Schwangerschaft. Ich möchte dir mit meinen Fragen nicht zu Nahe treten, aber könnte es sein das du ein Baby erwartest?“ Christine dachte nach. Es war das einzige Mal im November, als Karl vom Besuch seiner kranken Mutter zurückkam, da hatte sie sich verleiten lassen. Aber er hat sich doch geschützt, ein französischer Arbeitskollege hatte im Betrieb, unter anderen erotischen Sachen, auch Kondome verkauft. Hefte in der Richtung habe sie unter seiner Matratze entdeckt. Christine: „Nein, nein!“ Emmanuel lachte: „Jetzt hast du aber lange nachgedacht. Aber ist ja gut so, ich meine dein Magen wird sich schon wieder erholen.“ Er drehte sich um und schnarchte bis in den Morgenstunden. Christine hörte, dass jemand zur Haustür hereinkam und erschrak. Sie öffnete leise die Tür und sah durch das verhängte Küchenfenster Licht. Die Seniora ist gekommen. Gott sei Dank, war es nicht Karl. Sie weckte Emmanuel, hielt ihren Finger vor den Mund und flüsterte: „Du musst jetzt leise sein, die Italienerin ist da.“ Er packte seine Sachen zusammen. Christine wusste, dass er nicht durch den Gang das Haus verlassen konnte, da die Seniora immer in der kleinen Küche beim Fenster sass und ihn sicher sehen könnte. Es gab nur einen Ausweg durchs Fenster raus, wo sie auch einmal einstieg. Sie erklärte es Emmanuel, während sie das Fenster aufmachte. „Das kannst du deinem Chef nicht antun!“ Er setzte sich auf die Fensterbank, sagte 'Adieu' und huschte grinsend weg.“ Als sie sich bei der Arbeit wieder trafen, mussten beide über die Aktion 'Fensterflucht' herzlich lachen. Karl erfuhr nichts davon.

 

Wohnungs suche für Rita
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2.21.  Au-pair in der Schweiz 2 – Wohnungs suche für Rita.

Am nächsten Tag versuchte Christine Karl am Telefon zu erreichen, sie sah auf seinem Kalender, dass er die Tage zwischen 2. und 6. Januar bei der Arbeit sein sollte. Er selber nahm das Telefon ab: „Ja was ist?“ Christine fragte, wann er wieder zurückkomme, da er doch bei der Arbeit sein sollte?

„Ach die können mich mal! Traudl und ich gehen jetzt in die Stadt etwas anschauen. Ich bin dann morgen Abend wieder in Bern. Du hast dein Geschenk, die schwarze Tasche, vergessen.“ Christine: „Bist sicher die Traudl will die nicht behalten, für mich ist sie zu klein und zu steif. Ich glaub nicht, dass ich diese verwenden werde. Wäre schade, wenn sie nur herumliegt. Vielleicht kann Traudl die jemanden anderen schenken. Übrigens ist die nicht ganz neu, drinnen ist ein gebrauchtes Taschentuch von deinem Vater und ein Mundspray.“ „Was? Die hört jetzt was von mir, ich schau gleich nach. Tschau, bis dann.“ Christine war alleine zu Hause, kam immer mehr ins Grübeln. Sie nahm die Adresse von Rita hervor und läutete am frühen Nachmittag bei ihr. Ihr Sohn öffnete die Tür. „Niemand da!“, dann schlug er die Tür wieder zu. Christine läutete noch einmal. „Ach du bist es, ich hab schon gedacht, es ist wieder unsere Hausmeisterin. Die will uns schon lange draussen haben. Aber ich finde keine Wohnung und mein Mann sucht nach einem Bauernhof. Der vergisst total, dass unser Geld niemals dazu reicht. Ich arbeite schon Tag und Nacht. Wir müssen hier raus, die haben uns schon ein Ultimatum gestellt. Was soll ich machen, ich bin total fertig“, jammerte sie. Christine sagte ihr, dass auch sie etwas suche. Ein anständiges Zimmer oder eine kleine Wohnung. Gestern habe sie ein Inserat von Neubauwohnungen gesehen, aber das sind 3½ und 4½ Zimmerwohnungen, nichts für sie. „Du könntest dort anfragen. Komm wir gehen zusammen hin.“ Rita: „Ich muss warten, meine Schwägerin hat sich angemeldet. Die sollte schon längst hier sein, sie wird ein paar Tage hier bei uns bleiben. Ich weiss gar nicht, wo sie schlafen soll, ist ja so eng hier.“ Die Schwägerin kam und war gar nicht erpicht, dass sie alleine mit den quirligen Kindern zu Hause bleiben soll. „Wir sind bald wieder da, wir fahren mit dem Auto dort hin, das geht schneller.“ Auf der Strasse stand ein altes verbeultes Vehikel von einem Auto. Christine wollte einsteigen. „Warte, ich muss den Sitz abräumen.“ Im ganzen Auto waren Spielsachen und Papier verstreut. „Geht es jetzt für dich. Ich muss das mal alles herausnehmen. Jetzt hoffe ich, mein 'Johann' springt an, mit dem hab ich oft meine Mühe.“ Es ging eine Weile, Rita meinte schon, Christine müsse anschieben, da heulte der Motor laut auf. „So jetzt schnell sonst stirbt der mir noch ab.“

An Kreuzungen, bei rotem Licht fuhr sie ganz langsam ran, sodass sie nicht stehen bleiben musste und eventuell der Motor absterben könnte. Sie schafften es bis zum Vermietungsbüro. Auf der Tür war eine Notiz, wie viele Wohnungen noch frei waren und nur für Familien mit Kindern vermietet werden. Rita: „Du, ich lass dich reden, denn bisher hab ich kein Glück gehabt.“ Christine klopfte und ging voraus hinein. Eine Sekretärin grüsste und dann: „Ja bitte?“ „Wir möchten gerne eine Wohnung mieten, wenn das möglich wäre.“ „Es hat noch einige 3½ Zimmerwohnungen. Füllen Sie diese Seiten aus, dann werden wir sie überprüfen und sehen, ob sie als Mieterin infrage kommen. Wie viel Kinder haben Sie?“ Christine gab zwei an. Rita füllte die Bögen aus, sie hatte eine wunderschöne Schrift. Dann legte Christine diese auf die Theke, die Sekretärin übergab sie dann einem Herrn hinter der Glaswand. Kurz darauf kam er mit einem Plan hervor, wo die Wohnungen mit dem Mietpreisen verzeichnet waren. Er gab jeden zur Begrüssung die Hand. „Meier! Hier können Sie die Wohnungen, die grün angemerkt sind und die eine, die sie mieten möchten, mit diesem Stift ankreuzen. Bis in drei Monaten sind die unteren Einzugs-bereit“, erklärte er mit einem Lächeln und sah Christine an. „Ich würde die in der Mitte hier im 1. Stock nehmen“, sagte sie zu Rita. Die kreuzt sie dann auch an. Verblüfft sah Herr Meier Christine an: „Ach Sie suchen keine Wohnung?“ „Doch aber ich habe keine Kinder.“ „Die kommen schon noch“, kreuzen sie die gewünschte Wohnung an und füllen sie das hier aus. Eine Monatsmiete muss vorausbezahlt werden, dann ist so alles in Ordnung und Sie bekommen die Wohnung. Während Christine die Bögen ausfüllte und die Wohnung neben Rita ankreuzte, schrieb die Sekretärin auf zwei Einzahlungsscheine die Mietsumme auf und übergab diese an Rita, die bisher kein Wort sagte. „Also das ist jetzt ganz sicher, dass wir die Wohnungen bekommen, und wann genau kann man einziehen?“ „Wenn Sie die erste Monatsmiete inert zehn Tage eingezahlt haben, dann können Sie ab heute gerechnet in drei Monaten einziehen. Und zu Ihnen, die Haushälfte die sie angekreuzt haben, wird bis dann nicht fertig sein. Das wird dann noch 8 bis 9 Monate länger dauern, obwohl es das gleiche Haus ist, wird die eine Hälfte vorher Einzugs-bereit sein. Sie können dann nachfragen oder bekommen von uns Bescheid.“ Christine: „Ach so ist das!“ Die Sekretärin verabschiedete sich und Herr Meier hob die Hand ohne aufzublicken. Rita: „Jetzt muss ich schauen, dass ich eine Mietverlängerung bis dahin bekomme. Komm, jetzt sehen wir uns das Projekt an, wo wir in Zukunft wohnen werden. Komm her, ich muss dich umarmen, du bist ein Schatz. Der 'Johann' meint es auch gut mit uns. Hörst du, er springt sofort an.“
Am Ende vom Quartier Bethlehem ist anschliessend eine Landwirtschaft mit Bauernhof. „Mein Gott, das kann ja nicht wahr sein, so idyllisch. Vielleicht darf man ins Gebäude, schau hier geht es rein und in meine Wohnung. Die Aussicht auf die Felder ist doch herrlich.“ Ein Arbeiter kam näher: „Hallo, was machen Sie hier, die Besichtigung war im vorderen Gebäude.“ Rita erklärte ihm, dass sie die Wohnung anschauen wollte, weil sie hier einziehen werde. „Also in fünf Minuten müssen Sie die Baustelle verlassen.“ Das Wohn- und das Elternschlafzimmer war gross, die Küche mit dem Esszimmerabteil hatte genug Platz. Kinderzimmer könnte grösser sein, ein Abstellraum, Bad mit Toilette und ein Becken mit Spiegelschrank in einer Nische. Kleiner Balkon mit freier Sicht, Kellerabteil, Wasch- und Trockenraum mit Lüftung im Untergeschoss. Kinderkrippe, Kindergarten, Primarschule, Einkaufszentrum, mit allem was man braucht. Bushaltestelle, in zehn Minuten ist man am Berner Bahnhof. „Wunderbar! Mein Mann Fredi wird sich freuen und jetzt geh ich noch ins Büro vom unseren noch Vermieter, um die Wohnfrist zu verlängern.“ Christine: „Ich muss leider bald zur Arbeit, kannst du mich bitte heimfahren, damit ich nicht zu spät komme“. „Ist doch selbstverständlich, komm 'Johann' bring Christine nach Hause. Kannst du Anfang der nächsten Woche mal vorbeikommen, dann können wir uns endlich bei einem Kaffee unterhalten.“ Christine versprach zu kommen und bat, im Fall sie Karl begegnet, nichts über die Wohnung zu erzählen. Sie möchte jetzt vorsichtig abwarten und schauen, was in nächster Zeit so geht. Rita: „Ich versteh dich, ich werde schweigen wie ein Grab.“

Karl zurück in Bern
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2.22.  Au-pair in der Schweiz 2 – Karl zurück in Bern.

Als Christine spät nach der Arbeit zu Hause ankam, wartete Karl schon auf sie. Er begrüsste sie sehr herzlich und zeigte, was er mitgebracht hat. Da war Bauernbrot, Speck, Salami, eine Flasche Südtiroler Rotwein und einen Liter 80 % Alkoholhaltigen Strohrum. Ein Einkaufssack lag auf ihrem Bett. „Gehört der dir?“, fragte Christine. „Wenn es so wäre, würde er nicht auf deinem Bett liegen.“ Im Paket waren zwei Strickkleider, ein blaues und ein hellbraunes. „Mutter hat gemerkt, dass du die im Schaufenster länger angeschaut hast, als wir nach dem Weihnachtsessen durch die Stadt spazierten. Sie meinte, ich soll dir auch was für Weihnachten kaufen. Und weisst du, was sie mir noch gesagt hat, ich sei ein Schuft dir gegenüber, weil sie es nicht richtig gefunden hat, dass du dein Weihnachtsessen selber bezahlt hast. So ein Wort hat Mutter noch nie herausgelassen.“ Christine: „Und erst dann hast du das gekauft!“ „Na ja, die Traudl war mit. Aber zum Glück hatten sie das, was sie wollte nicht in ihrer Grösse, so haben wir noch eine Bluse für Mutter dazu genommen“, grinste er. Christine: „Gut! So hat Mutter auch was Rechtes für Weihnachten bekommen.“ Christine wollte noch wissen, warum gleich zwei Kleider. Sie werde sie Morgen anprobieren, die passen mir sicher gut. „Danke schön!“ Sie gab ihn dann einen Kuss. Karl: „Es war Sonderverkauf, 'Drei für Zwei', also die Bluse von Mutter war gratis und kein Umtausch!“ Am Tag darauf ging Karl doch noch zur Arbeit. Er stellte seinen Wecker viel zu früh, stand dann nicht auf und schlief wieder ein, so kam er, wie schon öfter, zu spät in die Firma. Christine hatte versucht, ihn zu überreden den Wecker etwas später zu stellen, aber das tat er nicht. So stellte sie ihren Wecker für an die Zeit, wo er wirklich aufstehen musste.

Christine besuchte Rita wie versprochen, sie war total in Panik. „Was ist passiert?“ „Ich glaube, ich bin wieder schwanger. Ich habe die letzten Perioden nicht bekommen. Ich muss unbedingt zu einem Arzt solange Fredi, die Kinder und seine Schwester bei seiner Familie sind. Bitte, bitte komm mit, wir können in die Notfall Station vom Frauenspital, die ist gerade da oben, komm schnell.“ Dort angekommen, meinte die Empfangsperson: „Da sie kein Notfall sind, müssen sie zu ihrem Hausarzt.“ Christine mischte sich ein: „Der ist in den Ferien, also nicht erreichbar.“ „Ein Moment bitte.“ Sie nahm das Telefon und nach ein paar Worte: „Sie können im Gang warten und können dabei die Formulare ausfüllen.“ Rita: „Oh mein Gott! Ich muss mit meinem Freund reden, weil ich kann unmöglich von Fredi ein Kind erwarten, der ist so vorsichtig, er findet, zwei Kinder sind genug.“ Christine war irritiert, wollte nichts dazu sagen, stand auf und fragte bei der Empfangsperson, um ein neues Formular. Das andere habe ihre Freundin vor lauter Nervosität teilweise falsch ausgefüllt. Jetzt wurde auch sie nervös, denn jetzt realisierte sie erst, dass ihre Periode sicher schon zweimal ausgeblieben ist. Rita: Sag bloss du bist auch....“ Ihr Name wurde aufgerufen, eine Krankenschwester begleitete beide in ein Untersuchungszimmer. Rita hatte ihre ausgefüllten Formulare abgegeben, Christine hielt ihre noch in der Hand. Der Arzt: „Wer kommt zuerst dran? Ich kann nur eine nach der anderen nehmen, wer wartet draussen?“ Christine ging hinaus. Es ging nicht lange, da kam Rita mit Tränen in den Augen heraus und sagte, sie müsse zu einem Psychologen, bevor man weitere Schritte unternehmen kann. „Es hat einen hier im Spital, er meldet mich an. Du, der Arzt ist ein ganz flotter Kerl.“ „Sie können jetzt hereinkommen. Was haben wir auf dem Herzen oder unter dem Herzen?“ Christine: „Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob ich .....“ „Ja dann schauen wir mal nach.“ Er drückte zuerst am Bauch herum und stellte dabei ein paar Fragen, dann ging es unangenehm weiter. „Ja es dürfte vor zwei Monaten passiert sein, so wie ich es jetzt feststellen kann. Kommen Sie in einem Monat wieder vorbei, dann wissen wir es genauer. In Erwartung sind sie auf jeden Fall, haben sie ein Problem damit?“ Christine war zuerst sprachlos. „Wir sind nicht verheiratet. Er möchte schon eine Familie, weil er 32 Jahre alt ist. Aber ich möchte eigentlich keine Kinder, weil wir zu Hause 12 waren, von zwei Müttern und drei Vätern, das hat mich sehr geprägt, und da habe ich mir vorgenommen keine Kinder auf die Welt zu stellen. Mein Freund hat sich doch, mit einem Kondom geschützt, das eine Mal, sonst war nichts mehr.“ „Hat er es vorher geprüft, bevor er es verwendet hat? Er muss es aufblasen und ins Wasser tauchen, wenn Luftblasen herauskommen, darf man es nicht benutzen, sonst passiert so was, wie es jetzt ist. Billige Kondome sind mangelhaft. In Apotheken gibt es gute Waren. Also wir sehen uns in vier Wochen.“ Er gab ihr die Hand und öffnete die Tür. Christine hatte schon bei Stefan, ihren ersten Freund, Kondome kaufen wollen. Doch damals in der Apotheke sah man sie mit grossen Augen an und meinten: „Bist du nicht noch zu jung dafür?“ Man liess sie stehen und bediente sie nicht.

Rita: „Erzähl mir bitte nichts, ich will es nicht wissen. Ich muss jetzt sehen, wie ich mit meinem Schlamassel weiter komme. Ich hab schon einen Termin für Morgen. Sehen wir uns dann, bitte ich halt das alleine nicht durch.“ Christine sagte zu: „Also Morgen hier bei dir.“ Rita gab ihr noch die Zeit an, dann ging Christine nach Hause und anschliessend in ihren gewohnten Spätdienst. Als Emmanuel sie begrüsste, liefen ihr die Tränen runter. „Ist was passiert, komm, sag es mir.“ „Du hast es richtig vermutet, ich erwarte ein Baby.“ „Da musst du doch nicht weinen, der Karl heiratet dich sofort, wenn du willst und jetzt musst du vernünftigerweise wollen. Keine Sorge, ich rede mit ihm, wenn er kommt.“ „Ja, aber das ich in Erwartung bin, möchte ich ihm vorher schon selber sagen.“ „Gut.“ Ihr Kollege Renato fragte: „Du, Emmanuel macht ein so sorgenvolles Gesicht, ist was passiert?“ Christine: „Ich erzähle es dir später, hör mal, wenn Karl kommt, dann schau bitte auf meinen Service. Ich muss ihm etwas Wichtiges mitteilen.“ Renato: „Ist schon gut.“ Als Karl kam, nahm sie ihn in eine Ecke, wo sie ungestört reden konnten. „Willst mir was sagen?“ „Ja, ich bin schwanger.“ Er stutzte zuerst: „Aber ich habe doch verhütet.“ Christine erzählte ihm, dass sie beim Arzt war, und der ihr erklärt hat, warum es doch passieren kann. Karl ziemlich erfreut: „Na ja, was machen wir jetzt?“ Christine: „Emmanuel weiss Bescheid, er möchte mit dir reden.“ Karl setzte sich und Emmanuel kam zu ihm. „Eine erfreuliche Nachricht, was? In deinem Alter ist es Zeit, eine Familie zu gründen und verlobt seid ihr ja schon lange genug. Christine wird eine gute Frau und Mutter sein, so wie ich sie jetzt kennenlernen durfte, und du ein guter Vater. Ich gratuliere euch jetzt schon. Der nächste Schritt ist jetzt sofort zum Standesamt gehen. Sucht beide die nötigen Papiere zusammen und meldet euch für ein Aufgebot an. Es wird eine Zeitlang dauern, bis ihr dann heiraten könnt. Also ich hoffe, das alles klappt.“ Christine sprach noch ein paar Worte mit Karl, dann ging er, ohne zu essen weg, mit der Bemerkung, er kaufe sich etwas am Bahnhofkiosk. Emmanuel lief ihm nach: „Vergiss nicht für Christine ein paar Blumen zu besorgen.“

Christine zu Emmanuel: „Warum heiratest du nicht?“ „Ist etwas kompliziert und fängt schon bei meinen Eltern an. Mein Vater hätte eine Ägypterin heiraten sollen, war aber mit meiner Mutter, einer Griechin zusammen, die er immer noch sehr liebt. Er wollte keine andere Frau. Sie dachten, wenn sie ein Kind bekommen, speziell einen Sohn, dann bekäme er sicher eine Heiratsbewilligung von seinem Vater. Dem war aber nicht so, ich kam auf die Welt und da bin ich. Meine Mutter möchte gerne für mich eine Griechin als Frau und mein Vater wiederum eine Ägypterin. Schon von klein auf wusste ich von dem Zwist und dabei hab ich mich nie für Frauen interessiert. Meine Eltern dachten schon, ich sei homosexuell, bin ich aber nicht. Es ist schwer für sie meine Lebenseinstellung zu akzeptieren. So pendelte ich zwischen dem Hotel meiner Mutter in Kreta und dem meines Vaters in Alexandria hin und her. Als Erwachsener habe ich mich sehr für Sprachen interessiert, so haben sie mich nach London geschickt, da hab ich Hellene das erste Mal gesehen. Weiter hatte ich den Wunsch Französisch zu lernen und die Hotelfachschule in Lausanne zu besuchen, dort habe ich dich getroffen. Hellene bin ich nach Jahren wieder in Bern begegnet und wie du schon weisst, wir sind dann nur gute Freunde geworden, nichts Weiteres.“

„Ich haben von der Brauerei, die uns das Bier liefert, eine kleine Wohnung zu mieten offeriert bekommen, damit Hellene und ich zusammen ziehen können, hat mein Bekannter gemeint. Aber es ist nur ein Studio. Wir möchten schon zwei separate Schlafzimmer haben. Christine: „Meinst du nicht, das wäre etwas für mich und Karl. Ich meine, wir sind ja jetzt schon in nur einem Zimmer.“ Christine erzählte ihm von der Wohnung, die sie vor ein paar Tage gefunden habe, aber dort erst in etwa 8 oder 9 Monaten einziehen kann. Sie habe Karl noch nichts davon erzählt. „Oh mein Gott! Seit den letzten Tagen haben sich die Umstände komplett verändert. Ich kann mein Baby unmöglich bei der Italienerin gebären.“ Emmanuel: „Lass mich nachdenken. Zuerst dürft ihr niemanden erzählen, dass du in Erwartung bist. Ich werde ein gutes Wort bei der Brauerei für euch einlegen und Karl muss Morgen Vormittag, nachdem ihr beim Standesamt gewesen seit, dort vorbeigehen. So hat er einen Beweis, dass ihr heiraten werdet. Unverheiratete Paare bekommen hier keine Wohnung. Ich sage immer, Hellene ist meine Frau. Wir waren schon auf Wohnungssuche, aber jetzt ziehen wir in etwa fünf Monaten weg. Ich glaube, da müssen wir auch vorher heiraten und noch ein Grund mehr, mein Gesundheitszustand ist auch nicht der Beste. Ich muss Hellene absichern, sie sorgt sich sehr meinetwegen.“

Als Christine nach Hause kam, war Karl noch auf und stellte seine Dokumente für das Standesamt zusammen. „Schon komisch, die Südtiroler schreiben meinen Namen mit 'c' und meine Familie in Österreich mit 'k'. Christine schenkte dem keine Beachtung und prüfte alle ihre Dokumente. „Komm, geh auch du, schlafen. Wir müssen Morgen früh auf, du musst deinen Arbeitgeber anrufen und sagen, warum du erst Nachmittag kommen wirst“, mahnte sie Karl. Wegen des Studios wollte sie noch nichts erzählen und abwarten, ob Emmanuel etwas unternommen hat.

Beim Standesamt waren die Dokumente für das Aufgebot in Ordnung, ausser Karl musste einen neuen Geburtsschein bestellen, da er auf den Familiennamen mit 'k' bestand. Für die Eheschliessung bekamen sie eine Frist von vier Monaten. Anschliessend suchten sie Emmanuel auf und erfuhren, dass Karl noch am Vormittag zur Brauerei gehen soll, um sich für das Studio zu bewerben. Karl: „Ich muss zur Arbeit, sie kann ja dort hingehen.“ Emmanuel ganz streng: „Nein! Das ist jetzt deine Sache, du hast jetzt noch genug Zeit, um das zu erledigen und dann kannst du zur Arbeit gehen. Erzähle denen, dass ihr schon lange verlobt seid und ihr das Aufgebot für die Eheschliessung eingereicht habt. Sag auf keinen Fall, dass Christine in Erwartung ist, denn für Kinder ist die Wohnung zu klein. Dass es, so hoffen wir, nur für vorübergehend ist, darfst du auch nicht erwähnen, halte dich kurz. Also geh jetzt, du schaffst das schon.“ Emmanuel rief nochmals seinen Bekannten an und versuchte ihn zu überzeugen, dass die beiden die richtigen Mieter für dieses Studio seien. Und er erinnerte ihn, dass er Christine im Service schon kennengelernt habe, darum komme jetzt ihr Mann in Spe alleine vorbei. Karl kam stolz, nach der Besichtigung des Studios, mit dem Mietvertrag nach Hause. Christine rief Emmanuel von der Telefonkabine an und bedankte sich für seine grosse Hilfe. Sie können sofort einziehen, nur fehlten jetzt noch Betten und Mobiliar.

Karl ging zur Arbeit und Christine suchte Rita auf, die zum Psychologen gehen musste. Als sie bei Rita ankam, fragte sie, ob sich Fredi gefreut hat, dass sie jetzt eine Wohnung gefunden habe. „Du, der wollte sofort sehen, wo das ist. Ich bin mit ihm hingefahren, er war total begeistert. Zwei Kinderzimmer, eins für den Sohn und eins für die Tochter, hätte er schon gewollt. Aber es ist schon gut so, wie es ist. Christine erzählte ihr, dass sie ein Studio gefunden habe und es noch Möbel braucht, und dass sie heiraten werden. „Du, ehrlich, es freut mich zu hören, dass ihr heiratet. Weist, jeder Mensch hat 'Mücken', die von Charly sind ja noch verträglich. Wegen den Möbeln, die ihr jetzt braucht. Geh zu Möbel Pfister und fragst nach Beni. Er hat uns auch geholfen, günstige Möbeln zu kaufen. Richtest einen Gruss aus von mir. Vor dem Haus bremste quietschend ein Sportwagen, der Typ, der ihr einmal von der Bar aus nachgefolgt war, stieg aus. Rita ging schnell zu ihm hinaus und erzählte ihm, dass sie von ihm schwanger sei und jetzt dringend Geld brauchte. Christine wollte nicht mithören und gab Rita zu verstehen, dass sie vorausgehe. Plötzlich stand Fredi vor dem Auto als ihr Freund ihr ein paar Geldscheine zuschmiss. Sie bückte sich darum, Fredi wollte wissen, was da vorgeht. Doch ihr Freund zischte mit lautem Motor davon. „Ah, ah, stotterte sie, ich hab ihm Geld geliehen, jetzt hat er es mir zurückgegeben.“ Das hörte Christine noch. Rita erzählte, dass er ihr nicht glaubte und sie bei den Haaren in die Wohnung zog: „Schau, er hat mir auf die Arme und auf das Aug geschlagen das wird sicher bald blau anlaufen. Ich konnte ihn entkommen und weglaufen.“ Jetzt sass sie zittern auf dem Stuhl im Wartezimmer und hielt Christines Hand fest. „Du wartest dann auf mich gell! Ich habe solche Angst, hoffe das mir geholfen wird.“ Heulte sie leise vor sich hin, bis sie gerufen wurde. Es ging ziemlich lange, bis sie wieder herauskam. „Komm!“ Sagte sie erleichtert. In zwei Tagen kann ich schon in eine Privatklinik eintreten. Wenn es gut geht, brauch ich nur zwei bis drei Nächte dort bleiben. Ich musste eine Anzahlung machen, das Geld von meinem Freund, jetzt ist er nur noch mein Ex, hab ich hingelegt und weil ich Schlagspuren hatte, war für den Arzt die Entscheidung leichter. Jetzt muss ich für Fredi eine Ausrede finden, warum ich die Zeit wegbleiben muss.“ Christine: „Dir fällt schon etwas ein, ich wünsche dir alles Gute, mehr kann ich, glaube ich, nicht für dich tun. Ich warte, bis du dich bei mir wieder meldest.“ Rita bedankte sich bei Christine für ihren Beistand und dann: „Charly ist ein anständiger Mensch, das wird schon gut gehen mit euch zwei, freue dich auf dein Baby.“ Sie verlor noch ein paar Tränen bevor sie sich verabschiedeten.

Christine schaute sich bei Möbel Pfister um und fragte nach Beni. Er, ein Bayer, freute sich das sie ihn rufen liess. Sie stellte sich vor und richtete liebe Grüsse von Rita aus. „Ach die Rita, eine lustige Person. Was darf ich ihnen zeigen?“ Christine erzählte von dem Studio, das sie nur vorübergehend gemietet haben, den bis sie in eine grössere Wohnung einziehen können, geht es noch ein paar Monate.“ „Wie gross ist das Studio? Was gedenken sie zu kaufen?“ Christine fing an aufzuzählen und das billigste im Moment gut genug sei. Für die 3½ Zimmerwohnung müsste sie dann schon etwas Rechtes einrichten. Christine: „Leihen sie mir einen Massstab, ich gehe schnell messen, ist ja nur ein paar Häuser weiter entfernt.“ „Wenn sie möchten schau ich mir das gerne an.“

Christine freute sich das er sich Mühe gibt ihr ein paar billige Möbel zu verkaufen. Er machte einen Plan, zeichnete professionell ein paar Striche mit Massangaben darauf. „So jetzt gehen wir zurück, ich werde ihnen ein paar Sachen zeigen, die ich mir gut für dieses Studio vorstellen kann.“

Er zeigte ihr ein Bett, in der Jugendzimmer Abteilung, mit einem Umbau wo man das Bettzeug am Tag verstauen kann und siehe da, ein zweites Bett konnte man hervorziehen und daneben stellen. Dann zeigte er ihr eine violett farbige Polstergruppe, seitlich und im Rücken grau. Die Bank sei ausklappbar, sodass ein Gast darauf schlafen könnte. Wegen der Farbe war der Preis ein paar mal schon reduziert. Dazu gab es einen Mosaik Tisch, zufällig passend, mit ein paar violetten und goldenen Steinchen eingelegt. Die Umrandung und Füsse waren in golden farbigen Metall. Auch zeigte er einen kleinen grauen Esstisch mit vier leichten am Sitz geflochtenen Holzstühlen. Alles sofort lieferbare reduzierte Möbel aus der Ausstellung. Die gesteppte Tagesdecke bekam sie gratis dazu. Beni: „Sind sie morgen Vormittag zu Hause, so nach zehn Uhr, dann können wir, alles bei ihnen einrichten.“ „Oh gut, ich werde da sein.“ Beni gab ihr noch die Rechnung. Barzahlung bei Lieferung, darüber ein roter Stempel“, Kein Umtausch!“ Hoffentlich gefällt es Karl.

Christine ging zur Bank und hob den Betrag und etwas mehr ab, den es brauchte noch Bettwäsche und einen Vorhang für das Fenster, dazu wollte sie beim Roten Kreuz Laden vorbeischauen,

Zum Glück hatte Beni das Fenster ausgemessen und ihr den Plan überlassen. Nicht alles fand sie dort, aber Tagesvorhänge mit der richtigen Aufhängung waren in Massen vorhanden. Auch noch gute Bettwäsche und zwei Wolldecken. Kissen kaufte sie später noch in der Stadt. Voll gepackt kam sie im Studio an. Christine gab Karl bekannt, dass sie Morgen schon einziehen können, sie habe dann schon zwei Betten in der Wohnung stehen und noch eine kleine Überraschung. Er soll die Seniora informieren, dass sie Morgen bereits umziehen werden und auch gleich den restlichen Mietzins bezahlen und nicht vergessen auch die erste Monatsmiete vom Studio mit dem Depot zu überweisen. „Ich meine das kannst du nach der Arbeit noch erledigen“. Karl: „So ein gehetzt, warum muss bei dir alles so schnell gehen, ich habe vorgehabt eine paar Kilometer mit dem Rennrad zu fahren.“ Christine: „Das kannst ja immer noch, wenn du die paar Sachen erledigt hast.“

Studio Möbelieren
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2.23.  Au-pair in der Schweiz 2 – Studio Möbelieren.

Die Möbel wurden pünktlich geliefert und aufgestellt. Ein Möbelstück mit eingebauten Schallplattenspieler mit Zehn-Platten-Automaten und noch dazu ein eingebautes Radio wurde mitgeliefert. Christine: „Oh! Das hab ich nicht gekauft“, sagte sie zu den zwei Italienern, die den Transport gemacht haben. Die hoben nur die Schultern hoch und wollten schon gehen. Christine gab jeden ein rechtes Trinkgeld und fragte dabei noch, ob sie eine Leiter dabei hätten, um den Vorhang aufzuhängen. Einer holte eine Leiter und ruckzuck war der aufgehängt. Danach suchte sie Beni auf. „Ich habe gedacht, das fehlt noch bei euch.“ Er hielt ihr eine Rechnung hin mit einem Spottpreis darauf und zwinkerte mit einem Auge. Christine: „Was so billig, dann nehme ich es gerne.“ So viel Geld hatte sie noch in ihrer Tasche. Sie bekam einen Stempel mit „Kein Umtausch“ darauf. Christine: „Was ist, wenn es nicht funktioniert?“ Beni: „Garantie ist beigelegt.“ Die Einrichtung sah jung und frisch aus. Sie hatte noch Zeit auf Karl zu warten, war spannend neugierig, was er dazu sagt. Denn nach der Arbeit wollte er Christine im Studio treffen.

Er machte grosse Augen, als er nach Hause kam: „Ha! Dass es schon fertig möbliert ist, mit dem hab ich nicht gerechnet. Hell und gemütlich sieht es aus, aber wo ist das zweite Bett?“ Er setze sich erfreut auf die violette Polsterbank. Sie zeigte ihm wie alles funktionierte und das Radio wurde auch gleich eingeschaltet. Mit dem Wein aus Südtirol wurde dann angestossen. Karl: „Hast du das auf Raten gekauft?“ Christine: „Nein, wir machen keine Schulden, es wird nur was gekauft, wenn das Geld dazu reicht.“ Sie hatte jetzt nicht mehr den ganzen Betrag, um die erste Monatsmiete in Bethlehem zu zahlen. Sie wollte Karl noch nichts von dem verraten und zahlte nur die Hälfte ein, mit der Notiz, den Rest im nächsten Monat zu bezahlen, was sie dann auch tat.

Nach fast drei Monate läutete Rita und brachte einen dreckigen verschimmelten Marken-Kinderwagen vorbei. „Der war sehr teuer damals, wenn du den abwäscht, sieht der wieder passabel aus. Ich kann ihn jetzt nicht mit zügeln, da wir keine weiteren Kinder haben werden. Also ich lasse ihn jetzt bei dir, ich weiss du bringst den wieder hin. Entschuldige, ich habe es eilig. Schön hast du es eingerichtet, alles von Beni, freut mich. Hat er dir einen guten Preis gemacht? Wir reden später mal darüber. Tschau bis dann.“ Christine konnte nicht viel sagen, denn schon war sie weg und der Kinderwagen muffelte vor sich hin. Später stellte sie ihn auf den sonnigen Balkon.

Emmanuel zu Christine: „Wir waren im Standesamt und haben schon ein Datum, wann wir heiraten können. Zum Glück besitzen wir beide den Schweizer Pass, sonst wäre es nicht so schnell gegangen. Ohne den hätten wir nur eine kleine Chance für ein Lokal, das wir jetzt in Aussicht haben, zu pachten. Was ist mit euch, wann wird geheiratet?“ Renato kam dazu, wollte es auch wissen. Christine: „Karl besteht darauf mit 'k' zu heiraten und nicht mit 'c'. Renato: „Ich hör nur 'c' und 'k', hat das mit dem Familiennamen zu tun. Wie heisst er eigentlich?“ Emmanuel stand nachdenklich daneben. Christine: „Nikolussi.“ Renato erstaunt: „Ein Wahnsinn! Ich heisse auch Nicolussi, das gibt es ja nicht! Ist halt so, wenn man sich nur mit dem Vornamen kennt.“ Christine lachte „Und wie schreibst du Nikolussi?“ Die meisten meiner Verwandten leben in Vorarlberg, ein paar noch in Italien und alle schreiben Nicolussi mit 'c'. Auch auf den venezianischen Urkunden ist es mit 'c' dokumentiert.“ Emmanuel: „Wie lange will der noch bei seinem Namen herumdoktern, du wirst auch schön langsam runder. Er kann ja nachher schreiben, was und wie er will. Er muss halt mal nach Italien und dort wegen seiner Geburtsurkunde reklamieren, jetzt wird geheiratet. Punkt und fertig! Wenn er heute kommt, werde ich es ihm schon beibringen. Wir heiraten ganz heimlich ohne Verwandte und Bekannte. Denen berichten wir es später schon.“ Emmanuel sah ein bisschen aufgeblasen aus.

Christine: „Wie geht es dir gesundheitlich?“ „Ich hab mich in Ägypten infiziert. Die Ärzte finden nicht heraus, was es ist und wie man es richtig behandeln kann. Hellene macht sich Sorgen, aber sie schafft es auch alleine ein Tea-Room zu führen. Es läuft alles auf ihren Namen, das wollte ich so, damit sie versorgt ist. Ende Juni wird gezügelt, das schaffe ich schon noch. Ich werde dich dann auch kündigen, weil du dann sowieso nicht weiter arbeiten kannst. Lass mich nur machen, ich erkundige mich noch genauer bei meinem Anwalt der auch für mich und Hellene alles erledigt.“ Christine bedankte sich für seine Hilfe. Beide wissen, dass sie Vertrauen zueinander haben und sie finden es schön, so wie es sich entwickelt hat. Karl kam ins Restaurant, er war ohne Emmanuels Verwarnung zum Standesamt gegangen und hat jetzt das Datum für die standesamtliche Eheschliessung erhalten. Renato: „c oder k?“, und lachte, „ich weiss, es ist 'c'.“ Karl: „Werden wir schon noch sehen.“ Er machte ein Geheimnis daraus. Emmanuel freute es, dass es vorwärtsgeht und Christine und Karl sich sichtlich besser verstehen, aber die Ehe wahrscheinlich nicht ohne Kompromisse funktionieren werde. Emmanuel: „Ihr beide müsst ernsthaft zusammen reden, was ihr durch die Eheschliessung nicht verlieren wollt. Das haben Hellene und ich auch gemacht. Zum Beispiel: Ich reise gerne, sie nicht so, ausser zu ihrer Familie und ihren Sohn.“ Christine: „Das trifft genau so auch bei uns zu.“ „Also da solltet ihr euch schon gegenseitig die Freiheit lassen. Es gibt sicher noch mehrere Dinge, die ihr nicht so gerne zusammen macht. Karl: „Jeden Tag nach der Arbeit Rennrad fahren, tue auch nur ich.“ „Siehst du, das entwickelt sich dann mit der Zeit, dass man einen Kompromiss machen muss, damit man trotzdem glücklich zusammen leben kann.“ Christine tanzt sehr gern, geht gerne aus, Karl bleibt lieber zu Hause, er liest sehr gerne Bücher.

Emmanuel und Hellene haben ganz still geheiratet. Sie sind am Wohnung zügeln, beide behalten ihre Arbeit so lange es möglich ist weiter.

Im Juni, zwei Monate vor der Geburt des Kindes, heiraten Karl und Christine endlich.

Christine trug ein schönes violettes Kostüm, das ihren Babybauch ein wenig kaschierte. Karl hatte einem blauen Massanzug an, wollte aber keine Krawatte tragen. Es war abgemacht, dass er alles arrangierte, doch einen Strauss Rosen habe er vergessen. Christine: „Das fängt ja gut an. Zieh die Krawatte an, die ich dir gekauft habe, ich hab sie in deinen Anzug gesteckt.“ Sie betraten danach das Standesamt und wurden gefragt, wann die Trauzeugen kommen. Christine sah Karl nur kurz an und sagte: „Die sind behindert, können leider nicht kommen.“ Ein Beamter drehte sich um und sah zwei Polizisten draussen vorbeigehen, er rief nach ihnen und orderte sie zu kommen. „Habt ihr was dagegen Trauzeugen zu sein, die ihren sind verhindert, sonst können wir die Ehe nicht vollziehen.“ Die zwei Polizisten sahen sich an und waren einverstanden: „Aber anschliessend müssen wir wieder auf Patrouille“, ermahnten sie. Sie stellten sich kurz vor, unterschrieben dann die Ehedokumente. Die Zeremonie dauerte nicht lange. Die zwei Polizisten wünschten noch alles Gute und gingen. Christine bedankte sich und kämpfte mit ihren Tränen. „Einen Moment!“, rief einer der Beamten Karl hinterher, nach dem er noch einen prüfenden Blick auf die Unterschriften gemacht hatte. Ihr Name ist ab heute Karl Nicolussi mit 'c' geschrieben, schreiben sie den jetzt hier richtig hin.“ Nikolussi wurde durch gestrichen, er hielt den Finger auf die Zeile, auf die Karl nochmals unterschreiben musste. Anschliessend standen sie vor dem Rathaus. Christine: „Komm! Jetzt machen wir ein paar Fotos von uns.“ Karl: „Hast du meine Kamera dabei?“ Natürlich hatte sie nicht seine Fotokamera dabei. Christine: „Ja dann machen wir halt später welche. Und jetzt sind wir alleine. Hast du irgendwo in einem anständigen Restaurant reserviert?“ Karl: „Wieso? Wir laufen jetzt darunter, irgendwo können wir dann was zu Mittag essen.“ 'Restaurant zu Webern', 'Bürgerliche Küche'. Beide kannten das Lokal nicht. Christine nahm sich zusammen, ihr verging schön langsam der Appetit. Sie machte sich selber schwere Vorwürfe, dass sie nicht beide alles zusammen arrangiert haben. „Ich gebe mir selber die Schuld“, sagte sie weinend. Karl: „Du wolltest ja niemanden wissen lassen, dass wir erst jetzt heiraten, weil man ja, wenn man genau hinschaut, schon sieht, dass du schwanger bist.“ Christine schwieg, bestellte das Menü 1, Karl Menü 2. Den Rechnungszettel steckte sie in ihre Tasche und versorgte ihn später, zur Erinnerung, in einen kleinen Karton. Nach dem Essen bekam Christine plötzlich einen Weinkrampf und lief zur Toilette. Danach auf dem Weg nach Hause, sah sie in einem bekannten Schokoladier eine kleine Torte und eine kleine Flasche Champagner, die sie dann kaufte. Weiter beim Zeitglocken Turm war ein Blumenstand. Dort machte sie Karl auf einen Rosenstrauss aufmerksam, den er dann Christine überreichte. Zu Hause deckte sie den Tisch, stellte zwei Gläser auf und sie genossen ein Stück von der feinen Torte und tranken die kleine Flasche Champagner leer. Christine erinnerte sich plötzlich, dass Renato heute im Stadttheater Ballett tanzte. Sie wollte nicht zu Hause an ihren Hochzeitstag langweilig herumsitzen. Sie nahm eine Rose aus der Vase und sie fuhren zum Theater. Es waren nur teure Plätze ganz vorne am Rand zu haben. Karl wollte schon umkehren, da kaufte Christine zwei Eintrittskarten.

Renato tanzt Ballett
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2.24.  Au-pair in der Schweiz 2 – Renato tanzt Ballett.

Es war ein ganz modernes Ballett Stück und wegen einer bekannten russischen Ballett Tänzerin, war es fast ausverkauft. Renato, in seinem Kostüm und der starken Schminke, war kaum zu erkennen. Erst vor der Pause, als sie sich verbeugten, sah er Christine und Karl. Er strahlte förmlich vor Freude, dass sie seinetwegen im Theater waren. Nach der Vorstellung stand Christine mit der Rose in der Hand beim Künstler Ausgang und warteten auf Renato. Er war einer der Ersten, die herauskamen. Christine winkte auffällig mit der Rose, sodass es ein paar von seiner Gruppe sahen, und lobte ihn laut, wie gut er aussah und getanzt habe. Renato: „Ihr seid so lieb! Danke schön! Ihr müsst mich entschuldigen, wir sind jetzt noch privat eingeladen. Ich kann mit denen da drüben mitfahren. Tschüss! Wir sehen uns dann Morgen.“ Karl und Christine liefen die Gasse hinauf, bei einem Nachtlokal, schaute Karl in den Programmkasten. Karl: „Wir könnten noch da hineingehen, das Programm fängt in fünf Minuten an.“ Christine stimmte zu, sie war noch nie in einem Nachtlokal. Karl kaufte Eintrittskarten, ein Drink war im Preis inbegriffen. Er verriet nicht, was er dafür bezahlt hat. Sie wurden an einem kleinen Tisch ganz neben der Bühne platziert. Sänger und Zauberkünstler waren zuerst dran. Dann kamen halbnackte Akrobaten und zuletzt noch zwei Striptease Tänzerinnen. Die eine bat Karl, ihren Büstenhalter aufzutun. Dazu bückte sie sich auf den Bühnenrand und er öffnete grinsend auf ihren Rücken den BH, den sie dann über seinen Kopf an seine Ohren hielt. Da währte er sie ab und ordnete seine Frisur wieder. Ein Mann am Nebentisch sah ständig zu Christine hinüber, da stand Karl auf und ermahnte ihn, sie nicht so anzustarren. Der Mann stand auch auf, da mischte sich der Kellner ein. Christine hatte genug und sie ging Richtung Ausgang.

Christines Halbschwester Charlotte bat um Hilfe beim letzten Telefonanruf, den sie nach Hause machte. Sie möchte auch in die Schweiz kommen. Sie habe bis jetzt in einem Restaurant in der Küche ausgeholfen und viel dazu gelernt. Christine erzählte dies Hellene, weil die ja ihre Stelle als Köchin aufgibt, ob sie ein Wort bei ihrem Chef einlegen könnte.

Es dauerte eine Weile, bis eine Arbeitsbewilligung ausgestellt war und sie einreisen konnte. Christine holte Charlotte am Bahnhof ab, die Freude war gross. Sie wusste aber nicht, dass Christine schwanger war. Christine bat sie, noch nichts davon zu Hause zu erzählen. Als Charlotte fragte, ob sie ins Spital in der Heimatstadt das Kind auf die Welt bringen wird, erklärte sie ihr, dass sie schon in einem Privatspital von ihrem Arzt angemeldet sei und sie auch seit kurzen verheiratet sei. Charlotte blieb vor der Neuigkeit still. „Du wirst Karl heute Abend kennenlernen.“ Als sie zu Hause ankamen, war die Feuerwehr im Einsatz. Im Dachstock brannte es, jemand hat Feuer gelegt. Die Polizei schloss Christine aus, weil sie nicht zu Hause war. Der Hauseigentümer war auch anwesend. Christine beklagte sich bei ihm, sie habe bemerkt, dass die Hauswartin in ihrer Wohnung war, da das unsere Gitter vom Kühlschrank weggezogen und einmal die Vorhänge verschoben waren. Sie habe sie dann gefragt, was sie in der Wohnung suche, bekam aber keine klare Antwort. In der Waschküche wurde schon mal die Waschmaschine abgestellt und die nasse Wäsche herausgezogen. Auf der Wäscheleine war ihre Wäsche zusammen geschoben, sodass sie nicht trocken war, als jemand anderes sie benutzen wollte. Dabei habe sich die Hauswartin in der Waschküche aufgehalten und unfreundlich kommentiert. Er meinte dann, dass er mit ihr schon reden könne, aber man müsse Beweise haben für solche Anschuldigungen.

Christines Schwester war perplex. „Die ist neidisch, denke ich, schau sie dir genauer an, wie wir vorbeigegangen sind, hat sie nicht grüssen wollen und sich abgewendet. Hast du gehört, die hat noch etwas über Ausländer gemurmelt.“ Christine: „Ach komm, wir dürfen jetzt ins Haus gehen. Sag mal, warum hast du einen silbernen Vorderzahn?“ „Die Mami hat mir erzählt, dass mein richtiger Vater so einen hatte, darum habe ich mir den Zahn mit einer Silberkappe überziehen lassen. Die kann man aber wieder entfernen, wenn man will.“ Christine: „Wir gehen in die Zahnklinik, bevor das jemand anders sieht. Manche Zigeuner hier haben solche Gold oder Silber Zähne. Komm, wir haben noch Zeit, gehen wir.“ Sie wurde einem jüngeren angehenden Zahnarzt zugewiesen, dieser entfernte die Krone ohne Problem, nur der Zahn war jetzt etwas schmäler und kürzer als die daneben, das könnte man verbessern und wegen der Karies an anderen Zähnen sollte sie nochmal vorbeikommen. Sie musste eine kleine Summe, bar bezahlen, und dann wurde ein Datum für eine weitere Behandlung abgemacht. Christine: „Jetzt siehst du echt gut aus, morgen gehen wir zu Hellene wegen deiner Arbeitsstelle und jetzt essen wir mal etwas. Ich hab schon was vorbereitet, dann kannst du duschen, wenn du willst und dich ausruhen bis Karl kommt.“ Irgendwie fand sich Charlotte überrannt und war ein bisschen eingeschnappt. „Ich habe mich vor der Abreise gewaschen und dusche lieber Morgen.“ Sie assen zusammen und sie erzählte von zu Hause und dass sie froh sei, hier zu sein. Christine zeigte ihr den Kinderwagen, der am Balkon stand. „Glaubst du den kriegen wir so sauber, dass ich ihn gebrauchen kann?“ Ihre Schwester kontrollierte das ganze Gestell und nahm die praktische Tragtasche heraus, sah sich die dreckigen Räder an. „Schau der ganze Chrom-Stahl muss nur gewaschen werden, dann glänzt der wieder. Das Dach ist vorne ein wenig beschädigt, das kaschieren wir mit Spitzen und die Tragtasche muss ordentlich geschrubbt werden, das kriegen wir schon hin.“ Sie nahm die Tasche und stellte sie ins Bad unter die Dusche, sprühte alles mit Badeputzmittel ein. „Das lassen wir jetzt einwirken, in der Zwischenzeit nehmen wir uns das Gestell vor. Wir wissen ja nicht, ob ich morgen noch Zeit habe, dir zu helfen und schlafen kann ich in der Nacht“, lachte sie und freute sich, dass sie für Christine etwas tun konnte. Es dauerte nicht lange, dann konnte man den Kinderwagen zum Trocknen auf den Balkon stellen. Es war ein wunderschöner dunkelblauer Marken-Kinderwagen, innen weiss ausgestattet. Der Chrom glänzte und war nur ganz leicht beschädigt.

Charlotte wurde angestellt
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2.25.  Au-pair in der Schweiz 2 – Charlotte wurde angestellt .

Am nächsten Tag suchten sie Hellene auf. Diese war froh, hatte sie sozusagen einen Ersatz für sich. Klar musste Charlotte noch angelernt werden, aber es schien kein Problem zu sein. Zusammen gingen sie noch zum Chef. Als dieser einverstanden war, zeigte Hellene ihr das Zimmer, wo sie schon einziehen könne. Christine ging mit Charlotte ins Restaurant, wo sie abends arbeitete, um Emmanuel vorstellen. Sie erzählte ihm von dem Brand im Haus, und dass die Hauswartin eine eklige Frau sei, und was schon so alles passiert sei. Emmanuel: „Nur die Ruhe. Ihr geht jetzt zum Schlüssel Service im Bahnhof, der weiss was zu machen ist. Vielleicht musst du das Schloss auswechseln. Und dann, warum kaufst du nicht eine kleine Plastik-Waschmaschine. Ich habe so eine, die wäscht zwar nur die Wäsche, spülen musst du sie dann in der Badewanne, geht prima. Eigentlich kannst du meine haben wir haben schon das meiste in unsere neue Wohnung gezügelt, aber die Maschine ist noch da. Ich bring sie heute Abend hier her, die ist nicht schwer, dann kann sie Karl mitnehmen.“ Christine bedankte sich herzlich, fragte noch, was er dafür bezahlt haben will. Er lachte: „Ich rechne mit Karl ab. So, ich muss zurück zur Arbeit, hat mich gefreut dich kennenzulernen. Pass gut auf dich auf!“ sagte er noch zu Charlotte. Als sie draussen waren, meinte Charlotte, dass Emmanuel nicht gerade gesund aussah. Christine erzählte ihr, dass er eine Krankheit hat, wo die Ärzte nicht wissen was tun. Traurig gingen sie weg.

Beim Schlüssel Service wollte der Mann den Schlüssel der Wohnungstür sehen. Sah in ein paar Schubladen nach und gab Christine etwas, das sie ans Türschloss stecken musste und andere zwei Schlüsseln dazu. „Das sollte bei diesem Schloss klappen, wenn nicht, kommen sie zurück, dann sehen wir weiter. Bewahren sie den Kassenbon vorläufig auf.“ Beide entschlossen sich noch Spitzen für den Kinderwagen zu kaufen und eine gute kleine warme Matratze, Kissen und Decke. Alles in weiss, man wusste ja nicht, wird es ein Bub oder Mädchen. Babykleider kauften sie nicht, das kann schiefgehen. Man sagt, dass soll man nie vor der Geburt kaufen.

Das mit dem Schloss funktionierte wunderbar. Karl musste anklopfen, um hereinzukommen. Christine stellte ihm Charlotte vor. Dann erklärte sie ihm, was heute schon alles los war, gab ihm den neuen Schlüssel für die Wohnung. Sie sagte ihm auch, dass er eine kleine Waschmaschine, die Emmanuel nicht mehr braucht, bei ihrer Arbeitsstelle heute noch abholen soll. „War die immer schon so, alles muss immer gleich erledigt werden, nichts darf verschoben werden?“, fragte er Charlotte. Sie lächelte nur und gab keine Antwort. Christine ging zur Arbeit. Karl holte die Waschmaschine und Charlotte fiel müde auf die aufgeklappte Bettbank und schlief bald ein.

Am nächsten Morgen zügelte Charlotte in ihr Zimmer, Christine begleitete sie. Sie trafen Hellene, die noch einen Lampenschirm abmontierte. „Der Lampenschirm, der zum Zimmer gehört, liegt hier am Boden“. Christine nahm ihn auf und zeigte ihn Charlotte, die fand der sei doch gut und half Hellene bei der Montage. Es stand noch ein schwerer Karton mit Fotoalben und Andenken in einer Ecke. Hellene: „Ihr könnt uns ja besuchen kommen und diesen Karton mitnehmen, im Moment muss ich den hier lassen, der passte nicht mehr ins Auto rein. Ich folge den Zügel Helfen jetzt mit dem Zug. Wenn ihr kommen wollt, dann fragt Marco, der arbeitet bei mir. Er fährt mit dem Auto so lange hin und her bis er, in der Nähe von uns, eine Unterkunft findet.“ Hellene gab die Adresse von Marco an, wo man eine Nachricht hinterlassen kann. Christine hatte kleine Zetteln mit ihrer Adresse in der Tasche und gab Hellene zwei davon. „Noch etwas, wenn irgend möglich, dann teile das Zimmer mit einer anderen Angestellten. Es ist gross, wie du siehst, und ein Bett und was dazu gehört, findet ihr im Dachboden. Es gibt einige Schürzenjäger in diesem Haus. In der Türe hat es schon einen Spion, aber der war schon öfter verklebt. Da ich mich als verheiratet ausgab und einen Ring trug, war ich mehr geschützt, aber nicht total. Immer wieder wurde ich belästigt, ich ging selten alleine nach Hause. Kauf dir schnell einen Ring und sag du bist verlobt, erfinde einfach etwas. Also, macht es gut Mädels, ich muss jetzt zum Bahnhof.“ Sie umarmten sich und versprachen in Kontakt zu bleiben.

Emmanuel hatte ein Tea-Room übernommen und Christine erwartete bald ihr Baby. So arbeiteten sie seit einiger Zeit nicht mehr im Restaurant. Nachdem Renato gehört hatte, dass eine, totale Haus und Restaurant, Rennovation in nächster Zeit geplant war, suchte er eine neue Arbeit. Er hatte grosses Glück, denn er bekam eine Anstellung im Theater und meinte, etwas Besseres hätte ihm nicht passieren können.

 

Emmanuel liegt im Sterben
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2.26.  Au-pair in der Schweiz 2 – Emmanuel liegt im Sterben.

Zwei Wochen vor der Niederkunft, erhielt Christine von Marco eine Karte mit der Nachricht, dass Emmanuel im Sterben liegt, und wenn sie morgen mitfahren will, solle sie sich bei ihm melden. Abfahrt wäre um neun Uhr früh, dann käme er sie bei ihr zu Hause abholen. Emmanuel und Hellene würden sich auf ihren Besuch sehr freuen.

Charlotte kam wie gerufen zu Christine. Sie würde auch gerne mitfahren, morgen Vormittag wäre es gut und den Karton von Hellene in ihrem Zimmer, könnten sie auch gleich mitnehmen. Aber den müssten sie irgendwie zuerst hier herschaffen. Charlotte meinte mit einem Taxi. Sie ging auf den Balkon und sah sich den Kinderwagen an, da hatte sie eine brillante Idee: „Kein Problem, wir nehmen den Kinderwagen, eine Probefahrt so zu sagen und laden den Karton da drauf. Die Bremsen müssen sowieso überprüft werden.“ Beide machten sich sofort auf den Weg und schoben dann den schweren Karton aus dem Zimmer und über die Stiege hinunter. Ein vorbeigehender Arbeiter, hob diesen dann auf den Kinderwagen. Charlotte nahm noch ein paar persönliche Sachen mit und meinte, es sei besser, wenn sie nach der Arbeit bei ihr übernachte, damit sie morgen auch da sei, wenn Marco kommt. Christine war damit einverstanden und informierten Marco, dass ihre Schwester und noch ein schwerer Karton, den Hellen nicht zügeln konnte, mitnehmen möchte. Als Karl das hörte, wollte er auch mitkommen, aber er war, wegen zu spät kommen, mit der Arbeitszeit im Verzug. Christine: „Komm lieber nicht mit, sonst bekommst du noch mehr Schwierigkeiten, jetzt kannst es noch richten. Wir werden Emmanuel berichten, warum du nicht kommen konntest und ihm schöne Grüsse von dir ausrichten. Weisst du was, du schreibst ihm ein paar Zeilen, ich habe hier Grusskarten von einem Bettelbrief aufbehalten, da ist sicher eine passende dabei.“ Karl: „Was soll ich schreiben?“ Christine half ihm die richtigen Worte zu finden.

Pünktlich um neun stand Marco mit offenem Kofferraum vor der Tür. Charlotte lief die Stiege hinunter, um ihn hereinzulassen. Sie nahm ein paar schwere Alben aus dem Karton und Marco trug den Rest hinunter. Christine kam hinterher und setzte sich auf dem Hintersitz. Als sie, nach einer halben Stunde, an dem Haus, wo Hellene und Emmanuel wohnten, ankamen, fing Charlotte fürchterlich an zu weinen: „Das ist so traurig. Ich komme lieber nicht mit, ich warte im Auto. Ihr müsst ja nicht sagen, dass ich da bin, ist besser so.“ Marco gab ihr ein Taschentuch und reichte ihr noch eine Flasche Wasser: „Wir bleiben sicher nicht lange, ich werde dann auf meinen Parkplatz fahren. Für euch ist der Weg zum Fahrkarten Schalter hier durch den Tunnel. Auf Gleis eins fährt der Zug direkt nach Bern.“ Er nahm den schweren Karton auf seine Schulter, Christine lief mit ihm bis zur Wohnungstür. Marco läutete, die Klingel war ganz leise gestellt. Schritte kamen näher, Hellene öffnete die Tür. Sie war erstaunt, dass Christine vor ihr stand und Marco hinter ihr mit dem schweren Karton. Sie umarmte sie und winkte beide hinein und schloss hinter ihnen sanft die Eingangstür. Die Türe ins Schlafzimmer war nur angelehnt. Hellene führte beide zuerst mal in die Küche und erzählte, wie es um Emmanuel steht und das heute Nachmittag seine Mutter aus Griechenland und sein Vater aus Alexandria Ägypten kommen werden. Einen orthodoxen Priester aus Zürich, den er persönlich kannte, wollte er auch bei sich haben und dies mit seinen Eltern zusammen. Er hofft immer noch, dass die beiden, die sich immer noch sehr lieben, heiraten würden. Da ja, in der zwischen Zeit, die Eltern beider Seiten gestorben sind, wäre es kein Problem mehr. Sein Arzt kam aus dem Schlafzimmer, Hellene ging zu ihm. „Es wird noch ein paar Tage dauern, bis es soweit ist, er ist zum Glück noch bei vollem Verstand und hat keine Schmerzen. Das ist gut, so können seine Eltern, auf die er sich so freut, mit ihm noch normal reden. Achten Sie darauf das er den Tropf nicht abschaltet, den braucht er jetzt noch. Also, dann komme ich heute Abend noch mal vorbei. Sie können jetzt zu ihm gehen.“

Hellene führte Marco und Christine ins Schlafzimmer. Es roch sehr komisch, man merkte, dass Parfüm versprüht wurde. Christine hielt die Karte von Karl in der Hand, um sie ja nicht zu vergessen. Emmanuel: „Christine! Wie schön dich zu sehen und das Baby, kommt es bald? Komm näher, damit ich dich gut sehen kann.“ Sie gab ihm die Karte und erzählte ihm, dass Karl nicht kommen konnte, denn seine Anstellung ist so ziemlich auf der Kippe. „Hellene wird sie mir später vorlesen. Sag ihm einen schönen Gruss von mir und wir sehen uns sicher da oben irgendwann, irgendwo. Er ist ein lieber Kerl, du schaffst es schon mit ihm. Marco, pass bitte auf meine Hellene auf, sie braucht dich jetzt mehr als zuvor. Es ist so schön, dass ihr gekommen seid, leider bin ich sehr müde und muss mich jetzt ausruhen bis meine Eltern kommen. Mein Vater nimmt mich mit nach Ägypten, wir haben dort unseren Familien Tempel auf den Friedhof. Hellene wird hier, wenn es so weit ist, von mir Abschied nehmen. Sie ist eine wunderbare Person, sie würde sich freuen, wenn du Christine sie öfters besuchen kommst. Tränen rollten über sein Gesicht, Christine beugte sich über ihn: „Du warst mein bester Chef, Freund und Helfer, ich danke dir von ganzem Herzen.“ Gab ihm einen sanften Kuss auf die Hände, winkte und verliess den Raum. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie von Hellene Abschied nahm. Hellene sagte nur noch „Danke!“ und machte ihnen die Tür auf. Charlotte wartete vor dem Auto: „Meinst, hätte ich doch mit hineingehen sollen?“ Marco: „Nein, nein ist schon gut so. Jetzt wünsche ich euch beiden eine gute Heimfahrt, ich muss das Tea-Room öffnen. Emmanuel hat befohlen, dass es offen bleiben muss, damit keine Schulden entstehen. Es läuft nämlich ganz gut und noble Stammkunden haben wir auch schon.“ Christine und Charlotte liefen ihm hinterher, wollten sehen, wie es drinnen aussieht. Zwei Kellner in Uniform kamen entgegen. Das Lokal hatte einen Hauch orientalisches im Hintergrund und vorne mehr in griechischer Ambiente. Es sah richtig bequem und einladend aus. Marco hatte sein Auto umgeparkt und war nicht mehr zu sehen.

Charlotte hat Neuigkeiten
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2.27.  Au-pair in der Schweiz 2 – Charlotte hat Neuigkeiten.

Charlotte im Zug: „Schade ist Marco nicht mehr der Jüngste, so ein Typ würde mir schon gefallen. Wie alt ist eigentlich Karl?“ Christine verriet sein Alter. „Was so alt! Eigentlich gleich viel auseinander wie Mami und Vati. Hoffentlich bekommst du nicht so viele Kinder, wie wir es waren, man kennt einander kaum. Du, Vati weiss noch gar nicht, dass ich nicht seine richtige Tochter bin. Also die Mami meint, sie sei nicht so sicher, ob er einfach nichts dergleichen tut und mich wie seine eigene Tochter ansieht. Ich getraute mich nicht ihn zu fragen.“ Christine: „Wann hat dir Mami gestanden, dass du einen anderen Vater hast?“ „Das war, als sie so eine richtige Wut wegen irgendwas auf ihn hatte und ich mit ihr, zur Beruhigung, ins Kaffeehaus ging. Du weisst ja, das ist ihr Zufluchtsort, dort kann sie Illustrierte lesen und sich bei einem Kuchen und Kaffee ablenken. Ich hab natürlich richtig nachgefragt. Wie? Wo? Was? Warum sie es mir erst jetzt sagt. Bei der langen Geschichte, die sie mir erzählte, flossen auch Tränen. Also so 100 % sicher war sie sich nicht, habe ich so gespürt. Aber meine braune Hautfarbe, euch gegenüber verriet schon einiges.“ Christine: „Du bist nicht alleine in unserer Familie mit einer braunen Haut, das nicht nur von der Sonne. Möchtest du deinen richtigen Vater kennenlernen, wenn das so wäre?“ „Nein! Nein! Denn der hat auch einen Sohn, dass weis Mami, sie hat von ihm ein Foto gesehen. Denk einmal nach, ich persönlich habe keine einzigen richtigen Geschwister, von denen wären dann auf meiner Seite noch einige Halbgeschwister mehr. Zu den neun, die ich jetzt schon habe. Es gibt kaum eine Chance, nach Mamis Angaben, meinen biologischen Vater zu finden, wenn es so ist, wie sie sagt.“ Nach einer kleinen nachdenklichen Pause fuhr sie fort. „Drei Halbgeschwister habe ich jetzt 'verloren', ich meine, die von Vatis erster Ehe. Das ist nun durch Mamis Aussage klar geworden, dass die mit mir überhaupt nicht verwandt sind. Mir ist es irgendwie peinlich, wenn ich denen jetzt gegenüber stehe. Ob die es wissen, ist auch noch eine Frage, der ich aber nicht nachgehen möchte. So, nun vergessen wir die Sache, es ist und bleibt wie es ist.“ Christine vermutete schon von klein auf, dass Charlotte und auch noch vier andere ihre Halbgeschwister sind, aber das war nie ein Thema.

Charlotte ging gleich nach der Ankunft in Bern zur Arbeit und Christine lief noch durch den Flohmarkt. Ein Franzose verkaufte Ölgemälde, die Pariser Quartiere zeigten. Davon gefielen Christine zwei besonders gut, weil bei denen ziemlich viel violette Farbe gebraucht wurde, die würden deswegen sehr gut zur Einrichtung passen. Sie fragte nach dem Preis für beide Bilder. Da sie sein Französisch nicht verstand, schrieb er den Preis auf einen Zettel. Sie fand, die sind es wert, nickte mit dem Kopf und ging Richtung ihrer Bank, um den Betrag abzuheben. Er lief ihr nach und schrieb einen niedrigeren Preis auf. Sie gab ihm zu verstehen, dass sie Geld holen musste und er die Gemälde reservieren soll. Zu Hause hängte sie diese auf und freute sich über die schönen, erstandenen Ölgemälde.

Karl kam nach Hause und fragte nach Emmanuel. Christine berichtete, wie es war, und dass er ihm schöne Grüsse ausrichtet. Ihm fielen die Bilder an der Wand gar nicht auf. Christine wartete noch, bis er am Tisch sass, um sein Nachtessen einzunehmen. „Fällt dir nichts auf? Schau dich mal um.“ Da erblickte er die Bilder an der Wand, stand auf und sagt: „So möchte ich auch malen können, die gefallen mir gut.“ Er stellte dann noch einige Fragen, freute sich richtig über sein schönes zu Hause. Anschliessend schwang er sich auf sein Rennrad und fuhr wie immer seine Runden.

Christine gebar ihr erstes Kind
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2.28.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christine gebar ihr erstes Kind.

Christine wollte noch ein paar Einkäufe machen und benutzte dazu den Bus. Als der kurz vor dem Frauenspital war, schrie sie: „Stopp! Anhalten! Ich muss hier aussteigen, ich bekomme ein Baby!“ Der Bus Chauffeur stoppte sofort und machte die Tür auf. Ein Mann half ihr aus dem Bus und begleitete sie ins Spital. Er wurde gefragt, ob er ihr Mann sei. Er erklärte, dass er auf dem Weg in die Stadt gewesen sei und ihr nur geholfen habe, bis hierherzukommen. Christine fragte ihn, ob er Zeit hätte ihren Mann eine Nachricht zu überbringen, dass sie sich hier notfallmässig im Spital aufhält. Ein Arzt kam näher und fragte, ob sie starke Wehen habe? Christine erklärte, dass sie in einem Privat Spital vorgemerkt sei. Da meinte er: „Dazu ist es zu spät, sie müssen jetzt leider hier gebären.“ Der fremde Mann stellte sich als Herr Arnold vor und zeigte sich einverstanden Karl zu benachrichtigen und auf ihn zu warten, bis er von der Radtour nach Hause kommt.

Später meldete die Hebamme, dass Christines Mann da sei und führte ihn zu ihr. „Ihr Mann kann bei der Geburt dabei sein, wenn sie wollen“, erklärte sie. Christine: „Oh nein, das möchte ich nicht. Wann kommt mein Baby? Geht es noch lange?“ „Das kann bis Morgen Früh dauern, die Wehen sind noch nicht stark genug und sie haben ja erst Wasser verloren. Ihr Mann kann nach Hause gehen und Morgen Früh wieder kommen.“ Karl war richtig erleichtert, dass er nach Hause gehen konnte. Christines konnte sich in ein Becken mit warmen Wasser legen, eine Rotkreuzschwester massierte ihren Rücken. Draussen wurde es langsam hell. Die Wehen wurden stärker, sie musste sich wieder auf das Bett legen, konnte so den Tag kommen sehen. Als die Sonnenstrahlen durchs Fenster direkt auf Christine gerichtet waren, kam das Baby auf die Welt. Es war ein süsses zartes Mädchen mit ein paar Haare auf dem Kopf und sie schrie sofort laut und kräftig. Man gab Christine eine Liste von christlichen Namen, doch sie hatte sich schon vorher für 'Simone Luise' entschieden, sofern es ein Mädchen wird.

Karl kam noch vor der Arbeit ins Spital, hatte sogar schon Blumen gekauft. Er wurde zuerst ans Babyzimmer Fenster geführt, um seine Tochter zu sehen. Dann zu Christine, bei der gerade ein kleiner Riss, durch die Geburt, mit ein paar Stiche genäht wurde. Er musste ein paar Minuten warten, dann kam er strahlend ins Zimmer. „Hat es weh getan? Ich habe sie schon gesehen, wie ein Püppchen sieht sie aus. Da hast ein paar Blumen. Du, die waren sehr teuer hier beim Kiosk.“ Die Rotkreuzschwester hörte das und bat Karl mit ihr in den Korridor zu gehen. Sie war erbost und hat ihm scharf erklärt, dass man das nicht sagt, das die Blumen teuer waren. „Sie haben ein Kind geschenkt bekommen, das ist wohl mehr als einen Blumenstrauss wert.“ Er ging dann grinsend zu Christine und hat ihr erzählt, warum er hinausgehen musste. Danach fuhr er zur Arbeit.

Simone, ein Schrei Baby
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2.29.  Au-pair in der Schweiz 2 – Simone, ein Schrei Baby .

Zu Hause mit dem Baby ging es gar nicht gut. Die kleine Simone schrie herzzerreissend die Nächte durch. Man musste sie schaukeln, damit sie ruhig wurde. Christine kontrollierte, ob sie nass oder hungrig war. Sie kaufte einen Schnuller, den Simone ausspuckte. Im Bett bei Mamma zu schlafen, nützte auch nichts. Damit Karl ein wenig schlafen konnte, richtete Christine das Badezimmer so ein, dass sie mit Simone dort die Nacht verbringen konnten. Aber sie hat trotzdem viel geschrien. Am Tag war sie ruhig und schlief fast durch, so konnte Christine sich auch ein wenig erholen. Es war der Tag zur Kontrolle im Spital. Christine trug ihr Baby in dem Kinderwagen Bettchen mit ins Spital. Sie erzählte von den Nächten, die Simone durch-schrie und beide Eltern keine Ruhe finden. Die Oberschwester wurde gerufen: „Lassen sie ihr Schreibaby für drei Tage bei uns, ich gebe ihnen eine Pumpe mit, damit können sie ihre Muttermilch zweimal am Tag abpumpen und vorbeibringen. So werden wir sie etwas umgewöhnen damit sie nicht die ganze Nacht schreit“. Christine konnte sie jeweils in die Arme nehmen, durfte sie aber nicht schaukeln. Nach drei Tagen schlief sie von elf Uhr abends bis fünf Uhr früh durch. Drei Monate war sie dann noch an der Brust.

Christine ging gerne mit Simone im Kinderwagen spazieren. Eine ältere Frau sprach sie im Park neben dem Bundeshaus an: „Sie machen einen glücklichen Eindruck. Das ist aber nicht ihr Kind?“ fragte sie freundlich. Als Christine sagte: „Doch, das ist mein Baby.“ „Sie sind doch viel zu jung, hätten sie nicht warten können!“ Dann brauste sie murrend davon. Christine rief ihr nach: „Ich bin 21 und verheiratet.“ Sie blickte ungläubig zurück. Christine schob unter den Lauben der Stadt den Kinderwagen an den Schaufenstern vorbei. In einem war blaues Geschirr ausgestellt, mit Old Britain Castles drauf, das wollte sie sich näher ansehen. Johnson Bros England stand auf der Rückseite, das gab ihr einen Stich ins Herz. Es erinnerte sie an ihren Freund John Johnson in England. Das muss ich haben, schoss es ihr durch den Kopf. Wir haben eh nur so einzelne Teller, einmal müssten sie sowieso Geschirr besorgen. Es war zum Glück nicht der teuerste Laden in der Stadt, aber billig war es gerade auch nicht. Egal, dachte sie, ein Set für zwölf Personen mit Kaffee, Tee und Milchkrug in einem Karton, war günstiger im Angebot, als wenn man einzelne Stücke kaufen würde. Daneben lag versilbertes Besteck in einem speziellen Kasten auch für zwölf Personen und noch Schöpfkelle und Löffel dabei. Christine ließ das alles reservieren, sie wollte Karl fragen, ob er damit einverstanden sei. Sie wusste, er könnte sich es leisten und sprach auf ihn ein: „Wir haben uns zur Hochzeit und zur Geburt unserer Tochter nichts gekauft, das wäre doch schön, wenn wir uns jetzt ein anständiges Geschirr und Besteck leisten würden. Das haben wir dann sicher für eine lange Zeit. Später kaufen wir uns dann noch ein Set Gläser dazu.“ Karl: „Ja, wenn du meinst, ist ja nicht gerade billig, das ganze Zeugs, aber das geht ja nicht so schnell kaputt.“ Der nächste Tag war Samstag, so holten sie die Ware ab. Karl kaufte noch sechs tschechische Kristall Weingläser dazu, die Christine später auf zwölf Personen für rot und weiss Wein aufstockte.

Karls Kündigung
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2.30.  Au-pair in der Schweiz 2 – Karls Kündigung.

Karl war bei seiner Arbeit nicht glücklich. Christine schlug ihm vor das Angebot von Lausanne anzunehmen. Sein italienischer Arbeitskollege schwärmte gross von der Firma, sie würde auch so gerne endlich in der französischen Schweiz leben können. Aber etwas hielt ihn zurück. Es ging nicht lange, da flatterte seine Kündigung ins Haus. „Jetzt erst recht solltest du dich für Lausanne entscheiden. Komm wir brauchen bald auch eine grössere Wohnung, das geht dann alles in einem, bettelte sie.“ Aber nein! Er blieb stur und wollte in der deutschen Schweiz eine Anstellung haben. Karl suchte seine Casino Kollegen auf. Ein Wiener, den er nicht kannte war neu dabei. Karl fragte herum, ob jemand eine Firma kennt, die einen Feinmechaniker anstellen würde. Der Wiener sagte: „Kannst bei mir arbeiten, in unserer Firma braucht es solche Leute. Komm vorbei und stell dich Morgen Vormittag vor. Ich werde unserem Personalchef melden, dass du kommst. Vergiss nicht deine Papiere mitzunehmen. Wenn es klappt, zahlst eine Runde, das ist abgemacht gell!“ Sie alle lachten. Karl bekam noch die Adresse aufgeschrieben und ging bald einmal nach Hause. Nun wollte Christine endlich wissen, warum er hier bleiben will. Sie war schon richtig sauer. Karl: „Ja ganz ehrlich, es ist mir zu weit von Kufstein weg, es ist jetzt schon nicht so nah. Mich kann niemand abhalten, öfters nach Hause zu fahren. Meine Mutter wird auch nicht jünger.“ Christine musste sich hinsetzen, sie glaubt, sie hört nicht recht. „Dein italienischer Kollege ist noch weiter von seiner Familie weg als du. Was soll das, denk doch auch mal an mich. Du weisst, wie gerne ich nach Lausanne gehen würde, jetzt wäre doch eine gute Gelegenheit dafür.“ Ihr rannten jetzt die Tränen herunter, sie war so enttäuscht. Sie dachte an Emmanuel, was würde er dazu sagen.

Die Zeit verging, Charlotte kam vorbei, wollte wissen, was sie zu Weihnachten vorhaben. Sie möchte nach Hause fahren. Karl: „Ich fahr auf jeden Fall nach Hause, wenn du nicht mit mir kommst, kannst ja mit ihr mitfahren.“ Christine: „Aber das Baby wird dann erst vier Monate alt sein und das im Winter.“ Charlotte lenkte ab: „Wann wird Simone getauft und wer wird die Taufpatin sein?“ Karl: „Meine Schwester Traudl, sie hat schon angefragt.“ Christine: „Die als Taufpatin? Die kommt mir nicht infrage, das kannst dir abschreiben!“

Karl hatte Glück, er konnte in der Abteilung von Bertram, dem Wiener, arbeiten. Das gute war auch die Flexitime der Firma. So fuhr er mit dem Fahrrad früh am Morgen in die Firma, damit er noch am Nachmittag seine Runde Rennfahren konnte. Mit der Situation war er sehr zufrieden und kam deshalb auch nie mehr zu spät zur Arbeit, was für Christine eine Erlösung war.

Kurz vor Weihnachten in Tirol
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2.31.  Au-pair in der Schweiz 2 – Kurz vor Weihnachten in Tirol.

Weihnachten kam näher. Karl, Christine und Baby Simone, werden zusammen zu seiner Familie fahren. Dass er einen Staubsauger und sie eine Nähmaschine kauft, die als Weihnachtsgeschenke gelten sollen, das haben sie ausdiskutiert. Charlotte und Christine machten ab, dass wenn es bei seiner Familie nicht gut geht, Christine weiter zu ihrer Familie reisen würde. Charlotte wird dann schon, mit den Weihnachtsgeschenken, zu Hause sein. Weihnachten war dort immer eine schöne Zeit.

Es war höchste Zeit, dass Karl von der Wohnung in Bethlehem erfährt. Er war ganz begeistert und erleichtert: „Dort fahr ich jeden Tag vorbei, wenn ich zur Arbeit radle, dann hab ich nur noch den halben Weg zu fahren. Wann können wir dort einziehen?“ Christine: „Am ersten Februar oder schon im Januar, je nachdem, wie die Arbeiter vorankommen. Das Studio hab ich schon gekündigt, ist alles erledigt. Und noch was, Rita mit ihrer Familie wird unsere Nachbarin sein.“ „Waaaas die? Oh, oh, oh, das wird ja lustig werden“, bei den Gedanken lachten beide darüber.

In Kufstein angekommen trug Karl, mit vollem Stolz, Simone in der Babytasche durch die Stadt. Bei einem Stoffladen war eine Stoff Resten Kiste. Christine sah dort drin eine kleine Rolle schwarzen Stoff, der gerade für einen Rock reichte, den sie, wenn sie wieder im Service arbeiten kann, brauchte. Karl sagte: „Das kann dir Traudl nähen, die bekommt das schnell hin, sie ist ja gelernte Schneiderin und eine Nähmaschine steht auch zu Hause herum.“

Karl grüsste mit „Fröhliche Weihnachten!“ Mutter: „Vor allem gesegnete Festtage! Schade ist Ernst nicht bei uns, er durfte in ein Sportlager mit anderen Jugendlichen gehen. Er lässt schöne Grüsse ausrichten und hat euch eine Weihnachtskarte hinterlassen, hier auf der Kredenze liegt sie.“ Lieber Onkel Karl und liebste Tante Christine. Ich wünsche euch schöne Festtage. Wir sehen uns das nächste Mal. (Danke im Voraus für eure Geschenke) euer Ernst. Das in der Klammer, hat er dann so durchgestrichen, dass man es trotzdem noch lesen konnte.

Als Traudl darauf angesprochen wurde einen Rock für Christine zu nähen, war sie gar nicht begeistert. „Komm her, dann nehmen wir halt Mass“, zitierte sie mit grossem Unwillen. „Wart ich muss mal zur Toilette“, redete sich Christine aus dieser Situation und ging weg. Als sie zurückkam, nahm sie den Stoff und steckte ihn in ihre Tasche. Karl wollte schon die Nähmaschine bereit machen. „Komm, lass das, ich nähe mir den Rock selber, wenn wir zu Hause sind. Ich habe ja meine Bernina Nähmaschine, darauf freue ich mich richtig sehr“. „Gut und ich werde ein Staubsauger Spezialist“, lachte er und spasste herum. Mutter sah den ganzen Spektakel zu und schüttelte nur den Kopf und sagte: „Die hat noch nie selber etwas genäht oder repariert“, dann lachte auch sie. „Ist gut Karl, sag nichts mehr, sonst sind die Weihnachten verpfuscht. Gott steh uns bei, wir müssen mehr beten.“

 

Traudls neuer Freund
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2.32.  Au-pair in der Schweiz 2 – Traudls neuer Freund.

Traudl kam Hände reibend herein. Mutter: „Wo warst denn jetzt?“ „Mein Freund ist mit seinem Auto von Deutschland herübergekommen. Wir haben gedacht, wir könnten in ein Gasthaus etwas essen gehen und zusammen sitzen, damit man sich kennenlernt. Wir fahren mit seinem Auto, da brauchen wir also nicht zu Fuss gehen und sind dann auch wieder schneller hier.“ Mutter: „Kennst du ihn schon länger? Wie heisst er den? Er kann ja herauf kommen, damit wir uns kennenlernen.“ „Das will Sepp nicht, er ist ein bisschen schüchtern. Aber er meint es ernst mit mir. Kommt jetzt, wir können ihn nicht so lange in der Kälte warten lassen.“ Karl: „Ja und die Kleine?“

Traudl: „Die Mama schaut schon auf sie, derweil wir weg sind. Gell Mama, das machst du doch gerne.“ Mutter: „Bleibt aber nicht zu lange weg. Ja in Gottes Namen geht jetzt halt.“ Sepp parkte nicht gerade vor dem Haus, so mussten sie die Strasse runter laufen. Christine hatte kein gutes Gefühl, denn es wurde langsam dunkel. Sepp stand vor einem drei Räder roten kleinen Auto. Grüsste einem, mit einem kräftigen Händedruck, den man lange danach spürte. „Wohin sollst den gehen?“, fragte er Traudl. „Fahren wir da die Strasse hintere, da wird dann schon ein Gasthaus sein.“ Karl und Christine zwängten sich auf die hinteren Sitze, die waren eiskalt. Im Auto sei die Heizung nicht ganz in Ordnung, erklärte er und fuhr los. An dieser Strasse war kein Gasthaus weit und breit, von unten her zog die Kälte herein. Christine fror fürchterlich, Karl hielt sich still. Endlich sah man ein Lokal, Sepp bremste stufenweise ab, weil das Auto so rutschte. Christine flüchtete durch den Eingang. Wie es sich herausstellte, war es nur ein Barbetrieb. Sie hockten sich in eine Ecke, Christine wollte einen Tee zum Aufwärmen. „Ja ich kann ihnen einen Jägertee bringen, wenn sie wollen.“ „Ja bitte.“ Die anderen drei tranken ein Glas Rotwein. Zum Essen gab es Bauernbrot, Brezel und eine heisse grosse Wurst. Traudl wollte etwas anderes und diskutierte mit dem Kellner. „Entweder das oder nix“, sagte er unfreundlich. Traudl: „Also dann bringen's das halt für uns vier.“

Die Brezel und das Brot stellte er bald auf den Tisch, für die Würste mussten sie noch warten, die war aber so dick und überraschend gross, dass alle Mühe hatten, die zu essen. Traudl wollte, dass Christine noch von ihrer Wurst essen sollte, nachdem sich die zwei Männer geweigert haben. Christine: „Du hast sie angeschafft und wir haben unsere brav aufgegessen.“ Sie wickelte sie dann in ihre Papierserviette ein und steckte sie heimlich in die Manteltasche von Sepp. Der Kellner legte die Rechnung auf den Tisch. Christine hatte ihre Handtasche nicht mitgenommen. Karl rechnete seinen und Christines Teil aus und legte das Geld neben die Rechnung. Sepp sah Traudl an: „Letztes Mal hab ich bezahlt und jetzt bist du dran, kommst eh billiger weg“, lachte er. „Ja, ist schon gut!“ und schaute zu Karl. „Ich hab nichts mehr dabei, wenn du meinst, ich soll für euch bezahlen.“ Traudl legte endlich den Betrag auf den Tisch. „Trinkgeld gebe ich dem Kerl keines, der war ja so unfreundlich.“ Gesprochen wurde in dieser Zeit fast nichts. Sepp sass gegenüber von Christine, kämmte sich die wenigen blonden Haare nach hinten und glotze sie mit offenem Mund die meiste Zeit an. Traudl beobachtete die Leute an der Bar und wusste von einigen etwas auszusetzen. Karl grinste nur dazu. Christine war vom Jägertee richtig aufgewärmt und spürte die Kälte im Auto nicht mehr so sehr. Zu Hause fragte Mama ganz neugierig, wie es war und zu Karl: „Macht der einen guten anständigen Eindruck. Du weisst schon, warum ich so frage.“ Christine lenkte ab: „War Simönchen brav? Musstest du ihr die Windeln wechseln, ich schau einmal nach.“ Karl: „Na ja, da gibt es nicht viel zu berichten, das wird sich später schon herausstellen, mehr kann ich darüber auch nichts sagen.“ Traudl kam herein, fast beleidigt sagte sie: „Ich bin müde, ich geh jetzt schlafen, wir sehen uns Morgen.“ Dann ging sie in ihr Zimmer und alle anderen wollten auch schlafen, ausser Simone, die wollte geschaukelt werden.

Besuch vom Theologie Professor
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2.33.  Au-pair in der Schweiz 2 – Besuch vom Theologie Professor .

Am nächsten Morgen, als noch alle am Frühstücken waren, klopfte es an der Tür. Mutter machte auf und war erstaunt, dass ihr Bruder, der Theologie Professor, vor der Tür stand. Sie freute sich sehr, dass er sie besuchte. „Du kommst gerade recht, denn Karl und seine Frau sind mit ihrem Kind, das hier getauft wird, auch da. Leider fehlt Ernst und denen zwei kannst du gerade die Leviten lesen, weil sie nicht kirchlich getraut sind.“ Sie zeigte auf Karl und Christine. „Ja gell, die Zeiten ändern sich, der da oben sieht lieber glückliche Paare, als verheiratete unglückliche Menschen. Na ja, habt ihr einen Grund nicht vor dem Altar zu stehen und Gottes Segen zu empfangen?“ Karl: „Ich weiss nicht, aber für mich ist das nicht wichtig und Christine ist nicht bereit vor Gott und allen Heiligen überzeugt ja zu sagen. Verheiratet nach Gesetz sind wir trotzdem, das zählt für mich.“ „Meinen Segen habt ihr, ich wünsche euch in Zukunft eine glückliche und zufriedene Zeit.“ Danach wurde über die Familie gesprochen über die noch Lebenden und Toten. Zum Schluss beteten alle zusammen und er machte jedem ein Kreuz auf die Stirn. Beim Weggehen hob er die Hand und segnete alle: „Gott schütze euch. Ich wünsche dann noch gesegnete Weihnachten und ein behütetes neues Jahr.“ Christine war erstaunt, dass Traudl ohne Karl und sie zu fragen mit dem Pfarrer für die Taufe nach Weihnachten abgemacht hat.
Simone schrie wieder die Nacht durch. Karl spielte am Tag mit ihr, sodass er meinte, sie sei dann müde und schläft die Nacht durch, war aber nicht so. Nach zwei Tagen Aufenthalt, entschloss sich Christine mit Simone, im Nachtzug, zu ihrer Familie zu reisen. Mutter hatte ein grösseres Katzenfell, das sie in der Baby Tragtasche unter Simone platzierte, dann gab sie Christine Geld, das in einem Seidenpapier eingewickelt war: „Hier hast noch was, das hat mir Karl gegeben. Ich hab ihm gesagt, dass ich mit meiner Pension gut auskomme, aber du hast ja Traudl kennengelernt, die gibt einfach keine Ruhe. Wenn er mir wieder was schickt, dann sende ich es dir zurück. Du kannst es gut gebrauchen für euren neuen Haushalt. Aber das bleibt unter uns, ich schreib 'Persönlich' auf den Briefumschlag, und den Brief musst du dann verbrennen.“

Karl begleitete Christine wehmütig zum Bahnhof: „Ruf an, wenn du ankommst, und ich wünsche allen schöne Weihnachten. Was werden die von meiner Familie denken, wenn du jetzt weg gehst?“ „Mach dir keine Sorgen, ich erzähle nur belangloses, wenn gefragt wird. Ernst kommt später auch nach Hause, dann wird es sicher lustig für euch werden. Sie verabschiedeten sich herzlich und winkten einander zu, bis sie nicht mehr zu sehen waren.

Christine musste in der Nacht umsteigen, es war bitterkalt und der Warteraum geschlossen. Sie bat den Bahnvorsteher den aufzuschliessen, doch der wollte nicht die Leute, die auf den Anschluss warteten, hinein lassen. Er bot ihr an, mit dem Baby, in seiner Wohnung im ersten Stock zu warten. Simone war zwar gut eingepackt, aber Christine fand es doch besser die 30 Minuten Wartezeit in einem warmen Raum zu verbringen. Der Bahnvorsteher sah aus dem Fenster und zog die Vorhänge zu, in der Zeit wechselte Christine die nassen Windeln von Simone. Plötzlich wollte er sie küssen, sie stiess ihn weg und war empört. Sie warnte ihn, den Vorfall weiterzuleiten, wenn er sie noch einmal berührt. Er ging dann hinunter und sagte noch, sie soll nachkommen, er werde den Warteraum aufschliessen. Da heisses Wasser auf dem Herd stand, nutzte Christine noch die Gelegenheit für Simone zwei Fläschchen trinkfertig zu machen. Als sie endlich am Ziel ihrer Reise ankam, ging sie in eine Telefonkabine, um Karl anzurufen.

Bei der eigenen Familie angekommen war die Freude gross. Charlotte hatte inzwischen mit dem Pfarrer über eine mögliche Taufe gesprochen. Dieser hat gemeint zwischen Weihnachten und Neujahr sei das kein Problem, da ist nicht viel los. „Du kannst dir jetzt eine Taufpatin aussuchen. Ich würde es gerne sein, sollte ich mal ein Kind bekommen, dann hätte ich dich auch gerne als Taufpatin.“ Christine war einverstanden und sie arrangierten mit dem Pfarrer und der Familie die Taufe.

Am Weihnacht Abend war die ganze Familie zusammen und es gab immer jemanden, der gerne Simone auf den Arm schaukelte, besonders wenn sie sich bemerkbar machte. Ein Problem war, Simones Trink-Fläschchen konnte nur mit Kondensmilch zubereitet werden, denn die normale Milch vertrug sie nicht. Leider hat das Isabella, eine ihrer Schwestern, nicht mitbekommen und nach und nach einige mitgebrachten Dosen an zwei Seiten eingestochen und ausgesaugt. Als Christine merkte, dass sie keine Milch mehr hatte, musste sie die Notfall Apotheke aufsuchen. Er hatte zum Glück ein paar Dosen im Geschäft. Charlotte war darüber sehr verärgert, sodass sie die leeren Kondensmilchdosen in einer Schachtel als Weihnachtspaket für Isabella unter den Christbaum legte. Christine fand das gar nicht lustig.

Simones Taufe
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2.34.  Au-pair in der Schweiz 2 – Simones Taufe.

Weihnachten war schnell vorbei. Simone wurde getauft. Es war ein schönes Gefühl für Christine, in der Kirche, wo auch sie getauft wurde, zu sein. „Simone Luise sollst du heissen und mit Gott auf deinen Wegen.“ Diese Worte berührten die paar Personen, die dabei waren sehr. Die Familie fand den Namen gut ausgewählt und schön. Onkel Alfred meinte: „Der passt zu dem Püppchen, ich habe bisher noch nie ein so schönes Baby gesehen. Übrigens, hast du Fotos von deiner Hochzeit mitgebracht. Da wir schon nicht dabei sein durften, möchten wir schon welche sehen, geschickt hast du uns auch keine.“ Er machte ein beleidigendes Gesicht. Christine: „Nein, hab ich leider nicht.“ Sie konnte nicht sagen, dass es gar keine Hochzeitsfotos gibt. „Charlotte beschreibst du uns, wie ihr Ehemann aussieht und was er macht. Der muss ja bucklig und hässlich sein, wenn sie schon kein Foto von ihm dabei hat.“ Charlotte lachte und erzählte, was sie Gutes hören möchten. Vater verkündete, dass noch einiges vor dem neuen Jahr in der Werkstadt erledigt werden müsste: „Christine, kommst auch mit? Warte, Opa träge sein Enkelkind alleine durch die Stadt.“ Er nahm die Babytasche und lief los. Er erzählte, dass er ein paar mal aufgehalten wurde und er Simone zeigen musste. „'Oh wie süss' sagten einige, als hätten sie noch nie ein kleines Kind gesehen.“ Christine half noch Arbeiten zu erledigen, doch sie wollte nicht länger bleiben und entschied Silvester in Bern zu verbringen.

Bei den letzten Kilometern im Zug nach Bern war schon eine richtige Silvesterstimmung. Christine lief durch die Bahnhofhalle, da begegnete sie ein paar ihrer ehemaligen Arbeitskollegen. „Hallo Christine, ist das dein Baby, das du hier herumträgst? Zeig her, aha alles rosarot, ist wohl ein Mädchen“, lächelte Renato. „Wir machen heute eine Privatparty und um Mitternacht sind wir auf dem Münsterplatz, dann lassen wir die Korken knallen wie jedes Jahr. Das wird eine Gaude. Kommst auch mit?“ Christine: „Ich bin ja nicht allein, mein Kind kann ich nicht zu Hause lassen“. „Aber jetzt kommst mit zur Dorli, erinnerst du dich an sie? Wir alle haben schon etwas zum Essen bei ihr deponiert. Sie kann, wegen ihrem Buben, auch nicht ausgehen und ihr Mann muss im Kursaal arbeiten.“ Renato nahm ihr die Tasche ab: „Wo ist Karl? Den hab ich jetzt ganz vergessen.“ Christine erzählte ganz kurz, dass er noch in Österreich sei. „Ja dann passt ja alles“, kicherte er.

Dorli war Buffet Angestellte und Emmanuel war auch ihr Chef. Sie freute sich, Christine wiederzusehen und zeigte ihr, dass man von ihrer Altwohnung aus den Münsterplatz sehen konnte. „Wir brauchen gar nicht in der Kälte stehen. Wenn es soweit ist, dass alle Glocken das neue Jahr einläuten, dann schauen wir zum Fenster raus“, lachte sie fröhlich. Christine nahm Simone aus der Tragtasche heraus und versorgte sie mit trockenen Windeln und ihrem Schoppen. Dorli legte eine dicke Decke auf den Boden: „Da kann sie jetzt bleiben, ich habe noch eine Rassel und einen Plüschhund für sie. Schön das du mit uns feierst. Mein Bub schläft gerade noch ein wenig, ich werde ihn jetzt nicht wecken. Wenn es da unten lärmig wird, dann wacht er schon auf.“ Die kleine Wohnung war bald voll von bekannten und unbekannten Leuten. Simone liess sich herumreichen, jeder wollte sie in die Arme nehmen. Es wurde geplaudert, getrunken und gegessen. Christine legte Simone bald zurück in ihr Tragbettchen und sie schlief fest bis kurz vor Mitternacht. Es blieben nur Christine und Dorli in der Wohnung. Beide hatten schon ein Glas Champagner in der Hand, den sie in Fenster in der Blumen Kiste stehen hatte. Die anderen Gäste stürmten raus, um unten das neue Jahr zu begrüssen. Die Glocken schlugen die Minuten an, das Volk zählte mit, die Stadtbeleuchtung wurde gelöscht. Dann krachten die Raketen von allen Ecken und Enden. Ein Gejohle war am Platz zu hören. „Prost Neujahr 1961!“ Alle umarmten sich. Als alles vorüber war, bedankte sich Christine herzlich und betonte, wie schön es war hier Silvester gefeiert zu haben. Renato begleitete sie bis zum Nachtbus, mit dem sie dann nach Hause fuhr. Er erzählte ihr noch, dass Dorli an verschiedenen Anlässen, meist übers Wochenende im Service arbeitet, und dabei ganz gut verdient. Sie bringt den Buben dann zu einer Freundin. Bei euch kann ja Karl auf Simone aufpassen. Melde dich bei ihr, wenn du was verdienen willst. Dorli freut sich sicher, wenn du dabei bist.

Ein kalter Januar
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2.35.  Au-pair in der Schweiz 2 – Ein kalter Januar.

Es war ein sehr kalter Januar, Charlotte kam immer weniger zu Besuch. Karl fuhr trotzdem mit dem Fahrrad zur Arbeit, kam dann auch verfroren nach Hause. Christine besorgte ihm warme Unterwäsche und eine Mütze, doch er meinte, er fahre schnell und brauche nicht solches Zeug. Handschuhe, dicke Socken und Winterschuhe genüge ihm für die paar Kilometer.

Christine bekam einen Brief, dass sie schon Ende Januar, in die neue Wohnung in Bethlehem, einziehen könne. Sofort suchte sie Beni im Möbelgeschäft auf. Er freute sich riesig, dass sie bei ihm weitere Möbel kaufen wolle. „Aber nur das Nötigste und einfache Sachen, damit ich bar zahlen kann, wir haben inzwischen schon etwas dafür auf die Seite legen können“, erklärte Christine. Sie wolle Vorhänge beim Roten Kreuz kaufen und es braucht auch noch in jedem Zimmer eine Decken Beleuchtung. Beni: „Weisst was, du gehst zuerst zum Roten Kreuz Laden, und danach gehen wir zusammen in die neue Wohnung, dann sehen wir weiter. Rita, deine Nachbarin, hat noch ein paar Möbel auf Ratenzahlung bestellt, wir werden diese demnächst liefern. Christine: „Ich muss jetzt noch jemanden finden, um unsere Sachen zu zügeln.“ Beni überlegte: „Ich denke, wir könnten Ritas Möbel und deine, auf dem gleichen Laster laden. Ich werde das schon so einrichten, also für Ende Januar.“ Christine: „Da bin ich aber froh, dann brauch ich nicht weiter für Zügel Leute suchen. Ich Danke dir jetzt schon dafür.“ Sie erzählte Karl, was sie heute erreicht hat und fragte ihn, ob er mitkomme, um noch zusätzliche Möbel auszusuchen. Karl: „Das kannst du besser alleine und Beni ist ja ein guter Berater. Musst ihm halt sagen wieviel du ausgeben willst.“ Christine: „Also gut, aber für die Vorhänge muss ich die Fenster ausmessen und schauen wieviele Decken Lampen nötig sind, da kommst schon mit. Und vergiss nicht einen Massstab zu besorgen.“ Karl freute sich über die neue Wohnung: „Die Bodenheizung ist total was Neues. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so schön und komfortable gewohnt. Die Traudl wird Augen machen, wenn sie auf Besuch kommt.“ Christine: „Ich hoffe, sie nimmt Ernst und Mutter mit, oder ihren neuen Freund, damit sie sich besser zu Benehmen weiss.“ Karl: „Ach so schlimm ist es auch wieder nicht.“ Was zu tun war, war schnell erledigt, der Zügel Termin ist auch schon in ein paar Tagen.

Charlottes Verhältnis zu ihrem Chef
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2.36.  Au-pair in der Schweiz 2 – Charlottes Verhältnis zu ihrem Chef.

Karl gab schon allen die neue Adresse bekannt, Christine wartete noch ab. Eines Morgens klopfte es an der Tür, draussen stand Marco: „Guten Tag Christine. Hellen ist heute mit mir mitgekommen, sie wollte ihre ehemaligen Kollegen besuchen und da hat sie Charlotte im sehr kranken Zustand gefunden und gemeint, ich soll dich benachrichtigen. Charlotte hat erzählt, dass sie dich schon länger nicht mehr gesehen hat. Wenn du willst, fahre ich dich zu ihr.“ Christine war ganz erschrocken, packte Simone warm ein und dann fuhren sie los. Marco: „Kannst die Kleine bei mir im Auto lassen, ich bleibe hier.“ Christine lief die Treppe hinauf und klopfte an Charlottes Zimmertür und öffnete sie. Es roch fast so wie bei Emmanuel, als er sterbend krank im Bett lag. Hellene war gerade dabei ein bisschen aufzuräumen, wie sie sagte, hat aber schon die meisten Sachen in einem Koffer gepackt, so wie es Charlotte wollte. Charlotte jammerte, dass sie furchtbare Bauchschmerzen hat, sie aber nicht zu einem Doktor gehen wolle. Ihr Chef habe ihr Medikamente gebracht und gemeint, dass es bald besser wird. Hellen winkte Christine vor die Tür, sie habe gehört, dass er sich öfter in ihrem Zimmer aufgehalten habe: „Am besten ist, wir bringen sie ganz schnell ins Frauenspital, bevor der Chef auftaucht.“ Sie sah Christine ernsthaft an und beide vermuteten, dass er was damit zu tun hat. Hellene suchte noch alle Utensilien von Charlotte zusammen, gab ihr Sachen mit, die sie für den Spital Aufenthalt brauchte. Den Koffer und eine Tasche liessen sie im Zimmer stehen, den Charlotte wollte das Gepäck nicht bei Christine deponieren. Ihre Handtasche hielt sie fest in ihren Händen und ließ sie die ganze Zeit nicht los. Christine steckte noch ihre neue Adresse hinein. Im Auto fing es auch an zu stinken. Hellen kam nicht mit, er werde sie später treffen. Marco meinte, Charlotte solle alleine ins Spital hinein gehen, dann könnte sie nicht so leicht weggeschickt werden, so wie es einer Bekannten von ihm passiert ist. Christine kann sie dann nach ein paar Stunden besuchen kommen. „Wir warten noch draussen im Auto“. Charlotte schleppte sich die paar Stufen bis zum Eingang hoch. Marco liess Christine und das Baby zurück, dann hörte er Charlotte, wie abgemacht, um Hilfe rufen. Er stieg anschliessend rasch ins Auto und chauffierte Christine nach Hause. Marco: „Wirst du das deinem Mann erzählen?“ Christine: „Ich denke nein, das bringt ja nichts Gutes.“ „Dann erkundige dich im Spital, wie es um Charlotte steht, bevor er nach Hause kommt.“ Christine kramte in ihrer Tasche nach ein paar Zetteln, wo sie die neue Adresse aufgeschrieben hat und gab ihm zwei davon. Als Marco sich verabschiedete, liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Im Hausflur stand die Abwartin und warnte Christine, das Kinderwagen Gestell nicht im Treppenhaus stehenzulassen, sonst müsse sie das versorgen. Christine ging an ihr vorbei, brachte Simone in die Wohnung und holte das Kinderwagen Gestell herauf. Denn mit dieser Frau war nicht zu spassen.

Am Nachmittag fuhr sie, mit Simone auf dem Arm, die zwei Stationen mit dem Bus bis zum Spital. Sie stellte sich dort vor und fragte nach Charlotte, dann musste sie einen Moment warten. Zwei Ärzte kamen angerannt: „Ihre Schwester ist ein ganz böses Mädchen. Sie können sie in den nächsten Tagen nicht besuchen. Sie wird mindestens eine Woche hier bleiben müssen.“ „Was hat sie den?“ „Darüber können wir keine Auskunft geben, das wird sie ihnen selber sagen können, wenn sie entlassen wird.“ Christine überlegte, dass in zwei Tagen gezügelt wird, und sie danach Charlotte besuchen könnte.
Als es so weit war, war Charlotte aus dem Spital verschwunden. Christine fragte noch bei ihrer Arbeitsstelle nach. Eine Kollegin meinte, sie sei nach Rom gefahren, denn sie habe gute Freunde dort. Sie habe alles mitgenommen, ausser einer Strickmaschine und einer Schachtel voller Wolle: „Es wäre gut, wenn sie das mitnehmen würde.“ Christine nahm das Zeug mit und war sehr traurig, dass sich Charlotte nicht mehr gezeigt hat. Sie wollte wohl nichts erzählen, was passiert war, und was sie in letzter Zeit erlebt habe. Karl sah die Strickmaschine. Christine: „Charlotte hat die hier gelassen und arbeitet nicht mehr im Tea-room. Sie ist jetzt zu Freunden nach Rom gereist.“

Christine ging wieder arbeiten
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2.37.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christine ging wieder arbeiten.

Als die neue Wohnung in Bethlehem fertig eingerichtet war und das Geld knapp wurde, wollte Christine wieder arbeiten gehen. Noch dazu wollte sie einen Telefonanschluss, das kostet auch noch einiges. Im Quartier hatte es eine Kinderkrippe. Christine nahm Simone auf den Arm und suchte die auf. Dort erkundigte sie sich, ob sie ihr Kind, im Fall sie eine Arbeit finde, hier herbringen könnte. Die deutsche Leiterin erklärte ihr, dass es dazu eine Bewilligung vom Amt braucht, und dass Ausländer angehalten werden ihre Kinder selber zu betreuen. Christine: „Oh, die Ausländer!“ „Ja so ist es in der Schweiz. Warum wollen sie arbeiten gehen?“ „Wir sind hierher gezügelt und das Geld reicht nicht einmal mehr für einen Kühlschrank und kaum noch einiges mehr. Also, das heisst, nichts luxuriöses, einfach das Nötigste. Ich habe zum Glück bis zum siebten Monat der Schwangerschaft arbeiten können. Aber jetzt merk ich, dass es knapp wird und Schulden möchte ich keine machen. Bisher habe ich immer alles bar bezahlen können.“ „Also Platz hätte es schon noch. Wie wäre es, wenn sie nur Vormittag arbeiten, dann könnten wir etwas unter uns abmachen. Kontrolliert wird selten, wenn, dann kamen sie bisher nur am Nachmittag. Wenn? Dann war das nur ein Missverständnis, abgemacht! So kostet es dich auch weniger. Wir müssen uns gegenseitig helfen, nicht wahr! Ich bin Gordula, du kannst mich Ula nennen.“ Christine: „Das freut mich sehr. Jetzt mach ich mich auf die Socken.“ „Es gibt den Merkur hier in der gleichen Strasse, versuch dein Glück dort. Bis bald!“ Sie reichte Christine die Hand und führte sie zur Tür hinaus. Christine wollte sich ohne ihr Kind bei Merkur vorstellen. Sie wartete gespannt, bis Karl nach Hause kam. Als er bei der Tür hereinkam, begrüsste sie ihn und sagte: „Ich muss schnell noch etwas besorgen, bin bald wieder zurück.“ Als sie das Gebäude von Merkur erreichte, wurde sie langsam nervös, atmete ein paar mal tief durch und trat ein. Sie sah nur Kisten und Waren in grossen Massen herumstehen. „Hallo, ist da jemand?“, rief sie in die Halle. Ein Mann kam ihr entgegen: „Was suchen sie da?“ „Ich suche Arbeit und möchte mich vorstellen.“ Christine sah eine junge Frau, die sich hinter den Kisten versteckte. „Das Büro ist im ersten Stock, sie müssen den anderen Eingang benutzen.“ „Oh, Entschuldigung!“ Sie erreichte das Personalbüro. „Ach da bin ich richtig“, sprach sie zu sich selbst.

Sie klopfte an die Tür. „Ja!“, hörte sie und öffnete die Tür. Ein älterer Herr kam ihr entgegen: „Was führt sie zu uns?“ „Ich wohne seit kurzer Zeit hier in der Nähe und suche eine Halbtags Arbeit Stelle.“ „Was haben sie bisher gemacht?“ Christine erzählte ihm von der Hauswirtschaft Lehre und vom Restauration Betrieb. „Da sind sie sicher fähig unsere kleine Kantine zu führen. Es ist zwar schon Arbeitsschluss, aber ich zeig es ihnen trotzdem noch gerne.“ Es war ein kleiner Raum, wo man nur Kaffee, Tee und ein paar andere Getränke ausgeben musste. Zum Essen gab es Merkur Ware. „Am Vormittag muss alles aufgefüllt werden. Um neun Uhr kommen die Angestellten, dann noch um zwölf Uhr. Am Nachmittag kann dann Frau Schick übernehmen. Was meinen sie dazu, ist das was sie suchen?“ Christine: „Ja gut, ich glaub das schaff ich schon.“ „Ich glaube auch, kommen sie Morgen vorbei, Meyer ist mein Name.“ Christine: „Kann ich um die gleiche Zeit kommen?“ „Na gut, dann bis Morgen.“ Christine hüpfte förmlich nach Hause. Sie erzählte Karl, was sie vorhatte und freute sich über das Erreichte. Karl ganz streng und dabei doch noch mit einem Lächeln: „Aber der Haushalt muss in Schuss bleiben.“ Christine: „Das Erste wird ein Telefon und ein Kühlschrank sein, auf das wir sparen.“

Christines zweite Schwangerschaft
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2.38.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christines zweite Schwangerschaft.

Es lief alles prima, bis Christine wegen unwohl sein den Hausarzt aufsuchte: „Gratuliere, sie sind in guter Hoffnung!“ Christine geschockt: „Heisst das schon wieder schwanger?“ „Ja, ist das ein Problem?“ Sie fing an zu heulen: „Er hat sich also schon wieder nicht geschützt.“
„Ihr Mann ist bei mir gewesen, er hat eine Blasenentzündung. Ich habe ihm geraten, keinen Verkehr zu haben, bis das abgeheilt ist.“ „Was! Davon weiss ich nichts. Also ich wundere mich nicht mehr, er zieht aus lauter irrealer Eitelkeit, keine warmen Sachen an. Dabei sieht doch niemand, was er unterhalb trägt. Auch weigert er sich, eine Mütze aufzusetzen. Manchmal tun ihm die Ohren richtig weh vor lauter Kälte. Bitte sagen Sie es ihm, dass er vernünftig sein soll, sonst gibt es sicher noch mehr Probleme.“ „Gut sagen sie mir das, da hat er, vermute ich, eine psychische Störung. Hat es in seiner Familie Vorkommnisse in dieser Richtung?“ „Das fragen sie ihn lieber selbst, bevor ich meine Meinung äussere. Er ist ja sonst in Ordnung und hat gern Familie. Hat Mücken, wie so manch andere auch.“ beschwichtigte Christine. Arzt: „Ich hab ihm auch geraten, das Rauchen einzustellen. Er meinte zwar, er rauche nicht so viel.“ Christine: „Das stimmt.“ Arzt: „Ihm haben sie schon in jungen Jahren eine Rippe entfernen müssen, hat er erzählt. Weswegen weiss er auch nicht genau, hat aber in der Zeit geraucht. Er musste in der Gefangenschaft auf blossen Boden schlafen, das war vielleicht der Grund einer Rippen Entzündung und deren Folgen. Auf Alkohol muss der arme Mann, wegen der Blasenentzündung auch verzichten, da bleibt ja nicht mehr viel zum Vergnügen“, lachte er. „Es wird schon wieder und jetzt freuen Sie sich auf ihr Baby, sie haben ja erst ein Kind, ein zweites ist gut zu vertragen, sie sind ja gesund. Ich war ein Einzelkind, hab alle beneidet, die Geschwister hatten.“ Christine: „Wir waren zu viele, ich kenne den Ältesten nicht gut und die Jüngeren auch nicht so, weil ich die Mittlere war.“ „Nun schauen wir vorwärts. Ich sehe sie dann in vier Wochen wieder und ihr Mann kommt in zwei Tagen, sehe ich da in meiner Agenda.“ Er hielt seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie sanft. Christine fing sich wieder und beruhigte sich auf dem Heimweg.

Danach wollte sie sich ruhig verhalten und überlegen, wem sie was sagen wird. Den Karl nahm sie sich zuerst vor. Er war nicht erfreut, dass der Arzt ihr alles erzählt hat: „Wo bleibt die Schweigepflicht?“ Er griff zu einer Schnapsflasche und wollte sich was einschenken. Christine: „Du sollst keinen Alkohol trinken, bis die Blase wieder in Ordnung ist, das hat er dir doch gesagt. Also halte dich daran.“ Sie wurde wütend. „Und schwanger bin ich auch wieder. Du hast versprochen, dass du aufpasst!“ ärgerte sie sich. Karl: „Oho! Na ja, zwei Kinder zu haben ist ja gut so. Ich freue mich darauf. Wird es wieder ein Mädchen?“ Christine: „Du Spinner, wie kann man das jetzt schon wissen?“ Er war richtig heiter und aufgestellt, blödelte mit Simone herum. „Du bekommst ein Geschwisterchen, dann bist du nicht so alleine, gell!“ grinste er. Christine erklärte ihm noch, dass es zu früh sei, jemanden über ihren Zustand zu erzählen. Karl: „Aber der Mutter sag ich es schon.“

Bei der Arbeit schwieg sie, bis sie im dritten Monat war. Sie wäre nicht die Einzige, die in anderen Umständen sei, verkündete ihr Chef und gratulierte ihr. Dass man sie dazu gratulierte, kam ihr schon seltsam vor. In der Kantine waren die Kunden einfach zu bedienen. Ein sehr sparsamer Mann, der im gleichen Haus wohnte wie Christine, brachte immer seinen eigenen Teebeutel mit und wollte nur heisses Wasser. Sie wusste, dass er ein neues Auto gekauft hatte. Sie sah ihn öfter mit einem Lappen herum Polieren und den Motorraum putzen.

Frau Schick, die Nachmittags Kantinendienst hatte, beklagte sich, dass sie in der Wäscherei am Vormittag viel zu tun hätte. Ihr Chef, Herr Minder, aber möchte, dass sie noch kleine Flickarbeiten an den Firmen Arbeitskitteln erledige. Sie hat aber nur wenig Erfahrung mit Nähen und die Zeit reicht auch nicht dazu. Christine erzählte ihr, dass sie in der Hauswirtschaftslehre nähen gelernt habe. Sie könnte das schon machen, vielleicht als Heimarbeit am Nachmittag. Die Kantine möchte sie aber nicht aufgeben. Herr Minder kam bald einmal in die Kantine, besprach sich mit Christine, und sie machten für die Heimarbeit vorläufig einen Stundenlohn ab. Er zeigte ihr die Waschküche und den Stapel Kitteln, die zu reparieren waren. Christine sah sich ein paar an und nahm zehn Stück, die noch leicht zu flicken waren, mit nach Hause. Frau Schick gab ihr noch Faden Spulen und Knöpfe mit. Auf dem Heimweg holte sie wie immer Simone ab. Ula: „Simone fühlt sich wohl unter den anderen Kindern, aber teilen, habe ich beobachtet, tut sie gar nicht gern. Ich hoffe, das ändert sich. Sie ist neugierig und krabbelt überall herum und mit dem Essen klappt es sehr gut.“ Christine holte einen Briefumschlag hervor, darin war die abgemachte wöchentliche Summe. Ula zählte nach und bedankte sich mit einem Händedruck. Eigentlich merkte Karl gar nicht, dass beide täglich nicht zu Hause waren, denn der Haushalt litt nicht darunter und sein Essen stand meistens pünktlich auf dem Tisch. Das Mittagessen für zur Arbeit, nahm er, in einem speziellen dreiteiligen Aluminium Geschirr mit. Das hiess für Christine, jeden Abend zwei Mahlzeiten kochen. Öfters aber, kochte er dafür am Wochenende. Das ging lange Zeit so, bis Christine zufällig von einem Mitarbeiter erfuhr, dass es im Nebengebäude der Firma eine sehr gute Kantine gibt und er sich wundert, dass Karl nie dort zum Mittagessen kommt, da noch dazu die Firma den grössten Teil für das Essen bezahlt. Es war also viel günstiger dort zu essen, als das, was er von zu Hause mitnahm. Christine war total irritiert und stellte ihn: „Erkläre mir, wieso du nicht in die Kantine gehst?“ Karl: „Ich kann machen, was mir passt. Es sind noch zwei Italiener, die nehmen auch ihre Pasta mit.“ „Das ist keine plausible Antwort, denn ich habe die Arbeit und kosten tut es uns auch mehr. Das ist mir gegenüber einfach nicht fair. Ab jetzt mach ich das nicht mehr mit“, gab sie erzürnt bekannt. Karl packte heimlich eine schöne Hose und ein Hemd in eine Tasche. Jetzt wusste Christine, dass er wieder mit der Eitelkeit zu kämpfen hatte. Noch kam dazu, dass sein Friseur zurück nach Italien ging. Er probierte andere Salons aus, er meinte, keiner machte es so, wie er wollte. „Du schneidest doch deinem Vater und deiner Mutter immer die Haare, wenn du bei ihnen bist, dann kannst ja auch meine schneiden.“ Christine: „Ich weiss nicht, ob das gut geht. Du bist nämlich sehr heikel, was die Frisur angeht.“ So nebenbei packte er Friseur Utensilien aus. „Komm, du kannst das schon“, lächelte er ihr zu. Christine gab nach und siehe da, er war mit dem Resultat zufrieden. Im Bad tat er heimlich noch seine Wellenklammern so lange ins Haar, bis er rasiert war.

Schicks Kündigung
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2.39.  Au-pair in der Schweiz 2 – Schicks Kündigung.

Christine war erfüllt mit ihrer Arbeit, die ihr leicht fiel. Vormittags in der Kantine und Nachmittags mit Simone dazu ein wenig Heimarbeit und natürlich noch den einfachen Haushalt. So gingen die Monate bis zum Geburtstermin des zweiten Kindes schnell vorbei. Ihr Arzt hatte sie im Privat Spital, wo er als Geburtshelfer bei seinen Patientinnen dabei ist, angemeldet. Christine war damit einverstanden, da er der Arzt der Familie war und er den normalen Tarif für sie in Rechnung stellen würde.

Eines Tages fragte ihr Chef, wie es ihr in ihren Umständen geht? Christine: „Ich bin nicht krank nur schwanger“, sagte sie heiter. Die Antwort brachte ihn zum Lachen. „Aber wie lange gedenken sie noch hier zu sein?“ „Ich habe im Sekretariat schon Bescheid gegeben, so wird die nächste Woche die letzte sein.“ „Ich muss ihnen noch etwas mitteilen. Frau Schick hat gestern mit Herrn Minder eine Diskussion wegen ihrer Arbeit gehabt. Sie hatte ihre eigene Wäsche mit der Firmen Wäsche zusammen gewaschen, das geht natürlich nicht. Dann kamen noch ein paar andere Reklamationen dazu, so konnten sie sich nicht einigen und es folgte eine fristlose Entlassung.“ Christine hörte, dass die beiden in letzter Zeit öfter Meinungsverschiedenheiten hatten und sich ständig im Lagerraum stritten. „Und wer übernimmt jetzt Frau Schicks Arbeit?“ „Eine junge Italienerin wird sich heute bei Ihnen vorstellen, sie ist jetzt schon in der Wäscherei.“ Eine nette rundliche kleine Frau meldete sich bei Christine. Sie war sehr geschickt und hatte bald alles im Griff.

Christine war zu Hause und bereitete sich langsam auf ihre Niederkunft vor. Seit kurzem hatte sie Schmerzen im unteren linken Rückenteil, sie hoffte das diese nach der Geburt nachlassen.

Christine fühlte Mitleid mit Frau Schick und suchte sie auf. Frau Schick hatte kein einfaches Leben. Sie erzählte ganz vertrauensvoll, warum sie mit Herrn Minder Probleme hatte. „Sie hat ihm einmal erzählt, dass ihr Mann untreu ist und sie sich am liebsten scheiden lassen würde. Da sie aber zwei Kinder habe, es für sie, als allein erziehende, nicht einfach wäre. Herr Minder nahm sich meiner an und mit der Zeit wurde eine vielversprechende heimliche Beziehung daraus. Da er geschieden war, dachte sie, ihr Leben mit ihm verändern zu können. Er sprach von einem gemeinsamen Zusammenleben und so weiter. Nun erwarte ich ein Kind von ihm, er streitet es ab. Er habe immer aufgepasst, damit so was nicht passieren kann und wollte von da an nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Sie trocknete ihre Tränen ab und bekam beinahe einen Wutanfall: „Dieses Schwein! Kann ich jetzt sagen, hat mich nur benutzt. Ich habe mit meinem Mann schon lange nicht mehr geschlafen, weil ich Angst hatte, dass er mich mit einer Krankheit ansteckt“, weinte sie und zeigte auf ihre krummen Fingerspitzen: „Das ist von der Arbeit bei meinen Eltern, draussen bei klirrender Kälte. „Die muss ich jetzt vor meinen Mann verstecken, denn plötzlich stört ihm das. Ich kann es nicht ändern und die Ärzte auch nicht. Ich habe schon bei einigen nachgefragt und morgen hab ich einen Termin bei einem gewissen Frauenarzt. Die Personen, die ihn kennen, nennen ihn 'Engel Macher'. Aber das ist mir egal, ich muss es riskieren, koste es, was es wolle. Was soll ich anderes tun?“ Christine: „Ich möchte gerne mit dir, wenn du willst, in Verbindung bleiben. Übrigens haben wir einen Telefonanschluss, der kostet Geld, aber es macht das Leben leichter. Wir sind die ersten im Haus. Der Monteur hat mich gewarnt und meinte, ich soll es nicht den Nachbarn erzählen, sonst wollen alle das Telefon benutzen.“ Christine verabschiedete sich und holte Simone ab. Mit Frau Schick hatte sie fortan eine gute Beziehung.

Der Monteur hatte recht. Die Frau, die nebenan wohnte, hat es beobachtet und meinte, sie müsse dringend telefonieren.“ Christine blockte ab: „Tut mir leid, ich erwarte einen wichtigen Anruf vom Gemeindeamt“, log sie. „Bei der Bushaltestelle da drüben sind zwei Telefonkabinen.“ Die Frau ging weg, war fast ein bisschen beleidigt und fragte nie wieder.

Das Baby boxt im Bauch
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2.40.  Au-pair in der Schweiz 2 – Das Baby boxt im Bauch .

Das Baby will auf die Welt kommen. Christine rief ihren Arzt an, er schickte ein Taxi, um sie ins Spital zu fahren. Sie hatte noch Zeit, Karl in der Firma anzurufen, das er sofort nach Hause kommen soll, um auf Simone aufzupassen. Und er soll erst morgen ins Spital kommen, wenn er Simone in der Kinderkrippe gebracht hat.

Christine wurde von einer italienischen Krankenschwester empfangen. Als sie im Bett lag, hörte sie die Herztöne vom Baby ab und kontrollierte, ob alles normal verlief. Plötzlich meinte sie, keine Herztöne mehr zu hören. Sie sah ständig aus dem Fenster, ob der Arzt endlich angekommen ist. Dann sagte sie zu Christine, sie solle drücken, damit das Baby kommt. Christine drückte fest, als endlich der Arzt dazu kam, war auch das Baby schon da. Sie nahmen es schnell in ein Tuch und liefen damit weg. Christine wusste nicht, was los war, und ob es ein Mädchen oder ein Knabe sei. Sie blutete noch stark, als sie endlich ihr Mädchen, mit dunklen Haaren in die Arme nehmen konnte. „Die Kleine hat nur kurz geschrien, es fehlt ihr nichts, ist alles in bester Ordnung.“ Der Arzt meinte, wenn er die Risswunde genäht habe, könne sie schon nach Hause fahren. Die Pünktchen in ihrem Gesicht sind von der Anstrengung, die gehen bald wieder weg. Er sprach, während er nähte, Italienisch mit der Krankenschwester. Er wollte sie zu etwas einladen, Christine hatte das Gefühl, dass er jedes Mal fester am Faden zog, wenn sie nein sagte. Sie musste anschliessend aufstehen und man half ihr, ihre Kleider wieder anzuziehen. „Haben sie schon einen Namen für sie?“ „Ja, Elisabeth Josefine.“ „Oh schön, ein edler Name. Geben sie ihrem Baby etwa alle zwei Stunden die Brust, ich sehe sie dann Morgen Früh bei Ihnen zu Hause.“ Karl war ganz erstaunt, dass sie nicht im Spital bleiben musste. Christine hielt ihren Bauch, bis sie ans Bett kam: „Das war ein Desaster, kein Arzt in der 'Privatklinik', nichts zu trinken oder zu essen bekam ich. Jetzt hab ich richtig Hunger und Durst und mir tut alles noch weh.“ Karl hatte Spaghetti gekocht und gab ihr einen Teller voll davon. Er stellte ihr noch eine Flasche Mineralwasser ans Bett und nahm Elisabeth in die Arme. „Ganz schön schwer die Kleine, die geratet dir nach, mit den vielen Haaren und den dunklen Augen. Ach schau an, sie meldet sich, ich glaub, sie hat Hunger“, lachte er und legte sie Christine auf die Brust. Nach drei Wochen machte sich eine schmerzhafte Brustentzündung bemerkbar. Ihr Arzt gab ihr eine Salbe, Christine pumpte die Milch auf einer Seite ab, nach drei Monate stoppte sie, beklagte sich beim Arzt, dass sie immer noch Bauchschmerzen hat und es sich mehr auf die linke Seite zog. Seine Assistentin meinte: „Kinder kriegen tut nun mal weh.“

Not Operation
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2.41.  Au-pair in der Schweiz 2 – Not Operation.

Nachdem Christine 15 Kilo abgenommen hatte, suchte sie einen anderen Arzt auf. Zufälligerweise hatte dieser Besuch von einem Nierenspezialisten aus München in seiner Praxis. Bei der Untersuchung fragte dieser: „Darf ich mal?“ Dann gingen beide ins Nebenzimmer und besprachen sich. Danach sagten sie zu Christine: „Sie müssen als Notfall ins Krankenhaus und sofort operiert werden. Wir sind schon dabei alles vorzubereiten. Sie werden ins katholische Privatspital Viktoria eingeliefert.“ Christine: „Ich muss meine zwei kleinen Kinder noch wo unterbringen und meinen Mann Bescheid sagen. Die Kinder sind noch in der Kinderkrippe.“ „Keine Sorge, wir machen das schon.“ Christine: „Ich will aber zuerst noch nach Hause.“ Sie riefen ihr ein Taxi und gaben Karl Bescheid. Als Christine mit ihren Kindern von der Krippe kam, stand schon ein VW Wagen, mit einer Nonne am Steuer, vor dem Eingang. Die Nonne begrüsste sie freundlich, dann gab sie ihr die Adresse vom Kinderheim wo sie jetzt sein werden: „Sie brauchen nichts mitzugeben, wir haben genug Sachen in unserem Kloster.“ Christine holte aber noch Simones Teddybär und die beiden fuhren ohne Tränen mit der Nonne mit. Simone freute sich mit dem Auto zu fahren und winkte. Danach holte sie noch ein paar Sachen für den Spitalaufenthalt, stieg ins wartende Taxi, das sie ins Spital brachte. Sie wurde noch am selben Tag operiert. Karl sah sie erst am nächsten Tag am Abend. „Die Operation ist gut gelungen, sie sind hier in guten Händen. Man musste einen kleinen Teil der linken Niere entfernen und einen angegriffenen Knochen durch ein, sagen wir, Plastikteilchen ersetzten. Jetzt braucht es ein paar Wochen Geduld, bis zur Heilung“, teilte ihr der Münchner Arzt mit und verabschiedete sich.

Im Krankenzimmer stand noch ein zweites Bett beim Fenster, mit einer französisch sprechender Patientin. Als der Arzt weg war, kam sie näher und wollte wissen, wie es ihr geht. Christine winkte nur schwach und schlief ein. Sie bemerkte erst am nächsten Tag die vielen Schläuchen an ihr. Auf den Topf sitzen war schmerzhaft. Manchmal hörte sie, wie die Rotkreuzkrankenschwester im Nebenzimmer in der Herren Abteilung lachte und sie vergass, dass der Topf von Christine entfernt werden sollte. Sie konnte nicht läuten, da sie sich mit beiden Händen an der Hängestange hielt. Chantal ihre Bettnachbarin läutet Sturm, aber die nahm man nicht so Ernst, weil man nicht herausfand, an was sie leidet. Ein Arzt kam herein: „Oh, hier riecht es ganz streng“, und wollte wieder gehen, Christine schrie: „Entfernen sie mir den Topf, ich hänge schon seit einer Weile hier. Diese Schwester lass ich nie mehr an mich ran!“ In dem Moment kam sie herein, sagte kein Wort und entfernte den Topf. Der Arzt kontrollierte noch, ob alles in Ordnung sei. Christine heulte vor Schmerzen, er drückte an einem Tropfschlauch herum, danach ging es ihr bald besser. Eine Nonne kam, deckte beide Patientinnen gut zu und öffnete für einen Moment das Fenster. Sie fragte, ob jemand ans Fenster gekommen sei, denn waren Spuren zu sehen. Chantal gab zu verstehen, sie habe nichts gemerkt. Doch Christine merkte bald, dass sie nachts, nach der Kontrolle, aus dem Fenster stieg und in den nahen Kursaal ging. Sie bekam auch jeden Tag Besuch. Ihr Neffe war ein junger Mann, der ging ganz lieb mit ihr um. Er hatte immer etwas mit wie Blumen, Pralinen oder Früchte. Er fragte auch jedes Mal Christine, wie es ihr geht. Einmal begegnete er Karl, der gerade nach Hause fahren wollte, dieser stürmte nach einer Weile wieder ins Zimmer: „Mein Fahrrad ist weg! Ich bin sicher, dass ich es abgeschlossen habe, es ist nicht mehr da.“ Er fluchte noch eine Weile, suchte nach Kleingeld fürs Tram, um nach Hause zu fahren. „Wegen dem Wetter, hab ich zum Glück nicht den Renner genommen. Ich muss das jetzt auch noch der Polizei melden, so ein Scheiss! Also gute Nacht bis Morgen. Brauchst noch was?“ Christine verneinte. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Wange und ging. Chantals Neffe: „Oh, tut mir leid. Haben Sie keine Blumen? Hier eine Rose für Sie.“ Es war eine wunderschöne violette grosse Rose. Christine bedankte sich. „Ich bringe Morgen Pralinen.“ Christine gab ihn zu verstehen, dass sie auf spezielle Diät ist und keine Schokolade oder sonst was essen darf.

Eines Tages weinte Chantal, sie weigerte sich das Spital zu verlassen, da sie zu Hause sehr unglücklich sei und nicht dorthin zurückkehren möchte. Eine Nonne fragte sie, ob sie bis alles geklärt ist, ins Kloster kommen wolle, so stimmte sie zu.

Christines Mädchen wurden einmal die Woche von einer Nonne zu ihr ins Spital gebracht. Simone rannte nach der Begrüssung stets herum. Elisabeth lag gerne in Mamas Bett, Simone kam dann natürlich auch dazu. Die Nonne erzählte noch, dass Elisabeth ein angenehmes Baby sei, versucht schon fleissig zu krabbeln. Und Simone weiss schon was sie will und geht schön brav aufs Töpfchen. Sie sind beide, glaube ich, gerne bei uns im Kloster.

Karl fand sich zu Hause gut zurecht, erzählte niemanden, dass seine Frau im Spital sei. Christine erholte sich relativ schnell. Bei der täglichen Visite kam der Arzt zu Christine: „Nun wie geht es heute? Gut, ja? Leider muss ich ihnen eine traurige Mitteilung machen. Sie dürfen keine Kinder mehr haben, das wäre für sie zu gefährlich. Wir haben uns beraten und schlagen eine Unterbindung vor. So wären sie sozusagen ausser Gefahr.“ Christine erfreut: „Oh, danke! Und wann wird die gemacht?“ „Wir müssen Sie, wenn sie einverstanden sind, in das Spital, das hier gegenüber steht, heute Nachmittag hinbringen, denn hier im Katholischen ist das nicht erlaubt.“ Christine schlang ihre Arme um den Hals vom Arzt und sagte: „Ich bin einverstanden.“ „Eigentlich, nach dem Gesetz müssten wir die Unterschrift ihres Mannes haben, oder es bleibt strikte unter uns. Denn manche Männer würden das nicht zulassen, auch wenn es um das Leben der eigenen Frau geht. Sie werden nur für ein paar Stunden weg sein danach kommen sie wieder hierher zurück.“ Christine: „Zwei Kinder sind genug, bei uns zu Hause waren es viel zu viele.“

Als Karl kam, war alles vorbei. Niemand sonst merkte, dass sie abwesend war. Christine lag zwar geschlagen im Bett, aber verkündete, dass sie in ein paar Tagen wieder zu Hause sein werde. Er war froh, das zu hören. Traudl will mit ihrem Verlobten auch vorbeikommen. „Ich hab ihr nicht gesagt, dass du und die Kinder nicht zu Hause seid. Die Mutter hat sich schon verwundert, dass du nie das Telefon abnimmst. Ich hab dann halt ein paar Ausreden gebraucht“.

Aus dem Spital entlassen
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2.42.  Au-pair in der Schweiz 2 – Aus dem Spital entlassen.

Christine gab dem Kinderheim Bescheid, dass sie wieder zu Hause ist. Auch bei der Kinderkrippe hat sie die Kinder wieder angemeldet, damit sie den Vormittag zuerst für die weitere Erholung und dem Haushalt widmen kann. Karl war sichtlich froh, dass seine Familie wieder zusammen war. Alles lief soweit ganz gut. Es gab Turbulenzen, als die jährliche Steuerrechnung kam und das Geld knapp war, da Karl sich ein teures Rennfahrrad gekauft hat. Die Versicherung zahlte sehr wenig für das gestohlene Fahrrad. Christine zeigte kein Verständnis dafür, dass er eine so hohe Summe für ein zweites Rennrad ausgab. Weil Karl ihr einmal vorwarf, sie sei es, die zu viel ausgebe, führte sie ein Haushaltsbuch, trug jeden Rappen ein, den sie ausgab. Karl: „Ich arbeite, da kann ich kaufen, was ich will und muss niemanden fragen. Hab eh schon lange keinen Anzug mehr gekauft und rauchen tue ich auch schon weniger.“ Er war es einfach nicht gewohnt mit jemanden zu teilen. Christine: „Es ist nicht so lange her, da hast du dir doch ein gutes Rennrad zugelegt. Und wegen den Anzügen, du hast sechs Massanzüge und ein dutzend Hemden im Kasten hängen, die du kaum brauchst. Weil du gesundheitlich angeschlagen bist, hat dir der Arzt das Rauchen verboten. Es tut mir so leid, dass ich dich an solche Sachen erinnern muss. Es kommen Rechnungen herein, die zuerst bezahlt werden müssen. Wir haben jetzt einen schönen gemeinsamen Haushalt mit einer Familie, die du dir so sehr gewünscht hast.“ „Ja einige Kollegen beneiden mich schon, ich darf gar nichts mehr von dir, deiner Arbeit und den Kindern erzählen“, grinste er. „Übrigens die Traudl kommt mit Sepp dieses Wochenende. Kochst was Gutes, gell!“ Christine stellte sich ganz früh am Morgen im Schlachthaus an, da gab es billigeres Fleisch, das an die Geschäfte nicht verkauft werden konnte. Diesmal war sogar noch ein Schweins Filet dabei. Das ergab ein schönes Filet Wellington für die Gäste, freute sie sich, und Karl besorgte einen guten Wein dazu.

Besuch von Karls Schwester Traudl und Verlobten
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2.43.  Au-pair in der Schweiz 2 – Besuch von Karls Schwester Traudl und Verlobten.

Sepp hatte sich von seinem Dreirad Auto getrennt und kam mit einem gebrauchten Opel an. Nach der Begrüssung wollte Traudl die Wohnung besichtigen. Sie war ganz begeistert von der Einrichtung. „So ein Schlafzimmer möchte ich auch, genau so mit allem drum und dran. Wo habt ihr das gekauft?“ Karl: „Bei Möbel Pfister.“ Christine schob das Filet Wellington in den Ofen, als Traudl aus ihre Tasche eine Büchse Ravioli und einen Kopfsalat auspackte. Karl: „Hast das für heute Abend mitgebracht, den zu Mittag gibt es ganz was Feines.“ „Nein! Denn ich hab gedacht, dass ihr euch keine Umstände wegen uns machen müsst, wärme ich das jetzt für Sepp und mir auf, weil er das so gern hat und Salat mit der selbst gemachten Sauce dazu.“ Dabei nahm sie eine kleine Flasche aus ihrer Tasche. Karl und Christine waren perplex, Sepp schaute aus dem Fenster. Karl: „Ja sag einmal! Na ja dann bleibt uns halt mehr“, spasste er. Man konnte es ihm ansehen, dass es ihm peinlich war. Aber er gab ihr eine Pfanne, die sie gründlich säuberte, bevor sie ihre Ravioli hineintat. Karl: „Die Pfanne ist sauber, die hab ich abgewaschen.“ „Ja, ich bin es halt nicht gewohnt, wenn andere herum-fingern, gell! Wenn wir gegessen haben, dann gehen wir uns die Gegend anschauen, bis dann hast du ja fertig gekocht und ihr könnt ruhig essen.“ Christine blieb die Stimme weg. Sepp schlürfte seine Ravioli hinunter und sie merkte, dass er andauernd auf ihre Beine glotzte. Die beiden Mädchen waren in ihrem Zimmer und spielten miteinander, Traudl machte einen Blick hinein und rief „Hallo!“ Simone stand auf und gab ihr die Hand. Traudl: „Jö, wie herzig!“ Danach sahen sie sich die Gegend an. Karl räumte das Geschirr von den beiden ab, reinigte und versorgte es ohne ein Wort zu sagen. Man merkte, es kocht in ihn, aber er nahm sich zusammen und sie assen ihr Filet und vergassen fast die ganze Peinlichkeit bei einem guten Glas Wein. Traudl und Sepp waren ziemlich lange weg. Traudl: „Es ist furchtbar kalt draussen und der Wind bläst auch ganz schön kräftig. Wir haben uns, in dem Tea-Room da vorne einen Kaffee und Kuchen gegönnt. Sepp will jetzt schon losfahren, bevor es dunkel wird.“ Sie packte noch den Rest Salat und die Sauce ein und dann verabschiedeten sie sich. Karl begleitete Traudl noch bis zum Auto. Die beiden hatten auf den Weg dorthin ein heftiges Gespräch geführt, man konnte sehen, wie er mit den Händen herumwirbelte. Als er zurückkam, schenkte er sich zur Beruhigung einen Schnaps ein. Christine: „Komm, mach dir nichts daraus, sie sind ja jetzt weg.“ Er spielte und spasste noch mit den Kindern herum, dann zu Elisabeth: „Komm du Scheisserl, ich wechsle dir jetzt die Windeln.“ Dabei hielt sich Simone die Nase zu. Vor dem Schlafen gehen, vertiefte er sich noch in ein Buch und Christine erledigte friedlich ihre Heimarbeit.

Nächsten Tag, rief Christine Karls Mutter an, fragte, wie es ihr geht und was es Neues gibt. „Ja der Ernst möchte gern Taufpate zu eurer Tochter Elisabeth Josefine werden, ich habe ihm erklärt, dass er zu jung dazu sei“, und beide hörte man lachen. „Er kommt aber mit der Traudl mit, wenn es so weit ist.“ Christine: „Ich werde mit Karl reden, was da vorgeht, ob er was abgemacht hat“. „Ja wahrscheinlich schon, sie möchte das vor ihrer Hochzeit mit Sepp erledigen.“ Christine: „Wann ist denn die Hochzeit?“ „Ja bald einmal, ich weiss es nicht so genau.“ Karl gestand, dass er, als er mit Simone spazieren ging und es so kalt war, sie in die Kirche zur Messe gingen und anschliessend mit dem Pfarrer sprachen. Also die Taufe kann nächsten Samstag stattfinden. So war es dann auch. Es war eine kurze kleine Feier, am meisten aufgeregt war Ernst. Zu Christine gestand er, dass er Sepp nie als seinen Stiefvater akzeptieren werde. Sepp habe ihn schon mehrmals geschlagen, sogar als Onkel Karl da war. Als er sich einmischte, habe Sepp ihn aus der Wohnung geworfen. Karl hat nie was davon erzählt. Ernst konnte nicht verstehen, dass seine Mama dieses 'Arschloch', wie er erzürnt sagte, heiraten werde.

Zur Hochzeit war niemand von der Familie eingeladen. In der Kirche hatte der Pfarrer sie gerade nach der Sonntagsmesse getraut und es nach Traudls Wunsch auch vorher verkündet. So konnten Kirchenbesucher, die wollten, an der Trauung teilhaben. Christine fragte Karl, ob er ihr etwas zur Hochzeit geschenkt habe. Karl: „Ja, sie wollte doch das gleiche Schlafzimmer, wie wir es haben, kaufen. Da hat sie mich angebettelt, weil sie ja in die Schweiz zügeln und keine Möbel haben, ob ich ihr das Geld, zuerst hat sie gesagt, leihen könnte, und darauf gerade schenken würde. Dafür werde sie sich auch um das Familiengrab kümmern, da konnte ich nicht gut 'Nein' sagen.“ „Aber das ist ja recht viel Geld, ist da noch etwas auf der Bank?“ „Ich habe ihr ganz ernsthaft gesagt, dass es jetzt fertig ist und sie mich nicht mehr um Geld fragen soll.“ Christine schüttelte nur den Kopf. Sie glaubte nicht, dass es das letzte Mal war.

Frau Schick in Nöten
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2.44.  Au-pair in der Schweiz 2 – Frau Schick in Nöten.

Frau Schick meldete sich bei Christine. Ihre Mutter möchte, dass sie sie besuchen komme, sie haben sich schon lange nicht mehr gesehen. Nur hat sie jetzt ein Problem: „Wer vertritt mich für ein paar Tage. Ich arbeite hinter einer Theke in einem Tanzlokal, wo die Kellner ihre Bestellungen entgegennehmen. Arbeitszeit ist nur von acht Uhr Abends bis zwei Uhr früh. Ein Kellner fährt mich immer mit seinem Auto bis zu unserer Haustür, weil er in Freiburg lebt, muss er sowieso bei uns vorbeifahren.“ Christine: „Ich habe schon Erfahrung im Gastgewerbe, ich werde es mit Karl besprechen, der hat sicher nichts dagegen.“ Frau Schick hüpfte auf vor Freude: „Ich habe gewusst, dass du mir helfen wirst. Es ist eine sehr gut bezahlte Arbeit und das Personal ist wie eine Familie. Die Patronin, eine russische Romanov, ist eine Verwandte der Zaren Familie. Sie ist auch die Besitzerin vom Lokal und dem ganzen Gebäude. Sie muss sehr reich sein, ist immer mit teurem Schmuck voll gehängt.“ Christine: „Kommst Morgen vorbei, dann sehen wir weiter.“ Zwei Tage später war Christine hinter der Theke, es wurden ihr ein paar Mitarbeiter vorgestellt und man duzte sich von Anfang an. Als erster begrüsste sie der Geschäftsführer und zeigt ihr die Getränkekarte und eine, wo man ganz genau sah, was in den verschiedenen Cocktails hinein kommt.
Die Gäste konnte man von der Theke aus nicht sehen und die Artisten der halbstündigen Show, huschten nur schnell vorbei. Eine kleine Dame ganz in Schwarz, sass währendem auf einem breiten Stuhl, in einer dunklen Ecke, und sah dem ganzen zu. Christine wurde ihr vorgestellt. Sie begrüsste sie auf Französisch und sah ihr lange in die Augen. Sie flüsterte noch was zu Pierre dem Kellner, der neben ihr stand, dieser lächelte. Es war der Kellner, von dem Christine nach Hause gefahren wurde. Christine hatte das Gefühl, ihn schon vorher begegnet zu sein. Er war ein sehr galanter Mann, öffnete ihr die Autotür und entschuldigte sich, dass er kein schöneres Auto habe, grinste aber dabei. Christine erklärte ihm, dass sie keinen grossen Wert auf schöne Autos legte, praktisch muss es sein. „Ja, für mich ist es auch so, weil ich in der Freizeit Bergsteigen gehe. Kannst du auch Auto-fahren?“ „Nein, aber lernen möchte ich es schon.“ Das geht ganz einfach, du holst dir einen Lehrfahrausweis und ein grosses 'L' Schild, dann kannst du mich die halbe Strecke chauffieren.“ „Aha, ja dann mach ich das.“ Beide lachten herzlich und so kam es, dass Christine Auto fahren lernte. Zehn Stunden musste sie später noch bei einem Fahrlehrer nehmen und dessen Frau gab Theorie Unterricht. Bei der Autofahrprüfung wurde ihr ein dicker Mann zugeteilt. Mit ihm fuhr sie ein paar Strassen entlang und dann forderte er sie auf, an einem kurzen Steilhang zu parken, was ihr gut gelang. Danach sagte er: „Sie haben die Prüfung bestanden, aber es ist sehr wichtig, dass sie die nächsten zwei Jahre aufmerksam fahren, damit nichts passiert. Jetzt ist Mittagszeit und ich bin hungrig.“ Er fuhr dann selber rassig zurück zum Verkehrshaus. „Ich gratuliere! Jetzt geh ich was essen.“ Er gab die Prüfungspapiere ab und weg war er.

Frau Portmann war die rechte Hand der Patronin, sie wollte ihren runden Geburtstag im kleinen Kreis feiern. Als Geburtstags Geschenk luden Pierre und seine Frau sie zu sich für ein frühes Abendessen ein, denn danach musste Pierre wieder zur Arbeit fahren. Als Frau Portmann hörte, dass Christine die Autofahrprüfung bestanden hat, sagte sie zu Pierre und seiner Frau: „Ich hätte gerne Christine noch eingeladen, wenn es euch nichts ausmacht. Wir sind ja nur zu dritt und sie hat ja auch noch was zu feiern.“ Sie waren einverstanden und meinten, man sollte höflicherweise auch ihren Mann einladen, so werden wir ihn kennenlernen. Christine und Karl nahmen die Einladung an. Es gab aber ein Problem, sie hatten niemanden, denen sie die Kinder anvertrauen konnten. Pierre: „Ach, die kannst mitnehmen, meine drei Söhne spielen sicher gerne mit den Mädchen“, scherzte er. „Und im Auto hat es gerade noch Platz.“

Als Pierre ankam, sass schon Frau Portmann hinter ihm. Christine und die beiden Mädchen setzten sich zu ihr, Karl nahm vorne Platz. Christine hatte abgemacht, dass sie eine Geburtstagstorte mitbringt. Karl hielt diese in der Hand und meinte, man könne sie in den Kofferraum mit transportieren, doch der war gestopft voll von Pierres Kletterutensilien. Er müsse sie leider in den Händen halten, das gefiel ihm gar nicht. Karl drehte sich um, sah zu Christine die ihre Augen sprechen liess und den Kopf leicht hin und her drehte, den die Torte den zwei Frauen mit den Kindern auf den Schoss zu geben, ging gar nicht.

Pierres Frau Clara begrüsste die Ankommenden mit Küsschen links und rechts und nahm dem Karl die Torte ab. Sie hatte den Tisch schön festlich gedeckt. Die Gänseleber mit den Zutaten wurde von einem Restaurant geliefert. Wein wurde reichlich ausgeschenkt. Christine blieb bei einem Glas Wein, um anzustossen und dem Geburtstagskind zu gratulieren. Die drei Buben von Clara und Pierre sangen ein Lied für Frau Portmann. Sie war ganz gerührt und hob ihr Glas Wein immer wieder mit einem netten Spruch hoch. Bei der Torte mit den brennenden Kerzen bekam sie feuchte Augen. Clara fragte Karl, ob es ihm geschmeckt habe. Seine Antwort war: „Eine Bratwurst hätte es auch getan“. Sie wiederholte ihre Frage. Karl: „Ja, ja es war ganz gut. Prost!“ Er erhob sein Glas und beide lachten schon sehr angeheitert. Frau Portmann hatte eine kleine Flasche Williams Schnaps mitgebracht, der sei ganz speziell von einem Bauern, der selber 'Schwarz' brennt. Clara: „Den müssen wir noch probieren, bevor ihr geht.“ Christine weigerte sich das Glas, das Karl ihr vors Gesicht hielt, zu trinken. Da hielt er ihr die Nase zu und wollte den ihr in den Mund schütten. Pierre kam dazu, weil alle so lachten und nahm ihm das Glas aus der Hand und meinte: „Ich glaube wir müssen gehen, die Kinder sind schon ganz unruhig. “Clara war schon angetrunken und machte ein böses Gesicht: „Ja geh nur, aber meine Buben lässt du hier. Ihr könnt ihn haben, mit ihm ist sowieso nicht mehr viel los.“ Christine stand auf und ging zu den Kindern. Karl stand da wie angewurzelt. Clara verschwand in ein anderes Zimmer. Christine klopfte leise an die geschlossene Tür, bedankte und verabschiedete sich. Frau Portmann: „Ich werde sie Morgen anrufen, wir haben alle ein bisschen zu viel getrunken. Jetzt hat sie halt wiedermal durchgedreht die Arme, das ist ja nichts Neues. Morgen ist alles wieder vergessen.“ Sie lachte den ganzen Weg bis zum Auto. Karl musste jetzt hinten sitzen, da Frau Portmann zuerst aussteigen muss. Unterwegs wurde es ihr übel, Pierre hielt sofort am Strassenrand an. Sie schaffte es gerade noch ins Gras zu erbrechen, es schüttelte sie ganz heftig. Pierre: „Geht es wieder, wir haben ja nicht mehr weit zu Ihnen.“ Sie nickte nur mit dem Kopf und hielt ihren Schal vor das Gesicht. Zu Hause stieg Karl mit den Kindern aus, Christine und Pierre fuhren weiter, sie mussten zur Arbeit. Am Parkplatz machte er ihr die Tür auf und drückte ihr ein Päckchen in die Hand. „Gratuliere zur bestandenen Fahrprüfung!“ Christine schlug spontan ihre Arme um seinen Hals und bedankte sich: „Durch deine Hilfe habe ich jetzt einen Führerschein.“

Sie waren etwas zu früh bei der Arbeit. 'Madam' so nannten die Angestellten ihre Chefin, sass an einem Tisch und Pierre setzte sich zu ihr. Sie diskutierten ziemlich heftig auf Französisch. Ein grauhaariger Kellner, der schon lange Jahre dort angestellt war, erzählte Christine, was vor einiger Zeit passiert war. Pierre war der Privatchauffeur von Madam und vor allem ihrem Mann. Einmal konnte Pierre wegen seiner Frau nicht pünktlich kommen, da fuhr ihr Mann alleine weg und verunglückte tödlich. Das Auto überschlug sich über einen Hang hinunter. Seither hasst sie Clara. Madam rief: „Christine! Erzählen Sie mir warum sie arbeiten. Sie haben ja zwei Kinder und einen Mann. Müssen Sie das aus finanziellen Gründen. Kommen Sie, ich möchte Sie näher kennenlernen.“ Sie orderte einen speziellen Fruchtsaft für sich und Christine. „Sind sie glücklich?“, fuhr sie weiter. Christine: „Was heiss das schon, man kann das verschieden definieren.“ „Das ist keine klare Antwort.“ „Ich bin zufrieden. Ich meine, dass sollte ich wohl sein, und wenn ich dazu verdiene, können wir uns ein bisschen mehr leisten. Ein Auto zum Beispiel, weil ich seit kurzen den Fahrausweis besitze“, Christine lachte und blickte zu Pierre. „Ich arbeite gerne und lerne dabei noch nette Leute kennen. Früher wollte ich weiter die Schule besuchen und in der Umgebung von Montreux oder Lausanne wohnen, besonders wegen der französischen Sprache. Ich habe hier Kurse besucht und kann etwas Französisch. In London war ich Au-pair und besuchte die Golders Green School. Das Geld ging mir aus, so musste ich in die Schweiz zurück. Das war nach meiner einjährigen Hauswirtschaftslehre, die ich mit 17 antrat. Bevor ich meine zwei Mädchen bekam, arbeitete ich im Service. Ich hatte einen wunderbaren Chef, der leider gestorben ist und das Restaurant, wo wir gearbeitet haben, gibt es auch nicht mehr.“ Pierre sah, dass Madam traurig wurde und rief Christine zur Arbeit. Madam: „Gehen sie nur, wir unterhalten uns ein anderes Mal.“ Christine dachte, was will sie noch hören? Madam hatte keine Kinder. Man sagte, sie sehe in Pierre den Sohn, den sie nicht hatte.

Christine holte das Geschenk von Pierre hervor und öffnete das Päckchen, darin befand sich eine goldene feine Kette. Sie hängte die gleich um den Hals. Pierre holte seine Bestellung von der Theke. Christine sagte leise: „Danke!“ Sie zeigte auf die Kette. „Gefällt sie dir?“ „Ich glaube schon!“, schmunzelte sie.

Frau Schick meldete sich zurück
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2.45.  Au-pair in der Schweiz 2 – Frau Schick meldete sich zurück.

Frau Schick war sehr lange weg und hat sich jetzt zurückgemeldet. Ganz überraschend stand sie da: „Hallo! Da bin ich wieder, meine Mutter hat sich gut erholt. So konnte ich ruhig zu meiner Familie zurückkommen und natürlich möchte ich wieder arbeiten“, verkündete sie fröhlich. Pierre kam dazu: „Kannst du jetzt schon hier bleiben. Ich habe einen Notfall und muss schnell weg, bevor es dunkel wird. Es wäre gut, wenn Christine mitkommen könnte. Ich denke in ein, bis zwei Stunden sind wir wieder zurück.“ Frau Schick: „Kein Problem, ich kann auch den ganzen Dienst übernehmen, wenn es nötig ist.“ Pierre: „Nein, nein ich bin froh, wenn du da bleibst bis wir wieder kommen. Wir wollen nichts überstürzen, Morgen kannst du wieder antreten. Ich darf euch leider nicht sagen, was passiert ist, den es ist, zum Weinen und man könnte auch darüber lachen. Jetzt habe ich euch neugierig gemacht. Also komm Christine, wir beeilen uns.“ Er lachte den ganzen Weg hinaus. Im Auto erzählte er, dass Frau Portmann, als sie erbrochen hat, ihr Gebiss verlor. „Wir müssen jetzt viel Glück haben, die Stelle zu finden, wo das war.“ Christine fand das nicht lustig. Sie stoppten bei der Einfahrt von Frau Portmann, die schon mit einem Tuch vor den Mund wartete. Christine ließ sie vorne sitzen. Sie dachte nach, wo es gewesen sein könnte. Pierre fuhr eine Strecke, dann kehrte er um und fuhr langsam zurück, stoppte öfter und sah sich um. Frau Portmann stieg auch manchmal aus. Sie hatte einen Stecken, mit dem sie im Gras herumstocherte. Nach einer Stunde gaben sie auf und sie fuhren zurück. Frau Portmann weinte, als sie ausstieg. Pierre versuchte sie zu trösten. Er sagte ihr, dass die Versicherung sicher ein neues Gebiss bezahlen würde, weil sie es verloren habe. Pierre war den ganzen Abend nicht in guter Stimmung und sagte bei der Heimfahrt zu Christine: „Das war wohl das letzte Mal, das ich dich nach Hause bringen durfte.“ Er stoppte nicht gerade bei der Haustür wie üblich, sondern ein paar Meter vorher. Er stieg aus und machte ihr die Tür auf. „Ich möchte mich hier von dir verabschieden.“ Er drückte sie an seine Brust, ihr wurde ganz heiss. Dann flüsterte er: „Je t'aime!“ Christine: „Je t'aime aussi!“, löste sich los und lief nach Hause.

Frau Schick bedankte sich später bei Christine, indem sie ihr einen Früchtekuchen vorbeibrachte. Sie berichtet auch, dass ihr Mann froh sei, sie wieder zurückzuhaben.  Er versprach ihr auch keine Dummheiten mehr zu machen. Frau Schick: „Ich habe gedacht, wenn ich zurückkomme, wird er ausgezogen sein. Das Traurige daran ist, dass Mutter krank werden musste, damit er durch meine Abwesenheit wieder anfängt normal zu denken. Noch etwas was dich und Pierre angeht, die Madam hat da was im Kochen. Christine: „Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst.“ „Schon gut, Tschau!“ öffnete die Tür und ging.

Um ihren Lohn abzuholen, hat Madam Christine zum Tee eingeladen. Sie fragte so vieles, unter anderem bestätigte sie jetzt, dass Pierre wie ein Sohn zu ihr sei und sie ihm das Hotel auf der Insel Jersey überschreiben möchte, aber ihm dazu die richtige Partnerin fehle. Seine Ehe sei kaputt, die beiden wollen sich trennen. „Mein Wunsch ist, dass er in einer neuen Beziehung sein Glück findet.“ Christine: „Das wünsche ich ihm auch, wenn das so ist,“ stotterte sie, stand auf, nahm ihre Sachen und verabschiedete sich.

Es ging nicht lange, da rief Pierre sie an: „Hör mal, dein Mann hat erwähnt, dass er eine Autoausstellung besuchen will, gehst du mit?“ „Nein, er sieht sich gerne die neuesten Autos an und solange ich mir keines leisten kann, interessiert mich das nicht. Warum fragst du?“ Ich habe zwei Eintrittskarten für die Messe und möchte diese besuchen. Da dachte ich, vielleicht kommst du mit, kannst deine Kinder mitnehmen.“ Sie wollte nicht fragen, warum er nicht seine Frau mitnimmt. Aber das würde sie sicher später erfahren. „Gut, ich komme, wo treffen wir uns?“ Sie machten Zeit und Ort ab. Christine hinterliess Karl eine Notiz, falls er vor ihr nach Hause kommt. 'Bin mit den Kindern an der Messe'. Was für eine Messe und wo die ist, hat sie vergessen zu fragen. Sie traf Pierre an dem verabredeten Platz. Er strahlte übers ganze Gesicht und gab jedem einen Kuss. Die Reise ging nach Lausanne. Christine: „Was so weit?“ „Ist nicht so weit und wir sind ja früh dran.“ Die Kinder hatten ihre Plüschtiere mit und schliefen bald auf dem Hintersitz ein. In Lausanne war ein Kinderhort eingerichtet mit allerlei Spielsachen. Christine fragte beide Mädchen, ob sie hier bleiben wollen. Alles sah so verlockend aus und ein Clown machte mit den Kindern Spass. So blieben sie für eine Stunde dort. Pierre und Christine liefen durch ein paar gezielte Hallen, die er besuchen wollte, nahm Prospekte mit und hielt sich nur kurz auf. An einem Stand bekamen sie Kaffee offeriert und setzten sich in eine Ecke. „Es gibt so viele schöne Sachen hier, da wird man ja ganz schwindelig.“ „Darum nehme ich Prospekte mit, die ich mit Madam durchsehen kann.“ Christine: „Sie hat von dir gesprochen, als ich bei ihr war. Willst du dich wirklich von Clara trennen?“ „Ach wir haben schon so oft darüber diskutiert, kommen aber nicht weiter. Jetzt möchte ich aber von dir wissen, wie es so bei dir geht. Also harmonisch scheint eure Ehe auch nicht zu sein.“ „Da hast du recht, aber uns beiden ist es noch nie so gut gegangen wie jetzt. Es funktioniert einfach, zwar mit vielen Kompromissen.

Ich bin eigentlich nie sein Typ gewesen und er auch nicht meiner und trotzdem haben wir uns irgendwie gefunden, sagen wir, mit all den Umständen in unserer Zeit. Wir kommen ganz gut miteinander aus mit all unseren Mücken und gönnen uns halt unsere Freiheiten. Er wollte immer eine Familie und Kinder, für ihn stimmt es, wie es ist. Ich wollte keine Kinder, weil ich bei uns zu Hause, mit so vielen Kindern, erlebt habe, was das heisst. Ich wollte mich weiter bilden, reisen, wollte, will und werde sicher noch etwas weiter kommen. Aber meine Kinder sind nun da, das ist das Wichtigste für mich. Ich weiss nicht, ob ich es dir verraten soll? Ich kann nämlich durch meine Operationen auch keine mehr bekommen. So, nun hast du genug gehört, soviel habe ich noch niemanden verraten. Komm, wir holen die Mädchen ab, die Stunde ist längst vorbei.“ Pierre: „Danke, dass du mir so viel anvertraut hast. Ich möchte dich noch öfter sehen und auch mal zu einem Essen einladen. Es würde mich freuen, wenn wir das machen könnten.“ Christine sagte nichts mehr. Die beiden Mädchen haben ein Säckchen Spielsachen bekommen, die sie ihr, bei der Heimfahrt im Auto, zeigten. Pierre verabschiedete sich mit einem sanften Kuss auf Christines Mund und gab ihr ein Samt Säckchen in die Hand. „Es war schön, dass du gekommen bist, bis ein anderes Mal, ja?“ Christine: „Vielleicht ja!“, rief noch, 'Danke' und führte ihre Töchter nach Hause. Karl war noch nicht zurück, so verlief alles, ohne viel zu erzählen. Christine richtete das Nachtessen her, machte die Mädchen zum Schlafen gehen bereit. Dann holte sie das Samt Säckchen, darin war ein goldenes Herz, das man öffnen konnte. Innen eingraviert ein P auf einer Seite und ein C auf der anderen. Es war ein Anhänger für die Halskette, die sie schon von ihm bekommen hatte.

Ferien auf Malorca
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2.46.  Au-pair in der Schweiz 2 – Ferien auf Malorca.




(1) Christine auf Malorca

Christine auf Malorca


Karl kam mit einer Wut im Bauch durch die Tür und ging auf seine Schnapsflasche los. Christine „Was ist passiert?“ „Ich finde das eine Frechheit, dass ich Ferien eingeben muss, wenn es denen passt. Ich habe noch drei Wochen Zeit ansonsten werden sie mir gestrichen.“ Christine: „Wirklich? Aber ist doch kein Problem, dann gehen wir gemeinsam in die Ferien. Du hast doch von der spanischen Insel Malorca gesprochen und warst erstaunt, wie günstig das jetzt ist, mit Flug und allem drum und dran. Hast noch gemeint, das sei billiger als das letzte Mal mit Traudl in Südtirol.“ „Ja und die Kinder?“ „Da macht dir keine Sorgen, die sind noch zu klein, um sie mitzunehmen.“ Karl: „Also gut! Ich hatte zwar vor Mutter zu besuchen, aber sie ist jetzt bei Traudl hier in der Schweiz, da hab ich keine Lust jetzt hinzugehen. Vielleicht werde ich nachher kurz hinfahren.“ Christine sprach mit Frau Schick, da sie in der Nähe wohnte und ihre Mutter bei ihr war, ob sie die Mädchen hüten könnte. Sie müsse sie nur Morgens in die Krippe bringen und Abends abholen und bei ihr übernachten. Auch die Krippen Leiterin war einverstanden, dass sie den ganzen Tag dort bleiben, bis die Ferien vorüber sind. Wohin die Reise geht, fragte sie noch. „Ach, nur zu den Eltern nach Österreich“, log Christine, den sie fragte zuerst Rita, ihre Nachbarin, ob sie die Kinder nähme, die aber vorgab, keine Zeit zu haben. Rita: „Aber sag ja nicht, dass ihr irgendwo hinfliegt, die Leute hier sind sehr sozial neidisch.“

Frau Schick wollte noch das Gitterbett von Simone und meinte, dass Elisabeth noch genug Platz in der Tragtasche vom grossen Kinderwagen hätte. „Probieren wir es mal. Aber umsonst kann ich das nicht machen.“ Christine: „Nein, auf keinen Fall.“ Sie machten eine Summe, die so üblich war ab.

Es war das erste Mal, dass Karl und Christine mit dem Flugzeug unterwegs waren, normalerweise fuhren sie mit dem Zug. Der Flug war aufregend. Das Hotel einfach aber gut. Die Ausflüge interessant. Am langen Sandstrand hatte es nicht sehr viele Leute. Meistens trafen sie dieselben, mit denen sie unterwegs waren. Zwei ältere Damen hörten, dass Karl eine Dusche am Strand wollte und darum nicht ins Meer schwimmen geht. Christine genoss es im Meer zu baden. Im Hotel hatte es ja eine Dusche, sogar auf dem Dach wo man sich sonnen konnte. Zwei Schmuckverkäufer stoppten bei den Damen und Christine setzte sich dazu. Das gefiel Karl gar nicht: „Du kaufst hoffentlich nichts von diesen“ .....benutzte noch ein paar beleidigen Wörter bis die eine Dame ihn wegjagte: „Gehen Sie weg, sie verderben uns die Ferien. Man hört sie die ganze Zeit nur meckern.“ Karl: „Ich kann sagen, was ich will!“ „Aber nicht in unserer Nähe!“ „Na ja, dann gehen wir halt woanders hin, komm!“ Er sah zu Christine. „Die bleibt jetzt bei uns, wir sehen uns im Hotel“, bestimmte sie und winkte ihn ab. Christine blieb. „Was gefällt Ihnen, möchten sie etwas kaufen?“ Christine: „Nein, nein, ich habe genug von solchen Sachen und Geld hab ich auch keins dabei“. Die Damen sahen sich an und plötzlich streckte eine Christine 100 Schweizer Franken hin. „Kaufen Sie sich zum Andenken an die Ferien etwas Schönes.“ Christine wollte es nicht annehmen. „Bitte nehmen Sie es!“ Danach erzählte die eine Dame, dass ihr Mann gestorben sei und auch so ein Meckerer war. Karl ging sich auf die Dachterrasse sonnen. Trotz Sonnenschutzcreme bekam er einen Sonnenbrand, den er unter seinem Hemd versteckte. Er schlief deswegen auf dem Bauch und im Tourenbus konnte er sich nicht zurücklehnen. Christine hütete sich ihn deswegen anzureden. Am letzten Tag ging sie noch einmal ins Meer schwimmen. Karl klemmte sich hinter die Fotokamera und lief die Gegend ab. Auf dem Rückflug verkündete er: „Das nächste Mal flieg ich alleine auf diese Insel, ohne diese alten Weibern.“

Zurück im Alltag
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2.47.  Au-pair in der Schweiz 2 – Zurück im Alltag.

Am nächsten Tag brauchte Karl eine neue Batterie für seine Uhr, die stehen geblieben ist. Christine ging damit zum Quartier Uhrmacher-Juwelier. Er hatte das schnell erledigt, dann zeigte Christine auf ihr goldenes Herz: „Ist das echt, ich hab es geschenkt bekommen.“ „Zeigen Sie mal.“ Sie nahm die Kette ab. „Die Kette achtzehn Karat Gold. Das Herz hat mehr Karat. So was verkaufen wir hier gar nicht, weil es sehr weich ist und sich leicht verbeult. Aber ein schönes Geschenk.“

So ging es mit Pierre bis Ende Jahr weiter. Man traf sich zum Essen, ging tanzen und sie verliebten sich schwer ineinander. Beim letzten Treffen fragte Pierre: „Hast du schon einen Weihnachtsbaum? Du könntest dir einen in unseren Wald aussuchen. Madam bekommt auch jedes Jahr einen von mir, ich hol dich ab“. Es war Samstag, Karl war zu Hause. Christine: „Pierre muss für Madam und sich einen Tannenbaum aus dem Wald seiner Mutter holen, er hat gefragt, ob ich mir auch einen aussuchen will. Er kommt mich abholen, wenn ich will.“ Karl: „Ja warum nicht, wir hätten ja sowieso einen kaufen müssen. Schau, dass du eine Weisstanne bekommst, die verliert nicht so schnell die Nadeln.“

Die Fahrt ging in die leicht verschneiten Hügeln der Freiberge hinauf. An einem alten kleinen Bauernhaus blieb er stehen. „Komm, wir begrüssen zuerst meine Mutter, dann hole ich die Säge.“ Seine Mutter und ein Bruder wohnten dort. Sie freute sich sehr, dass er einen Baum aus dem Familienwald holen wollte und den dann in seiner Stube aufstellen wird. Sie werde inzwischen etwas zum Essen bereit machen. Pierre nahm Christine an der Hand und zog sie hinterher durch den leichten Schnee. „Hat es hier auch Weisstannen?“ „Nein nur Rottannen. Der hier ist genau richtig für Madam.“ „Und der für mich!“ Er schüttelte bei jedem den Schnee ab und fing an die drei Bäumen zu sägen. Dann bewarf er Christine mit Schnee, die schnell den Hügel herunterlief und er die Bäume alleine nach schleifen musste. Seine Mutter hatte kalten Braten und Brot aufgetischt, dazu gab es Apfelsaft zu trinken. Sie wünschte noch schöne Weihnachten und umarmte beide. Pierre versprach ihr noch an einem der Festtage zu kommen. Christines Baum wurde zuerst abgeladen, daran hing eine weisse Kugel. Christine sah, dass da etwas drinnen ist. Pierre: „Die ist für dich.“ Sie umarmte ihn: „Schöne Weihnachten und danke, dass du mich mitgenommen hast.“ Sie flüsterten sich gegenseitig noch etwas ins Ohr, dann ging jeder seinen Weg. Die weisse Kugel konnte man auseinander nehmen, darin war ein Tüchlein durch einen Ring gezogen. Der Ring hatte drei Diamanten, eingeklemmt in einer Schiene aus weiss und gelb Gold. Eingraviert 'Noél' 63. Dazu ein Papierstreifen, auf dem geschrieben stand. "Glaube, Liebe, Hoffnung".

Als sie einmal nicht zu Hause war, rief Christines Mutter an. Sie kannte Karl nicht und sie sprachen das erste Mal zusammen. Als Christine dazu kam, hängte ihre Mutter auf. Karl: „Auf was für eine Brennsuppe bist den du daher geschwommen“, sagte er und beleidigte sie damit schwer, bevor sie je erfuhr, was gesprochen wurde. Noch dazu kam ganz überraschend eine Schwester mit einem Taxi an. Karl war im Bad und hörte deswegen nicht, wie sie lachte und sagte, sie habe noch fünf Rappen in ihrer Geldtasche und habe Schwein gehabt, dass sie noch das Taxi bezahlen konnte. Christine war geschockt: „Ja und was nun? Rede bitte leise und knöpf deine Bluse zu.“ „Ich bleibe vorläufig nur über die Festtage hier und dann fahr ich nach Bregenz zu unserem Bruder“. Christine: „Weiss der, dass du kommst, und wer zahlt dir die Fahrt dorthin?“ „Nein, der liebt Überraschungen.“ „Jetzt hör mal, du kannst hier nicht einfach hereinschneien, ich kauf dir eine Fahrkarte bis Bregenz.“ „Brauchst es mir nur leihen, kriegst es dann schon irgendwann zurück.“ Karl kam dazu. Christine: „Das ist meine Schwester, sie ist auf der Durchfahrt nach Bregenz. Ich werde sie zum Bahnhof begleiten.“ Karl: „Was nur so einen kurzen Besuch.“ Christines Schwester wollte etwas sagen, doch Christine liess sie nicht aussprechen und forderte sie nochmals auf, ihre Bluse zuzuknöpfen. Karl: „Ach lass nur, ich sehe gerne einen grossen Busen.“ „Kannst ihn angreifen, wenn du willst“, kicherte sie. Karl stand auf und ging in ihre Richtung. Christine: „So jetzt ist es genug! Wir gehen jetzt sofort und dein Essen kannst dir selber machen.“ Christine fragte ihre Schwester noch, von wo Mutter die Telefonnummer herhat, und wie sie selber zu ihrer Adresse gekommen sei. „Du glaubst wohl nicht, dass ich es dir jetzt sage.“ Christine sprach kein Wort mehr mit ihr. Sie versicherte sich noch, dass ihre Schwester den Zug nach Bregenz nahm. Damit sie ihre Ruhe wieder fand, setzte sie sich ins Bahnhofbuffet und trank einen Kaffeeluz (Kaffee mit Schnaps). Plötzlich rannten ihr die Tränen über die Wangen und sie hielt sich an den Herzanhänger von Pierre fest. Eine nette dicke Kellnerin kam zu ihr und gab ihr eine Serviette. Christine hatte das Bedürfnis an Pierre ein paar Zeilen zu richten und fragte die Kellnerin, ob sie ihr ein Stück Papier und etwas zum Schreiben bringen kann. Sie brachte dies Christine und legte es mit einem Lächeln hin. Als sie den Bleistift zurückgab und bezahlen wollte, sagte die Kellnerin, jemand habe das schon für sie bezahlt und wünsche ihr schöne Weihnachten. Christine stand auf, gab ihr die Hand und wünschte ihr auch schöne Weihnachten. Dann suchte sie das Auto von Pierre. Es stand immer in der Nähe seines Arbeitsplatzes. Die Motorhaube war noch warm, so ist er gerade angekommen. Sie sah sich um, dann drückte sie die Fensterscheibe ein wenig herunter und schubste den Zettel auf den Fahrersitz.

Später rief Christines Bruder an: „Hast nicht gemerkt, dass sie hochschwanger ist. Ich hab sie sofort in den Nachtzug zu den Eltern gesteckt. Ich hänge jetzt auf, denn die ganze Sache kommt mir eh schon zu teuer.“ Christine: „Oh mein Gott, steh mir bei. Jetzt haben alle meine Telefonnummer und auch die Adresse.“

Die violette Rose
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2.48.  Au-pair in der Schweiz 2 – Die violette Rose.

Am nächsten Tag lag eine grosse violette Rose auf dem Fenstersims. So eine bekam sie damals von dem jungen Mann, der seine Tante, mit der sie das Zimmer teilte, im Spital besuchte. Dieser hatte lange Haare und war nie nah an ihrem Bett gestanden, darum hatte sie Pierre nicht erkannt. Sie schrieb ihm: 'Es tut mir leid, dass ich dich nicht erkannt habe. Die Rose verriet es hiermit mir, dass du im Spital warst, der mir schon mal so eine gab. Ist es so?' Sie fuhr in die Stadt und warf den Zettel wie schon einmal auf seinen Fahrersitz.

Später gestand er, dass er sie auch nicht gleich erkannt habe, aber seine Tante konnte sich bei einem Gespräch an ihren Familiennamen erinnern.

Zwei Tage vor Weihnachten kam Karl früher nach Hause: „Ich muss die Mutter vom Bahnhof abholen, die Traudl hat mich bei der Arbeit angerufen und erklärt, dass sie Mutter nicht über die Festtage bei sich behalten kann. Die Gründe dafür sind überhaupt nicht plausibel. Ich habe hier aufgeschrieben, wann sie in Bern ankommt.“ Er gab Christine den Zettel in die Hand. „Ich sage es schnell den Mädchen und wir gehen alle zusammen zum Bahnhof“. Simone hüpfte herum und freute sich auf ihre Oma. Christine kaufte noch einen kleinen weihnachtlichen Blumenstrauss, den Simone ihr überreichte. „Ich bin euch hoffentlich nicht im Wege. Ich hätte in Kufstein bleiben sollen, aber ihr kennt ja Traudl. Die hat sich wegen meiner bandagierten Beinen geschämt und ist mit mir nie laufen gegangen. Ich bin deswegen schon ganz steif.“ Christine: „Komm, jetzt fahren wir nach Hause und bereiten uns auf Weihnachten vor.“ Karl hielt im Bus die ganze Fahrt Mutters Hand: „Jetzt bleibst halt einmal bei uns so lang es dir gefällt, hoffentlich bekommst nicht gleich Heimweh“, beide lachten darüber.

Die Festtage verliefen friedlich, mit Spaziergängen, Spiele, Lesen und auf einen kleinen Hügel konnte man Schlittenfahren. Der Holzschlitten war ein Weihnachtsgeschenk von Karl für die Kinder. Mutter blieb über einen Monat und so lange hatte Christine keinen Kontakt mit Pierre.

(1) Christine und ihre Töchter

Christine und ihre Töchter


Frau Portmann kontaktierte Christine, um sie zu fragen, ob sie nicht eine Bardame, die in einer kleinen Bar arbeitet, vertreten könne. Ivana muss ins Spital eine böse Warze an ihrer Fusssohle herausoperieren lassen. Das wäre nur am Abend ein paar Stunden. Da die Bar mit dem Restaurant verbunden war, schliesse die auch zur gleichen Zeit. Frau Portmann verriet, dass es ihr Zufluchtsort sei, weil die Bar sich in der gleichen Strasse von Madams Lokal befindet. Christine besprach sich mit Karl und er hatte nichts dagegen. Da er ja jeden Tag, nach der Arbeit, mit dem Fahrrad seine Runden drehte, bleibe er gerne zu Hause und spiele mit den Mädchen. Wenn Christine zu Hause war, ging er manchmal auch allein ins Kino.

Ivana meinte, nach drei Wochen wieder zurück zu sein. Frau Portmann kam fast jeden Tag für einen Aperitif in die Bar. Eines Abends erzählte sie Christine, dass Madam seit ein paar Tagen sehr schlechter Laune war und kaum mit den Angestellten sprach. Sie habe noch nicht herausgefunden warum. „Können Sie Frau Schick und auch den anderen einen schönen Gruss von mir ausrichten und sagen, dass ich hier arbeite. Vielleicht besucht mich dann jemand, das würde mich echt freuen“. Am nächsten Tag wurde ein grosser Strauss roter Rosen für Christine abgegeben. An einer Rose hing ein Päckchen, indem ein goldenes kleines Chalet war. Das kleine Dach konnte man öffnen und darin lagen zwei Personen in einem Bett. So nahm sie sich vor, Pierre bei der Arbeit aufzusuchen. Dass er nicht selber vorbeikam, konnte Christine nicht verstehen. Ihr Chef kam und fragte: „Wer ist den der Verehrer, der so schöne Rosen schickt?“ Christine: „Keine Ahnung, es ist keine Karte dabei.“ Natürlich ahnte sie, wer das war und steckte die Rosen in eine Vase. Sie arbeitete jetzt schon zwei Wochen hier. Frau Portmann hatte diesmal eine Glückwunschkarte für ein neugeborenes Baby bei sich. Sie zeigte sie Christine. „Du kannst hier auch unterschreiben, Clara und Pierre freuen sich sicher darüber. Das ist jetzt ihr viertes Kind, wieder ein Bub.“ Christine bückte sich, als wäre etwas heruntergefallen, sie war geschockt! Als sie sich ein wenig gefangen hatte, sagte sie: „Ich schreibe selber eine Karte, Karl wird dann auch unterschreiben.“ Als Frau Portmann weg war, krümmte sich Christine und hielt sich den Bauch: „Oh mein Gott! Mir ist so übel.“ Der Chef kam hinzu: „Ist es so schlimm? Dann schliessen wir die Bar für Heute.“ Christine fing an zu weinen, setzte sich auf einem Stuhl: „Ich kann nicht mehr.“ „Dann ist es besser sie fahren mit dem Taxi nach Hause, ich werde eines rufen.“ Er begleitete sie hinaus: „Ihre Rosen!“ „Die lass ich hier.“ „Gute Besserung und rufen sie an, ob sie Morgen kommen können.“ „Ja, werde ich machen, vielen Dank!“ Im Taxi wischte sie sich ihre Tränen ab und stieg vor dem Mövenpick aus, ging hinein und bestellte sich einen Gin Tonic zur Beruhigung. Dann nahm sie wie üblich den Bus nach Hause. Karl: „Du bist schon zurück?“ „Ich konnte heute die Bar früher schliessen. Frau Portmann war wie üblich bei mir. Sie erzählte, dass Clara einen Buben geboren hat.“ „Was! Die hat ja schon drei. Der arme Mann, wie der das bei der aushält, wundert mich schon. Die hat ja, als wir dort eingeladen waren total durchgedreht, kannst dich sicher noch erinnern? Damals hab ich mir gedacht. Die passen wie die Faust aufs Auge zusammen und jetzt das!“ Karl konnte darüber lachen. Christine wusste jetzt, dass Madam schlechte Laune hatte, weil sie von Pierre enttäuscht wurde.

Ivana erkundigte sich, wie es Christine geht. Sie sagte auch, dass ihr Fuss zwar noch verbunden sei, aber ihre Arbeit wieder aufnehmen könne und bedankte sich bei ihr, dass sie ihr ausgeholfen habe. Pierre rief an und wollte Christine zu einer Aussprache einladen. Sie lehnte ab und sagte, dass sie jetzt eine Grenze zwischen ihnen zieht und keine Geheimnisse und Ausreden mehr ertragen kann. „Es tut mir weh, was du da sagst, aber ich respektiere es“, sagte er noch, bevor Christine das Telefon auflegte.

Christines erstes Auto
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2.49.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christines erstes Auto.

Am nächsten Tag, hatte sie sich entschlossen ein Auto zu kaufen. So suchte sie in den Garagen in der Nähe nach einen Gefährt. Ihr fiel ein sportlicher, gebrauchter weisser Triumph auf. Der Garagen Besitzer nannte ihr den Preis. Sie könne auch in Raten bezahlen, meinte er. Dann lud er sie zu einer Probefahrt ein. Dieses Auto gefiel ihr, das wolle sie kaufen, wenn der Preis stimmt. Danach erklärte Christine ihm, dass sie Bar bezahlen würde, wenn er mit dem Preis noch heruntergehe. Sie kramte in ihrer Tasche herum und legte eine Summe auf sein Pult. „Oho, das ist aber zu wenig.“ „Soviel Geld habe ich zusammen gespart und mehr kann ich für ein Auto leider nicht ausgeben.“ „Legen sie noch einen Hunderter dazu und wir sind quitt.“ Sie reichten sich die Hände und der Handel war abgeschlossen. Er richtete ihr noch den Sitz ein und sah zu, dass sie den Rückspiegel richtig gestellt hat. „Ich habe noch vier Winterpneus für das Auto. Kommen Sie vorbei, wenn es soweit ist, dann machen wir auch den Service dazu. Benzin, wie sie hier ablesen können, ist noch genug drin.“ Christine wollte noch einiges erklärt haben, dann fuhr sie langsam, mit der vorläufigen Garagen Autonummer zum Verkehrshaus. Für die Autoschilder war ein älterer Herr zuständig „So einem netten Fräulein gebe ich Ausnahmsweise eine niedrige Autonummer. Eine, die man sich auch gut merken kann.“ Christine zeigte wohl ein freundliches Gesicht, weil sie jetzt ein eigenes Auto besitzt. Sie bedankte sich mit einem breiten Lächeln.

Als die Anmeldung und alles erledigt war, ging es auf dem Heimweg. Sie stellte den weissen Triumph vor dem Haus auf dem Parkplatz. Als Karl kam, sagte sie: „Komm, wir fahren eine Runde mit unserem Auto“. Sie bat Rita kurz auf die Kinder aufzupassen. Karl war überrascht und hatte ziemlich viele Fragen. Das Auto gefiel ihm gut, er freute sich sehr darüber. „Ich werde auch Autofahren lernen. Du kannst mir am Anfang schon einiges beibringen.“ Er besorgte sich den Lehrfahrausweis und meldete sich beim Fahrlehrer, den auch Christine hatte, an. Die theoretische Prüfung hatte er gut bestanden. Jetzt war die Praxis an der Reihe. Der grosse, meist am Abend leere Parkplatz, der gegenüber dem Haus war, wäre ideal zum Üben, meinte Karl. Also übte Christine mit ihm Autofahren. Doch es war jedesmal eine Katastrophe, es endete immer im Streit. Beide haben gemerkt, dass es so nicht geht.

Mit dem Fahrlehrer, den Christine hatte, tat er sich schwer. Es kam, dass der Lehrer, bei einem gefährlichen Manöver ihm sagte: „Ihre Frau hat sich nicht so ungeschickt angestellt.“ Da stieg er mitten auf der Fahrbahn aus und kam nach Hause. Er entschied sich bei einem Nachbarn, der Fahrlehrer war, Fahrstunden zu nehmen. „Jetzt könnten sie mich schon, nach so vielen Stunden, für die Prüfung anmelden. Meine Frau hatte nur die obligatorischen zehn Stunden gehabt und ist durchgekommen.“ „Tut mir leid, aber sie sind noch nicht reif dazu.“ Inzwischen rief Christines Fahrlehrer an. Er möchte sich bei Karl entschuldigen, er soll jetzt nicht aufgeben und weiter machen. Als Karl das hörte, freute er sich und nahm wieder bei ihm Fahrstunden. Karl erzählte nichts mehr, wie es war, nahm Stunde um Stunde. Er wurde zur Prüfung angemeldet und fiel leider durch. Es kam zur zweiten Prüfung, aber wieder nichts. Der Fahrlehrer machte ihn darauf aufmerksam, dass er noch einmal antreten kann, und wenn er nicht aufgeben will, ein psychiatrisches Gutachten nötig sei. Sie übten weiter zusammen noch und noch. Der Lehrer suchte die Strecken aus, die wie er beobachtet habe, bei den meisten Prüfungsinspektoren benutzt wurden und siehe da, diesmal klappte es. Er gab ihm beim Gratulieren den Rat, dass er für längere Zeit nur in der Nähe von zu Hause die Strasse benutzen soll, wo nicht so viel Verkehr sei und beim Parken noch gut aufpassen muss. Das befolgte Karl dann auch und fuhr in der nahen Gegend herum, bis er sich sicher fühlte weitere Strecken in Anspruch zu nehmen.

Christines zweites Angebot als Modell zu arbeiten
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2.50.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christines zweites Angebot als Modell zu arbeiten.

Christines Nachbarin Rita wollte mit ihrem Auto nach Zürich fahren, um sich bei einer Firma für eine Arbeit in Bern vorzustellen. Sie fragte Christine, ob sie nicht mitfahren möchte, bei diesem Wetter ist es am See sehr schön. Die Kinder waren in der Krippe, also fuhr sie mit. Während Rita die Firma aufsuchte, genoss Christine ihren Aufenthalt am See entlang. Sie merkte bald das ein Herr sie beobachtet und ein wenig später sie ansprach. „Entschuldigen Sie, das ich Sie anspreche, ich wollte Sie fragen, ob Sie Interesse haben in unserer Agentur, hier in Zürich, als Modell zu arbeiten. Ich denke, Sie sind der Typ dazu. Könnten wir uns nicht wo hinsetzen und etwas trinken, dann kann ich Ihnen mehr darüber erklären.“ Christine: „Nein! Ich glaube nicht das ich dazu geeignet bin. Tut mir leid.“ „Sie können sich das zu Hause überlegen, hier ist meine Karte und bitte melden Sie sich bald.“ Christine wollte ihn loswerden und verabschiedete sich freundlich. 'Ich als Modell', so ein Blödsinn! Dachte sie und steckte die Visitenkarte weg. Doch dann erinnerte sie sich, dass sie in London schon die Chance gehabt hätte als Modell zu arbeiten. Noch dazu habe ich jetzt Familie mit zwei Kindern, geht gar nicht.

Christine suchte Arbeit. Um bei den Kindern bleiben zu können, wollte sie nur Abenddienst machen und am liebsten in einem Hotel-Restaurant Betrieb arbeiten. Sie suchte die besten Hotels in der Stadt auf, fand erstaunlich überall Anklang, das Personal schien an vielen Orten knapp zu sein. In einem renommierten Hotel suchten sie ein sogenannte Tour-nannte, die im ganzen Betrieb, für vier Abende die Woche Ablösungen machen soll. Sie hatte zugesagt und war total wissbegierig, freute sich über die Herausforderung. Nach einiger Zeit rief der Direktor, der gerade von New York zurückkam, einige Angestellten, darunter auch den Personalchef zu sich. Er stellte viel Fragen und auch für Vorschläge war er offen, was man ändern oder Verbessern könnte. Die meisten zögerten, Christine hob die Hand. Direktor: „Gilt für alle! Zuerst ihren Namen und für was sie hier verantwortlich sind, dann was sie mir zu sagen haben.“ Christine berichtete über ihre Arbeit die ihr sehr gut gefällt, aber fügte sie hinzu das es ihr stört im finsteren, stickigen Keller auf Holzbänken zu sitzen und ein unappetitliches Essen auf den Tisch zu bekommen. Sie weigere sich dort zu essen und hoffe das ihr dieses,.....machte dabei eine kleine Pause, nicht vom Lohn abgezogen wird. Direktor: „Wer hier nicht sprechen will, kann es mir schriftlich mitteilen. Sie kommen mit mir!“ Er zeigte auf Christine, den Küchen- und den Personalchef. Dann wollte er den Essraum im Keller besichtigen. Unterwegs erkundigte er sich beim Personalchef übers Personal. Als er den Raum sah, wo sich gerade einige Angestellten aufhielten, schaute er das auf Platten angerichtete Essen an. Zu Christine „Sie können jetzt zurück an ihre Arbeit.“ Dann nahm er sich zuerst den Personalchef und anschliessend den Küchenchef vor. Von da an konnte Christine in einem gepflegten Nebenraum ihr Essen einnehmen. Nach ein paar Tagen rief er sie in sein Büro.


(1) Schweizer Bartender Preis Gewonnen

Schweizer Bartender Preis Gewonnen


„Ich finde, Sie sollten die Hotelfachschule besuchen und dann mit mir nach New York kommen.“ Christine erstaunt: „Das geht nicht, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Aber ich habe mich im Kurs für das grosse Wirte Patent angemeldet, leider gibt es eine Wartezeit von zwei Jahren.“ „Was! Einen Moment bitte.“ Er rief die Sekretärin, sie soll ihn mit dem Direktor von Wirte Verein verbinden und bat Christine im Vorraum zu warten. Nach etwa zehn Minuten holte er sie wieder in sein Büro. „Der nächste Kurs beginnt in zwei Wochen, melden sie sich in diesem Büro an, hier ist die Adresse und dann melden sie sich bei mir, wenn der Kurs zu Ende ist.“ Er streckte ihr die Hand hin, öffnete die Tür und wünschte ihr alles Gute. Christine war perplex.

Christine und das Wirte Patent
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2.51.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christine und das Wirte Patent.




(1) Wirteverein des Kantons Bern

Wirteverein des Kantons Bern


Jetzt musste sie alles organisieren. Bei der Anmeldestelle des Wirte-Vereins fixierte man sie, doch sie waren sehr höflich. Danach rief sie ihre 16-jährige Schwester, die so gerne zu Besuch kommen wollte an. Sie schlug ihr vor auf die zwei Mädchen zu schauen, bis der Kurs abgeschlossen sei. Sie erklärte sich einverstanden, aber sie habe kein Geld um die Reise zu bezahlen. Christine machte mit ihr ein Datum ab und schickte das Fahrgeld telegrafisch. Karl war gerade nicht so begeistert, hielt sie aber nicht davon ab. Christine musste noch einen Abend zur Arbeit, dann war sie frei. Als sie am Tisch sass und ihr Essen bekam, gesellte sich der Personalchef dazu. Er wollte gerade etwas fragen, als Christine den Deckel von ihrem Essen aufhob und auf dem Fleisch eine tote Maus lag. Entsetzen in seinen Augen. Christine faste den Teller und schoss ihn in die Küche. Der Personalchef nahm Christine an die Hand und führte sie in sein Büro. „Das wird Folgen haben.“ Sagte er in seinem Hochdeutsch. Christine beruhigt: „Sie wollten mich etwas fragen.“ „Nein! Es ist besser, wenn wir das jetzt lassen.“ „Nur zu, was ist es denn, ich bin mit allem gefasst.“ „Na dann, ihr Mann war bei mir und hat diesen Brief, den er in ihrer Manteltasche gefunden hat auf mein Pult gelegt, er wollte wissen, wer den geschrieben hat. Ich konnte es ihm erklären.“ Christine stockte der Atem, sie dachte an Pierre: „Kann ich den sehen?“ „Ich hab gleich herausgefunden, das es unser Spanier von der Küche war und ihn zur Rede gestellt. Sie müssen gar nichts mehr befürchten, auch ihr Mann meinte, ich soll ihnen nichts davon erzählen. So rate ich ihnen, lassen sie das im Sand verlaufen, eine Diskussion darüber bringt ja nichts.“ Christine hielt sich daran.

An dem abgemachten Datum kam ihre Schwester nicht an. Christine fragte per Telefon ihre Mutter, was los sei? „Ach die ist spontan nach England gefahren, sie arbeitet jetzt dort in einem Spital. Du kannst ja deine jüngere Schwester fragen, ob sie kommt, musst ihr halt auch das Fahrgeld schicken.“

„Ich habe schon Fahrgeld geschickt!“ Christine legte auf, konnte es nicht fassen in zwei Tagen beginnt der Kurs. Als sie zu Hause ankam begegnete ihr die Hauswartin im Treppenhaus. Freundlich fragte diese: „Wie geht es ihnen und der Familie, man trifft sich so wenig in dem Haus.“ Christine: „Im Moment habe ich ein grosses Problem.“ Sie erzählte ihr, was schiefgelaufen ist. „Ach Gott! Aber wenn sie einverstanden sind, nehme ich die Mädchen gerne zu mir, ich passe gut auf sie auf. Wochenende sind sie ja wieder da und ihr Mann kann am Abend die Kinder bei mir abholen.“ Christine: „Mir fällt ein Stein vom Herzen, das würden sie machen? Die beiden besuchen hier den Kindergarten.“ „Ach gut, meine Tochter ist auch dort.“ Lachte sie. „Also dann ab Montag!“

Christine studierte mit einer zukünftigen Wirtin zusammen. Sie ergänzten sich wunderbar, Christine war im Praktischen gut und was Büro anging, war ihre Kollegin sehr Hilfsbereit. Beide bestanden die Prüfung und erhielten das Patent.

Christine hatte auch vor für Service inbegriffen zu kämpfen, sie liess es einen Reporter wissen der sie dann später an ihrer neuen Arbeitsstelle aufsuchte und es gross in der Zeitung veröffentlichte. Doch vor allem älteres Service Personal, speziell vom Bahnhofbuffet kamen vorbei, sie waren damit nicht einverstanden. Christine erklärte ihnen um, was es geht, dass sie ihre Prozente vom Umsatz sicher bekommen werden und sie diese nicht mehr ausrechnen müssen und es mit Trinkgeld nichts zu tun habe. Es brauchte nicht sehr lang bis es überall auf den Getränken und Speisekarten Service inbegriffen angezeigt war. Das Servicepersonal wurde somit auch respektvoller behandelt. Touristen wussten, was sie zu bezahlen hatten, inbegriffen oder nicht war keine Frage mehr.

Kaum war der Kurs fertig, fragte einer von der Prüfungskommission ob Christine bereit wäre in einem Grossbetrieb vorübergehend mitzuarbeiten, dort braucht es dringend eine starke Frau wie sie, vor allem jemanden mit Wirte Patent. Christine versprach sich dort zu erkundigen und ob es den auch mit ihrer Familie vereinbaren lässt. Sie sah aber auch eine Chance darin, in ihren neuen Beruf, als Wirtin einzusteigen. Sie ging in das Restaurant und fragte nach Frau Berger, die dort den Betrieb leitete. Frau Berger liess Christine ins Büro kommen. Nach einem kurzen Gespräch erhob sie sich und Christine stand auch auf. Dann hielt Frau Berger Christine an beiden Händen fest. „Wir zwei schaffen das. Wir Frauen müssen stark sein und es den anderen zeigen, das wir auch wer sind.“ Frau Berger zeigte ihr anschliessend den Betrieb und erzählte ihr das sie zwei Töchter und einen Sohn in der Ausbildung hat, aber die kein Interesse fürs Gastgewerbe zeigen. Dann stellte sie ihr die zwei Oberkellner und noch einige anwesenden Angestellten vor. Abgeteilt vom Speisesaal befand sich eine Grillbar. Frau Berger meinte es wäre ihr schon eine grosse Hilfe, wenn sie die führen würde. Christine merkte das der deutsche Koch, der am Grill arbeitete, nicht sehr begeistert war, das da eine Frau das sagen hat. Sie suchte das Gespräch mit ihm, danach ging es so einigermassen. Aber er gab schon durch, 'nicht mit mir'. Christine erkundigte sich dann bei Frau Berger über ihn und sagte, sie habe das Gefühl, das es mit dem Koch nicht gut gehen wird und sie lieber wegbleibe. „Nein! Bitte nicht! Wenn was ist, bin immer noch ich da. Ich werde ihm klar machen, dass er sich korrekt ihnen gegenüber benehmen soll und ich sie brauche, bis die Aktien Gesellschaft einen Käufer für das Haus findet. Das kann noch dauern, aber so lange bin ich hier angebunden und habe das Sagen.“ Christine übernahm schliesslich die Grillbar mit insgesamt sieben Angestellten. Am ersten Tag sagte ein Gast zu seinem Kollegen: „Ich hoffe die erschiesst sich auch nicht gleich, sonst haben wir zwei Leichen im Keller.“ Christine: „Wenn meinen sie damit?“ Dann erfuhr sie das der Patron sich mit einem Revolver das Leben genommen habe und der Betrieb für ein paar Tage geschlossen war. Das sei erst vor vier Wochen passiert. „Jetzt muss sich Frau Berger doppelt anstrengen, aber die hatte schon immer die Hosen an.“ schmunzelte einer. Christine machte von Anfang an klar, dass die Regeln gleich sind wie die im Speisesaal. Das Servicepersonal Angestellten nicht zu den Gästen sitzen dürfen und die Bar nicht für die Angestellten eingerichtet sei, das betraf auch den Koch und das jeder seinen Arbeitsplatz sauber halten soll. Sie liess die zuständigen Personen ihre Schubladen öffnen, auch vom Koch hinter der Grillbar. Der weigerte sich und holte ein paar von Mäusen abgenagte Cowboy Hefte heraus, natürlich gab es ein Gelächter, für den schmutzigen Kühlschrank wollte er nicht zuständig sein. So soll er jemanden finden, der ihm dabei hilft. „Ist nicht meine Aufgabe.“ Christine: „Da ich neu bin, werde ich heute Abend Frau Berger hier herbitten, damit sie mir erklärt, wer hier für was Zuständig ist. Ihr könnt es miteinander schaffen, dass sie ein sauberes Grill-Restaurant vorfinden wird.“ Sie wurden von einem Blumenlieferanten unterbrochen. Ein dunkelroter Rosenstrauch wurde für sie abgegeben. Christine nahm ihn entgegen und fühlte das um die Stiele etwas gebunden war. „Die habe ich bestellt.“ Log sie. „Hat es irgendwo Vasen so das man, die auf die Tische verteilen kann?“ Fragte sie den Spanier der neben ihr stand. Er fand nur drei zu kleine Vasen, hatte aber die Idee farbige, leere, kleine Mineralwasser Flaschen zu benutzen. Christine wickelte die Rosen aus dem Papier und nahm den Ring, der die Stiele zusammen hielt weg. Der Arbeitsplatz, wo das Geschirr abgewaschen wurde, war sehr sauber, sie lobte laut dem Spanier seine Sauberkeit und bat ihn die Rosen dann auf die Tische zu verteilen, was er sehr gerne tun werde. Der Koch fragte ihn leise, ob er ihn helfen würde den Kühlschrank und die Küche zu putzen. Christine ging mit dem Papier und den Ring auf die Seite. Es war ein goldener Armreif, den man eng um das Handgelenk klammern konnte. Eine kleine schmale Karte dabei. „Gratuliere ihnen für das erreichte Patent.“ Christine erkannte Pierres Schrift und wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte, so suchte sie ihn, am selben Abend noch, an seinem Arbeitsplatz auf. Er war gar nicht sichtlich überrascht. Sie setzte sich an einem Tisch der so halb in einer Ecke stand, ein Kellner kam und bediente sie. Pierre kam zu ihr, fragte, wie es ihr geht und dann teilte er ihr mit, das er mit Madam bei einem Anwalt war und sie alles für eine Übergabe ihres Hotels, das sie auf der Insel Jersey besitzt, an ihn gehen lässt. „Sie behandelt mich wie ihren eigenen Sohn, will mich einfach nicht mit leeren Händen gehen lassen. Ich glaube, der Hauptgrund ist, dass sie, wegen ihres Alters den Betrieb hier aufgibt und dieses Haus so bald wie möglich verkaufen will. Sie hat vor nach Monaco in ihr Appartement zu ziehen auch, weil sie dort einige russische Freunde habe. Er habe es auch Clara mitgeteilt das er dort das Hotel selber führen möchte und nicht hier irgendwo eine neue Anstellung suchen will. Aber das Interessierte sie nicht und die Kinder bleiben hier, hat sie bestimmt. Ich finde es auch besser so, für die Kinder ist eine Mutter wichtig. Wir beide haben uns total auseinander gelebt.“ Christine: „Du rechnest jetzt das ich mit dir kommen soll. So weit waren wir vor Jahren schon einmal. Weisst du ich bin jetzt neugierig geworden, möchte mir schon gerne Jersey anschauen. Also ich melde mich wieder und danke für die Aufmerksamkeit, mich hat sonst niemand Gratuliert.“ Beide sahen sich tief in die Augen, bevor sie das Lokal verliess.

Ferienzeit
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2.52.  Au-pair in der Schweiz 2 – Ferienzeit.

Christine rief Bertram, Karls Vorgesetzten, an und fragte, ob er ihr diesmal sagen kann, wann Karl seinen Urlaub angegeben hat. „Es ist mir peinlich, aber er lässt es mir immer erst in der letzten Minute wissen. Ich steh dann mit den Kindern da und es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit ihnen ins Auto zu setzen und nach irgendwohin loszufahren. Diesmal möchte ich mit den Mädchen ein Ferienziel bestimmen können. Wir sind schon mit Karl zusammen ans Meer gereist, aber jedes Mal meinte er, er wäre lieber ins Tirol gefahren und war missmutig. So macht das für uns keinen Spass mehr Ferien zusammen zu machen.“ „Haha, der Karl! Ich weiss, dass er mit seiner Schwester in Urlaub fährt und jedes Mal über sie schimpft, aber er gibt es trotzdem nicht auf. Schade, dass er sich nicht entspannen kann, für das wären Ferien ja da. Also ich schaue mal nach und rufe sie etwas später an.“
Frau Berger will den Restaurantbetrieb über die Ferienzeit schliessen, sie hat das schon allen früh genug bekannt gegeben. Bertram rief an und gab das Datum durch. Christine: „Oh, das ist aber blöd, den da wo ich jetzt arbeite fangen die Ferien eine Woche später an.“ Bertram: „Das ist kein Problem, so wie ich Karl kenne, spielt das für ihn keine Rolle die zu verschieben, er hat sich ja erst eingetragen.“

Bertram hat sich getäuscht, Karl wollte die Ferien nicht verschieben. Bertram rief Christine nochmals an und teilte es ihr mit. Christine: „Es geht darum, dass die Kinder in dieser Woche nicht ohne Aufsicht sind.“ Bertram: „Meine zwei Buben wollen unbedingt ins Schulferienlager. Es kostet zwar etwas, aber es ist gut so, da können meine Frau und ich eine erholsame Zeit verbringen. Fragen sie in der Schule nach, vielleicht hat es dort noch Plätze.“ Christine bedankte sich für den guten Tipp. Als die Kinder von der Schule kamen, erwähnte sie das Ferienlager, und ob sie nicht auch gerne einmal dabei sein möchten. Die zwei Mädchen waren ganz begeistert und brachten bald, ein Formular zum Ausfüllen mit nach Hause. Das Datum war perfekt, so konnte Karl ruhig seine Ferien nehmen. Simone erzählte noch, dass ihre beste Freundin geweint hat, weil sie nicht mit ins Lager kommen könne. „Zuerst wollte sie nicht sagen warum, dann musste ich schwören es niemanden weiterzuerzählen. Ihre Mutter hat gesagt, für das reicht das Geld nicht.“ Christine: „Sag deiner Freundin, dass ich für drei bezahle. Die Freude der drei Mädchen war unbeschreiblich gross.“

Christine traf sich öfter wieder mit Pierre, er schmiedete schon an seinen Plänen herum. Sie aber hatte vor, sobald ihre Ferien beginnen und Karl und die Kinder noch weg sind, ihre Eltern zu besuchen, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Pierre wollte mitkommen. Christine: „Nein! Das geht auf keinen Fall!“ „Dann fahre ich dich einfach hin und bleibe ein paar Nächte in einem Hotel in deiner Nähe.“ Christine war, nach langem hin und her diskutieren, einverstanden. Nach der langen Fahrt bekam sie plötzlich grosse Schmerzen an den Nieren, bevor sie zu ihren Eltern ging, suchte sie einen Arzt auf. Die Diagnose: Nierenbeckenentzündung! In diesem Zustand wollte sie nicht zu ihren Eltern und bat Pierre auch für sie ein Zimmer zu buchen. Er hatte schon, während sie beim Arzt war, sein Zeug ins Hotel gebracht. „Christine, es hat nur ein Doppelzimmer, das Hotel wird gerade renoviert.“ „Ist mir egal, ich habe zu grosse Schmerzen, ich muss mich hinlegen, bis die Schmerztabletten wirken und viel von dem Tee trinken, den er mir mitgegeben hat. Ich brauche auch noch eine Bettflasche, kannst du mir bitte das alles besorgen, die Apotheke verkauft so flache Gummibettflaschen.“ Pierre holte zuerst ihre Reisetasche aus dem Auto, dann ging er ins Restaurant und verlangte einen Krug heisses Wasser und eine Tasse dazu. Er erzählte Christine, dass ein Gast die Bemerkung fallen liess: „Die haben wir gerne, die ihren eigenen Tee mitbringen und für das Wasser nichts bezahlen müssen.“ Darüber lachte er. Danach suchte er die Apotheke auf, ging anschliessend wieder ins Restaurant, um die Bettflasche mit heissem Wasser aufzufüllen. Zwei Tage lag sie nur im Bett und hatte kaum Appetit. Christine raffte sich am dritten Tag auf und besuchte ihre Eltern, sie blieb nur eine Nacht. Pierre traf sie am Morgen früh, um dann zurück in die Schweiz zu fahren. Natürlich wollte Mutter wissen, wie sie hergekommen ist. „Ich konnte mit jemanden mitfahren, da dachte ich, ich nütze die Gelegenheit aus, auch wenn es nur ein kurzer Besuch bei euch wird, weil ich schon so lange nicht mehr hier war. Es freut mich, dass es euch gut geht, aber jetzt muss ich wieder weiter.“ Christine verabschiedete sich und lief die Strasse bis zum Parkplatz hinunter, wo Pierre bereits wartete. Sie stieg ein, er verstaute ihre Tasche und fuhr dann aus dem Parkplatz raus. Auf einmal sah Christine ihre Mutter, die stoppte das Auto. Christine: „Oh, meine Mutter!“ Sie kurbelte das Fenster herunter. Mutter: „Hast a Geld?“ Christine war geschockt. Sie hatte ihre Geldbörse in ihrer Tasche im Kofferraum und sah Pierre an: „Leih mir bitte schnell Geld ich will nicht aussteigen. Pierre hatte nur grosse Noten, zog hundert Franken heraus und gab es Christine. Kaum hatte sie die in der Hand, nahm Mutter ihr die Note ab und ging wortlos weg. Pierre fuhr sofort brausend los: „Das war nur eine 'Fata Morgana' sag nichts, trinke deinen Tee, den ich dir mitgebracht habe.“ Christine: „Ich schäme mich!“ „Du musst dich nicht für andere schämen, vergiss es.“ „Leichter gesagt als getan, mein Gott, was ist nur in sie gefahren.“ „Bitte Christine du kannst nichts dafür, sprich nicht mehr darüber. Aus und vorbei. Lass dich nicht kaputt machen, ja! Ich möchte dich glücklich sehen, wir halten zusammen. Du kommst mit deinen Kindern mit auf die Insel, ich werde alles tun, das verspreche ich dir, damit es gut geht.“ „Also gut! Ich denke, in etwa einer Woche wäre ich bereit. Karl wird noch weg sein und die Kinder zurück vom Lager. Ist das für dich auch passend?“ Und ob! Du machst mich wirklich glücklich und Madame wird sich freuen, dass wir uns endlich gefunden und entschieden haben! Ich werde alles gut vorbereiten. Nimm bitte alle wichtigen Papiere von dir und den Kindern mit, du wirst sehen wir schaffen es.“

Ein deutscher Bergsteiger, der mit Pierre schon mehrere Berge bezwungen hat, kam ihn besuchen. Er hat ihn überredet mit ihm wieder auf den Mont Blanc zu kommen, nicht ganz hinauf möchte er und dann über den Gletscher mit den Skiern herunterfahren. Pierre sprach mit Christine darüber, sie war gar nicht begeistert, dass er jetzt, wo sie doch in ein paar Tagen wegfahren wollen, noch so eine Tour machen will. „Ehrlich gesagt habe ich kein gutes Gefühl dabei. Irgend was sagt mir, du sollst nicht gehen, bleib doch hier!“ Er liess sich nicht abhalten: „Keine Angst! Ich werde vorsichtig sein, bin bald wieder zurück“, er lachte dabei und drückte sie fest an sich.

Suche nach den Vermissten
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2.53.  Au-pair in der Schweiz 2 – Suche nach den Vermissten.

Vier Tage vergingen, Pierre meldete sich nicht zurück. Frau Portmann kam spät an die Bar: „Hallo Christine, ein Gläschen Wein für mich wie immer.“ „Was gibt es Neues?“ „Pierre hat sich in der letzten Zeit so ungewohnt benommen und jetzt ist er auch noch Bergsteigen gegangen. Stell dir vor auf den Mont Blanc. Madam ist es gewohnt, dass er jeden Tag anruft, ob er etwas erledigen kann oder so. Sie hat schon herumtelefoniert, aber niemand weiss, wo er steckt. Morgen fliegen wieder zwei Rettungshelikopter die Gegend ab und eine Suchpatrouille macht sich auch auf den Weg, zu der Stelle, wo die beiden zuletzt gesehen worden sind. In der Zeitung steht, dass sie vermisst sind, sich eventuell verirrt haben. Hoffen wir, dass sie Heil zurückkommen.“ Christine fing an zu zittern, die Flasche Gin stand gerade vor ihr. Sie nahm ein Glas, schenkte ein und trank es aus. Gut war der Arbeitstag zu Ende. Sie fuhr nach Hause, dort war sie jetzt allein. So nahm sie zwei von Karls Schlaftabletten und legte sich aufs Bett.

Die Tage vergingen. Karl und die Kinder kamen zurück, beide Mädchen schienen eine gute Zeit verbracht zu haben. Sie erzählten von ihren Abenteuern und wie lustig es war. Karl hatte kleine Blutflecken vorne auf seinem Hemd. Christine machte ihn darauf aufmerksam. Er erschrak: „Wo kommen die den her?“ Er zog sein Hemd aus, auf der Brust waren einige Kratzspuren zwischen seinen Haaren. Christine gab ihm eine Heilcreme, damit soll er sich eincremen. Dann schaute sie genauer hin und sah wie ein paar Läuse sich auf seiner Brust bewegten. „Uh! Eklig, du hast Filzläuse, soviel ich das erkennen kann. Geh sofort weg in die Apotheke und frag nach einem Mittel, damit du sie loswirst.“ Sie gab ihm das Hemd zurück und schob ihn zur Tür hinaus. In der Apotheke wurde er schon zuerst mal mit DDT auf der Brust behandelt. Sie gaben ihn noch eine spezielle Flüssigkeit zum Duschen und ein Spray für die Kleider mit. Zu Hause nahm er seine Kleider ins Bad und hielt sich dort länger auf. Gut waren die Mädchen in ihrem Zimmer und hatten nichts mitbekommen. Als Christine seine übrigen Kleider auch ins Bad bringen wollte, fiel ein Foto auf den Boden, darauf abgebildet war ein etwa zehnjähriges Mädchen. Sie fragte Karl, wer das ist: „Das ist die Tochter meiner Ex-Freundin Rosl.“ „Und warum trägst du das mit dir herum?“ „Ihre Schwester hat es mir gegeben.“ „Warum?“ „Weiss ich auch nicht, vielleicht sucht sie einen Vater dazu, sie ist damals zugleich mit einem Franzosen gezogen. Der schaut eher dem Kind ähnlich, mich hat sie wegen dem nie konfrontiert“. Christine holte ein kleines Foto, dass sie und die beiden Mädchen zeigt. „Das kannst jetzt in deine Brieftasche stecken, damit es nicht irgendwo auf den Boden rutscht.“

Christine legte sich für die Nacht auf das Sofa im Wohnzimmer und fing bitter zu weinen an. „Was für ein Leben!“, dachte sie. Sie hielt den Herzanhänger von Pierre, den sie um den Hals trug fest in ihrer Hand und schlief dann endlich ein. Am nächsten Morgen legte sie Gurkenscheiben auf ihre Augenlider, um die geschwollenen Stellen, zu beruhigen. Karl machte leise sein Frühstück und fuhr zur Arbeit. Als er abends nach Hause kam berichtete Christine von Pierre und seinen Kollegen. Sie zeigte ihm einen Zeitungsausschnitt. 'Am Mont Blanc vermisst'. Karl: „Ja bei den Bergsteigern ist es so, 'Der Berg ruft' heisst es in Tirol. Das ist jetzt schon so lange her, ich glaub nicht, dass die noch lebend gefunden werden. Schade er war ein guter Kerl.“ Christine drehte sich um, ihre Augen füllten sich mit Tränen.

An ihrer Arbeitsstelle wurde alles für die Liquidation und das Haus für den Verkauf vorbereitet. Wo Pierre gearbeitet hatte, war schon länger geschlossen und keine Nachricht kam durch.

Neue Arbeitsstelle
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2.54.  Au-pair in der Schweiz 2 – Neue Arbeitsstelle.

Frau Berger, die Wirtin wurde vom Hotel Bellevue-Palace telefonisch angefragt, ob Christine schon eine andere Anstellung habe. Sie würden sie gerne zu einem Interview einladen und sie eventuell in ihrem Team aufnehmen. Christine war zu Hause, als sie die Nachricht von Frau Berger bekam. Inzwischen aber hatte sie Dorli, ihre frühere Arbeitskollegin besucht. Sie arbeitet an verschiedenen Anlässen. „Bist dabei und verdienst so mehr als irgendwo als Aushilfe oder so“, machte sie Christine 'gluschtig' mit ihr zu arbeiten und Dorli hatte sich schon für das kommende Wochenende angemeldet. Christine: „Ich probiere es einmal, kannst mich anmelden.“ Ein Hornusser Fest auf dem Lande. Das war harte Arbeit auf den provisorisch hergerichteten Feldboden hinter der Bierausschank Theke zu stehen. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Sie bekam von der Festorganisation eine Liste der Anlässe, wo sie mitarbeiten könne. Es waren auch interessante Messen darunter, die sie ankreuzte. Aber trotzdem war sie neugierig, was das Hotel Bellevue-Palace ihr zu bieten hat. Dorli und sie wollten sich dort einmal umschauen, beide waren noch nie in diesen vornehmen Palace. Sie konnten die grossen und kleinen Salons besichtigen. Es war Nachmittag und nur wenig Personal huschte herum, in der Bar war gar niemand. Die meisten Gäste befanden sich auf der Terrasse. Dorli nahm eine Getränkekarte und sah sie kurz an. „Wer kann das bezahlen? Wenn du da Prozente bekommst, bist du gut dran.“ Die Aussicht von der Terrasse aus war grandios. Sodann verliessen sie das Haus. Auf der gegenüber liegende Seite des Hotels waren ein paar teure Boutiquen, eine davon hatte 'Total Ausverkauf' angeschrieben. Christine wollte hineingehen. Dorli: „Das ist nichts für mich, kannst alleine wühlen gehen, ich habe keine Zeit mehr. Tschüss, bis dann.“ Sie gab ihr die Hand und ging weg. Christine aber sah sich um, wurde freundlich begrüsst. Sie fand aber alles, was ihr gefiel, immer noch viel zu teuer. Die Verkäuferin verriet ihr, dass in zwei Tagen alles noch viel mehr reduziert sein wird. Sie solle dann noch mal vorbeikommen, bevor es ganz geschlossen wird. „Also dann in zwei Tagen, vielleicht hat es dann noch was für mich.“

So war es dann auch. Es waren Unterwäsche und Kleider in grauen Säcken, an denen die Konfektiongrösse angeschrieben war. Christine wollte aber wissen, was alles drinnen war und sah sich die Sachen genauer an. Sie fand zwei Seidentrikot Wickelkleider, ein grünes und ein violettes und ein schwarzes Seidenkleid, plus rote Dior Spitzen Unterwäsche und Marken Strumpfhosen, mit dem verlangten Preis war sie einverstanden. Die Verkäuferin zeigte ihr noch eine Gucci Einkaufstasche, die sie nicht verkaufen konnte. Christine nahm sie, weil diese fast gratis war und freute sich über ihren Einkauf. Am Tag darauf machte sie einen Termin im Hotel Bellevue-Palace ab, um sich dort vorzustellen. Natürlich zog sie das schwarze Seidenkleid und Schuhe mit hohen Absätzen an. Sie nahm ihre Papiere und noch anderes Zeugs in ihrer Gucci Tasche mit. Im Hotel kam ihr, wie es sich erst später herausstellte, der Vizedirektor entgegen und begrüsste sie. Christine grüsste freundlich: „Man hat mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, jetzt bin ich da,“ lächelte sie. „Oh, dann ruf ich noch den Personalchef dazu, einen Moment bitte. Ach, wie ist ihr Name?“ Er ging telefonieren und kam nach ein paar Minuten wieder zurück. „Wir setzen uns hier in die Halle, was möchten sie gerne trinken, Kaffee, Tee?“ „Ein Glas Mineral Wasser gerne, nicht zu kalt bitte.“ Ihr wurden anschliessend ziemlich viele Fragen gestellt. Christine unterbrach: „So viele Fragen sind mir noch nie gestellt worden. Also ganz kurz, ich kann viermal unter der Woche abends ab siebzehn Uhr meinen Dienst anbieten. Wochenende geht manchmal auch, mehr geht nicht, denn ich habe noch Familie.“ Der Personalchef notierte alles auf einem Block. Christine zückte ihre Visitenkarte, die mit einem Porträt versehen war. „Sie haben noch keine Adresse und Telefonnummer von mir, hier bitte.“ Sie überreichte diese dem Personalchef. „Ja gut, dann zeige ich ihnen die Räumlichkeiten und die Bar.“ Christine ganz freundlich: „Entschuldigen sie bitte, ich kenne das alles schon.“ Der Vizedirektor stand auf und verabschiedete sich: „Wir sehen uns dann bei der Arbeit.“ Christine erstaunt und erhob sich vom Stuhl. Dann zum Personalchef: „Bevor ich es vergesse, ich habe gehört sie bezahlen auch Stundenlohn, möchte nur sagen, damit wäre ich einverstanden. Natürlich, nur wenn der stimmt“, sagte sie fast im Scherz. Der junge Personalchef war etwas verwirrt. „Rufen sie mich bitte an, wenn sie sich entschieden haben. Ich würde gerne hier arbeiten“, sie streckte ihm höflich die Hand hin und verabschiedete sich mit einem breiten Lächeln. Danach stolzierte sie am Parlament Gebäude vorbei und setzte sich, in dem anschliessenden Park, auf eine Bank. Die Sonne blinzelte durch die Bäume, die Blumen rings herum, es ist so schön hier, nur die Tauben störten sie. Also ging sie zu ihrem Auto und fuhr nach Hause.

Pierres Beerdigung
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2.55.  Au-pair in der Schweiz 2 – Pierres Beerdigung.

Der Alltagstrott holte sie wieder ein. Eines Tages rief Frau Portmann an. „Hallo Christine, ich wollte nur fragen, ob ihr auch zu Pierres Beerdigung kommt und ich mit euch mitfahren könnte, denn mit dem Zug ist es so umständlich. Zurück kann ich dann sicher mit jemanden anderen.“ Christine rutschte neben dem Telefon bis an den Boden. „Hallo, hallo!“ Hörte sie dann. „Entschuldigung, ja ich bin noch da. Ich habe von allem nichts gewusst, wann ist die Beerdigung und wo? Seit wann weiss man....“ Frau Portmann: „Ich habe Clara angerufen, nachdem Madam erfahren hat, dass eine Suchtruppe sie endlich gefunden hat. Beide waren in einer Gletscherspalte eingeklemmt und erfroren. Madam hat viel Geld ausgegeben, um sie zu suchen. Ein Skifahrer hat eine Leuchtraketenpatrone gefunden und gewusst, dass nach jemanden gesucht wird. Er hat das gemeldet und die Stelle vorher angezeichnet. Das ist alles, was ich weiss. Die Beerdigung ist Morgen, man trifft sich in der Kirche beim Friedhof, ich weiss wo das ist. Wenn, wir um zehn Uhr wegfahren sind wir pünktlich dort.“ Christine: „Dann um zehn Uhr, wir holen Sie ab.“ „Danke, bis Morgen!“ Christine rief Karl in der Firma an, dass wenn er mitkommen will, muss er Morgen freinehmen. Jetzt hoffte sie nur noch die Kraft zu haben, ohne Probleme dort hinzufahren.

Am Treffpunkt gab Frau Portmann ihr noch einen Berichtausschnitt aus der Zeitung in die Hand. Christine bat sie vorne Platz zu nehmen, damit sie ihr den Weg weisen kann. Karl murmelte etwas, sie sah im Rückspiegel, dass ihm das nicht passte. Christine war froh, dass er ihr, wie üblich beim Fahren, nicht reinreden konnte. Beim Aussteigen vor der Kirche zischte er. „Die hätte dir die Strecke auch vom hinteren Sitz aus zeigen können.“ Christine folgte Frau Portmann in die Kirche. In einer Bank waren in der Mitte noch zwei Plätze frei. Karl blieb hinten stehen. Nach der Messe stand Clara beim Kirchentor und jeder schüttelte ihr die Hand. Als Christine vor ihr stand, schlang Clara ihre Arme für einige Sekunden um sie und schaute sie an: „Schön, dass du gekommen bist. Danke!“ Christine war überrascht, wie viel wusste sie von der Affäre? Ihr Blick senkte sich auf den Boden. Frau Portmann erwähnte, dass alle anschliessend zu einem Essen eingeladen sind. Christine: „Wir bleiben nicht, wir fahren jetzt schon nach Hause.“ Sie sah noch das Kreuz mit einem dicken Bergsteiger Seil umwickelt, dann zupfte sie Karl am Ärmel: „Was ist?“ „Wir gehen jetzt.“ „Wieso?“ Christine lief zum Auto. „Mir ist nicht gut, es ist besser, wenn wir jetzt losfahren.“ „Jetzt sind wir so weit gefahren. Wir hätten wenigstens gratis essen können.“ „Bei der letzten Einladung von Pierre hast du zu Clara die blöde Bemerkung gemacht, dass es eine Bratwurst auch getan hätte. Die kannst du jetzt zu Hause haben. Würdest du dich bitte hinten hineinsetzen, denn ich möchte mit Ruhe nach Hause fahren können.“ Das tat er natürlich nicht.

Frau Berger rief an: „Christine da ist Notar Steiner, er sucht sie, er müsse persönlich einen Brief an sie abgeben, was soll ich ihm sagen?“ „Kann er 15 Minuten warten, ich komme mit dem Auto vorbei.“ Nach ein paar Sekunden: „Er wird warten.“ Christine hielt vor dem Restaurant an, stieg aus und sah einen Mann mit einem Briefumschlag in der Hand. Er stellte sich vor: „Sind sie Christine? Es tut mir leid, wir haben zusammen einen guten Freund verloren.“ Er gab bekannt, dass er Pierre sehr gut kannte und mit ihm auch oft in den Bergen war. Er habe diesen Brief schon vor längerer Zeit bei ihm deponiert, mit dem Auftrag, sollte ihm einmal etwas passieren, dann möchte er, dass ich ihnen den Brief persönlich übergebe. „Ich denke darin sind Unterlagen, die sehr persönlich sind. Nun bitte nehmen Sie ihn.“ Christine nahm den Brief und gab ihm die Hand: „Danke!“ Mehr brachte sie nicht hervor. Sie stieg ins Auto und fuhr wieder nach Hause. Mit zitterten Händen, öffnete sie den Umschlag. Darin waren zehn Tausender Noten zwischen einem leeren Briefpapier. Auf dem Umschlag stand nur 'Christine.'

Später suchte sie den Bankdirektor auf, den sie durch ihre Arbeit kannte. Er half ihr, zu ihrer Sicherheit, damit das Geld bei ihr bleibe, ein 'graues Konto' zu eröffnen. Er erklärte ihr alles darüber, so zahlte sie öfter wieder etwas ein, und er riet ihr auch in ein paar guten Aktien zu investieren, was sie auch tat.

Christine fügte sich dem Schicksal
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2.56.  Au-pair in der Schweiz 2 – Christine fügte sich dem Schicksal.

Sie sah zu, dass die Mädchen gerne in die Schule gingen. Und bei den kleinsten Problemen suchte sie ein Gespräch mit den Lehrern. Sie nahmen Ballettunterricht und sangen im Kirchenchor, beides wurde im Fernsehen gezeigt. Darauf war die ganze Familie richtig stolz. Schwimmen, Schlittschuhlaufen und Skifahren waren ihre Freizeitaktivitäten. Später kam noch Musik dazu, Klavier und Gitarre wurde gekauft. Viele Sportarten waren durch Jugend und Sport organisiert und unterrichtet. Klavierstunden gab es im Konservatorium und Simone nahm klassischen Gitarrenunterricht in einem Musikgeschäft.

In manchen Jahren versuchte man Familienferien zusammen zu machen. Doch meistens waren sie von Karl getrennt. Denn es kamen immer wieder Unstimmigkeiten auf. Zum Beispiel war die Unterkunft unterwegs des Öfteren für Karl nicht gut genug. Krass war es, als es einmal sehr spät abends wurde. Christine stoppte dann beim nächsten Hotel, da war nur noch ein Zimmer frei. Das nahm sie und liess die beiden Mädchen darin schlafen. Sie waren nicht erlaubt, das Zimmer mit ihnen zu teilen. Karl und Christine hatten jetzt nur noch die Wahl entweder in einer Zelle der Polizei zu schlafen, die sie offeriert bekamen, oder in deren geschützten Hof im Auto zu übernachten. Man entschied sich die Vordersitzlehnen so weit wie möglich flachzulegen, denn anders ging es nicht. Das war auf dem Weg zu Mont St. Michael im Nord-Westen von Frankreich. Karl hatte in einem Buch darüber gelesen und meinte, dort sollte man hinfahren, dass möchte er gerne sehen. Christine sah sich die Landkarte an. Sie rechnete mindesten zwei bis drei Tage bis dort hin. Sie sah dann auch, dass es möglich wäre, die Insel Jersey mit einer Fähre von St. Malo aus zu erreichen. Jetzt hätte sie die Gelegenheit das Hotel zu sehen, in dem Pierre und sie mit den beiden Mädchen ihr Leben verbringen wollten. In St. Malo fanden sie ein kleines Schloss, das B&B mit Parkplatz anbot. Christine forderte die Mädchen auf jetzt ihr Französisch zu benutzen und alleine zwei Zimmern für drei Nächte zu buchen. Sie hielt Karl zurück, als er hineingehen wollte. „Was ist, wenn es teuer ist?“ „Wir haben letzte Nacht fürs Hotel nichts ausgegeben.“ Es klappte wunderbar, die Hotel Besitzerin zeigte ihnen dann die winzigen Zimmer im Schloss, was für die romantische Simone ein bisschen enttäuschend war.

Den ersten Tag verbrachten sie auf Mont St. Michael und dem Städtchen am Fuss des Berges. Als es wieder Ebbe wurde und sich das Wasser zurückzog, konnten sie wieder das Festland erreichen. Es war ein wunderschöner interessanter Ausflug.
St. Malo war eine kleine Hafenstadt. Auf einer grossen Tafel standen die Abfahrtszeiten und der Preis zu den verschiedenen Destinationen. Christine buchte schon am Vorabend Tickets für die Fähre nach Jersey und zurück. Für sie war es richtig spannend, was sie da antreffen wird.

Bei der Abfahrt, am nächsten Morgen, regnete es und man sah vom Schiff aus nur Wasser. Sie hatten alle eine Regen Pelerine mit, Karl seinen Regenschirm. Auf Jersey wussten sie nicht, in welche Richtung sie am besten gehen sollten, denn es war neblig und man konnte nicht viel sehen. Christine sah sich jede Richtung-Tafel an, eine zeigte zu einem Strand und zu verschiedenen Hotels. Sie entdeckte den Namen des Hotels, das sie suchte. „Kommt, wir gehen zum Strand, dort gibt es Restaurants und Coffeeshops, da wärmen wir uns erstmals auf.“ Sie trotteten dort hin, mussten auf den Stegen bleiben, denn der Strand war mehr Schlamm als Sand. Christine lotste sie in das Hotel, das sie sehen wollte. Von aussen ein herrschaftliches Gebäude, so typisch Englisch. Drinnen standen antike Möbeln und nicht gerade saubere Sitzgelegenheiten. Die Tapeten haben auch schon bessere Zeiten erlebt. Man sah riesige Kronleuchter und Gold verzierten Stuck an der Decke. Ein abgelaufener Teppichboden beim Eingang war mit Tüchern abgedeckt. Die Halle war Riesen gross. In einem kleineren Saal wurden Speisen und Getränke serviert, dort setzten sie sich hin. Christine fragte nicht lang, was wer trinken wollte und bestellte Tee. Dieser wurde auf einem silbernen Tablett in einer silbernen Teekanne und feinem Porzellantassen serviert. Ein Kellner kam mit einem Wagen voller Sandwiches und Kuchen an den Tisch, so nahm jeder etwas zu sich. Christine suchte die Toilette auf und sprang noch die Treppe in den ersten Stock hinauf. Ein schwarzes Zimmermädchen war gerade dabei die vier Posten Betten zu ordnen, mit all den Vorhängen dran. Irgendwie kam es ihr geisterhaft vor. Nein, das wäre nichts für sie und den Mädchen gewesen. Hier hätten sie sicher nicht ihr Glück gefunden. In der Stadt war auch nicht viel zu sehen, alte Kirchen, vielen Antiquitätenläden, Pubs und ein Gemüse und Blumenmarkt. Am Nachmittag wäre ein Blumenkorso gewesen. Doch der Regen hörte nicht auf, so entschlossen sie sich die nächste Fähre zurück nach St. Malo zu nehmen. Am Hafen waren noch ein paar alte Segelschiffe, die früher Sklaven von Afrika her transportierten, zu besichtigen. Doch sie alle hatten kein Interesse daran.

 

Arbeiten im Hotel Bellevue-Palace
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2.57.  Au-pair in der Schweiz 2 – Arbeiten im Hotel Bellevue-Palace.

Christine unterschrieb keinen Arbeitsvertrag, denn sie rechnete auch mit anderen Jobs, die sie gerne zwischendurch machen wollte. Der erste Einsatz im Hotel Bellevue-Palace war zu kontrollieren, ob die Tische sauber und professionell gedeckt waren und die Gäste bei Anlässen an ihre Plätze zuweisen und deren besondere Wünsche erledigt wurden. Sie arbeitete gut mit den zwei Chefs de Service zusammen. Jeder Anlass wurde vorher mit dem Personal durchgegangen, was zu tun und zu lassen war. Christine wurde angewiesen keine Aschenbecher zu leeren, dass sei nicht ihre Aufgabe.

(1) Hotel Bellevue-Palace - Christine im Chefteam

Hotel Bellevue-Palace - Christine im Chefteam


Besondere Beachtung war bei Staatsbesuch, hohe Politiker, Diplomaten und königlichen Gäste. Die wurden auch oft im 'Lohn' in Belp betreut. Christine begegnete viele Leute aus der ganzen Welt, darunter auch manche sensiblen Schauspieler. Es gab auch noch Situationen, da musste sie neben dem Hoteldirektor als seine Frau agieren und mit ihm die Gäste beim Eingang begrüssen. Seine Frau war froh, dass Christine sich dazu zur Verfügung stellte.


(2) Hotel Bellevue-Palace Team in Lohn, Belp - Aufenthalt Queen Elizabeth II und Prinz Philip

Hotel Bellevue-Palace Team in Lohn, Belp - Aufenthalt Queen Elizabeth II und Prinz Philip

Bei einer Cocktailparty von Künstlern, Werbeagenturen und Fotografen wurde Christine von einem anwesenden Herrn gefragt, ob sie nicht Lust hätte so nebenbei als Fotomodell zu arbeiten. Sie solle doch zu einem Casting kommen. Sie erwähnte, dass sie schon in London und in Zürich von Agenturen darauf angesprochen wurde, aber sie sich nicht vorstellen konnte, als Fotomodell zu arbeiten. Darauf gab er ihr eine Karte von seiner Agentur und notierte auf der hinteren Seite wann Castings stattfinden. „Es erstaunt mich gar nicht, dass ich nicht der Erste bin, der sie darauf anspricht. Ich hoffe sie melden sich bald bei uns.“ Ein paar Werbeleute und Fotografen beobachteten die Beiden.

Als sie das zu Hause erzählte, glaubte so niemand recht daran. Die Mädchen waren mit der Schule und ihren Hobbys beschäftigt und Karl mit Rennrad fahren, Bücher lesen und einem Kurs in Russisch. Um besser zu lernen, kaufte er noch verschiedene Hilfsmitteln. Später fing er auch an Gobelin zu sticken. Weil Christine für seine Mutter den Berner Zeitglockenturm, wie er meinte, nicht so genau stickte, machte er heimlich weiter und bis zuletzt noch selber fertig. In Tirol fand er noch weiteres vorgedrucktes Bild Material. So kamen einige Gobelin-Bilder zusammen, die für eine Ausstellung, die Christine organisierte, reichten. Natürlich fragte sie bei der lokalen Zeitung an, ob sie Interesse hätten vorbeizukommen. Karl war ganz überrascht, dass da ein Fotograf, an der Vernissage herum knipste und ein Journalist ihn interviewte.

Der Schritt zum Modell
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2.58.  Au-pair in der Schweiz 2 – Der Schritt zum Modell.

Christine entschied sich nach Zürich zu fahren, um eventuell als Modell arbeiten zu können. Sie meldete sich gleich bei beiden Modell-Agenturen, deren Visitenkarten sie bekommen hatte, an. Bei beiden wurde sie für eine Set-Karte fotografiert und man zeigte ihr die Bedingungen und die Gagen, die sie pro Stunde direkt ausbezahlt bekomme. Christine strich auf einer Liste, die Sachen, für die sie nicht zu haben sei. Zum Beispiel: Zigaretten, Alkohol, Bikini, Unterwäsche, Pelze. Für Modeschauen fand sie sich mit ihrer Kleidergrösse 38 zu wenig dünn und schon zu alt, im Vergleich zu den anderen Modells. Sie machte aber einige Male trotzdem mit und die Boutiquen hatten Erfolg im Verkauf, da endlich eine Normalgrösse und auch ein älteres Mannequin auf dem Laufsteg lief. Auch in der Zeitung wurde dies hervorgehoben. Sie wurde nach dem ersten Auftrag für ein Modeheft auf Doppel-Seite gezeigt und bald danach wieder aufgerufen. Meist arbeitete sie für Werbung verschiedener Produkte, auch für Broschüren, Banken, Versicherungen, TV Sendungen und bei einigen Filme machte sie auch noch mit. Der Verdienst war natürlich besser als in ihren anderen Jobs. Suchten die Agenturen gewisse Typen, die sie nicht in der Kartei hatten, fotografierte Christine Karl und die Nachbarn. Sogar sein Chef mit seiner Frau wollte mitmachen. Sie hatten alle Spass dabei und freuten sich über die gute Gage und das ihr Konterfei irgendwo zu sehen war. Karl wurde öfters mit der Gattin seines Chefs als Ehepaar aufgeboten, das hatte er nicht so gern, weil sie älter aussah, als seine eigene Frau.


(1) Model bei Joerg Kressig

Model bei Joerg Kressig

 

 


(2) Meyers Modeblatt

Meyers Modeblatt

 


(3) Fit im Alter mit Fitness Weltmeister Franco Carlotto

Fit im Alter mit Fitness Weltmeister Franco Carlotto

 

 

 


(4) Model bei Froehlich

Model bei Froehlich

 

 




(5) Christine in der Sendung von Kurt Aeschbacher “MODE, MACHER & MUSIK“.

Christine in der Sendung von Kurt Aeschbacher “MODE, MACHER & MUSIK“.




(6) Laufsteg

Modeschau Schweizerhof Passage

 


Christine half beim Styling, war Statistin in 12 verschiedenen internationalen Filmen und bekam auch kleinere Rollen. Sie spielte in drei Theater Aufführungen auf Berner Bühnen mit. Wobei das alles viel Spass machte, war aber die Gage einfach zu gering, so blieb sie weiter hin als Fotomodell und in der Gastronomie tätig.


(7) Christine und Klaus Löwitsch

Christine und Klaus Löwitsch




(8) Tatort - Christine wartet auf den Einsatz

Tatort - Christine wartet auf den Einsatz

 

(9) Lisi und der General - Christine und Walo Lüönd an der Premiere

Lisi und der General - Christine und Walo Lüönd an der Premiere

 


(10) Salome - Konservatorium in Bern (Christine in der Mitte)

Salome - Konservatorium in Bern (Christine in der Mitte)

 


(11) Styling von Christine für die Sepp Trütsch TV Sendung "Musik & Plausch"

Styling von Christine für die Sepp Trütsch TV Sendung "Musik & Plausch"

 


(12) Christine und Hazy Osterwald (Musik & Plausch)

Christine und Hazy Osterwald (Musik & Plausch)

 

 







Arbeiten an Messen
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2.59.  Au-pair in der Schweiz 2 – Arbeiten an Messen.

Da für einige Ausstellungen noch Personal gesucht wurde, rief Christine ihre Tante, Schwägerin und Lehrer in ihrer Heimatstadt an. Die waren froh für in so kurzer Zeit einen guten Lohn zu bekommen. Es gab nur ein Problem, Christines Eltern und eine Schwester hörten davon, und da Vater einen Lieferwagen hatte, fuhren sie alle mit. Die Anstellungen waren für zwei Messen hinter einander und noch dazu in zwei verschiedenen Grossstädten. Frau Schick und noch eine Nachbarin wollten auch dabei sein, sie beide konnten neben Christine arbeiten. Alle bekamen eine Arbeit zugeteilt, nur Schlafplätze waren zu wenig vorhanden und schwer zu finden. Doch bis zuletzt klappte alles.

Christine erschrak, als sie den Lieferwagen von Vater genauer ansah. Ziemlich verrostet und der Rost mit Farbe übermalen. Die Reifen waren gefährlich abgenutzt. Sie schlug ihm vor wenigstens bessere Reifen zu kaufen. Christine versprach diese zu bezahlen. Doch er stellte sich stur, wollte keine, noch sehr gute schon gebrauchte Reifen. Er wollte schliesslich nur solche, die neu auf gummiert waren. Christine fand eine Garage von einem Türken, der Reifen neu auf gummierte. Er warnte Vater, dass es Roststellen gibt, die gefährlich werden könnten. Dann wollte er noch wissen, wie er es geschafft habe, mit diesem Auto über die Schweizer Grenze zu kommen. Er hoffte, Vater verriet ihm den Schleichweg, den er genommen habe, aber scheinbar war es der normale Grenzübergang.

Bei der Arbeit war Vater nicht gewohnt, dass man ihn korrigierte. Er fand auch Wein, der noch in der Flasche zurückgeblieben war und er meinte, den sollte man nicht wegschütten, so trank er manchmal diesen. Als er dann einmal eine Ladung Mineralflaschen holte, konnte er die nicht mehr balancieren und das ganze fiel mit grossen Lärm, samt ihm selber, auf den Boden. Die Chefin sprang zu ihm und wollte ihn wieder auf die Beine helfen. Sie konnte noch seine Hand, die er für eine Ohrfeige ausgeholt hatte, abfangen. Zum Glück passierte das am letzten Arbeitstag.

Mutter fand, bei einer verwitweten Bankiers Frau, eine Schlafstelle. Als Christine sie abholte, erzählte die Bankiers Frau, dass sie Mutters ganze Lebensgeschichte erzählt bekommen habe und dabei seien auch Tränen geflossen. Sie habe ihr kalte Pommes-Fritten in Zeitungspapier mitgebracht, weil sie es Schade fand, die in den Abfallkübel zu schmeissen. Sie denke, dass Mutter wohl von den Kriegszeiten noch sehr geprägt sei. Als Christine für das Zimmer bezahlen wollte, nahm sie kein Geld an. Christine entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, die ihr Mutter verursachte. „Keine Ursache! Denn das ist sowieso das letzte Mal, dass ich während der Messe ein Zimmer vermiete.

Karl wollte ein neues Auto. Das zweite Auto, ein Ford Cortina, wurde von 'Sozial Neidern', in der Gemeinschaftsgarage vom Haus, zerkratzt. Es war auch ständig in Reparatur, was eine   nervige Angelegenheit war. Als sie die Genfer Autoausstellung besuchten, sahen sie einen roten Toyota Celica. Aber Garagen für diese Marke gab es noch keine, so kaufte sie das Ausstellungs-Modell zu einem günstigen Preis.

Christine wollte mit den verschiedenen Jobs stoppen, da man ihr ein gut gehendes Garni Hotel zur Übernahme anbot. Doch leider war Karl damit nicht einverstanden. Auch warum er nicht Schweizer werden wollte, kam erst viel später heraus. Er wollte zurück ins Südtirol, dort wo er geboren war.

Christines Töchter waren gut ausgebildet, haben geheiratet und beide sind nach Kanada ausgewandert, wo sie sich mit der Zeit sehr gut etablierten. Auch deren fünf Kinder haben Schule und Universität abgeschlossen und sind weiterhin auf gutem Wege.

Eigentlich hatte Christine schon länger vor sich scheiden zu lassen. Doch es kam anders.

Nach vielen Jahren die Wende
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2.60.  Au-pair in der Schweiz 2 – Nach vielen Jahren die Wende.

Karl hatte es schon lange im Hinterkopf, dass er nach seiner Pensionierung in sein Geburtsland Südtirol zurückkehren wollte. Darüber gesprochen hatte er nie.

Christines Pensionierung war noch einige Jahre entfernt. Hier machte sich natürlich auch der Altersunterschied von Beiden bemerkbar. Um den Hemmschwellen auszuweichen, kam der Gedanke einer Scheidung immer näher. Es störte sie auch, dass er in Tirol ein Bankkonto, mit einem Code, eröffnete und bereits Geld überwiesen hat.

Karl stand kurz vor seiner Pensionierung. Seine Schwester Traudl war inzwischen Witwe geworden und hatte auch vor nach Südtirol zurückzukehren. Als Christine das vernahm, kam für sie Südtirol überhaupt nicht infrage.
Sie hätte schon lange vorher gerne den Schweizer Pass beantragt, das ging zu der Zeit aber nur, wenn auch der Ehemann sich einbürgern liesse. Christine hatte das Wirte-Patent nicht umsonst schon früh erworben. Sie arbeitete sich bis zum Chefteam eines nobel Hotels vor, ohne Vertrag damit sie ihren Nebenjob als Fotomodell und Stylistin nach gehen konnte.

Sie lernte im "English Speaking Club" den Engländer Kevin Smyth näher kennen. Er wusste, was sie vorhatte und meinte: „Wenn du mit mir zusammen ziehst, kaufe ich ein Haus.“ Das kam Christine gerade recht von Bern weg zu ziehen. Sie zog dann später zu ihm ins neue Haus. Sie suchte eine Scheidungsanwältin auf und besprach sich mit Karl und ihr über das Vorhaben.

Die Scheidung kam nicht zustande, da Karl erfahren hatte, dass er unheilbar krebskrank sei und nicht mehr lange zu Leben habe. Er rief Christine an: „Du brauchst dich nicht mehr Scheiden zu lassen, ich bin jetzt im Spital, habe Krebs im letzten Stadium.“ Sie fuhr sofort zu ihm, fragte den zuständigen Arzt, wie es um ihn stehe, denn er sah gar nicht krank aus. Er lief gerne im Garten herum und ass seine Mahlzeiten ganz normal. Arzt: „Der Krebs ist sehr bösartig, wir rechnen, dass es höchstens noch zwei Wochen so geht. Christine fing an zu weinen, sie hatte richtig Mitleid mit dem Mann, mit dem sie 32 Jahre verheiratet war, und der sich so gefreut hat endlich in Pension zu gehen. Karl: „Musst kein Mitleid mit mir haben, ich hab gut gelebt und konnte machen, was ich wollte. Am meisten befürchtete ich, dass ich die Zähne, die jetzt schon fest wackeln verliere und mir die Haare ausfalle“, er lachte über seine Eitelkeit. „Ich bin halt so. Die Traudl und der Ernst wissen schon länger, wie es um mich steht. Gut ist, dass Mutter vor mir gestorben ist. Das wäre für sie unerträglich gewesen, denke ich.“ Christine: „Haben dich Traudl oder Ernst schon besucht?“ „Ach wo, die lassen sich halt Zeit.“ „Hast die Kinder schon angerufen?“ „Nein, das überlasse ich jetzt dir, du weisst besser, was zu tun ist. Ich habe beiden schon öfter zu verstehen gegeben, dass sie ohne dich nicht das wären, was sie jetzt sind.“ Christine „Und die bei der Arbeit, dein Chef, weiss er das du im Spital bist?“ Karl: „Ich bin ja erst einen Tag hier.“ „Ist schon gut, ich werde mich ans Telefon hängen, dann bis Morgen.“ Christine fuhr nach Hause, informierte zuerst die Kinder. Simone war zu ihrem zweiten Kind hochschwanger, aber kam trotzdem ins Spital. Elisabeth und ihr Mann Gregory nahmen das nächste Flugzeug von Vancouver Kanada nach Zürich, blieben die ganze Zeit in Bern, in Karls Nähe, bis er starb. Christine kam auch noch in der Nacht ins Spital, als es zu Ende ging.

Christine sprach mit ihren Töchtern über die Auflösung der Wohnung. Sie selber nahm jedes Mal ein Auto voll Sachen mit, das sie noch gebrauchen konnte, denn das Haus, wo sie jetzt wohnte, war halb leer. Simone nahm erst nach der Geburt ihres zweiten Sohnes einiges mit. Elisabeth packte so viel sie in all den Koffern, die sie finden konnte, ein und trotzdem blieben noch viele Gegenstände übrig. So klebte Christine Notizen an die Häuser über den Tod von Karl und den Verkauf an der Haushaltsauflösung.

In diese Zeit führte Christine eine Kantine in der Nähe ihres neuen Wohnortes. Zum Glück hatte eine Angestellte Interesse ihre Arbeit zu übernehmen. Sie tat das schon, wenn Christine einen Modellauftrag hatte und weg musste.

Ein Arbeitskollege von Karl half sehr viel mit, die Wohnung zu räumen. Leider hatte er die Hoffnung mit Christine zusammen zu kommen. Als sie ihm sagte, dass sie kein Interesse hatte und er besser zu seiner Frau und seinen Kindern zurückkehren solle, kam er nicht mehr, was gut war. Der Besitzer der Firma, wo Karl arbeitete, schrieb einen sehr schönen Brief, dass wenn Christine Hilfe brauche, solle sie ihn zuerst aufsuchen. Er unterstützte Simone finanziell schon während ihrem Studium. Er hatte auch den Aufenthalt von Karl in einer Privatklinik im Tessin bezahlt, als dieser damals Schlafprobleme hatte, sah zu, dass Christine eine gute Rente erhielt und sie jeden Monat noch einen Zustupf bis an ihr Lebensende bekommt.

Kevin und Christine sind Schweizer Bürger geworden und Mitglieder in einigen Clubs und kulturelle Anlässe und auch sozial tätig als freiwillige Helfer. Die T. Zunft Ennetbaden ehrte Christine mit einer Plakette, das sie als `Zunft Muse` bezeichnet. Ihre Kreationen besonders für die Dorf Dekorationen während der Fasnachtzeit waren gelobt.

(1) Fasnacht

Fasnacht


Sie haben sich zwei Jahre vor ihrer Pensionierung vermählt.

(2) Hochzeit

Hochzeit



---------------    ENDE  ---------------

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